Trump-Euphorie an Wall Street treibt Dow Jones auf über 20.000 Punkte

Von Barry Grey
27. Januar 2017

Am Mittwoch befand sich die Wall Street in Feierlaune: Die neue, aus zahlreichen Vorstandschefs bestehende Regierung hat angekündigt, alle Hindernisse für die Anhäufung von Gewinnen für die Unternehmen zu beseitigen. Der Aktienindex Dow Jones überschritt zum ersten Mal in der Geschichte die 20.000er-Marke. Die amerikanischen Aktienindizes befinden sich bereits seit Trumps Wahlsieg am 8. November auf einem Höhenflug. In nur elf Wochen stieg der Dow Jones um neun Prozent.

Der Blue Chip-Index (Index für besonders umsatzstarke Aktien von Unternehmen) stieg am Mittwoch um 155 Punkte und lag zum Ende des Börsentags bei 20.068 Punkten. Auch die Indizes Standard & Poor's 500 und Nasdaq verzeichneten starke Kursgewinne und standen zum Ende des Börsentags auf Rekordhöhen.

Als Reaktion auf das Rekordergebnis schrieb Trump auf Twitter: „Großartig!#Dow20.000.“ Sein Wirtschaftsberater, der frühere Hedgefonds-Manager Anthony Scaramucci, gratulierte Trump für den Höhenflug der Kurse und twitterte: „Die Aktienkurse befinden sich in den sechs Wochen nach Präsident Trumps Sieg auf dem besten Stand seit 1900#DankeTrump.“

Nur einen Tag vor den Rekordzahlen an der Börse hatte Trump Anordnungen unterzeichnet, die alle Hindernisse für die Fertigstellung der Keystone- und der Dakota Access-Pipelines beseitigten. Damit demonstrierte er seine Verachtung für Umweltfragen und die Gefühle der amerikanischen Ureinwohnerstämme und ihrer Unterstützer, die seit Monaten gegen die Gefährdung der Wasserversorgung und der traditionellen Ländereien des Reservats Standing Rock durch das Dakota-Projekt protestieren.

Diese Wohltat für die Energie- und Rohstoffkonzerne und ihre Unterstützer von der Wall Street fiel zusammen mit den Treffen zwischen Trump und einigen Vorstandschefs am Montag und Dienstag. Der milliardenschwere Immobilienmogul und nun Präsident bekräftigte dort sein Versprechen, die Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltschutzvorschriften auszuhöhlen und die Steuern für Unternehmen zu senken.

Kurz vor seinem Treffen mit den Vorstandschefs der amerikanischen Autokonzerne am Dienstag versprach Trump das „völlig ungastliche“ Geschäftsklima in den USA zu einem „äußert gastfreundlichen“ machen. Er bezeichnete die derzeitigen Vorschriften für Unternehmen als „außer Kontrolle geraten“. Regierungsvertreter deuteten an, dass Trump eine der Hauptforderungen der Autobosse erfüllen und die Treibstoffeffizienzstandards verringern würde. Am Montag erklärte Trump beim zweiten Treffen mit einem Dutzend Vorstandschefs, dass seine Berater der Meinung seien, „wir können die Regulierungen um 75 Prozent senken, vielleicht sogar noch weiter.“

Ansonsten hat Trump in den fünf Tagen seit seiner Amtseinführung u.a. alle noch nicht ratifizierten Regulierungen ausgesetzt und einen Einstellungsstopp bei allen Bundesbehörden ausgerufen.

In den letzten Monaten hat sich die wirtschaftliche Lage in den USA und der Welt zwar in mancher Hinsicht gebessert, so gibt es Anzeichen für ein stärkeres Wachstum in Europa und eine Erhöhung der amerikanischen Unternehmensgewinne im vierten Quartal. Allerdings erklären diese Veränderungen nicht den rapiden Anstieg der amerikanischen Aktienmärkte.

Der Kursanstieg begann einen Tag nach Trumps Wahlsieg am 8. November. Zunächst zeigte sich Bestürzung an den Märkten über die unerwartete Niederlage der Wunschkandidatin, Hillary Clinton. Doch dann versprach Trump Steuersenkungen für Unternehmen und Reiche, den umfassenden Abbau von Arbeitsvorschriften für Unternehmen, eine massive Erhöhung der Militärausgaben und einen Generalangriff auf Sozialprogramme. Diese Aussichten ließen die Märkte wieder scharf nach oben steigen.

Trump berief einen Milliardär und Multimillionär nach dem anderen in sein Kabinett, dazu ehemalige Generäle und extrem rechte Gegner des öffentlichen Bildungswesens, der Sozialprogramme Medicare und Social Security, Wohnungsfürsorge, Umweltschutz, Mindestlohn und Arbeitsschutz. Und mit jeder Ernennung beschleunigte sich der Aufwärtskurs der Wall Street. Erst vor zwei Monaten erreichte der Dow Jones erstmals die Marke von 19.000 Punkten.

Der Aufstieg stagnierte für mehrere Wochen, in denen die Finanzelite abwartete, ob Trump die soziale Konterrevolution wirklich durchführen würde, die er im Wahlkampf angedeutet hatte. Nach Trumps Amtseinführung und den wirtschaftsfreundlichen ersten Amtshandlungen stiegen die Aktienkurse jedoch weiter an.

