F.A.Z.-Redakteur Kaube verteidigt Angriff auf die PSG

Von Johannes Stern
12. Dezember 2014

Auf einer Podiumsdiskussion im Deutschen Theater in Berlin verteidigte der zukünftige Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Jürgen Kaube, seinen Angriff auf die Partei für Soziale Gleichheit (PSG). Gleichzeitig erklärte er, dass die F.A.Z. keine Stellungnahme der PSG veröffentlichen werde.

Kaube hatte am 1. Dezember im Feuilleton der F.A.Z., das er ab dem kommenden Januar leiten wird, unter dem Titel „Mobbing trotzkistisch. Ein Berliner Historiker wird diffamiert“ einen verleumderischen Artikel gegen die PSG verfasst. Die PSG verlangte darauf in einem Brief an die Herausgeber der F.A.Z., dass diese auch eine Stellungnahme der PSG veröffentlicht. Die F.A.Z. hat weder auf diesen Brief reagiert, noch Telefonanrufe der PSG beantwortet.

Am vergangenen Freitag ergab sich jedoch die Gelegenheit, Kaube persönlich zur Rede zu stellen. Er sprach auf einer Diskussionsveranstaltung im Deutschen Theater, die sich – das ist keine Ironie – mit dem Thema Streit- und Diskussionskultur in der akademischen Welt befasste.

Als ein Mitglied der PSG Kaube in der Publikumsdiskussion auf seinen Artikel und die Stellungnahme der PSG ansprach, demonstrierte er, was die F.A.Z. unter „Diskussionskultur“ versteht. Er versuchte erneut, die Kritik der PSG an öffentlich geäußerten Standpunkten des Historikers Jörg Baberowski als „Diffamierung“ darzustellen.

Kaube erklärte: „Aber wissen Sie, das ist ja eine Technik, dass man sagt, jemand, ein Professor verteidigt Ernst Nolte. Sie wissen ganz genau, dass das Zitat auf das Sie sich berufen den Ernst Nolte des Historikerstreits meint, nicht den Ernst Nolte, der im European veröffentlicht oder irgendwas. Ich weiß nicht, ob Sie schon geboren waren, das ist 25 Jahre her.“

Tatsächlich ist der Nolte von heute derselbe Nolte wie der des Historikerstreits. Die Tatsache, dass er seit Jahren mit Äußerungen in die Öffentlichkeit tritt, die „leider keinen Zweifel daran lassen, dass er sich immer mehr zum Parteigänger der Rechtsradikalen entwickelt hat“ (Heinrich August Winkler), und die ihm den Vorwurf des „Hitler-Verteidigers“ einbringen (Roger Cohen in der New York Times), beweisen, dass seine Gegner im Historikerstreik 1986 Recht hatten. Sie hatten Nolte vorgeworfen, dass seine Darstellung des Nationalsozialismus als verständliche Reaktion auf den Bolschewismus zur Rechtfertigung des Hitler-Regimes und seiner Verbrechen führe. Noltes seitherige Evolution hat das bestätigt.

Baberowski ist ein überzeugter Anhänger Noltes. Im selben Spiegel-Artikel, in dem Baberowski erklärte, „Nolte wurde Unrecht getan. Er hatte historisch recht“, kam Nolte selbst ausführlich mit rechtsextremen Äußerungen zu Wort. Baberowski selbst bekannte, so der Spiegel, dass er bereits 1986 „Noltes Thesen in einem Hauptseminar verteidigte, als Einziger“.

Noltes Argumentationsmuster, dass der Bolschewismus das „Ursprüngliche“ und der Nationalsozialismus lediglich eine verständliche Reaktion darauf war, zieht sich wie ein roter Faden durch Baberowskis Werk. Auf diese Weise verharmlost er sogar den Vernichtungskrieg der Wehrmacht in der Sowjetunion. Was von Hitler und seinen Generälen sorgfältig geplant und vorbereitet war, sei ihnen „aufgezwungen“ worden, schrieb er 2007 in einem Aufsatz. Dort heißt es: „Stalin und seine Generäle zwangen der Wehrmacht einen Krieg neuen Typs auf, der die Zivilbevölkerung nicht mehr verschonte.“

Wie Nolte verharmlost auch Baberowski Hitler. Der Spiegel zitierte ihn mit den Worten: „Hitler war kein Psychopath, er war nicht grausam. Er wollte nicht, dass an seinem Tisch über die Judenvernichtung geredet wird.“

