Trump signalisiert Abkehr vom „starken Dollar“

Von Nick Beams
20. Januar 2017

Im Vorfeld von Donald Trumps offiziellem Amtsantritt als US-Präsident ist die Unsicherheit wegen des künftigen politischen Kurses weiter gewachsen.

Zu Beginn der Woche distanzierte sich Trump in einem Interview mit dem Wall Street Journal faktisch vom Mantra des „starken Dollars“, das frühere US-Präsidenten gepredigt hatten, und beharrte darauf, dass der Wert des Dollars zu hoch sei. Die Währung sank daraufhin auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen.

Am Mittwoch erholte sich der Dollar jedoch, nachdem die Vorsitzende der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (Fed), Janet Yellen, in einer Rede in San Francisco angedeutet hatte, die Zentralbank werde in diesem Jahr voraussichtlich mindestens dreimal die Zinssätze erhöhen. Bereits im letzten Dezember stiegen sie um 0,25 Prozentpunkte.

Trumps Äußerungen gegenüber dem Wall Street Journal lagen auf der gleichen Linie wie seine frühere anti-chinesische Rhetorik und den Drohungen, Zölle auf chinesische Importprodukte zu erheben. „Unsere Unternehmen können gegenwärtig nicht mit ihnen [China] mithalten, weil unsere Währung zu stark ist“, erklärte Trump. „Das ist für uns fatal.“

Trump behauptete, die chinesische Währung würde „abstürzen wie ein Stein.“ In Wirklichkeit versuchen die chinesischen Behörden, den Wert des Yuan trotz großer Kapitalabflüsse aus dem Land stabil zu halten.

Die Rede Yellens bestand hauptsächlich aus einer allgemein gehaltenen Schilderung der offiziellen Aufgaben der Fed, enthielt aber auch einige Hinweise darauf, wohin sich deren Geldpolitik entwickeln wird. Daraufhin stiegen sowohl der Dollar als auch die Zinsen an den amerikanischen Anleihenmärkten.

Yellen erklärte, beim Treffen der Fed im letzten Monat hätten sie und die meisten anderen Mitglieder der Fed die Ansicht vertreten, dass der staatliche Leitzins „ein paar Mal im Jahr“ erhöht werden solle, bis er im Jahr 2019 den neutralen Satz erreicht. Als neutraler Satz wird das Niveau bezeichnet, auf dem die Geldpolitik weder expansiv noch kontraktiv ist.

Yellen gab durch weitere Andeutungen zu verstehen, dass die Fed die Zinsen erhöhen will. So erklärte sie: „Änderungen der Geldpolitik brauchen Zeit, bevor sie Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Wenn man zu lange damit wartet, sich einem neutralen Satz zu nähern, riskiert man eine unangenehme Überraschung - entweder zu hohe Inflation, finanzielle Instabilität oder beides. In einem solchen Szenario könnten wir gezwungen sein, die Zinssätze schnell zu erhöhen, was wiederum die Wirtschaft in eine neue Rezession stoßen könnte.“

Zu den längerfristigen Aussichten für die amerikanische Wirtschaft erklärte Yellen, die übliche Wachstumsrate liege heute „deutlich unter dem Durchschnitt der Nachkriegszeit.“

Sie verwies auf das verlangsamte Wachstum der Arbeitsproduktivität, die sich in den letzten sechs Jahren nur um einen halben Prozentpunkt und in den letzten zehn Jahren nur um 1,25 Prozent erhöht habe, während sie in den 30 Jahren davor um zwei Prozent pro Jahr gewachsen war. Diese Verschiebung zeige sich im Rückgang der Schätzungen des neutralen Zinssatzes auf drei Prozent, ein Prozentpunkt weniger als noch vor drei Jahren.

Sie erklärte, Ökonomen würden „die Ursachen des Produktivitätsrückgangs nicht vollständig verstehen“, führte dann eine ganze Reihe möglicher Faktoren an und kam letztendlich zu dem Schluss, es sei eine „offene Frage,“ ob diese Faktoren weiterhin gültig seien.

Besonders auffällig war, dass die Politik der Fed selbst, die das Finanzsystem mit ultrabilligem Geld flutet, auf Yellens Liste möglicher Ursachen fehlte. Deren Maßnahmen haben die Ausbreitung von Finanzspekulationen begünstigt und für das Anwachsen sozialer Ungleichheit gesorgt, die mit einem Rückgang der Investitionen in die Realwirtschaft einhergingen.

