Die New York Times empört sich über Militärunternehmen – in Russland

Von Bill Van Auken
12. Juli 2017

Die New York Times veröffentlichte am Montag einen Leitartikel zum “Geschäft mit dem Krieg”, der höchst moralisch mit Rüstungsfirmen und Militärunternehmen abrechnet, die vom militärischen Konflikt profitieren.

Zweifellos ist das ein relevantes Thema in einem Land wie den USA, die weltweit in mindestens sieben militärische Konflikte verstrickt sind, in fast 150 Ländern Truppen stationiert haben und mehr für Rüstung ausgeben als die neun nächstgrößeren Militärmächte zusammen.

Dass diese Kriege der Rüstungsindustrie massive Profite und deren Aktionären perverse Vermöge bescheren, gehört zu Washingtons schmutzigen kleinen Geheimnissen. Die Soldaten, die dabei töten und getötet werden, stammen hingegen überwiegend aus der Arbeiterklasse und armen Bevölkerungsschichten.

Doch die Times empört sich nicht über den riesigen militärisch-industriellen Komplex in den USA, sondern über ein kaum bekanntes russisches Unternehmen namens Evro Polis. Sie zitierte eine Informationsquelle, laut der Evro Polis der syrischen Regierung Söldner stellt und als Gegenleistung einen Anteil an den Einnahmen aus dem Ölgeschäft in den Gebieten erhält, die vom Islamischen Staat (IS) zurückerobert werden.

Die Zeitung bezeichnet dieses Geschäft als „undurchsichtig und geheim“. Der Chef des Unternehmens soll ein „enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin“ sein. Weiter zitiert der Artikel die Äußerung eines privaten Sicherheitsberaters: „Krieg ist Geschäft“. Diese Aussage schockierte die Journalisten offensichtlich.

Die Redaktion der Times ist sich scheinbar bewusst, dass sie sich auf dünnes Eis begibt. Der Artikel räumt ein, dass es schon immer Söldner gab und dass sie bei den US-Truppen in Afghanistan und im Irak sogar „eine wichtige Rolle“ spielten. Als Beispiel wird das berüchtigte Massaker auf dem Nisur-Platz in Bagdad 2007 angeführt. Damals hatten bewaffnete Söldner des US-Militärunternehmens Blackwater siebzehn irakische Zivilisten erschossen und weitere zwanzig verwundet.

Nichtsdestotrotz scheint der Deal zwischen Evro Polis und der syrischen Regierung in den Augen der Times ein besonders ruchloses Geschäft zu sein: „Den Konflikt in ein Gerangel um private Profite zu verwandeln, ist ein gefährlicher und unwürdiger Schachzug.“

Seit sechzehn Jahren tobt der „Krieg gegen den Terror“, ganze Gesellschaften im Nahen Osten sind vernichtet und die amerikanischen Aggressionen haben mehr als einer Million Todesopfer gefordert. Wen will die Times zum Narren halten?

Evro Polis spielt wahrscheinlich eine miese Rolle in Syrien, hat wahrscheinlich Beziehungen zur russischen Regierung und repräsentiert den halbkriminellen Charakter der Oligarchie – doch in jedem Fall ist das Unternehmen nur ein kleiner Fisch im Vergleich zu dem riesigen Söldnerheer, das Washington einsetzt, und den milliardenschweren Großkonzernen, die von den Kriegseinsätzen im US-Auftrag profitieren.

In Afghanistan kommen auf einen stationierten US-Soldaten fast drei Söldner. Im Irak stellen Söldner 42 Prozent der verfügbaren Streitkräfte des Pentagons.

Auch „undurchsichtige und geheime“ Geschäfte sowie enge Beziehungen zwischen Militärfirmen und hohen Regierungsbeamten sind wohl kaum eine russische Erfindung. Haben die Redakteure der Times vergessen, dass die größte Firma, die im Irakkrieg für das US-Militär gearbeitet und zig Milliarden Dollar durch freihändig vergebene Aufträge erhalten hat, Halliburton (heute KBR) war? Der Vorstandsvorsitzende dieses Militärunternehmens war niemand geringeres als der damalige US-Vizepräsident Dick Cheney.

Diese enge Beziehung zwischen Regierung und Rüstungsindustrie sowie der Satz „Krieg ist Geschäft“ werden auch von der derzeitigen US-Regierung vorgelebt – am deutlichsten vielleicht mit dem ehemaligen ExxonMobil-Vorstandsvorsitzenden Rex Tillerson auf der Position des Außenministers.

Die Times nennt zwar die Firma Blackwater als historische Randnotiz, erwähnt aber nicht, dass der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Erik Prince der Bruder der derzeitigen Bildungsministerin Betsy DeVos ist. Zudem ist er einer von Trumps inoffiziellen Beratern und streicht weiterhin enorme Profite in der „privaten Sicherheitsbranche“ ein. Blackwater hat sich derweil in Academi umbenannt, um mit einem unbelasteten Namen Filz, Schmutz und Blut des Irakkriegs abzustreifen.

Und was die geheuchelte Empörung über Kriegsprofite betrifft: Kriege sind seit dem Zeitalter des Imperialismus ein Schauplatz des „Gerangels um Profite“. Im letzten Vierteljahrhundert der ununterbrochenen US-Militärinterventionen ist dies völlig offen zutage getreten. Vom außenpolitischen Kommentator der Times Thomas Friedman stammt der berüchtigte Ausspruch: „Ich habe kein Problem mit einem Krieg für Öl.“ Zuvor hatte er versucht, den völkerrechtswidrigen Einmarsch im Irak als legitime Reaktion auf die nicht existenten „Massenvernichtungswaffen“ und als Kreuzzug für Demokratie und Menschenrechte im Nahen Osten darzustellen.

Times-Journalist James Bennet ist nun also geschockt, dass russische Militärfirmen Profit machen wollen. Hat die Zeitung denn nicht die Wiedereinführung des Kapitalismus in der Sowjetunion und deren Auflösung unterstützt? Der Leitartikel ist nichts weiter als Kriegspropaganda im Auftrag des Militär- und Geheimdienstapparats. Das herrschende Establishment in den USA betrachtet Russland als größtes Hindernis auf dem Weg der USA zu einzigen Weltmacht.

Bennets Bruder ist der rechte Demokrat und Senator Michael Bennet aus Colorado; sein Vater Douglas Bennet war im Außenministerium Leiter der Agency for International Development (AID), die von der CIA häufig als Tarnung für Operationen benutzt wird. Er ist also mit diesen Kreisen bestens vertraut.

Den Fraktionen, für die die Times spricht, geht es nicht um russische Söldner. Russland gefährdet in ihren Augen die wichtigen geostrategischen Interessen des amerikanischen Imperialismus in Syrien und dem Nahen Osten.

Die zahlreichen ähnlichen Aufträge amerikanischer Militärunternehmen stellen den Auftrag von Evro Polis weit in den Schatten. Dennoch versucht die Zeitung, auf hohle und heuchlerische Weise Empörung zu schüren, um die Trump-Regierung zu einer aggressiveren Haltung gegenüber Moskau zu bringen. Zudem wollen Sie den den heftigen Widerstand brechen, der in der amerikanischen Bevölkerung gegen eine militärische Konfrontation mit der zweitgrößten Atommacht der Welt herrscht.