VW-Vorstand sahnt ab

Von Gustav Kemper
20. März 2018

Kriminelle Energie lohnt sich. Trotz Dieselskandal, den damit verbundenen Gesundheitsschäden und der Gefährdung zehntausender Arbeitsplätze sind die Vorstandsbezüge bei Volkswagen um fast ein Drittel auf gut 50 Millionen Euro gestiegen.

Während die Belegschaft in der letzte Tarifrunde mit einer miserablen Lohnerhöhung von 4,3 Prozent bei einer Laufzeit von 27 Monaten abgefunden wurde, hat allein VW-Chef Matthias Müller seine Gesamtbezüge in einem Jahr um 40 Prozent auf 10,3 Millionen Euro erhöht.

Die Bilanzvorstellung des Volkswagen-Konzerns vor einer Woche offenbarte die hemmungslose Bereicherung der Vorstände. Der Personal- und Organisationsvorstand, Karlheinz Blessing, der seine Karriere in der SPD und der IG Metall begann, steigerte seine Gesamtbezüge um 56 Prozent auf 5,2 Millionen Euro. Ähnliche Steigerungsraten und Gesamtbezüge erzielten Markenvorstand Herbert Diess, Beschaffungsvorstand F.J. Garcia Sanz und der Vorstand Nutzfahrzeuge Andreas Renschler.

China-Vorstand Jochem Heizmann, Audi-Vorstand Rupert Stadler und der Vorstand Finanzen und Controlling Frank Wittner erzielten sogar Gehaltszuwächse zwischen 63 und 65 Prozent und kassierten jeweils ebenfalls mehr als 5 Millionen Euro.

Die Vorstandsbezüge wurden von den 20 Aufsichtsratsmitgliedern des Konzerns abgesegnet. In diesem Gremium sitzen zehn sogenannte Vertreter der Arbeitnehmer, darunter der IG Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann und der Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats Bernd Osterloh. Mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD), der zusammen mit Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) die Landesregierung vertritt, verfügen sie über die Mehrheit der Stimmen im Aufsichtsrat.

Begründet wird die horrende Erhöhung der Vorstandsgehälter mit der positiven Geschäftsentwicklung. Die Umsatzerlöse sind um 6,2 Prozent auf 230,7 Milliarden Euro gestiegen, das Ergebnis vor Steuern beträgt fast 14 Milliarden Euro und erreicht damit eine Umsatzrendite von 6 Prozent.

Die Vergütung der Vorstände setzt sich aus einem komplizierten System von fixen und variablen Bestandteilen zusammen, wobei letztere mit „Jahresbonus“, „Long Term Incentive“ und „Performance-Share-Plan“ den größten Teil ausmachen.

Zu den finanziellen Bezügen – im Bericht in gesalbter Sprache als „Zufluss“ und „Zuwendungen“ bezeichnet – kommen noch „Nebenleistungen“ hinzu, wie Dienstwagen, Übernahme von Versicherungskosten, Steuern, die eigentlich für solche sachwerten Vorteile gezahlt werden müssen, Pensionsaufwendungen, die allein für den Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller 613.000 Euro betragen, und Aktienoptionen.

Die Zielsetzungen, die die jeweiligen Vorstände im Geschäftsjahr erreichen sollen, werden individuell zwischen Vorstand und Aufsichtsrat vereinbart. Entsprechend dem Erreichungsgrad können die variablen Vergütungen bis zu 20 Prozent erhöht oder reduziert werden, heißt es im Geschäftsbericht.

Eines dieser Ziele misst den „Erfolg des Gesamtvorstands bei der Transformation der Belegschaft des Volkswagen Konzerns in neue Aufgabenfelder“. Einfacher gesagt: Je mehr Arbeiter ein Vorstandsmitglied aus dem Konzern drängt, desto höher sein Gehalt.

Was das bedeutet, zeigt das Umbaukonzept für die Marke VW, auf das sich Betriebsrat und Vorstand im November 2016 nach monatelangen Verhandlungen geeinigt haben und das maßgeblich vom Betriebsrat und der IG Metall ausgearbeitet wurde. Es sieht vor, dass an den deutschen VW-Standorten 23.000 Arbeitsplätze und damit rund ein Fünftel der Stellen wegfallen. Die operativen Kosten sollen bis 2020 um 3,7 Milliarden Euro sinken und die operative Rendite im selben Zeitraum von zwei auf vier Prozent steigen.

Auch bei anderen Marken des VW-Konzerns sowie in ausländischen Werken wird der Druck auf die Belegschaften mit Unterstützung der Betriebsräte und der IG Metall ständig erhöht. Die Skoda-Arbeiter in Tschechien bereiten deshalb Streiks gegen die miserablen Löhne vor. In der Slowakei hatten bereits vor einem Jahr 8000 VW-Beschäftigte für höhere Löhne gestreikt.

Die Rolle der IG Metall und des Betriebsrats könnte nicht deutlicher sein. Auf der einen Seite erarbeiten sie ein „Zukunftskonzept“, dem zehntausende Arbeitsplätze zum Opfer fallen, unterdrücken Streiks und vereinbaren miserable Tarifabschlüsse. Auf der anderen Seite genehmigen sie den Vorständen Gehälter, die leicht das 150-Fache eines Arbeiterlohns betragen können und umso höher ausfallen, je mehr die Ausbeutung steigt.

Sie selbst werden dafür fürstlich belohnt. Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh bezog im Jahr bis zu 750.000 Euro. Erst vor vier Monaten kürzte der Konzern seine Bezüge, weil die Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des Verdachts der Untreue ermittelte. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von VW erhalten eine jährliche Vergütung in der Höhe von 100.000 Euro, der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende, IG Metall-Chef Hofmann, sogar 200.000 Euro.

Selbst wenn sie einen Teil dieser Bezüge an die Hans-Böckler-Stiftung abführen, läuft dies auf eine Finanzierung der Gewerkschaft durch die Konzerne hinaus. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“, hieß es schon im Mittelalter bei den Minnesängern, die ihre adligen Herren priesen.

Unter den Arbeitern mehrt sich die Wut über solche Korruption und die Zusammenarbeit ihrer vermeintlichen Vertreter mit dem Konzernmanagement. Viele von ihnen, die sich ein Diesel-Fahrzeug gekauft hatten, sind zudem mit hohen Verlusten konfrontiert, denn die Wagen verstoßen wegen ihres Stickstoffausstoßes gegen die EU-Abgasregeln und müssen nachgerüstet werden oder werden mit Fahrverboten belegt.

Unabhängige Straßentests haben bestätigt, dass die manipulierten Dieselmotoren ein Vielfaches der zugelassenen Menge an Stickoxid (NOx) ausstoßen, das mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht wird, einschließlich Lungen- und Darmkrebs sowie Asthma, Bronchitis und Emphysem.

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