Lufthansa Cargo will 800 Stellen streichen

Von Marianne Arens
11. Juni 2016

Bis zu 800 Vollzeitstellen will die Fracht-Airline Lufthansa Cargo beim Bodenpersonal und in der Verwaltung streichen. Das gab die hundertprozentige Lufthansa Tochter am Freitag auf einer Betriebsversammlung in Frankfurt bekannt.

Die Stellenstreichungen bedeuten eine drastische Verschärfung des Sparprogramms „C40“, das im letzten November angekündigt worden war. Mittels „C40“ wollte Lufthansa Cargo „die Personal- und Dienstleisterkosten um jährlich vierzig Millionen Euro reduzieren“, wie Peter Gerber, der Vorstandsvorsitzende, im März bekanntgab. Nun sind es sogar achtzig Millionen, die jährlich eingespart werden sollen, „davon 55 Millionen Euro Personalkosten und 25 Millionen Euro Dienstleisterkosten“, wie es in einer Mitteilung von Lufthansa Cargo heißt.

Begründet wird der Sparkurs damit, dass Lufthansa Cargo im letzten Jahr einen starken Gewinneinbruch um rund vierzig Prozent verzeichnet hatte. Die wichtigsten Gründe waren die wachsenden Überkapazitäten an den weltweiten Luftfrachtmärkten, der starke US-Dollar und die Wirtschaftskrise in China. Im Jahr davor war der operative Gewinn gegenüber 2013 allerdings noch um 26 Prozent angestiegen.

Bei Lufthansa Cargo arbeiten weltweit rund 4600 Beschäftigte, mehr als die Hälfte davon in Frankfurt. Hinzu kommen etwa 8000 Beschäftigte bei den Subunternehmen.

Im letzten Monat hatte der Lufthansa-Konzern, die Mutter des Cargo-Airliners, bereits den Kündigungsschutz für die langjährigen Mitarbeiter einseitig aufgekündigt. Als nächster Schritt folgt jetzt ein massiver Stellenabbau bei der Cargo-Tochter, der vor allem die Arbeiter der Bodenabfertigung und die Verwaltungsangestellten betrifft. Geplant ist auch, „die Abläufe am Drehkreuz Frankfurt deutlich effizienter“ zu gestalten, wodurch sich der Arbeitsstress für die Frachtarbeiter weiter verschärfen wird.

Daneben will Lufthansa Cargo seine Flotte verkleinern und verstärkt auf Joint Ventures setzen, zum Beispiel auf die Zusammenarbeit mit ANA, United Airlines und Cathay Pacific. Auch soll der Bau eines geplanten, zwei Milliarden teuren Cargo-Centers auf der Rhein-Main Air Base um zwei Jahre verschoben werden.

Stellenabbau auch bei LSG Sky Chefs

Parallel zum Kahlschlag bei Lufthansa Cargo will der Lufthansa-Konzern gleichzeitig bei seiner Catering-Tochter LSG Sky Chefs bis zu 2400 Stellen abbauen. In Deutschland sollen 1700 von 5500 Stellen gestrichen werden. Die Zahl der Standorte in Europa soll von 23 auf sieben reduziert werden.

Bei LSG Sky Chefs hatte die Gewerkschaft Verdi 2013 eine so genannte Beschäftigungsgarantie ausgehandelt, die eigentlich noch bis 2020 läuft. Für diesen Vertrag müssen die Beschäftigten seit Jahren massiven Lohnverzicht hinnehmen. Dessen ungeachtet sollen schon in den nächsten Monaten zwei Standorte (Dresden und Bremen) geschlossen werden. Lufthansa will, dass LSG Sky Chefs die Küchenbetriebe nach Tschechien verlagert, weil die Personalkosten dort geringer sind.

