Eine Antwort auf die Verleumdungen von tamilischen Nationalisten gegen die World Socialist Web Site

Ein offener Brief an TamilNet

Von K. Nesan und V. Gnana
20. Februar 2016

An die Herausgeber von TamilNet:

im Namen der World Socialist Web Site fordern wir Sie auf, die haltlosen Verleumdungen gegen die WSWS zurückzunehmen, die Sie in Ihrem Artikel „Tamilen und der dritte Weltkrieg“ verbreiten. Sie wissen sehr gut, dass Ihre Behauptung, die WSWS würde mit dem Imperialismus zusammenarbeiten, um der singhalesisch geführten Regierung in Colombo bei einem Völkermord behilflich zu sein, eine groteske Erfindung ist.

Sie behaupten in Ihrem Artikel: „Wenn unterschiedliche gesellschaftliche Kräfte eilig zu einem einzigen Zweck aktiv werden, nämlich um den nationalen Bestrebungen der Eelam-Tamilen zu schaden und sie einzudämmen, dann deshalb, um das Völkermord-System mit Zentrum Colombo zu festigen, damit es militärisch in einem heraufziehenden größeren Krieg oder in der Region eingreifen kann.“

Sie greifen die an, die „ironischerweise einem Genozid-Staat mit Zentrum in Colombo zu Hilfe kommen, der den Interessen der USA dient“. Weiter heißt es in Ihrem Artikel: „Wenn die World Socialist Web Site und auch der Wirtschafts-Imperialismus des dritten Weltkriegs möchten, dass die Eelam-Tamilen ihren Anspruch auf einen eigenen Staat fallenlassen, dann kann etwas nicht stimmen.“

Was nicht „stimmt“ in ihrer Analyse, ist, dass sie verleumderisch die WSWS und den Imperialismus in einen Topf werfen, um zu vertuschen, dass die nationalistischen Tamilen-Parteien mit dem Imperialismus und dem Regime in Colombo zusammenarbeiten.

Die Haltung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI), das die WSWS herausgibt, und seiner Sektion in Sri Lanka, der Socialist Equality Party (Sri Lanka), ist allgemein bekannt. Selbst Sie mussten in früheren Artikeln anerkennen, dass die SEP eine unbeugsame Opposition gegen den Imperialismus und das Regime in Colombo vertritt und die demokratischen Rechte der tamilischen Minderheit kompromisslos verteidigt.

In einem Artikel vom Februar 2009 über eine Erklärung der WSWS von K. Ratnayake schreiben Sie: „Der Verfasser von der SEP in Sri Lanka zeigt auf, wie Mächte, die nur ökonomische und strategische Interessen verfolgen, Sri Lanka in den Krieg stürzen. Zwar dient der Befreiungskampf der Tamilen in seinen Augen ,den Interessen der tamilischen Bourgeoisie’, doch er steht auf der Seite der Arbeiterklasse und tritt für eine Politik ein, das Profitsystem, die Ursache von Krieg, abzuschaffen.“

Die Position der SEP und der WSWS ist seither unverändert. Anders steht es mit den tamilischen nationalistischen Parteien. Seit der Niederlage der tamilischen Separatistenbewegung, der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) im Mai 2009 und dem Massaker des srilankischen Militärs an ihnen haben diese Parteien, die Sie in Schutz nehmen, vor dem Imperialismus kapituliert und Position auf Seiten des, in ihren Worten, „Völkermord-Systems mit Zentrum in Colombo“ bezogen. Seit dem von den USA unterstützten Regimewechsel vor einem Jahr, der Maithripala Sirisena zum Präsidenten machte, haben sie sich als wichtiges Instrument der amerikanischen Außenpolitik in Colombo erwiesen.

Ein Klassengraben trennt die SEP von den Interessen der tamilischen Bourgeoisie, die Sie und die nationalistischen Tamilen-Parteien repräsentieren. Bei den Präsidentschaftswahlen im Januar 2015 bezog die SEP (Sri Lanka) Position sowohl gegen den Amtsinhaber Mahinda Rajapakse als auch gegen den Kandidaten Washingtons, Sirisena. Die Tamil National Alliance (TNA) dagegen rief zur Stimmabgabe für Sirisena auf, der bei dem letzten Massaker an tamilischen Zivilisten und LTTE-Kämpfern bei Mullaitivu Kriegsminister unter Rajapakse war.

