CFM Berlin: Warnstreik findet kaum Resonanz

Von Markus Salzmann
10. September 2016

Dem Aufruf zum Warnstreik bei der Charité Facility Management (CFM) in Berlin sind am Mittwoch nur 90 der rund 2800 Beschäftigten nachgekommen. Am Standort Benjamin Franklin traten nur sechs in den Ausstand. An der Demonstration, die im Rahmen des Streiks stattfand, nahmen rund 40 Personen teil. Dies ist ein Bruchteil der 14 Prozent der Beschäftigten, die gewerkschaftlich organisiert sind. Die CFM­-Leitung ließ verlauten, der Betriebsablauf sei ohne Beeinträchtigung verlaufen.

Die Ablehnung der Beschäftigten, sich an der Aktion der Gewerkschaft ver.di zu beteiligen, ist nur allzu gut zu verstehen. Ver.di arbeitet sowohl in der Charité als auch bei den Tochtergesellschaften aufs Engste mit dem Management zusammen. In der Vergangenheit hat die Gewerkschaft die Beschäftigten immer wieder verraten und verkauft.

Wie wir in einem Artikel vor drei Tagen aufgezeigt haben, war es eine „Allianz aus ver.di, Linkspartei und SPD, die in den letzten 15 Jahren die Charité in ein Modell für Lohnsenkungen und Personalkürzungen verwandelt hat“.

Die Auslagerung der nicht ärztlichen und pflegerischen Tätigkeiten an der Charité in die CFM fällt in die Zeit der rot-roten Regierungskoalition aus SPD und Linkspartei. Seither gibt es für die CFM keinen Tarifvertrag und die Beschäftigten arbeiten zu Niedriglöhnen. 2011 isolierte ver.di einen zwölfwöchigen Streik der CFM-Beschäftigten und würgte ihn schließlich ab. Die Gruppe SAV Sozialistische Alternative, die Teil der Linkspartei ist, spielte bei diesen üblen Manövern der Gewerkschaft eine zentrale Rolle.

Beschäftigte der CFM, mit denen die World Socialist Web Site sprach, waren enttäuscht und wütend über die verantwortlichen Parteien und Gewerkschaften.

Ein Arbeiter, der in der Werkstatt der Charité Mitte tätig ist und auf den Bus wartete, erinnerte an den Streik von 2011: „Der hat zu nichts geführt. Da war die Einigung, dass man sich über einen Tarifvertrag unterhalten möchte. Die Gewerkschaften haben dann plötzlich ein Streikverbot ausgesprochen. Seitdem ist nicht mehr viel Vertrauen in die Gewerkschaft.“

Seinen Namen wollte der Arbeiter nicht nennen, da er sonst Sanktionen befürchtet: „Keiner möchte seine Arbeit verlieren und riskieren, dass man entlassen wird und stempeln gehen muss. Ich weiß, dass nach dem letzten Streik viele Leute gewechselt haben oder in andere Bereiche innerhalb der Charité oder in ein anderes Krankenhaus versetzt wurden. Beweisen kann man solche Zusammenhänge nicht, aber wir wissen schon, worauf die Versetzungen zurückzuführen sind.“

Er wundere sich nicht, dass wenige zur Demonstration kamen, fuhr er fort. Die Demo sei ein Wahlmanöver: „Aber es wird ja gerade wieder gewählt. Da gibt es ja einige Leute aus der Politik, die uns die Ausgliederung verschiedener Dienste aus der Charité in die CFM eingebrockt haben. Die wollen jetzt wieder gewählt werden. [Der ehemalige Regierende Bürgermeister] Wowereit und Co. haben die Ausgliederung damals in die Wege geleitet. Bei der Berliner Wahl werden die schon merken, was wir davon halten.“