75 Jahre seit der Ermordung Leo Trotzkis

Von Peter Schwarz
3. Dezember 2015

Die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) veranstaltetenMitte November in Berlin, Frankfurt und Bochum Treffen zum Thema „75 Jahre seit der Ermordung Leo Trotzkis“. Hauptredner war auf allen drei Veranstaltungen Peter Schwarz, Sekretär des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI) und Mitglied der Redaktion der WSWS. Wir veröffentlichen hier seinen Beitrag.

Die IYSSE-Veranstaltung an der Berliner Humboldt-Universität

Das Ereignis, das im Mittelpunkt unserer heutigen Veranstaltung steht, liegt 75 Jahre zurück. Es fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem nur Wenige in diesem Saal geboren waren. Trotzdem ist es von brennender Aktualität.

Als Leo Trotzki am 20. August 1940 vom stalinistischen Agenten Ramon Mercader erschlagen wurde, stand die Menschheit an der Schwelle der größten Katastrophe ihrer bisherigen Geschichte. In Deutschland, Italien und Spanien waren faschistische Regime an der Macht. Ein Jahr vorher hatte mit dem deutschen Einmarsch in Polen der Zweite Weltkrieg begonnen. In den folgenden fünf Jahren sollten achtzig Millionen Menschen an der Front, in Gaskammern, vor Erschießungskommandos und im Bombenhagel der Städte ums Leben kommen. Es waren die größten und bestialischsten Verbrechen der bisherigen Geschichte.

Der Mord an Trotzki stand in engem Zusammenhang mit der Vorbereitung dieser Verbrechen. Seine Ermordung war der Höhepunkt eines, wie der russische Historiker Wadim Rogowin schrieb, „politischen Völkermords“, dem eine ganze Generation revolutionärer Sozialisten zum Opfer fiel. Ohne diese Enthauptung der sozialistischen Arbeiterbewegung hätten, wie ich im Laufe meines Vortrags zeigen werde, der Zweite Weltkrieg und der Holocaust nicht stattfinden können.

Wer geglaubt hat, solche Verbrechen könnten sich nicht wiederholen, wurde in jüngster Zeit eines Besseren belehrt. Die kapitalistische Gesellschaft befindet sich wieder weltweit in einer tiefen Krise. Militarismus, Nationalismus und faschistische Kräfte sind auf dem Vormarsch.

Hier predigen Bundespräsident Gauck und Mitglieder der Regierung seit zwei Jahren, Deutschland müsse in der Welt politisch und militärisch wieder eine Rolle spielen, die seiner Größe und seinem Einfluss tatsächlich entspreche. Trotz überwältigender Opposition in der Bevölkerung treiben sie die Wiederbelebung des deutschen Militarismus systematisch voran. Am vergangenen Mittwoch organisierte die Bundeswehr vor dem Reichstag einen Fackelzug, der verheerend an die Aufmärsche im Dritten Reich erinnerte. Der Ruf nach einem Einsatz der Nato in Syrien wird immer lauter.

Rechtsextreme Organisationen wie Pegida und die AfD werden von den Medien hochgejubelt. Faschisten heißen jetzt nicht mehr Faschisten, sondern „besorgte Bürger“. Teile der Union und der bürgerlichen Medien drängen darauf, die Grenzen gegen Flüchtlinge abzuschotten.

Die schrecklichen Terroranschläge von Paris kamen wie gerufen, um diese Agenda voranzutreiben. Führende Zeitungen, allen voran die F.A.Z. und die Welt, vergleichen sie mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA. Die amerikanische Regierung hatte darauf mit nicht endenden Kriegen, massiven Angriffen auf demokratische Rechte und dem Aufbau eines Polizeistaats geantwortet, wie es ihn bisher in den USA nicht gab. Dasselbe streben nun die herrschenden Kreise Europas an.

So forderte der Chef des Springer-Verlags, Mathias Döpfner, in der Welt am Sonntag „eine Radikalisierung der gesellschaftlichen Mitte“. Die westlichen Demokratien stünden vor der schicksalhaften Frage: „Unterwerfung oder Kampf?“ Die Flüchtlingskrise und der Terror in Paris seien „die Brandbeschleuniger eines Kulturkampfes, der seit Langem schwelt“.

„Radikalisierung der Mittelschichten“ und „Kulturkampf“ – das hat man in Deutschland so ähnlich schon einmal gehört.

FAZ-Herausgeber Berthold Kohler schreibt mit unverhüllt rassistischem Unterton, mit den Flüchtlingszügen sei auch die Angst ins Land gekommen, „dass Deutschland sich bei dem Versuch, fremde Kulturen und Konflikte zu integrieren, hoffnungslos übernimmt und danach nicht mehr so sein kann, wie es sein will“. Er ruft zum Wechsel der Regierung auf: „Die Deutschen haben nichts gegen ein freundliches Gesicht an der Spitze ihrer Regierung. In solchen Zeiten aber wollen und müssen sie ein anderes sehen: ein hartes.“

Wen meint er mit einem „harten Gesicht“? Schäuble, Söder oder gar die AfD?

