Der Idiot redet: Slavoj Žižek für Donald Trump

Von Andre Damon
11. November 2016

Slavoj Žižek, der bekannte Vertreter der Postmoderne, der psychoanalytischen Philosophie und der pseudolinken Politik, hat sich kurz vor der Wahl für Donald Trump als Präsidenten der USA ausgesprochen.

„Die eigentliche Gefahr ist Hillary“, erklärte er in der britischen Nachrichtensendung Channel 4 News, weil sie „eine unmögliche All-inclusive-Koalition“ aufbaue, und weiter: „Sollte Trump siegen, dann müssen beide Parteien, die Republikaner und die Demokraten, zu ihren Grundlagen zurückkehren und umdenken.“

Dies würde, ergänzte er, zu „einem großen Erwachen“ führen. Zu seiner Rechtfertigung führte Žižek an, Trump werde „keinen Faschismus einführen“.

Žižek, Liebling eben jenes akademischen Milieus, das eine wesentliche soziale Basis für pseudolinke Politik bildet, wurde von dem gleichfalls als „links“ geltenden Literaturkritiker Terry Eagleton als der „beeindruckendste und brillanteste“ europäische Philosoph bezeichnet. Ein Rezensent kürte ihn zum„Elvis der Kulturtheorie“.

In Wahrheit ist Žižek ein Scharlatan der übelsten Sorte, vor dem kein Thema sicher ist – von der Skatologie bis zur Theologie samt allem, was dazwischen liegt. Die Bücher, die er am laufenden Band produziert, haben keinen Inhalt außer hochtrabendem Schwulst.

Er verkörpert den Typus des akademischen Hochstaplers, der in den Kreisen der Pablisten und Staatskapitalisten herumgereicht wird. Die International Socialist Organization nannte ihn „die prominente Stimme der Neuen Linken“.

Žižek ist ein Hauptlieferant für pseudolinke Publikationen vom Schlage der New Left Review, zu der er zehn Artikel beisteuerte. Verso Books, ein mit antitrotzkistischen pablistischen Tendenzen in Verbindung stehender Verlag, veröffentlichte mehr als ein Dutzend Bücher, die Žižek entweder selbst schrieb oder herausgab.

Mit der Unterstützung für Trump setzt Žižek seinen Rechtsruck der vergangenen Jahre fort. Der Philosoph der „Neuen Linken“ unterstützte Angriffe auf Flüchtlinge, die Militarisierung der Gesellschaft sowie einen im Wesen rassistischen Politikansatz.

Als Reaktion auf die rechte Hysterie, die sich im Anschluss an die Terrorangriffe in Paris im Jahr 2015 ausbreitete, behauptete Žižek im November 2015, die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten wollten die westliche Kultur zerstören. Er wandte sich gegen „Toleranz als Lösung“ und erklärte, dass es „fundamentalistischen Moslems unmöglich ist, unsere gotteslästerlichen Bilder und unseren rücksichtslosen Humor auszuhalten, die wir als Bestandteil unserer Freiheiten verstehen“.

Zu Beginn dieses Jahres erklärte Žižek im New Statesman, die angeblichen sexuellen Übergriffe durch Flüchtlinge in Köln – die sich später als frei erfunden herausstellten – würden zeigen, dass „die Versuche, Immigranten aufzuklären, (…) atemberaubend dumm sind“.

In dem oben erwähnten Artikel aus dem Jahr 2015 schlug Žižek als Lösung für den „Stillstand des globalen Kapitalismus“ die „Militarisierung“ der Gesellschaft vor. Er erklärte: „Demokratisch motivierte Graswurzelbewegungen sind anscheinend zum Scheitern verurteilt, also ist es vielleicht das Beste, den Teufelskreis, in dem sich der Kapitalismus befindet, mittels ,Militarisierung‘ zu durchbrechen, also durch die Aufhebung der Macht sich selbst regulierender Wirtschaften“.

In demselben Artikel wies er die Demokratie zurück: „Emanzipatorische Politik sollte nicht a priori an formale demokratische Legitimierungsverfahren gebunden sein. Nein, sehr häufig wissen Menschen NICHT, was sie wollen oder wollen nicht, was sie wissen, oder sie wollen schlicht das Falsche.“

Diese Themen werden in einem Band breitgetreten, den Žižek zu Beginn des Jahres herausbrachte: An American Utopia: Dual Power and the Universal Army [Ein amerikanisches Utopia: Doppelmacht und die universelle Armee]. Darin erklärt er: „Heute ist die Sozialdemokratie unwiederbringlich bankrott und der Kommunismus scheint tot zu sein“. Der „Linken“ bleibe daher als machbare Strategie einzig die Militarisierung der Gesellschaft und die Schaffung einer „universellen Armee“.

Mit seiner immer offeneren Unterstützung für eine reaktionäre Politik befindet sich Žižek im Einklang mit dem pseudolinken Milieu gut situierter Akademiker, dem er angehört. Diese Leute dominieren die Kulturwissenschaften und sind innerhalb der Geisteswissenschaften stark vertreten. Ihre „Forschung“ besteht aus obskurantistischer Phrasendrescherei, deren Zweck mehr oder weniger darin besteht, ihre reaktionären Ansichten und politischen Einstellungen zu übertünchen. Diese Gesellschaftsschicht ist prinzipienlos und korrupt.

Sie bilden den soziologischen Kern der wohlhabenden oberen Mittelkasse, die sich der Identitäts- und pseudolinken Politik verschrieben hat, um sich persönlich zu bereichern. Sie haben die Opposition gegen den Imperialismus aus den 1960er Jahren aufgegeben und sind zu rigorosen Befürwortern von Militärinterventionen geworden.

Žižek zeigte auf seine besonders abstoßende Weise, wohin diese Art von Politik und Ideologie führt: geradewegs in die Gosse.

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