Um diese skandalöse Aussage zu verteidigen, griff im Deutschen Theater auch Kaube auf das klassische Argumentationsmuster Noltes zurück. Er erklärte, dass Baberowskis Ausspruch ja schließlich im Zusammenhang mit Stalin gefallen sei. Wörtlich sagte er: „Der Kontext war, die Frage war, was sind Unterschiede zwischen Hitler und Stalin? Und da hat Baberowski erläutert, dass Stalin Opferlisten selber ergänzt hat und sich darüber erfreut hat und er hat gesagt: Hitler hat das nicht getan.“ Baberowskis Aussage sei „einfach ein Zitat“.

Bereits im F.A.Z.-Artikel hatte Kaube der PSG unterstellt, „mittels Textcollagen und aus dem Kontext gelöster Zitate“ Baberowski zu „diffamieren“. In Wirklichkeit hat sie lediglich dessen reaktionäre Agenda einer breiteren Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht.

Politisch propagiert Baberowski öffentlich die völkerrechtswidrigen Methoden des Vernichtungskriegs, die er als Historiker rechtfertigt. Am 1. Oktober sagte er auf einer Podiumsdiskussion im Deutschen Historischen Museum (DHM) zum Thema „Interventionsmacht Deutschland?“ zur Bekämpfung der Taliban und des Islamischen Staats: „Und wenn man nicht bereit ist, Geiseln zu nehmen, Dörfer niederzubrennen und Menschen aufzuhängen und Furcht und Schrecken zu verbreiten, wie es die Terroristen tun, wenn man dazu nicht bereit ist, wird man eine solche Auseinandersetzung nicht gewinnen, dann soll man die Finger davon lassen.“

Auch diese Aussage hatte die PSG kritisiert. Baberowski sagte das nicht als jemand, der vor den schrecklichen Methoden imperialistischer Eroberungskriege warnt, sondern als kaltblütiger Realpolitiker. Sein Standpunkt ist, dass Deutschland nur dann militärisch intervenieren soll, wenn es bereit ist, brutaler als der Gegner vorzugehen, um so den Krieg auch zu gewinnen.

Auf der gleichen Veranstaltung hatte er erklärt: „Ja natürlich, Deutschland soll eine Funktion übernehmen und es ist wichtig, dass Deutschland Verantwortung übernimmt, vor allem in solchen Konflikten, die es selbst betreffen. Aber man sollte sich schon überlegen, für welchen Krieg man a) gerüstet ist, und ob man ihn b) gewinnen kann.“

Das Podium im Deutschen Theater war bemüht, die Diskussion über das Thema schnell zu unterdrücken. Als ein ausländischer Besucher Kaube die Frage stellte, ob dieser einen Zusammenhang zwischen den Äußerungen Baberowskis und der Rückkehr des deutschen Militarismus sehe, antwortete er: „ Ich bin überfragt. Ich verstehe nichts von diesen Dingen, die sie gerade angesprochen haben. Ich bin Soziologe.“ Christian Demand, der Moderator des Abends und der Herausgeber des Magazins Merkur, verbat sich darauf jede weitere Frage „zum Thema Baberowski“.

In ihrer Antwort an die F.A.Z. hatte die PSG die Frage gestellt, „warum niemand Baberowskis empörenden Äußerungen entgegentritt und warum er hochrangige Unterstützung findet“. Sie hatte erklärt: „Unserer Meinung nach hängt dies mit der anhaltenden Neuorientierung der deutschen Außenpolitik zusammen. Das ‚Ende der militärischen Zurückhaltung‘ erfordert eine neue, reaktionäre Interpretation der Geschichte. Ansichten, die lange diskreditiert waren und abgelehnt wurden, finden nun Zustimmung und stehen außerhalb jeglicher Kritik. Wer sie angreift, wird der ‚Diffamierung‘ beschuldigt.“

Die Veranstaltung im Deutschen Theater, die paradoxerweise den Titel „Intellektuelle Beißhemmung“ trug, hat diese Einschätzung bestätigt. Keiner der etwa 60 Anwesenden aus dem Milieu von Akademikern und Journalisten schien sich daran zu stören, dass in einer führenden deutschen Universität und im renommierten Feuilleton der F.A.Z. Professoren und Journalisten daran arbeiten, Nolte und mit ihm auch Hitler zu rehabilitieren.

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