Dutzende Kinder bei Luftangriff von US-Verbündeten im Jemen getötet

11. August 2018

Unzählige Gräueltaten haben Washington und seine lokalen Stellvertreter in den 17 Jahren ihres globalen „Kriegs gegen den Terror“ bereits verübt und mehrere Angriffskriege geführt, um die Kontrolle des US-Imperialismus über den ölreichen und strategisch wichtigen Nahen Osten zu festigen.

Ganze Länder – Irak, Libyen und Syrien – wurden entvölkert, und ganze Städte, wie Mossul und Rakka, in Schutt und Asche gelegt. Die Toten und Verwundeten gehen in die Millionen, und noch weitaus mehr mussten fliehen.

Und doch gibt es einzelne Akte der schieren Brutalität und Verachtung für Menschenleben, in denen der verbrecherische Charakter des ganzen Unterfangens geballt zum Ausdruck kommt. Ein solcher Akt war der Bombenangriff eines saudi-arabischen, aus den USA stammenden Kampfflugzeugs am Donnerstag im Jemen. Es wurde mit logistischer Unterstützung des US-Geheimdiensts zu seinem Ziel geleitet und unterwegs von einem amerikanischen Spezialflugzeug aufgetankt.

Das Ziel der – ebenfalls aus den USA stammenden – Bomben war ein überfüllter Marktplatz im Zentrum der Stadt Dahjan in der nördlichen Provinz Saada im Jemen.

Laut Zeugenberichten kreisten die Kampfjets mehr als eine Stunde lang über der Stadt. Diejenigen, die den Angriff befehligten, müssen also ganz genau gewusst haben, wen oder was sie treffen würden. Die Bewohner von Saada sagten, sie hätten nicht geglaubt, dass ein überfüllter Markt ins Visier genommen würde, also seien sie weiter ihren Geschäften nachgegangen.

Das saudische Kampfflugzeug warf eine Bombe direkt auf einen Bus voller Schulkinder, die von ihrem Ferienlager zu einer Moschee fuhren, wo wie jedes Jahr zum Ende der Sommerferien eine Feier stattfinden sollte.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) berichtete, dass in sein Krankenhaus die Leichen von 29 Kindern eingeliefert wurden, die aus dem schwelenden Wrack des Busses gezogen worden waren. Die meisten waren noch keine zehn, manche erst acht Jahre alt.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde von Saada kamen bei den Luftangriffen 47 Menschen ums Leben, darunter auch auf den Straßen in der Nähe des Busses. Mindestens 77 weitere wurden verletzt, einige von ihnen schwer, sodass die Zahl der Todesopfer wahrscheinlich noch steigen wird.

Hassan Muwlef, Geschäftsführer des Büros des Roten Halbmonds in Saada, traf eine Stunde nach dem Anschlag ein. Er beschrieb, was er sah: „Über das ganze Gebiet waren Körperteile verstreut, und überall hörte man Stöhnen und Weinen. Der Schulbus war völlig verbrannt und zerstört.“ Viele Kinderleichen seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt und die Verwundeten mit Schrapnellwunden übersät gewesen.

Ein anderer Zeuge berichtete, dass „einige Teile ihrer Körper 100 Meter weit vom Bus entfernt lagen“.

Dieses grausame Verbrechen gegen unschuldige Kinder wird von den US-Kommerzmedien, erfahrenen Komplizen bei der Rechtfertigung von US-Kriegen und deren „Kollateralschäden“, natürlich weitgehend ignoriert. Und was die US-Regierung und ihre regionalen Verbündeten betrifft, so verteidigen sie nicht nur den Luftangriff, sondern beschuldigen darüber hinaus die Opfer.

Die saudische Monarchie und ihre Söldnerarmee gaben eine Erklärung heraus, dass der Massenmord eine gerechtfertigte Vergeltung für eine Rakete gewesen sei, die jemenitische Huthi-Rebellen auf die südsaudische Stadt Jisan abgefeuert hätten. Die Rakete wurde im Jemen abgefangen, und ihre Trümmer töteten dort einen Menschen.

Seitdem die Saudis und ihre Verbündeten im Jahr 2015 den Krieg gegen den Jemen begannen, haben sie Schulen, Krankenhäuser und Wohngebiete sowie Kraftwerke, Wasserwerke und Kläranlagen und andere lebenswichtige Infrastruktureinrichtungen bombardiert. Die meisten der 16.000 Jemeniten, die durch militärische Gewalt ums Leben gekommen sind, wurden von dieser Allianz getötet. Dagegen hat keine Rakete, die in diesen drei Jahren aus dem Jemen gestartet wurde, Saudi-Arabien erheblichen Schaden zugefügt.

