Indien wird „Frontstaat” für US-Kriegspläne gegen China

Von Deepal Jayasekera und Keith Jones
8. März 2017

Indien soll zu einem wichtigen Service- und Reparaturzentrum für die Siebte US-Flotte werden – diejenige Flotte, die eine zentrale Rolle in den amerikanischen Kriegsvorbereitungen gegen China spielt.

Im vergangenen Monat vergab das Pentagon einen Auftrag an eine Werft in Gujarat im Wert von 1,5 Milliarden Dollar für die nächsten fünf Jahre. Sie soll Kriegsschiffe, Patrouillenboote und Versorgungsschiffe der Siebten Flotte warten.

Das ist ein strategischer Schritt, der das Abkommen vom vergangenen August umsetzen soll. Danach sollen dem amerikanischen Militär indische Marinestützpunkte und Häfen zur regelmäßigen Nutzung für das Aufnehmen von Nachschub, die Reparatur und Wartung seiner Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe zur Verfügung gestellt werden.

Die Verwandlung Indiens in ein Versorgungszentrum für die Siebte Flotte markiert ein neues Stadium der Integration Indiens in die militärisch-strategische Offensive des US-Imperialismus gegen China.

Die Siebte Flotte steht im Zentrum der amerikanischen Pläne, Krieg gegen China zu führen. Sie ist für den westlichen Pazifik und die östlichen Teile des Indischen Ozeans bis zur indisch-pakistanischen Grenze zuständig. Die Strategie der USA zielt darauf ab, durch die Siebte Flotte eine Wirtschaftsblockade gegen China umzusetzen, indem sie die Straße von Malakka und andere Engpässe im Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer besetzt und eine erste Welle von Bombardierungen chinesischer Militäreinrichtungen, Städte und Infrastruktureinrichtungen ausführt. Das Pentagon bezeichnet das als seinen „Air-Sea Battle plan“ (Luft-See-Schlachtplan).

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts arbeitet Washington daran, Neu-Delhi in seine kriegerische Agenda einzubeziehen und Indien als „Gegengewicht“ zu China aufzubauen. Das Pentagon und amerikanische Thinktanks betrachten Indien seit langem wegen seiner Größe, seines großen, atomar bewaffneten Militärs und seiner strategischen Lage als „geopolitisches Juwel“. Indien, so kalkulieren die Strategen des US-Imperialismus, kann als „weicher südlicher Bauch“ Chinas dienen. Es bietet auch den besten Ausgangspunkt, um den Indischen Ozean zu kontrollieren, die wichtigste Meereshandelsroute Chinas und der Welt.

Unter Narendra Modi und seiner hindu-nationalistischen BJP-Regierung hat Neu-Delhi seine auch vorher bereits bestehende militärisch-strategische Kooperation mit Washington noch einmal stark ausgeweitet. Zusätzlich zum Stationierungsabkommen hat Indien bilaterale und trilaterale militärisch-strategische Beziehungen zu den wichtigsten asiatisch-pazifischen Verbündeten Amerikas, Japan und Australien, hergestellt. Im Januar enthüllte der Chef des US Pacific Command, Admiral Harry Harris, dass das Pentagon und das indische Militär Informationen der Nachrichtendienste über chinesische U-Boote und Schiffsbewegungen im Indischen Ozean teilen.

Die ernste Bedrohung, die von der indisch-amerikanischen Allianz für die Völker Asiens und der Welt ausgeht, wird noch durch die Amtsübernahme der Trump-Regierung verdeutlicht. Sie bezeichnete China als „Währungsmanipulator“ und kritisiert den gegen China gerichteten „Pivot to Asia“ der Obama-Regierung als schwach und unzureichend. Weiter drohte sie, Beijing den Zugang zu den von ihr kontrollierten kleinen Inseln im Südchinesischen Meer zu verweigern. Das käme einer Kriegserklärung gleich.

Trump hat Obamas Außenpolitik an vielen Punkten kritisiert. In Bezug auf Indien beteuerte der Verteidigungsminister James „Mad Dog“ Mattis jedoch, die Trump-Regierung werde auf dem „enormen Fortschritt“ bei der indisch-amerikanischen „Verteidigungszusammenarbeit“ in jüngster Zeit aufbauen.

Die indische Regierung, die Opposition und die Medien arbeiten alle zusammen, um die indischen Arbeiter über das Ausmaß der Integration Indiens in dem Vorhaben der USA, Chinas Aufstieg zu stoppen und die amerikanische Hegemonie über Eurasien zu sichern, im Unklaren zu lassen. Dieses Bemühen führt unausweichlich zu Krieg zwischen den atomar bewaffneten Großmächten, wenn es nicht durch die revolutionäre Mobilisierung der internationalen Arbeiterklasse gestoppt wird.

Indiens Wahl als Stützpunkt für die Siebte US-Flotte ist aber eine derart gravierende Veränderung, dass selbst indische Medienberichte nicht umhin konnten zu erwähnen, dass Washington die Flotte im Kalten Krieg mehrfach nutzte, um Indien einzuschüchtern und zu bedrohen. Die Times of India schrieb dazu: „Die Siebte US-Flotte, die im Dezember 1971 vom damaligen amerikanischen Präsidenten Richard Nixon in den Golf von Bengalen geschickt worden war, um Indien im bengalischen Befreiungskrieg unter Druck zu setzen, wird ironischerweise jetzt von einer indischen Firma Instand gesetzt.“

Wegen der strategischen und wirtschaftlichen Bindungen Neu-Delhis an Moskau, behandelte Washington Indien im Kalten Krieg meistens als Gegner.