Die Kampagne für Militarismus und einen starken Staat hat bisher wenig Resonanz gefunden. In der Bevölkerung herrscht eine andere Stimmung vor. Das zeigt sich unter anderem in der Welle der Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge und der weit verbreiteten Ablehnung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

Aber diese weit verbreitete Opposition findet keinen politischen Ausdruck und verfügt über keine Perspektive. Es besteht die Gefahr, dass eine kleine rechte Clique die politische Initiative ergreift und die Richtung vorgibt. Ähnliches geschah am Ende der Weimarer Republik. Brüning, der mit Notverordnungen und der parlamentarischen Unterstützung der SPD regierte, und die beiden Generäle Papen und Schleicher, die ihm folgten, hatten kaum Unterstützung in der Bevölkerung. Sie hielten sich dank der Lähmung der Arbeiterklasse durch die katastrophale Politik ihrer Führung. Sie ebneten Hitler den Weg, dem die Macht durch eine Verschwörung im Amt des Reichspräsidenten übertragen wurde, als sich die Nazi-Partei bereits im Niedergang befand.

Um heute gegen die Gefahr von Krieg und Diktatur zu kämpfen, muss man die Lehren aus der damaligen Zeit studieren. Trotzkis Schriften sind dafür eine unverzichtbare Quelle. Seine Ermordung war ein schwerer Schlag gegen die Arbeiterklasse, der maßgeblich zur Stärkung der Reaktion beitrug.

Die Enthauptung der revolutionären Arbeiterbewegung

Wie ich bereits gesagt habe, war der Mord an Trotzki der Höhepunkt eines politischen Völkermords, dem eine ganze Generation revolutionärer Marxisten zum Opfer fiel.

Zwischen 1936 und 1938 verurteilte die herrschende stalinistische Bürokratie in den Moskauer Schauprozessen die bedeutendsten Führer der Oktoberrevolution unter erfundenen Anklagen zum Tode und richtete sie hin. Stalins Mordfeldzug beschränkte sich aber nicht auf die alten Bolschewiki, die er als unmittelbare politische Bedrohung seiner Herrschaft empfand. Auch Mitglieder ausländischer kommunistischer Parteien wurden in Massen erschossen. Schriftsteller, Musiker, Maler, Mathematiker, Biologen, Ökonomen und Ingenieure wurden verfolgt, in Lagern eingesperrt, gefoltert und abgeschlachtet.

Der stalinistische Terror richtete sich gegen die gesamte sozialistische Kultur, die von Marxisten – gerade auch hier in Deutschland – über Jahrzehnte hinweg entwickelt worden war, die tiefe Wurzeln im Bewusstsein der Arbeiterklasse geschlagen hatte und die in der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution eine enorme Blüte erfuhr. Trotzki war der herausragendste Vertreter dieser Generation marxistischer Revolutionäre, deren Ausrottung Stalin sich zum Ziel gesetzt hatte – und er war ohne sie nicht denkbar. Er vereinte in seiner Person viele der großartigsten Eigenschaften seiner Zeitgenossen.

1879 in der heutigen Ukraine geboren, hatte sich Trotzki in jungen Jahren der russischen sozialistischen Bewegung angeschlossen und wie alle Revolutionäre im zaristischen Russland die Schule von Verfolgung, Gefängnis und Exil durchlaufen. Seine schriftstellerischen Fähigkeiten und seine gründlichen literarischen Kenntnisse brachten ihm schon in jungen Jahren den Spitznamen „die Feder“ ein. Bertold Brecht bezeichnete ihn 1931 gegenüber Walter Benjamin als „größten lebenden Schriftsteller von Europa“.

Trotzki war der maßgebliche marxistische Theoretiker des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Theorie der permanenten Revolution, die er im Alter von 25 Jahren erstmals formulierte, ist unverzichtbar für das Verständnis der Dynamik der sozialistischen Revolution im Zeitalter der Weltwirtschaft oder, wie es heute heißt, der Globalisierung. Sie bildete die Grundlage der russischen Oktoberrevolution von 1917. Es gibt kaum ein wichtiges internationales Ereignis in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das Trotzki nicht gründlich analysiert hätte.

Trotzki war aber nicht nur marxistischer Schriftsteller und Theoretiker, sondern auch Massenredner, revolutionärer Organisator und Feldherr. Er galt neben dem französischen Sozialisten Jean Jaurès als größter sozialistischer Redner seiner Generation. In der russischen Revolution von 1905 übernahm er im Alter von 26 Jahren den Vorsitz des St. Petersburger „Sowjets der Arbeiterdeputierten“, des ersten Arbeiterrats der Geschichte. 1917 war er neben Lenin der wichtigste Führer der Oktoberrevolution. Im folgenden Bürgerkrieg organisierte und kommandierte er die Rote Armee.