Überall wird der Druck auf die Beschäftigten erhöht, um die Löhne zu senken und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Auf Kosten der Arbeiter und Angestellten will Lufthansa seine Wettbewerbsfähigkeit am Weltmarkt verteidigen und verbessern. Wie es im Schreiben von Lufthansa Cargo heißt: „Wir wollen die erste Wahl für Luftfracht sein.“

So ist der jüngste Kahlschlag bei Lufthansa Ausdruck des wachsenden Wirtschaftsnationalismus, mit dem alle Konzernzentralen und Regierungen auf die Krise reagieren. Jedes Land versucht, seine Rivalen auszustechen und die Auswirkungen der globalen Stagnation und Wirtschaftskrise auf die Konkurrenten und die eigenen Beschäftigten abzuwälzen.

Verdi intensiviert Zusammenarbeit

In diesem weltweiten Konkurrenzkampf können sich die Vorstände von Lufthansa und Lufthansa Cargo auf die uneingeschränkte Loyalität und Unterstützung der Gewerkschaft Verdi verlassen.

In den sieben Monaten seit Ankündigung des Sparprogramms „C40“ hat Verdi kein Wort des Protests dagegen verlauten lassen. Im Gegenteil. Die Gewerkschaft reagierte auf die Forderung der Konzernleitung mit der Unterstützung eines Runden Tischs, an dem auch die Spartengewerkschaften UFO und Vereinigung Cockpit teilnehmen. Als erste Maßnahme wurde entschieden, alle Kampfmaßnahmen einzustellen. Die enge Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften ermutigte nun den Vorstand, das ursprüngliche Sparziel zu verdoppeln.

Sowohl die Verdi-Betriebsräte am Flughafen, als auch die Verdi-Bundeszentrale teilen den Wirtschaftsnationalismus des Lufthansa-Managements. Das machte eine Presseerklärung der Betriebsräte der deutschen Verkehrsflughäfen Anfang April deutlich. Vorausgegangen war die Jahreskonferenz der Flughafen-Betriebsräte in Berlin.

In dieser Presseerklärung appellieren die Verdi-Betriebsräte an die Bundesregierung, im internationalen Luftverkehr für „faire Wettbewerbsverhältnisse“ zu sorgen. Sie werfen der Merkel-Regierung vor, dass sie eine „Luftverkehrssteuer im nationalen Alleingang“ erhebe. Deshalb „stehen unseren Unternehmen … heute groß gewordene, finanzstarke und teilweise subventionierte Nicht-EU-Unternehmen gegenüber, die solche Lasten, die in Deutschland und in der EU gelten, in ihren Heimatländern nicht im Entferntesten kennen“.

„Es darf nicht sein“, heißt es weiter, „dass die Politik Gesetze fortführt oder neu beschließt, die dazu führen, dass unsere Unternehmen Marktanteile, Standorte und Arbeitsplätze an unsere internationalen Wettbewerber verlieren.“ Die Betriebsräte fordern: „Stärkung des Luftverkehrsstandorts Deutschland und Erhalt seiner Wettbewerbsfähigkeit“.

An dieser Betriebsrätekonferenz, die vom Verdi-Bundesvorstand organisiert war, nahmen einflussreiche Vertreter der Luftkonzerne und der Regierung teil. Unterschrieben wurde die Presseerklärung von Edgar Stejskal, dem stellvertretenden Fraport-Betriebsratsvorsitzenden, der als Verdi- und SPD-Funktionär auch Aufsichtsratsmitglied bei Fraport ist.

Stejskal spielt beim Arbeitsplatzabbau eine Schlüsselrolle. Er ist bei Fraport für den so genannten „Zukunftsvertrag 2018“ für die Bodenverkehrsdienste (BVD) verantwortlich. Dieser Vertrag drückt den Flughafenbeschäftigten seit sieben Jahren massive finanzielle Einbußen aufs Auge. Er läuft in zwei Jahren aus, und spätestens dann wird erwartet, dass Fraport auch seine letzten Bodenverkehrsdienste an Tochter- und Beschäftigungsgesellschaften auslagern wird.

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