Yellens Bemerkungen über das künftige Wachstum der amerikanischen Wirtschaft deuten auf einige der Triebkräfte hin, die Trumps Protektionismus und seinen Forderungen nach einem Handelskrieg, die sich vor allem gegen China richten, zu Grunde liegen. Angesichts des immer langsameren Wachstums der amerikanischen und der Weltwirtschaft verschärft sich der Kampf um Marktanteile. Dieser Prozess hat bereits zu einem deutlichen Rückgang der Wachstumsraten des Welthandels geführt.

Mehrere Kommentatoren erklärten, dass sie in Trumps Äußerungen gegenüber dem Wall Street Journal eine deutliche Abkehr von der Politik der Regierungen der letzten 20 Jahre sehen. Diese bekannten sich offiziell zur Politik des „starken Dollars“, auch wenn sie auf eine Abwertung der Währung hofften.

Der Ökonom und Wirtschaftshistoriker Barry Eichengreen von der Universität Berkeley in Kalifornien erklärte gegenüber dem Wall Street Journal, dass Bekenntnisse zu einem „starken Dollar“ dazu dienen könnten, einer Diskussion über den eigentlichen Wert der Währung auszuweichen.

Er erklärte: „Seit den 1990ern, wenn nicht schon davor, haben alle Präsidenten und Finanzminister verstanden, dass es die Märkte ins Chaos stürzen würde, wenn sie sich auf missverständliche Weise über den Wert des wichtigsten Preises der Weltwirtschaft äußern.“

Weiter erklärte er, Kommentare über den genauen Wert der Währung seien „vergleichbar mit Kommentaren über die Umstände, unter denen man Atomwaffen einsetzen würde.“

Während nach wie vor beträchtliche Unklarheit über den genauen Inhalt der Politik der künftigen Regierung herrscht, wächst die Besorgnis über die Richtung, in die sich die Regierungspolitik entwickeln wird. Laut Fred Bergsten vom Peterson Institute könnten China, Europa und Japan den wachsenden amerikanischen Protektionismus zum Anlass nehmen, den USA mit einem Währungsabkommen entgegenzutreten.

Die Bildung solcher Währungsblocks war eines der Merkmale der 1930er Jahre, als der Weltmarkt durch zunehmende Handelskriege zersplittert wurde.

Die Ängste vor einem Handelskrieg dürften durch die Äußerungen des milliardenschweren Unternehmers und designierten Handelsminister in Trumps Kabinett, Wilbur Ross, bei seiner Anhörung im Senat am Mittwoch nur noch verstärkt worden sein.

Als Reaktion auf die Rede des chinesischen Präsidenten Xi Jinping auf dem jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos am Dienstag, in der sich Xi für Globalisierung und Freihandel ausgesprochen hatte, bezeichnete Ross China als „protektionistischste“ Wirtschaft der Welt. „Sie reden viel mehr über Freihandel, als dass sie ihn auch praktisch umsetzen“, erklärte er.

Als Handelsminister wird Ross bei der Umsetzung des Programms unter dem Stichwort „Amerika zuerst“, das im Zentrum von Trumps Wahlkampagne stand, eine wichtige Rolle übernehmen. Ross erklärte, er sei nicht grundsätzlich gegen Handel, setze sich aber für „vernünftigen“ Handel ein, durch den die amerikanische Industrie nicht benachteiligt werde.

Ross behauptete, er habe die Lehren aus den Fehler der 1930er Jahren gezogen. Damals hatten die USA die Große Depression durch die Einführung von Zöllen verschärft. Allerdings fügte er hinzu: „Zölle können dabei helfen, eine unangebrachte Politik zu korrigieren.“ Zu den Maßnahmen, die Trump im Wahlkampf gefordert hatte, gehörten die Einführung von Zöllen auf chinesische Importe in Höhe von 45 Prozent und eine 35-prozentige „Grenzsteuer“ für Importe aus Mexiko.

Auch als in den 1930ern Zölle eingeführt wurden, versuchten alle Seiten, die jeweils anderen für Maßnahmen verantwortlich zu machen, welche den Zustand der Weltwirtschaft verschlechterten. Ross' Äußerungen enthielten mehr als nur ein Element dieser Rhetorik.

Er erklärte: „Es ist etwas seltsam, dass wir sehr niedrige Zölle haben, und China sehr hohe. Das scheint mir etwas unausgeglichen zu sein. Es ist eine Sache, von Freihandel zu reden. Wir hätten gerne, dass Freihandel von unserem Handelspartner öfter umgesetzt würde.“

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