Trotzkis nach einer eigenen Ansicht unverzichtbare Leistung war der Aufbau der Linken Opposition gegen den Stalinismus und die Gründung der Vierten Internationale im Jahr 1938. Sie sicherte zu einem Zeitpunkt, der von Krieg und Faschismus geprägt war, die Kontinuität der marxistischen Bewegung. Es ist deshalb kein Zufall, dass sich der stalinistische Terror unter dem Banner des Kampfs gegen den Trotzkismus entfaltete. Der bloße Verdacht, „Trotzkist“ zu sein, kam einem Todesurteil gleich. Das internationale, sozialistische Programm, das Trotzki entwickelte und für das er kämpfte, war in jeder Hinsicht die Negierung des nationalistischen Programms Stalins.

Die Enthauptung der revolutionären Arbeiterbewegung wurde von den imperialistischen Mächten, den faschistischen wie den demokratischen, begeistert unterstützt. Nicht ein großes demokratisches Land gewährte dem Gegner Stalins Asyl. Die New York Times, das Organ des liberalen amerikanischen Bürgertums, veröffentlichte Berichte ihres Korrespondenten Walter Duranty, der die plumpen Fälschungen der Moskauer Schauprozesse als unbestreitbare Wahrheit darstellte. Dasselbe tat der deutsche Schriftsteller Lion Feuchtwanger, der persönlich einem der Prozesse beiwohnte. Die sozialdemokratische Regierung Norwegens, wo Trotzki 1936 im Exil war, stellte ihn unter Hausarrest und hinderte ihn daran, sich gegen die ungeheuerlichen Anklagen aus Moskau zu verteidigen.

Der Schlag gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung war die Voraussetzung für den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust. Bereits der Erste Weltkrieg hatte bewiesen, dass nur die Arbeiterklasse einen imperialistischen Krieg verhindern und beenden kann. 1914 hatten sich alle bürgerlichen Parteien, einschließlich der opportunistischen Mehrheit der Sozialdemokratie, sowie die führenden Vertreter des Geisteslebens begeistert in das Gemetzel gestürzt, das Millionen junger Männer sinnlos auf dem Altar des Imperialismus opfern sollte. Sie verherrlichten einen Krieg als Mittel der Landesverteidigung und der Selbsterhaltung, bei dem es in Wirklichkeit um Profite, Absatzmärkte, Rohstoffe, Einflusssphären und Weltherrschaft ging.

Nur eine kleine Gruppe von sozialistischen Internationalisten – darunter Lenin, Trotzki, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht – widersetzte sich dem Kriegstaumel. Wenige Jahre später standen diese Sozialisten an der Spitze revolutionärer Massenbewegungen. Die russische Revolution vom Oktober 1917 und die deutsche Revolution vom November 1918 beendeten den Krieg.

Aber während die russischen Arbeiter unter Führung der Bolschewiki den eingeschlagenen Weg konsequent zu Ende gingen und die Ursache des Kriegs, den Kapitalismus, beseitigten, blieb die deutsche Revolution auf halbem Wege stehen. Die SPD tat sich mit den Spitzen der Reichswehr zusammen, um revolutionäre Arbeiteraufstände blutig niederzuschlagen und die Führer der neu gegründeten Kommunistischen Partei, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, zu ermorden. Das Ergebnis war die Weimarer Republik, eine Brutstätte der nationalistischen Reaktion und des Faschismus.

Als Antwort auf den Verrat der zweiten, sozialdemokratischen Internationale wurde 1919 in Moskau die dritte, Kommunistische Internationale gegründet. Sie gewann weltweit Millionen Anhänger. Die größte kommunistische Partei außerhalb der Sowjetunion war die deutsche KPD, die hunderttausende Mitglieder und Millionen Wähler zählte, bevor sie 1933 von Hitler zerschlagen wurde. Doch Stalins Politik zerstörte die Kommunistische Internationale. Sie wurde zur Quelle von politischer Desorientierung und verheerenden Niederlagen: 1926 in England, 1927 in China, 1933 in Deutschland und 1936 in Spanien und Frankreich, um nur die wichtigsten zu nennen. Die Führung ganzer Sektionen wurde ermordet. 1943 löste Stalin die Kommunistische Internationale offiziell auf.

Trotzkis Kampf gegen die stalinistische Politik der KPD

Es ist nicht möglich, im Rahmen dieses Vortrags auf all diese Ereignisse einzugehen. Ich beschränke mich auf Deutschland, wo die von Stalin beeinflusste Politik der KPD Hitlers Sieg ermöglichte. Ich werde dazu einige längere Absätze aus einem Artikel vorlesen, den Trotzki am 27. Januar 1932 unter dem Titel „Was nun?“ veröffentlichte, fast auf den Tag genau ein Jahr vor Hitlers Machtübernahme. Er ist nur einer von zahlreichen Artikeln, mit denen Trotzki damals versuchte, den verheerenden Kurs der KPD zu korrigieren. In der 1971 erschienen Ausgabe seiner „Schriften über Deutschland“ umfassen die zwischen 1929 und 1933 verfassten Beiträge fast 800 Seiten.