Trotz der zahlreichen Beweise, die ihn als Lügner entlarven, behauptete der Sprecher des saudischen Militärs, Oberst Turki al-Malki, dass der Angriff auf Saada am Donnerstag „eine legitime Militäroperation war .... und in Übereinstimmung mit dem humanitären Völkerrecht erfolgte“.

Zweifellos fühlt er sich ermutigt, weil er weiß, dass das „humanitäre Völkerrecht“ keinen Einfluss auf Washington und seine Verbündeten hat, da von einer Regierung zur nächsten Kriegsverbrecher im Weißen Haus sitzen, seien sie Demokraten oder Republikaner.

Am Tag vor dem Massaker in Saada versicherte Armeegeneral Joseph Votel, Chef des US-Zentralkommandos, den Reportern auf einer Pressekonferenz im Pentagon, dass die von den USA unterstützten Streitkräfte Saudi-Arabiens und ihre Verbündeten „ihre Operationen in einer Weise durchführen, die die schreckliche humanitäre Situation im Jemen nicht noch verschlimmert“.

Gibt es irgendjemanden, der ihm das abnimmt? Der saudische Bombenangriff und die von den USA unterstützte Seeblockade haben Millionen Menschen in dem ohnehin verarmten Land an den Rand des Hungertods gebracht. Allein im vergangenen Jahr verhungerten etwa 50.000 jemenitische Kinder. Die gezielte Zerstörung der jemenitischen Infrastruktur und der Gesundheitseinrichtungen hat zu einer Choleraepidemie geführt. Mehr als eine Million Menschen, großteils Kinder, sind erkrankt, und über 2.300 sind bereits gestorben.

Votel gab den Huthis die Schuld, sie hätten „in der Stadt Hodeidah Blockaden und andere Dinge errichtet, die den Transport dringend benötigter humanitärer Hilfe für die Menschen verlangsamen“.

Die „Blockaden“ bestehen in Wirklichkeit aus dem Widerstand der Huthis und der Bevölkerung der Hafenstadt Hodeidah gegen den brutalen Angriff der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate, unterstützt von der saudischen Luftwaffe und von Rekruten der al-Qaida als Stoßtruppen. Am Donnerstag letzter Woche wurden nach Angaben des IKRK bei Angriffen auf ein Krankenhaus und einen Fischmarkt in Hodeidah mindestens 55 Zivilisten getötet und 170 verletzt.

Die Vereinten Nationen warnen, dass bis zu 250.000 Menschen an den Folgen der Belagerung von Hodeidah, der am dichtesten besiedelten Stadt des Jemen, sterben könnten und dass, wenn die Militäroperation die Versorgung der jemenitischen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten verhindert, die Zahl der Toten in die Millionen gehen könnte.

Auf der gleichen Pentagon-Pressekonferenz behauptete Votel, der Widerstand der Huthis und des Großteils der jemenitischen Bevölkerung gegen den Versuch Saudi-Arabiens, das Marionettenregime von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi wiederherzustellen, werde von Generalmajor Qassem Soleimani geleitet, dem Kommandeur der al-Quds-Einheit, einer Division der Iranischen Revolutionsgarde.

Auf die Frage eines Reporters, ob Soleimani tatsächlich im Jemen gesehen worden sei, antwortete Votel: „Nun, was ich meine, ist, dass die al-Quds-Einheit hier der Hauptakteur ist, der all das inszeniert... Er trägt die Verantwortung dafür.“

Was der amerikanische General „meint“, ist völliger Unsinn, und das weiß er ganz genau. Es wurden keinerlei Beweise für eine iranische Präsenz im Jemen oder eine nennenswerte militärische Unterstützung Teherans für die Huthis vorgelegt. Doch Washington und Saudi-Arabien betrachten jede Regierung im Jemen, die nicht ihre unmittelbare Marionette ist, als Bedrohung für ihre Dominanz in der Region.

Die Lügen des Generals sagen weitaus mehr über die Motive für Washingtons kriminelle Intervention im Jemen aus, als über das, was in diesem Land tatsächlich vor sich geht: Der US-Imperialismus ermordet die jemenitische Bevölkerung und hungert sie aus, weil er einen neuen und weitaus gefährlicheren Krieg gegen den Iran vorbereitet.

Die Arbeiter in den USA, im Nahen Osten und auf der ganzen Welt müssen sich darüber klar werden, dass ein solcher katastrophaler Konflikt immer näher rückt. Das ist die Bedeutung der kriegsähnlichen US-Sanktionen gegen den Iran und der Ermutigung Israels zu wiederholten Luftangriffen gegen iranische Truppen innerhalb Syriens.

Die Gefahr eines regionalen und sogar globalen Kriegs macht es zur dringendsten politischen Aufgabe des Tages, eine Massen-Antikriegsbewegung aufzubauen, die sich auf die Arbeiterklasse stützt und gegen das kapitalistische System gerichtet ist.

Bill Van Auken

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