Bewaffneter US-Panzerkonvoi: Militärische Provokation in Osteuropa

Von Stefan Steinberg
28. März 2015

Das amerikanische Militär organisiert in Osteuropa eine bewusste Provokation. Sie ist Teil der Nato-Vorbereitungen auf einen möglichen Krieg mit Russland.

Am vergangenen Samstag brach ein langer Konvoi gepanzerter amerikanischer Fahrzeuge zu einer fast 1800 Kilometer langen Fahrt durch ganz Osteuropa auf. Von Estland aus durchreist er Lettland, Litauen, Polen und die Tschechische Republik, bis er in Deutschland ankommt. Zwei weitere Gruppen starteten von ihren Stützpunkten in Litauen und Polen, und alle drei Truppenkontingente werden sich am 1. April bei der Kaserne Rose im deutschen Vilseck treffen.

Zuvor haben die US-Soldaten gemeinsam mit osteuropäischen Truppenkontingenten monatelange Manöver im Rahmen der Nato-Übung Atlantic Resolve Manoeuvre im Baltikum durchgeführt. Üblicherweise werden die an Manövern in Europa beteiligten amerikanischen Soldaten und ihre Ausrüstung anschließend per Bahn zu ihren Stützpunkten zurückgebracht. Dieses Mal fahren sie jedoch demonstrativ auf Hauptstraßen, um militärische Reaktionszeiten in einer Konfrontation mit Russland zu testen und die Bevölkerung in Osteuropa an die Anwesenheit amerikanischer Soldaten und Panzer auf ihren Straßen zu gewöhnen.

In einem Interview mit der Defense News and Army Times brachte der kommandierende General der US-Armee in Europa, Generalleutnant Ben Hodges, den Panzerkonvoi, der unter der Bezeichnung “Dragoon Ride” unterwegs ist, mit militärischen Operationen gegen Russland in Verbindung. „Diese Aktion ermöglicht uns, die militärische Bewegungsfreiheit in Osteuropa besser einzuschätzen. (…) Darum geht es, die US-Armee bewegt große Truppenkontingente über eine lange Strecke“, sagte Hodges. „Ich habe russische Manöver beobachtet. (…) Es gab mir zu denken, wie schnell sie 30.000 Soldaten und tausend Panzer verschieben können.“

Hodges bezeichnete den US-Konvoi als “sehr gute Gelegenheit”, die Fähigkeiten des US-Militärs zu testen. Parallel dazu testet die US-Armee die Infrastruktur ihrer osteuropäischen Verbündeten.

Der Konvoi ist Teil der massiven Aufrüstung amerikanischer und Nato-Truppen in Osteuropa und den baltischen Staaten. Letzten Monat gab Washington die so genannte European Reassurance Initiative bekannt. Sie beinhaltet schnellere Truppenrotationen und multilaterale Manöver, eine Aufstockung der militärischen Ausrüstung in ausgewählten osteuropäischen Ländern und mehr Militärhilfe an Länder, die Mitglieder der Nato oder mit dieser verbündet sind.

Bis zum Januar 2016 sollen ca. 220 Abrams- und Bradley-Panzer und achtzehn Howitzer-Geschütze auf Dauer nach Europa verlegt werden.

Hodges hat dem Nato-Kommandeur General Philip Breedlove vorgeschlagen, die Ausrüstung entweder in Deutschland zu stationieren oder vor Ort in so genannten Clustern zusammenzufassen. Einer der Cluster könnte das Baltikum abdecken, ein weiterer Polen und Ungarn, ein dritter Rumänien und Bulgarien und ein letzter Deutschland.

Zusätzlich will die US-Army Europe Ende April ihre Ausbildungsmission namens Operation Atlantic Resolve von Polen, Estland, Lettland und Litauen auf Rumänien, Bulgarien und Georgien ausdehnen. Für die Manöver in Georgien sollen amerikanische Bradleys über das Schwarze Meer nach Georgien gebracht werden.

Gleichzeitig mit der massiven Machtdemonstration in Osteuropa wird verstärkt die Forderung nach direkter Bewaffnung der ukrainischen Armee gegen Russland erhoben. Am Montag stimmte das Repräsentantenhaus mit großer Mehrheit für eine Resolution, die die Regierung in Washington auffordert, die Ukraine mit Waffen zu beliefern.

Die Obama-Regierung billigte bereits die Entsendung von Drohnen, Humvees und anderer militärischer Ausrüstung sowie von amerikanischem Militärpersonal nach Kiew. Truppen der 173. Luftlandebrigade werden demnächst die Ausbildung von drei Bataillonen der ukrainischen Nationalgarde übernehmen, um die ukrainischen Truppen an der ostukrainischen Front gegen die prorussischen Separatisten zu verstärken. Die Bataillone werden in der Nähe der westukrainischen Stadt Lwiw ausgebildet. Bei dem vom Westen unterstützten Putsch, der den damaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch stürzte, war Lwiw eine Hochburg der antirussischen, faschistischen Milizen.

Die USA schicken auch Antimörser-Radargeräte, um es der ukrainischen Artillerie zu ermöglichen, prorussische Stellungen aufzuspüren. Eine militärische Quelle befürwortete diese Initiative mit dem Argument, die USA könnten aus der ukrainischen Erfahrung lernen, da die US-Truppen "seit dem Vietnamkrieg nicht mehr von russischer Mörser-Artillerie beschossen worden“ seien.

In Polen begrüßte ein Berater des Verteidigungsministers General Boguslaw Pacek den US-Konvoi durch Osteuropa mit den Worten, er sei ein Signal „an den Osten“ (d.h. an Russland), dass die Nato stark und einig sei.

Am Montag führten kanadische und polnische Truppen in Drawsko Pomorskie im Nordosten Polens Manöver durch. Das Land erhöht seine eigene Verteidigungsfähigkeit durch die Mobilisierung von rund 12.000 Reservisten zur militärischen Ausbildung. Polen, ein besonders enger Verbündeter Amerikas in Europa, wird im laufenden Jahr große internationale Nato-Manöver ausrichten.

In fast allen osteuropäischen Staaten begrüßten ranghohe Politiker und Generäle die aggressive Machtdemonstration des US-Militärs. Gleichzeitig versuchten sie, jeden Widerstand im Keim zu ersticken. So wurden tschechische Zivilisten im Fernsehen davor gewarnt, den amerikanischen Militärkonvoi mit Tomaten und Eiern zu bewerfen. Jeder, der sich nicht an diese Anordnung halte, müsse mit einer bis zu dreijährigen Gefängnisstrafe rechnen.

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