Ich zitiere auch deshalb länger aus Trotzkis Schriften, um jenen von Euch, die sie noch nicht kennen, einen Eindruck von dem Scharfblick und der Präzision zu vermitteln, mit denen er die politische Lage in Deutschland erfasste, vor der Gefahr des Faschismus warnte und für eine korrekte Politik dagegen kämpfte. Gleichzeitig zeigen sie, wie aktuell seine Artikel auch heute noch sind.

Trotzki beginnt mit einer Einschätzung der Lage Deutschlands. Er schreibt:

„Der russische Kapitalismus erwies sich infolge seiner außerordentlichen Zurückgebliebenheit als schwächstes Glied der imperialistischen Kette. Der deutsche Kapitalismus offenbart sich in der gegenwärtigen Krise aus dem entgegengesetzten Grunde als das schwächste Glied: er ist der fortgeschrittenste Kapitalismus unter den Bedingungen der europäischen Ausweglosigkeit. Je größer die innere dynamische Kraft der Produktivkräfte Deutschlands ist, desto mehr wird sie durch das europäische Staatensystem erdrosselt, das dem Käfig-System einer zusammengeschrumpften Provinzmenagerie gleicht. Jede Konjunkturschwankung stellt den deutschen Kapitalismus vor jene Aufgaben, die er mittels des Krieges zu lösen versucht hatte.“

Unter dem Regime des Kaisers hatte Deutschland, so Trotzki, versucht „Europa zu organisieren“, um das europäische „Käfig-System“ zu sprengen. Das führte zum Ersten Weltkrieg. Unter Hitler unternahm es einen zweiten Versuch, der in einer noch größeren Katastrophe endete. Nun setzt sich der exportabhängige deutsche Kapitalismus erneut das Ziel, als „Macht in der Mitte“ die Rolle des „Hegemons“ und des „Zuchtmeisters“ in Europa auszuüben und „gleichbefähigt mit den USA auf die Gestaltung der Weltordnung des 21. Jahrhunderts Einfluss“ zu nehmen. So fordert es – wörtlich – der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler.

Für Trotzki bestand ein untrennbarer Zusammenhang zwischen der äußeren und der inneren Krise der Weimarer Republik. Er schreibt:

„Die Fäulnis des Kapitalismus bedeutet soziale und kulturelle Fäulnis. Der fälligen Differenzierung der Nation, dem Wachstum des Proletariats auf Kosten der Zwischenklassen ist der Weg verlegt. Das weitere Anhalten der sozialen Krise kann nur Pauperisierung der Kleinbourgeoisie und lumpenproletarische Entartung immer größerer Schichten der Arbeiterklasse bedeuten. Diese Gefahr sitzt – einschneidender als alles andere – dem fortschrittlichen Deutschland an der Gurgel.“

Das verarmte Kleinbürgertum und das Lumpenproletariat bildeten die soziale Basis des Faschismus. Doch bevor ich zum Faschismus komme, will ich vorlesen, was Trotzki über die Sozialdemokratie schrieb. Auch das ist heute hochaktuell.

„Der verfaulteste Teil des faulenden kapitalistischen Europa ist die sozialdemokratische Bürokratie. Sie hatte ihren historischen Weg unter Marxens und Engels’ Banner angetreten und sich den Sturz der bürgerlichen Herrschaft zum Ziel gestellt. Der machtvolle Aufschwung des Kapitalismus nahm von ihr Besitz und schleifte sie hinter sich her. Sie verzichtete, erst in der Tat, dann auch in Worten, auf die Revolution im Namen der Reformen. …

Der Krieg brach aus. Die Sozialdemokratie unterstützte den Krieg im Namen künftiger Prosperität. Statt Prosperität kam Verfall. Jetzt bestand die Aufgabe nicht mehr darin, aus der Unzulänglichkeit des Kapitalismus die Notwendigkeit der Revolution zu folgern, auch nicht darin, durch Reformen die Arbeiter mit dem Kapitalismus auszusöhnen. Die neue Politik der Sozialdemokratie bestand darin, die bürgerliche Gesellschaft um den Preis des Verzichts auf Reformen zu retten.

Aber auch das war nicht die letzte Stufe der Entartung. Die gegenwärtige Krise des sterbenden Kapitalismus zwang die Sozialdemokratie, auf die Früchte des langen wirtschaftlichen und politischen Kampfes zu verzichten und die deutschen Arbeiter auf das Lebensniveau ihrer Väter, Großväter und Urgroßväter hinabzuführen. Es gibt kein tragischeres und gleichzeitig abstoßenderes historisches Schauspiel als die bösartige Fäulnis des Reformismus inmitten der Trümmer all seiner Errungenschaften und Hoffnungen.“

Man sollte dieses Zitat einrahmen, mit „Hartz IV“ überschreiben und im Willy-Brandt-Haus aufhängen!