Trump verkörpert voll und ganz die amerikanische Finanzaristokratie mit all ihrer groben und brutalen Rückständigkeit und Kriminalität. Was die Märkte feiern, ist in Wirklichkeit eine Regierung, die in ungekannter Offenheit ein Instrument dieser Oligarchie ist.

Am Mittwoch veröffentlichte das Wall Street Journal einen Artikel mit dem Titel „Vorstandschefs genießen ihren neuen Status in Washington.“ Darin wurde die von Gier angetriebene Euphorie in Wirtschafts- und Finanzkreisen sogar noch untertrieben.

Die Zeitung schrieb: „Die Vorstandschefs haben diese Schritte als Botschaft verstanden, dass ihr Kurs in Washington steigt und einige wetten sogar darauf, dass sie einen größeren Einfluss auf die Regierung haben werden [...].“

„Neben [dem früheren Vorstandschef von ExxonMobil Rex] Tillerson als Außenminister, sind auch der milliardenschwere Investor Wilbur Ross [als Handelsminister], die ehemalige Vorsitzende der Windquest Group Betsy DeVos [als Bildungsministerin], der ehemalige Vorstandschef von CKE Restaurant Holdings Andy Puzder [als Arbeitsminister] und die ehemaligen Vorstandschefin von World Wrestling Entertainment Linda McMahon [als Chefin der Behörde für kleine und mittlere Unternehmen] für wichtige Rollen in seiner Regierung vorgesehen.“

Die Zeitung hätte auch den langjährigen Anwalt von Goldman Sachs Jay Clayton erwähnen können, der zum Chef der wichtigsten Regulierungsbehörde für die Wall Street ernannt wurde, der Securities and Exchange Commission.

Die Anwesenheit von drei weiteren (neben Clayton) früheren Goldman Sachs-Vorständen in Spitzenpositionen der Trump-Regierung erklärt teilweise den fieberhaften Anstieg der Aktienkurse der großen Banken. Etwa 20 Prozent des Anstiegs des Dow Jones seit dem 22. November geht auf Goldman Sachs und JPMorgan Chase zurück.

Trumps Plan, Amerika „wieder groß zu machen“, ist eine Kampagne zur Abschaffung aller sozialen Errungenschaften, die sich die Arbeiterklasse in mehr als einem Jahrhundert erkämpft hat. Er bedeutet die Rückkehr in ein angebliches „goldenes Zeitalter“, in dem die Konzerne das Land nach Lust und Laune ausplündern und verschmutzen konnten.

Trumps „Sorge“ um die amerikanischen Arbeiter erweist sich als Betrug, wenn man sich anschaut, wer von seiner Politik profitiert.

Einer der ehemaligen Goldman Sachs-Banker, die von Trump für Spitzenpositionen seiner Regierung ausgewählt wurden, ist Gary Cohn, der ehemalige Präsident und leitende Geschäftsführer der Bank. Als Gegenleistung für seinen Austritt bei Goldman Sachs und der Übernahme des Direktorpostens in Trumps nationalem Wirtschaftsrat erhält Cohn von der Bank laut Bloomberg News mehr als 285 Millionen Dollar in Form von Boni, Aktienbesitz und anderen Investitionen.

Am Dienstag veröffentlichte das Wall Street Journal einen Artikel mit dem Titel „Banker profitieren von Höhenflug der Aktien nach der Wahl.“ Laut dem Artikel haben die Vorstände der großen Wall Street-Banken seit der Wahl Aktien im Wert von fast 100 Millionen Dollar verkauft, mehr als seit zehn Jahren in einem solchen Zeitraum verkauft wurde.

Abgesehen von den Aktienverkäufen haben Vertreter der Banken zusätzlich Anteile im Wert von 350 Millionen Dollar verkauft, um die Kosten für die bestehenden Aktienoptionen zu decken.

Der Vorstandschef von Morgan Stanley James Gorman hat laut der Zeitung drei Tage nach der Wahl 200.000 Aktien von Morgan Stanley verkauft und seither weitere 385.000. Damit hat er insgesamt mindestens 8,4 Millionen Dollar Gewinn erzielt.

Sechs Vorstandsmitglieder, Aufsichtsratsmitglieder und der ehemalige Finanzchef David Vinar von Goldman Sachs verfügten über 983.000 Aktienoptionen im Wert von 200 Millionen Dollar.

Mit Trumps Amtsübernahme haben sich die Vermögen der Wall Street-Banker bereits um Millionen Dollar erhöht, und das ist nur ein Vorgeschmack auf die kolossale Plünderung der amerikanischen- und der Weltwirtschaft, die noch bevorsteht.

Das macht das Verhalten der Demokraten, inklusive sogenannter „Linken“ wie Bernie Sanders und Elizabeth Warren umso krimineller. Sie versuchen, Trumps Behauptung, er würde für die amerikanischen Arbeiter kämpfen, Glaubwürdigkeit zu verleihen, indem sie die fremdenfeindliche „America First“-Politik von Wirtschaftsnationalismus und Handelskrieg unterstützen.

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