Nach der Unabhängigkeit war Indien an sich bemüht, freundschaftliche Beziehungen mit Washington zu entwickeln. Es verwahrte sich allerdings gegen die Versuche des US-Imperialismus, seine Außenpolitik der strategischen Offensive Washingtons gegen die Sowjetunion unterzuordnen.

Washington reagierte, indem es Einfluss auf Pakistan nahm. Der mit Indien rivalisierende Staat war durch die ethnische Teilung des Subkontinents nach der Unabhängigkeit entstanden. Während die USA Pakistan bewaffneten, wandte sich Indien der Sowjetunion zu. Das Land kaufte dort Waffen und erlangte strategische Unterstützung. Es wurde auch zu einem der Gründer und führenden Mitglieder der Bewegung der Blockfreien Staaten.

Die Unterstützung der Sowjetunion ermöglichte es Neu-Delhi, dem wirtschaftlichen Druck der USA auf Indien standzuhalten. Es nutzte Importsubstitutionen und Staatseigentum, um die Position der indischen Bourgeoisie gegenüber dem internationalen Kapital zu stärken. Jawaharlal Nehru und seine Kongresspartei verstanden auch, dass die Unterstützung des stalinistischen Sowjetregimes hilfreich sein konnte, um die stalinistische Kommunistische Partei Indiens (CPI) in die bürgerliche Politik zu integrieren. Darüber konnten sie die Opposition der Arbeiterklasse unter Kontrolle halten.

Indiens Politik der Blockfreiheit hatte nichts mit wirklicher Opposition gegen den Imperialismus zu tun. Sie war ein strategisches Instrument der indischen Bourgeoisie, um ihre Klassenherrschaft zu festigen. Als ihr durch die Globalisierung und die Auflösung der Sowjetunion 1991 der Teppich unter den Füßen ihrer staatlich gelenkten kapitalistischen Entwicklungsstrategie weggezogen wurde, ließ sie zügig ihre anti-imperialistische Rhetorik fallen und begann, eine direktere, unterwürfigere Beziehung zu Washington aufzubauen.

An der Spitze dieser Wende standen die Erben von Nehrus Kongresspartei. Es war eine von ihr geführte Regierung, welche die „globale indisch-amerikanische strategische Partnerschaft“ einging, die zum Sprungbrett für Indiens Entwicklung zu einem „Frontstaat“ der anti-chinesischen Offensive Washingtons unter Modi wurde.

Die CPI, ihre stalinistische Schwesterpartei, die Kommunistische Partei Indiens (Marxistisch), und deren Linksfront verkaufen „Blockfreiheit“ immer noch als „Anti-Imperialismus“ und behaupten, die indische Bourgeoisie könne eine „progressive“ Rolle in der Weltpolitik spielen.

Die Stalinisten behaupten immer noch, dass die imperialistische Weltordnung befriedet werden könne und den Interessen der indischen Bourgeoisie am besten gedient sei, wenn Neu-Delhi seine strategischen Bindungen an Washington in Grenzen hält und sich gegen den „Unilateralismus“ der USA stellt. Stattdessen sollte sich das Land für „Multipolarität“ einsetzen – mit anderen Worten, für einen größeren Einfluss der anderen herrschenden imperialistischen Eliten, der indischen Bourgeoisie und der Oligarchen in Russland und China in den Angelegenheiten des Weltkapitalismus.

Die Stalinisten unterstützen offen die Großmachtambitionen der indischen Bourgeoisie. Das zeigt sich insbesondere daran, dass sie die Ausdehnung des indischen Militärs und seines Atomarsenals befürworten.

Sie brüsten sich damit, gegen Modis Kuschelkurs mit Washington zu sein, aber sie warnen die Arbeiterklasse in keiner Weise vor den Gefahren des Bündnisses der indischen Bourgeoisie mit dem US-Imperialismus. Dieses Bündnis ermutigt Indien, sich als regionaler Hegemon in Südasien in Stellung zu bringen.

Die Stalinisten applaudierten, als Indien im September vergangenen Jahres illegale grenzüberschreitende militärische Vorstöße nach Pakistan unternahm und die atomar bewaffneten Rivalen an den Rand der schwersten Krise seit mindestens 2003 brachte.

Pakistans reaktionäre Elite reagierte auf Indiens zunehmende Drohkulisse mit der Warnung taktische Atomwaffen einzusetzen, falls Indien einen größeren Angriff starten sollte. Gleichzeitig intensiviert das Land seine langjährige strategische Partnerschaft mit China.

Die verantwortungslose Aufrüstung Indiens durch den US-Imperialismus für seine Offensive gegen China verwandelt Südasien in ein geopolitisches Pulverfass. Die indisch-pakistanischen und die chinesisch-indischen Konflikte verstricken sich jetzt mit der amerikanisch-chinesischen Konfrontation, was allen diesen Konfliktherden eine potentiell vernichtende Sprengkraft verleiht mit verheerenden Folgen für die Völker der Region und weltweit.

Südasien ist daher zu einer entscheidenden Region in der Entwicklung einer von der Arbeiterklasse geführten globalen Bewegung gegen imperialistischen Krieg und seine Ursache, das kapitalistische System, geworden. Eine solche Bewegung, die Arbeiter aus Indien, Pakistan und dem ganzen Kontinent mit der chinesischen, amerikanischen und internationalen Arbeiterklasse vereint, kann nur entstehen, wenn die kriminelle Rolle der Stalinisten der CPI und der CPM schonungslos entlarvt wird.

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