Die Bourgeoisie konnte sich auf Dauer nicht auf die Sozialdemokratie stützen, deren Stimmen das Brüningregime an der Macht hielten, warnte Trotzki:

„Das Kapital braucht eine andere, entschiedenere Politik. Die Unterstützung der Sozialdemokratie, die sich nach den eigenen Arbeitern umsehen muss, ist nicht nur unzureichend für seine Ziele, – sie beginnt es bereits zu beengen. Die Periode der Halbmaßnahmen ist vorbei. Um zu versuchen, einen neuen Ausweg zu finden, muss sich die Bourgeoisie vollends des Drucks der Arbeiterorganisationen entledigen, sie hinwegräumen, zertrümmern, zersplittern. Hier setzt die historische Funktion des Faschismus ein. Er bringt jene Klassen auf die Beine, die sich unmittelbar über das Proletariat erheben und fürchten, in dessen Reihen gestürzt zu werden, organisiert und militarisiert sie unter Deckung des offiziellen Staates mit den Mitteln des Finanzkapitals und treibt sie zur Zertrümmerung der proletarischen Organisationen, der revolutionären wie der gemäßigten.

Der Faschismus ist nicht einfach ein System von Repressionen, Gewalttaten, Polizeiterror. Der Faschismus ist ein besonderes Staatssystem, begründet auf der Ausrottung aller Elemente proletarischer Demokratie in der bürgerlichen Gesellschaft. Die Aufgabe des Faschismus besteht nicht allein in der Zerschlagung der proletarischen Avantgarde, sondern auch darin, die ganze Klasse im Zustand erzwungener Zersplitterung zu halten. Dazu ist die physische Ausrottung der revolutionärsten Arbeiterschicht ungenügend. Es heißt, alle selbständigen und freiwilligen Organisationen zu zertrümmern, alle Stützpunkte des Proletariats zu zerstören und die Ergebnisse eines dreiviertel Jahrhunderts Arbeit der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften zu vernichten. Denn auf diese Arbeit stützt sich in letzter Instanz auch die Kommunistische Partei.“

KPD weigerte sich, die Gefahr des Faschismus überhaupt wahrzunehmen. Eine ihrer Parolen lautete: „Nach Hitler kommen wir“, als sei Hitlers Machtergreifung nur ein Übergangsstadium zur sozialistischen Revolution. Sie lehnte es strikt ab, für ein Verteidigungsbündnis aller Arbeiter gegen die faschistische Gefahr zu kämpfen. Dazu hätte sie sich mit dem Angebot einer Einheitsfront an die SPD wenden müssen. Stattdessen bezeichnete sie die Sozialdemokraten als „Sozialfaschisten“ und setzte sie mit den Nazis gleich.

„Der Sozialdemokratie die Verantwortung für Brünings Notverordnungssystem und die drohende faschistische Barbarei aufzuerlegen, ist vollkommen richtig, die Sozialdemokratie mit dem Faschismus zu identifizieren, vollkommen unsinnig“, antwortete Trotzki. Er kämpfte unermüdlich für eine Politik der Einheitsfront und wurde deshalb von den Stalinisten wütend beschimpft und verfolgt.

Am 30. Januar 1933 wurden Trotzkis Warnungen bestätigt. Reichspräsident Hindenburg ernannte Hitler zum Reichskanzler. Die KPD und die SPD blieben passiv. Im Gegensatz zu den Arbeiterführern entwickelte Hitler große Energie. Ende Februar brannte der Reichstag und die Führer der KPD wurden verhaftet. Im März verabschiedet der Reichstag das Ermächtigungsgesetz und legalisierte Hitlers Diktatur. Im Mai folgten, wie Trotzki vorausgesehen hatte, die Führer der SPD und der Gewerkschaften den Kommunisten in die Konzentrationslager.

Die Spaltung und Lähmung der Arbeiterbewegung durch ihre Führer hatte Hitlers Sieg ermöglicht. Dabei verfügten die SPD und die KPD zusammen über wesentlich stärkere Kräfte als die Nazis. Bei der Reichstagswahl im November 1932, zwei Monate vor Hitlers Machtübernahme, hatten die beiden Arbeiterparteien 13,3 Millionen Stimmen erhalten, die NSDAP 11,7 Millionen, zwei Millionen weniger als acht Monate zuvor. Erst nachdem alle selbständigen Arbeiterorganisationen zertrümmert und alle anderen Parteien verboten waren, dominierten die Nazis.