Die TNA betätigte sich als Sprachrohr Washingtons und warb für Sirisena, der für „die Werte der Demokratie, für gute Staatsführung und die Herrschaft des Rechts“ eintrete. TNA-Führer Rajavarothiam Sampanthan erklärte unzweideutig: „Wir glauben, dass Maithripala Sirisena das Land zu einer Nation einen wird.“ Die kleineren tamilischen nationalistischen Gruppen schlossen sich der Unterstützung der TNA für Washingtons Mann in Colombo an. Sirisena wurde die Aufgabe zugewiesen, im Sinne der amerikanischen „Konzentration auf Asien“ die Beziehungen zu China zu kappen, die sein Vorgänger Rajapakse aufgebaut hatte.

Für ihre Dienstbarkeit wurde die TNA mit der Nominierung von Sampanthan als Oppositionsführer im Parlament belohnt. Sie unterstützte Sirisenas Austeritätspolitik und auch seine Weigerung, politische Gefangene, darunter Tamilen, freizulassen. Bei ihren Manövern zur Verteidigung Sirisenas vertuschten die TNA und die Tamil National People’s Front (TNPF) sogar, dass Unterstützer von ihnen gefoltert worden waren. Sie flogen Folteropfer außer Landes, damit die Gewalt, die ihnen die Regierung angetan hatte, nicht ans Tageslicht kommen sollte.

Ihr Versuch, der pro-imperialistischen Politik des Colombo-Regimes und der tamilischen Bourgeoisie einen „linken“ Anstrich zu geben, hat keinen Erfolg. Studenten, Bauern und Arbeiter aller ethnischen Gruppen haben gegen Sirisenas Austeritätsprogramm protestiert. Nur wenige Tage, bevor Sie Ihren Angriff auf die WSWS veröffentlichten, mussten Sampanthan und andere Vertreter der TNA die Polizei zu einer Veranstaltung in Kilinochchi rufen, um sie gegen Tamilen zu verteidigen, die Aufklärung über das Schicksal ihrer verschwundenen Angehörigen forderten.

Sie wollen um jeden Preis den wachsenden Zorn in der Arbeiterklasse und den unterdrückten Massen gegen die reaktionäre Politik von Sirisena und seinen tamilischen nationalistischen Verbündeten unter Kontrolle halten. Sie wissen um die Gefahr eines Weltkrieges durch die wachsende Rivalität zwischen den Vereinigten Staaten und China.

Das IKVI warnt seit Langem vor der Gefahr eines Weltkrieges und mobilisiert die Arbeiterklasse auf der Grundlage eines sozialistischen Programms für einen internationalen Kampf gegen einen Weltkrieg. Es stellt sich gegen die imperialistischen Kriege im Nahen Osten, Afrika, in der Ukraine und auf dem Balkan, und gegen den „pivot to Asia“ der USA. In seiner Erklärung „Sozialismus und der Kampf gegen imperialistischen Krieg“ sprechen wir von der Gefahr eines Atomkriegs und erklären: „Wenn die internationale Arbeiterklasse nicht auf der Grundlage eines revolutionären marxistischen Programms eingreift, ist ein weiteres imperialistisches Blutbad nicht nur möglich, sondern unvermeidlich.“

Ihre Position dagegen ist eine inkohärente und reaktionäre Verteidigung der Strategie der tamilischen Nationalisten, sich den Imperialisten anzudienen, damit einige Krümel für sie abfallen. Selbstgefällig schließen Sie die Gefahr von Konflikten zwischen den Großmächten aus. Dann behaupten Sie, der dritte Weltkrieg würde bereits von dem „Wirtschafts- Imperialismus“ geführt und rufen schließlich zu einer „globalen Mobilisierung“ der Tamilen auf.

