Gewerkschaftsvorsitzender bietet Trump seine Dienste an

Von Jerry White
3. Januar 2017

Vergangene Woche veröffentlichte die New York Times eine Kolumne von Richard Trumka, dem Vorsitzenden des amerikanischen Gewerkschaftsbundes American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations (AFL-CIO), mit dem Titel „Trump darf nicht für die Arbeiter sprechen.“

Der Kommentar übt vordergründig Kritik am künftigen Präsidenten. In Wirklichkeit ist es jedoch die jüngste unterwürfige Äußerung hoher Gewerkschaftsfunktionäre an die Adresse von Trump. Sie bieten Trump ihre Dienste an bei der Unterdrückung von Widerstand aus der Arbeiterklasse gegen die brutalen Angriffe, welche die designierte Regierung vorbereitet.

Der Ausgangspunkt des Artikels ist die Lüge, Trump beabsichtige mit seiner nationalistischen Parole „Amerika zuerst“, dem angedrohten Handelskrieg gegen China und den geplanten Ausgaben für Militär und Infrastruktur, die Interessen der amerikanischen Arbeiter zu fördern. Trumka argumentiert, der neue Präsident wäre viel erfolgreicher, wenn er die Gewerkschaften als „Partner“ statt als Gegner betrachten würde.

Trumka klagt, Trump wolle die Interessen der amerikanischen Arbeiter „im Alleingang durchzusetzen“. Dabei bezieht er sich auf Trumps Eingreifen beim Kühlanlagenhersteller Carrier und der damit verhinderten Arbeitsplatzverlagerung nach Mexiko. Allerdings, erklärt Trumka, will die arbeitende Bevölkerung „keinen Erlöser, der für uns spricht. Wir wollen unsere Stimme selbst durch unsere Gewerkschaften erheben. Und diese Stimme ist notwendiger als je zuvor.“

Die Gewerkschaften geben den Arbeitern keine „Stimme“. Die Interessen von korrupten Gewerkschaftsfunktionären wie Trumka stehen in diametralem Gegensatz zu denen der Arbeiter, die sie angeblich „vertreten“. Das hindert Trumka jedoch nicht an der Behauptung, nur die Gewerkschaften seien rechtlich befugt, den Lebensstandard und die sozialen Rechte der Arbeiter zu verschachern.

Trumka behauptet, bei Carrier haben die Arbeiter „Vertreter gewählt und sind Mitglieder einer Gewerkschaft mit echter Erfahrung darin, zusammen mit den Arbeitgebern Arbeitsplätze zu retten.“ In Wirklichkeit hat die Gewerkschaft United Steelworkers (USW) den Beschäftigten bei Carrier wiederholt Zugeständnisse aufgezwungen, darunter ein mehrstufiges Lohn- und Leistungssystem. Als Rechtfertigung diente ihr die betrügerische Behauptung, auf diese Weise ließen sich „Arbeitsplätze retten“.

Trumka und die Gewerkschaftsbürokratie befürchten, dass die bevorstehende Regierung ultrarechter Ideologen den Einfluss der Gewerkschaften zurückdrängen und weiter schwächen wird. Er warnt Trump, ohne die Unterstützung der Gewerkschaften könne seine Politik des Klassenkampfs von oben eine soziale Explosion auslösen, die den „demokratischen Kapitalismus“ gefährde.

Der AFL-CIO-Vorsitzende räumt ein, dass die unablässigen Angriffe auf den Lebensstandard der Arbeiter unter Beteiligung der Regierungen weltweit „demokratische Institutionen“ diskreditiert haben. Trumka schreibt: „Wenn demokratischer Kapitalismus auf eine Weise organisiert wird, dass er keine guten Arbeitsplätze schafft, dann wird die arbeitende Bevölkerung weltweit ihr Heil in autoritären Lösungen suchen. Das ist die große Lehre des zwanzigsten Jahrhunderts, und heute stehen wir wieder vor dieser Bedrohung.“

Trumkas größte Sorge ist nicht die Gefahr des Faschismus. Große Teile der Gewerkschaftsbürokratie unterstützen den Wirtschaftsnationalismus, Militarismus und den Hass auf Ausländer, den Trump propagiert. Sie würden sich in einer neofaschistischen Bewegung durchaus wohlfühlen, solange sie ihre Positionen und Privilegien behalten können.