Im März 1933 schrieb Trotzki im Artikel „Hitlers Sieg – die Schande der Arbeiterführer“:

„Der Sieg der Partei der Verzweiflung war nur möglich, weil der Sozialismus, die Partei der Hoffnung, sich als unfähig erwies, die Macht zu ergreifen. Das deutsche Proletariat war sowohl an Zahl wie an Kultur stark genug, sein Ziel zu erreichen, aber die Führer der Arbeiterschaft haben sich als unfähig erwiesen.“

Als sich sowohl die KPD wie die Kommunistische Internationale weigerten, aus der schrecklichen Niederlage in Deutschland Lehren zu ziehen, zog Trotzki den Schluss, dass sie sich nicht mehr reformieren ließen, und rief zum Aufbau der Vierten Internationale auf, die 1938 gegründet wurde.

Warum beging Stalin diese Verbrechen?

Die beste Antwort auf diese Frage findet man in Trotzkis Schriften. Er hat die stalinistische Entartung der Sowjetunion in all ihren Aspekten analysiert. Er tat dies nicht als passiver Beobachter, sondern als konsequenter marxistischer Gegner des Stalinismus.

Inzwischen hat sich eine richtiggehende Geschichtsfälschungs-Industrie entwickelt, die behauptet, die stalinistische Diktatur sei die unausweichliche Folge der Oktoberrevolution von 1917 gewesen. Ein Vertreter dieser Schule ist Jörg Baberowski, Geschichtsprofessor an der Humboldt-Universität, der die Oktoberrevolution als „Pogrom“ bezeichnet, das alle Elemente der europäischen Zivilisation zerstört und einen „Gewaltraum“ geschaffen habe, aus dem nicht nur die Verbrechen des Stalinismus, sondern auch die der Nazis erwachsen seien.

Die Ironie dieser Auffassung besteht darin, dass Stalinisten und rabiate Antikommunisten übereinstimmen. Für beide ist der Stalinismus der legitime Erbe der Oktoberrevolution. Baberowski, der in seiner Jugend Maoist und Stalin-Anhänger war, musste seine Haltung in dieser Frage nicht ändern.

In Wirklichkeit verkörperte der Stalinismus die einsetzende Konterrevolution – den „Thermidor“, wie Trotzki in Anlehnung an die Französische Revolution sagte. Im Thermidor 1794 war die Jakobiner-Herrschaft Robespierres gestürzt und der Prozess eingeleitet worden, der schließlich zu Napoleons Kaiserherrschaft und zur Restauration des Königtums führte.

Die gesellschaftliche Basis des Stalinismus bildete die Bürokratie, die sich in der Sowjetunion aufgrund der wirtschaftlichen Rückständigkeit und der internationalen Isolation entwickelte. Sie saß an den Schalthebeln der Verteilung und der Macht. Trotzki bezeichnete sie deshalb als Gendarm der Gesellschaft, als Polizisten der Ungleichheit. Je länger sich die Weltrevolution verzögerte, desto konservativer wurde die Bürokratie, desto mehr war sie auf den Erhalt und die Verteidigung ihrer Privilegien bedacht.

Politisch stützte sich die Bürokratie auf die Theorie vom „Aufbau des Sozialismus in einem Land“, die im Gegensatz zu allem stand, was Marxisten seit dem „Kommunistischem Manifest“ vertreten hatten. Der Marxismus ist internationalistisch, der Stalinismus nationalistisch.

Praktisch bedeutete diese Theorie, dass der Kreml die Klasseninteressen der internationalen Arbeiterklasse den nationalen Interessen der Sowjetunion, d.h. dem Erhalt der Privilegien der Bürokratie, unterordnete. Sie wurde zur Quelle verheerender Niederlagen der internationalen Arbeiterklasse und einer zunehmend bewussten konterrevolutionären Politik, die 1991 in der Auflösung der Sowjetunion durch Stalins Erben unter Gorbatschow gipfelte.

Der Aufstieg der Bürokratie erfolgte in einem erbitterten politischen Kampf, der sich über die gesamten 1920er und 1930er Jahre hinweg erstreckte. Die Linke Opposition unter Führung Trotzkis war dabei nicht die einzige, aber die konsequenteste und hartnäckigste Gegnerin Stalins. Sie zählte zeitweise Zehntausende von Anhängern. Trotzki wurde erst mittels monströser Geschichtsfälschungen verleumdet, dann aus der Parteiführung und der Partei ausgeschlossen und schließlich ins innere und dann ins ausländische Exil verbannt.