Sie schreiben: „Die beiden ersten Weltkriege führten Staaten, die um Land und Ressourcen im Wettstreit lagen. Der dritte Weltkrieg unterscheidet sich in mancher Hinsicht davon… Nicht Staaten und ihre Regierungen führen Krieg, sondern der Wirtschafts-Imperialismus. Die Konzerne, die es unverhältnismäßig stark auf bestimmte Teile der Welt abgesehen haben, kontrollieren die Establishments, die man Regierungen nennt. Alle beteiligten Establishments führen gemeinsam den dritten Weltkrieg gegen die Völker der Welt. Im Krieg gegen Völker gibt es kein „Gleichgewicht des Schreckens“, das zu Sorgen um Atomwaffen Anlass gibt.“

Dieser Wortschwall soll nur die Gefahr von Krieg leugnen. Sie versuchen, die weltweiten Angriffe der Kapitalisten auf den Lebensstandard der Arbeiter und Unterdrückten – an denen tamilische Nationalisten gegenwärtig in Sri Lanka beteiligt sind -, als „Weltkrieg“ darzustellen. Doch die Kollaboration der tamilischen Nationalisten mit dem US-Imperialismus trägt zur Gefahr eines wirklichen Weltkriegs bei.

Imperialistische Kriege und Stellvertreterkriege um die Kontrolle von Land und Ressourcen wie Öl und Gas dauern nicht nur an, sie haben große Teile der Erde erfasst, von Mali und Libyen bis zum Jemen, Syrien, Irak, Afghanistan und der Ukraine. Es besteht die konkrete Gefahr, dass sie sich zu einem Krieg zwischen atomar bewaffneten Gegnern ausweiten – zwischen den imperialistischen Mächten auf der einen und China und Russland auf der anderen Seite. Hochrangige Vertreter in den Vereinigten Staaten, Europa und Russland haben bereits von der Möglichkeit eines Nuklearkriegs gesprochen.

Die konkrete Gefahr eines Weltkriegs durch die aggressive Politik der imperialistischen Mächte zeigt ein neues Stadium im Bankrott des tamilischen Nationalismus an. Die tamilische Bourgeoisie und die LTTE, für die Sie als englisches Sprachrohr dienten, gründeten ihre Perspektive letztlich immer darauf, von den imperialistischen Mächten Unterstützung zu erhalten.

Während des Bürgerkriegs war es die Perspektive der LTTE, ihre militärische Stärke einzusetzen, um Gebiete in Sri Lanka unter ihre alleinige Kontrolle zu bekommen, die von nicht-tamilischen Bewohnern ethnisch gesäubert werden sollten. Im nächsten Schritt hoffte die LTTE die imperialistischen Mächte davon zu überzeugen, eine Machtteilung zwischen der LTTE und Colombo zu unterstützen. Die LTTE übte nie Kritik am „Krieg gegen den Terror“ oder den US-Invasionen im Irak und Afghanistan, sondern gründete ihre gesamte Politik darauf, bei den imperialistischen und regionalen Mächten, vor allem bei den USA und Indien, um Unterstützung zu buhlen.

Nach der Niederlage der LTTE näherten sich die tamilischen Nationalisten offen Vertretern des Colombo-Regimes an, die von den imperialistischen Mächten unterstützt wurden. Zunächst hofierten sie General Sarath Fonseka - den die USA in den Präsidentschaftswahlen von 2010 unterstützt hatten -, obwohl er das letzte große Massaker an Zivilisten und LTTE-Kämpfern bei Mullaitivu befehligt hatte. Im letzten Jahr unterstützten sie den von den USA geförderten Regimewechsel, indem sie für Sirisena warben.

Sie suchen immer noch nach einer gemeinsamen Strategie der tamilischen Nationalisten mit dem Imperialismus und der tamilischen Bourgeoisie. Sie wenden sich an den Tamilischen Volksrat (Tamil People’s Council, TPC), einer Gruppe aus TNA- und TNPF-Mitgliedern, und schlagen Abmachungen vor, die die Politik der imperialistischen Mächte modifizieren soll: „Jeder Schritt des TPC für eine globale Mobilisierung, um korrigierend auf die Großmächte einzuwirken, verdient volle Unterstützung. Doch die Tamilen überall auf der Welt dürfen nicht auf den TPC warten, sondern müssen der Realität ins Gesicht sehen … Tamilen weltweit sollten ein eigenes, von den Partnern des dritten Weltkriegs unabhängiges Programm haben.“

Ihr Vorschlag einer „globalen Mobilisierung“ von Tamilen stellt keine unabhängige Strategie dar, sondern eine zynische Falle, um tamilische Arbeiter von ihren Klassengenossen anderer Nationalität abzuschneiden. Die verheerenden Folgen einer solchen Strategie konnte man während der letzten Kriegsmonate an den Protesten der tamilischen Nationalisten in Europa und Nordamerika beobachten. Ihre ohnmächtige Bittstellerei bei Obama, Angela Merkel, dem damaligen britischen Premier Gordon Brown und dem damaligen französischen Präsidenten Nikolas Sarkozy, Colombo ein Massaker an den Tamilen bei Mullaitivu zu untersagen, stieß auf taube Ohren.