Was Trumka beunruhigt, ist die Aussicht auf eine antikapitalistische und sozialistische Bewegung der Arbeiterklasse. Diese wäre eine existenzielle Gefahr für die offiziellen Gewerkschaften, die lange Zeit als Werkspolizei der Kapitalistenklasse und zentrales Sprachrohr für deren Antikommunismus gedient haben.

Sein Gerede von „autoritären Lösungen“ passt zu den jahrzehntelangen Bestrebungen der Gewerkschaften, Sozialismus – den Kampf zur Befreiung der Arbeiterklasse von der kapitalistischen Ausbeutung und zum Aufbau einer wirklich demokratischen Kontrolle der Produktion – mit dem Stalinismus gleichzusetzen.

Trumka verkörpert die begüterten Kleinbürger, die Karriere gemacht haben, während sich die Gewerkschaften in arbeiterfeindliche Organisationen und Anhängsel der Konzernführungen verwandelt haben. Als Vorsitzender der Bergarbeitergewerkschaft United Mine Workers (UMW) von 1982 bis 1995 spielte er die Hauptrolle in der Verwandlung der früher einmal militantesten Gewerkschaft der USA.

Trumka trägt mehr persönliche Verantwortung als jeder andere dafür, dass die soziale Konterrevolution in den Bergbauregionen von West Virginia, Kentucky, Pennsylvania und anderen Bundesstaaten möglich wurde. Seither sind diese Regionen berüchtigt für ihre hohen Quoten bei Drogenmissbrauch und Selbstmorden.

Trumkas Karriere im bürokratischen Apparat der UMW begann als juristischer Mitarbeiter von Arnold Miller, der 1972 mit Unterstützung des Arbeitsministeriums zum Vorsitzenden gewählt wurde. In dieser Zeit leisteten die Bergarbeiter erheblichen Widerstand gegen die korrupte und von Kriminellen durchsetzte Gewerkschaftsführung unter Tony Boyle.

Eine Welle von wilden Streiks in den Kohlerevieren fand 1974 ihren Höhepunkt in einem erbitterten Ausstand. Später folgte die 111-tägige Arbeitsniederlegung 1977/78, während der die Bergarbeiter dem Gewerkschaftsvorsitzenden Miller die Stirn boten und sich der Anweisung der Carter-Regierung widersetzten, an die Arbeit zurückzukehren. 1979 musste Miller zurücktreten.

Trumka nahm die Arbeit im Bergbau wieder auf, um die Beschäftigungsjahre anzusammeln, die für eine Kandidatur notwendig waren. 1981 rebellierten die Bergarbeiter erneut, diesmal gegen einen faulen Kompromiss, den UMW-Präsident Sam Church ausgehandelt hatte. 1982 gewann Trumka die Wahl durch einen Erdrutschsieg.

In den nächsten dreizehn Jahren arbeitete Trumka daran, die Traditionen der Arbeitersolidarität und der militanten Kämpfe der UMW zu zerstören und sie in ein Anhängsel der Kohleindustrie zu verwandeln. 1983 gab die UMW ihr traditionelles Prinzip „keine Arbeit ohne Tarifvertrag“ auf und verzichtete auf branchenweite Streiks. Stattdessen übernahm sie die Politik sogenannter selektiver Streiks gegen einzelne Unternehmen.

Diese Entscheidung ermöglichte es, den Streik bei AT Massey von 1984/85 und den Arbeitskampf der Arbeiter bei Pittston zu isolieren, und läutete eine Welle der Gewalt von Seiten der Kohleunternehmen und des Staates ein. Auf dem Höhepunkt dieser Kampagne wurden militante Bergarbeiter sogar ermordet.