In seinem Meisterwerk „Verratene Revolution“ schrieb Trotzki über die Bürokratie:

„Die Bürokratie hat nicht nur die linke Opposition besiegt. Sie besiegte die bolschewistische Partei. Sie siegte über das Programm Lenins, der die Hauptgefahr in der Umwandlung der Staatsorgane ‚aus Dienern der Gesellschaft in Herren der Gesellschaft‘ sah. Sie siegte über all diese Feinde – die Opposition, die Partei und Lenin – nicht mit Ideen und Argumenten, sondern durch ihr eigenes soziales Schwergewicht. Das bleierne Hinterteil der Bürokratie wog schwerer als der Kopf der Revolution.“

Auch nach der Ermordung nahezu aller Anhänger Trotzkis in der Sowjetunion und vieler Trotzkisten im Ausland fürchtete Stalin weiterhin den Einfluss der Vierten Internationale. Im „Übergangsprogramm“, ihrem Gründungsprogramm, erklärte Trotzki warum: „Wenn man unter ‚Trotzkismus‘ ein vollständiges Programm versteht oder gar eine Organisation, dann ist der ‚Trotzkismus‘ in der Sowjetunion zweifellos äußerst schwach. Seine unzerstörbare Kraft liegt jedoch darin, dass er nicht nur der revolutionären Tradition, sondern auch der heutigen Opposition der Arbeiterklasse Ausdruck verleiht. Der soziale Hass der Arbeiter gegen die Bürokratie, das eben ist in den Augen der Kremlclique ‚Trotzkismus‘. Sie fürchtet auf den Tod, und das mit Recht, dass der tiefe, aber stumme Unwille der Arbeiter eine Verbindung mit der Organisation der Vierten Internationale eingeht.“

Und im Juni 1940, nachdem er einem ersten Mordanschlag wie durch ein Wunder entkommen war, schrieb Trotzki im Artikel „Stalin will meinen Tod“: „Als ehemaliger Revolutionär erinnert sich Stalin daran, dass die Dritte Internationale zu Beginn des letzten Kriegs ungleich schwächer war als die Vierte Internationale heute. Der Verlauf des Kriegs könnte der Entwicklung der Vierten Internationale, auch innerhalb der Sowjetunions selbst, einen mächtigen Anstoß geben. Aus diesem Grund hat Stalin seine Agenten angewiesen, mich so rasch wie möglich zu erledigen.“

Sicherheit und die Vierte Internationale

Zweieinhalb Monate später schlug die stalinistische Geheimpolizei erneut zu. Diesmal mit Erfolg. Die Ermordung Trotzkis zählt zu den politisch folgenreichsten Verbrechen des zwanzigsten Jahrhunderts. Trotzki, der über 40 Jahre revolutionäre Erfahrung verkörperte, war im buchstäblichen Sinne des Wortes unersetzbar. Sein Tod war ein schwerer Schlag gegen die internationale Arbeiterklasse und die sozialistische Weltbewegung.

Stalin hatte diesen Mord über Jahre hinweg sorgfältig vorbereitet und einen gewaltigen internationalen Apparat dafür aufgebaut. Trotzdem blieben die Umstände, die zu Trotzkis Ermordung führten, jahrzehntelang im Dunkeln. Das Agentennetz, das den Mord vorbereitet und ausgeführt hatte, wurde sorgfältig vertuscht. Die trotzkistische Weltbewegung bemühte sich nicht ernsthaft, die Hintergründe des Mordes im Einzelnen aufzuklären.

1975 nahm dann das Internationale Komitee unter dem Namen „Sicherheit und Vierte Internationale“ die erste systematische Untersuchung über Trotzkis Ermordung in Angriff. Sie deckte das umfangreiche Agentennetz auf, das die stalinistische Geheimpolizei innerhalb der Vierten Internationale aufgebaut hatte. Und sie machte auch deutlich, weshalb es bisher keine systematische Untersuchung gegeben hatte. Die GPU hatte ihre Bemühungen, die Vierte Internationale zu unterwandern und zu zerstören, auch nach Trotzkis Tod fortgesetzt, wobei einige Agenten die Seiten gewechselt und mit demselben Ziel für das amerikanische FBI gearbeitet hatten.

„Sicherheit und die Vierte Internationale“ stieß auf den erbitterten Widerstand pablistischer und pseudolinker Organisationen. Sie verurteilten die Entlarvung von Spionen, die in der trotzkistischen Bewegung aktiv waren, als „Hetzjagd auf Agenten“. Sie blieben auch bei dieser Haltung, als vom Internationalen Komitee entdeckte offizielle Dokumente und Archive, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geöffnet wurden, die Ergebnisse der Untersuchung in jedem Punkt bestätigten.

Es würde den Rahmen dieses Vortrags sprengen, im Einzelnen auf die Geschichte und die Ergebnisse von „Sicherheit und die Vierte Internationale“ einzugehen. Ihr findet dazu auf der World Socialist Web Site umfangreiches Material. Ich will nur anhand einiger ausgewählter Beispiele unterstreichen, wie systematisch die GPU daran arbeitete, die trotzkistische Bewegung zu schwächen und zu zerstören. Ihre Agenten betätigten sich nicht nur als Informanten und Mörder, sondern auch als Provokateure.