Nachdem diese Appelle an den Imperialismus, das Mullaitivu-Massaker zu verhindern, gescheitert sind, schlagen Sie jetzt genau die gleiche bankrotte Politik vor, die nun den dritten Weltkrieg verhindern soll. Wie schon 2009 besteht der Hauptzweck dieses Manövers darin, die Entstehung einer Antikriegsbewegung in der internationalen Arbeiterklasse zu verhindern und einen Kuhhandel mit Colombo und den imperialistischen Großmächten zu erleichtern.

Sie versuchen, die Arbeiterklasse entlang ethnischer Zugehörigkeit zu spalten und ihre Opposition gegen den Imperialismus mit abstoßendem anti-singhalesischem Chauvinismus und mit Geschichtsfälschungen zu unterdrücken.

Um ihren Aufruf zur globalen Mobilisierung nur der Tamilen zu rechtfertigen, schreiben Sie: „Der europäische Kolonialismus machte die südindischen Tamilen zuerst zu Arbeitssklaven. Es folgte der jahrzehntelange Völkermord, den der Westen unter Führung der USA und Indiens als Nachfolgestaat von Britisch-Indien unterstützten, der auf raffinierte Weise die Flüchtlinge der tamilischen Diaspora versklavte. Überall auf der Welt wurden Tamilen zu Staatenlosen. Die singhalesische Nation blieb von solchen Erfahrungen verschont.“

Die Behauptung, nur die Tamilen seien unterdrückt worden, und nicht die Singhalesen, ist eine reaktionäre Fälschung. Alle Arbeiter und Werktätigen von Sri Lanka wurden zuerst rücksichtslos vom britischen Imperialismus unterdrückt, und nach 1948 vom formal unabhängigen Staat Sri Lanka. Sie leugnen, dass auch die Singhalesen unterdrückt wurden, um die Arbeiterklasse zu spalten und ihre Opposition gegen den Imperialismus jeder Wirkung zu berauben.

Der srilankische Bürgerkrieg, der das Colombo-Regime zum Gegner der LTTE machte, war Teil einer breit angelegten Strategie aller Fraktionen der srilankischen Bourgeoisie, die letztlich darauf abzielte, die Erhebungen der Arbeiter und ländlichen Jugend entlang ethnischer Linien zu spalten, um sie besser zerschlagen zu können.

Colombo diskriminierte und unterdrückte die Tamilen und führte dann einen Bürgerkrieg gegen sie. Das Regime unterdrückte aber ebenso rücksichtslos die Kämpfe singhalesischer Arbeiter und Jugendlicher. Bei der Unterdrückung des Aufstands ländlicher Jugendlicher, angeführt von der Janatha Vimukthi Peramuna, wurden Zehntausende Singhalesen niedergemetzelt. Nach den Massenentlassungen von mehr als 100.000 Arbeitern nach dem Generalstreik von 1980 gegen die marktorientierte Politik von Präsident J.R. Jayawardene führte Colombo nach der Unterzeichnung des Indo-Srilankischen Abkommens 1989 ein weiteres Gemetzel durch. 60.000 vorwiegend singhalesische Jugendliche vom Land wurden getötet.

Allein das IKVI bekämpfte konsequent und durchgängig die politischen Verbrechen des Colombo-Regimes gegen die Singhalesen, Tamilen und die muslimische Bevölkerung gleichermaßen. Seine Perspektive ist, die Arbeiterklasse auf dem indischen Subkontinent im Kampf gegen den Imperialismus und die Bourgeoisie im eigenen Land zu vereinen. Ihre Verleumdungen gegen die WSWS bestätigen dagegen aufs Neue, dass Sie zu den Gegnern der Arbeiterklasse gehören.

Hochachtungsvoll

K. Nesan
V. Gnana

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