Trumka ging vor den Bergwerksbetreibern und der Regierung in die Knie und versuchte, mit Drohungen und körperlichen Angriffen die Abweichler unter den Bergarbeitern und andere Gegner einzuschüchtern. Sein Vorgehen richtete sich besonders auch gegen die Workers League, die Vorgängerorganisation der Socialist Equality Party. Diese kämpfte für die Mobilisierung aller Bergarbeiter in einem landesweiten Arbeitskampf zur Verteidigung der Streikenden bei Pittston.

Im Juni 1989 begannen die einfachen Arbeiter im Süden von West Virginia einen wilden Streik, um die Isolation der Arbeiter bei Pittston zu durchbrechen. Auf dem Höhepunkt dieses Streiks brachten 50.000 Bergarbeiter die Kohleproduktion östlich des Mississippi zum Erliegen. Trumka reagierte darauf mit einem verzweifelten Appell an die Konzernchefs und die Regierung. In der Charleston Gazette behauptete er, die Unnachgiebigkeit der Arbeiter bei Pittston drohe, die Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit zu zerstören, welche die UMW der Kohleindustrie gesichert habe.

Er warnte, wenn das Unternehmen die UMW besiege, „wird die Gewerkschaft, wenn überhaupt, in veränderter Form zurückkehren. Ihre Toleranz gegen Ungerechtigkeit wird viel geringer sein, und sie wird nicht bereit sein, einem System als Alibi zu dienen, das unserer Meinung nach nicht funktioniert.“

Trumka arbeitete heimlich mit der ersten Bush-Regierung und Demokraten wie Senator Jay Rockefeller aus West Virginia zusammen, um die wilden Streiks zu beenden und die Arbeiter bei Pittston zu verraten. Wieder einmal wurde die Niederschlagung einer Rebellion der Bergarbeiter benutzt, um eine Gegenoffensive der Konzerne und der Regierung gegen die Bergarbeiter zu beginnen. Ihr Höhepunkt war die Ermordung des Bergarbeiters John McCoy aus West Virginia im Januar 1990.

Als Trumka 1982 zum Präsidenten der UMW gewählt wurde, hatte die Gewerkschaft 120.000 aktive Mitglieder. Bis zu seinem Ausscheiden sank diese Zahl auf 84.000. Unter seinem selbst gewählten Nachfolger Cecil Roberts kann sie froh sein, dass sie noch 10.000 aktive Bergarbeiter als Beitragszahler hat.

Diese Referenzen brachten Trumka einen Spitzenplatz in der nationalen Führung des Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO ein. In seiner vierzehnjährigen Amtszeit als Schatzmeister war er verantwortlich für die Gründung des AFL-CIO Capital Stewardship Committee, das es der Gewerkschaftsführung ermöglichte, Milliarden Dollar aus den Renten- und Sozialkassen zu investieren. Auf diese Weise entwickelten sich die Gewerkschaften zu einem bedeutenden Player an der Wall Street.

Nach seiner Ernennung zum Vorsitzenden der AFL-CIO im Jahr 2009 wurde Trumka von US-Präsident Obama in das wirtschaftspolitische Beratungsgremium White House Economic Recovery Advisory Board berufen. Diesem Gremium gehörten u.a. die Vorstandschefs von General Electric, Oracle und UBS an. Sein Vorsitzender war der ehemalige Vorsitzende der Federal Reserve Paul Volcker, der unter US-Präsident Reagan in den 1980er Jahren den Angriff auf die Arbeiterklasse angeführt hatte.

Im Laufe der letzten acht Jahre haben Trumka und die AFL-CIO dafür gesorgt, dass die Zahl der Arbeitsniederlegungen auf das niedrigste Niveau gesunken ist, seit das Bureau of Labor Statistics diese aufzeichnet. Obama konnte so die größte Umverteilung von Reichtum von unten nach oben in der Geschichte der USA organisieren. Jetzt bieten Trumka und die AFL-CIO auch Trump ihre Dienste an.

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