So waren die litauischen Brüder Abraham und Ruvelis Sobolevicius von 1928 bis 1933 unter den Parteinamen Senin und Well an führender Stelle in der trotzkistischen Bewegung in Deutschland tätig. Sie schürten systematisch Intrigen, um die Bewegung zu schwächen, suchten Kontakt zu Trotzki und hielten die GPU über alle Interna auf dem laufenden. Später arbeiteten sie unter den Namen Jack Soble und Robert Soblen als sowjetische Spione in den USA, wo sie in den 1950er Jahren unter spektakulären Umständen enttarnt wurden.

Eine andere Schlüsselfigur war Mark Zborowski, Parteiname Etienne, der sich in Paris ins Vertrauen von Trotzkis Sohn Leon Sedow einschlich und der GPU die Informationen lieferte, die zur Ermordung Sedows, von Trotzkis Sekretär Erwin Wolf, des Sekretärs der Vierten Internationale Rudolf Klement und von Ignatz Reiss führten, der sich von der GPU losgesagt und der Vierten Internationale angeschlossen hatte. Zborowskis Berichte wurden von Stalin persönlich gelesen. Er stellte auch den Kontakt zwischen Trotzkis Mörder Ramon Mercader und Sylvia Ageloff her, die ihm den Zugang zu Trotzkis Haushalt in Mexiko verschaffte.

Auch Zborowski gelang mit Hilfe anderer Agenten, die in der trotzkistischen Bewegung aktiv waren, die Emigration in die USA, wo er weiter für die GPU arbeitete. Nach seiner Enttarnung und zwei Jahren Haft absolvierte er unbehelligt eine erfolgreiche akademische Karriere.

„Sicherheit und die Vierte Internationale“ brachte auch ans Licht, dass Joseph Hansen, der für Trotzkis Wachen verantwortlich war und später eine führende Rolle in der amerikanischen pablistischen Bewegung spielte, mit der GPU in Kontakt stand und nach dem Mord Kontakt zum amerikanischen FBI aufnahm.

Trotz dieser intensiven Bemühungen der GPU und westlicher Geheimdienste gelang es nicht, die Vierte Internationale zu zerstören. Sie existiert heute unter der Führung des Internationalen Komitees.

Schlussfolgerung

Das Gründungsprogramm der Vierten Internationale beginnt mit den Worten: „Die politische Weltlage als Ganzes ist vor allem durch eine historische Krise der proletarischen Führung gekennzeichnet.“ Und weiter unten heißt es: „Ohne eine sozialistische Revolution, und zwar in der nächsten geschichtlichen Periode, droht der gesamten menschlichen Kultur eine Katastrophe. Alles hängt nunmehr vom Proletariat ab, das heißt vor allem von seiner revolutionären Vorhut. Die geschichtliche Krise der Menschheit läuft auf die Krise der revolutionären Führung hinaus.“

Diese Worte sind heute so aktuell wie 1938, als sie geschrieben wurden. Die kapitalistische Gesellschaft befindet sich wie damals weltweit in einer tiefen Krise. Das wurde spätestens mit dem Beinahezusammenbruch der Finanzmärkte im Jahr 2008 deutlich, dessen Ursachen sich seither weiter verschärft haben.

In Ostasien schüren die USA den Konflikt mit China, das sie militärisch systematisch umzingeln. Ein nuklearer Krieg zwischen der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China und dem niedergehenden amerikanischen Imperialismus wird immer wahrscheinlicher. In der Ukraine haben die USA und Deutschland mit dem Putsch vom Februar 2014 eine Konfrontation mit der Nuklearmacht Russland heraufbeschworen. Im Nahen Osten führen die Westmächte unter Führung der USA seit 15 Jahren ununterbrochen Krieg. Sie haben die Gesellschaft Afghanistans, Iraks, Libyens und Syriens weitgehend zerstört, mindestens eine Million Menschen getötet und Millionen weitere in die Flucht getrieben.

Mit der Ankunft zahlreicher Flüchtlinge aus diesen Ländern und den jüngsten Terroranschlägen in Paris sind diese Kriege nach Europa zurückgekehrt. Die herrschenden Kreise reagieren darauf, wie sie auf die Krisen vor dem Ersten und Zweiten Weltkrieg reagiert haben: Mit dem Schüren von Nationalismus, dem Hochziehen der Grenzen, der Unterdrückung demokratischer Rechte und dem Aufbau eines autoritären Staatsapparats, mit Militarismus und Krieg.

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lehnt diese Entwicklung vehement ab. Doch es reicht nicht aus, dagegen zu sein. Notwendig ist der Aufbau einer Partei, die es der Arbeiterklasse ermöglicht, selbständig ins politische Geschehen einzugreifen. Das ist vor allem eine Frage des Programms und der Perspektive.

Das internationale sozialistische Programm, das Trotzki, die Linke Opposition und die Vierte Internationale unter Führung des Internationalen Komitees verteidigt und entwickelt haben, ist die einzige tragfähige Grundlage, auf der ein Rückfall der Menschheit in Krieg und Barbarei verhindert werden kann. Der Aufbau von Sektionen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale auf der ganzen Welt die dringendste politische Aufgabe.

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