Fast 150.000 obdachlose Schüler in New York City

Von Philip Guelpa
26. Oktober 2018

Der Wohnraummangel und die Obdachlosigkeit in New York City nehmen weiter zu, wie neu veröffentlichte Daten eindringlich belegen. Im letzten Schuljahr war mehr als jeder zehnte Schüler an öffentlichen Schulen, d.h. etwa 150.000 von 1,1 Millionen Kindern, ohne festen Wohnsitz. Dies ist die höchste jemals gemeldete Zahl, und sie hat im dritten Jahr in Folge die 100.000 überschritten.

Die Zahl der Obdachlosen in der Stadt hat insgesamt ein Rekordniveau erreicht. Der angeblich „fortschrittliche“ Bürgermeister der Demokraten, Bill de Blasio, der versprochen hatte, den eklatanten Wohnungsmangel anzugehen, entpuppt sich als elender Lügner.

Aus einem Bericht der „Advocates for Children of New York“, der auf Daten des Bundesstaats New York basiert, geht hervor, dass die Obdachlosigkeit junger Menschen seit Beginn der Wirtschaftskrise 2008 dramatisch zugenommen hat. Die Zahl der obdachlosen Schüler lag im Schuljahr 2007-2008 bei knapp 51.000, hat sich also in den letzten zehn Jahren etwa verdreifacht.

Als obdachlos gelten sowohl diejenigen Schüler, die in städtischen Unterkünften leben (im Jahr 2017 etwa 38.000), als auch diejenigen, die vorübergehend bei Verwandten oder Freunden untergekommen sind. Nach Angaben der Stadt liegt die Zahl der Familien mit Kindern, die in diesem Jahr in Obdachlosenheimen leben, bei über 40.000. Weitere 5.600 hausen in Autos, Parks, Campingplätzen, Wohnwagen oder verlassenen Gebäuden.

Während der fünfjährigen Amtszeit von de Blasio hat sich die Lage weiter verschlimmert. Im Zeitraum der Schuljahre 2016-2017 und 2017-2018 wuchs die Zahl der obdachlosen Schüler um fast 3.100, was einem Anstieg von 3 Prozent in einem einzigen Jahr entspricht.

Besonders schwerwiegend ist das Problem in 144 der 1.800 öffentlichen Schulen der Stadt, wo ein Drittel der Schüler obdachlos ist. Dies konzentriert sich auf die ärmeren Viertel: vor allem die Bronx (fast 40.000), aber auch den Norden Manhattans sowie Teile von Brooklyn und Queens.

Die Folgen für die jungen Menschen sind unverkennbar. Schüler, die in Obdachlosenheimen leben, haben in der Regel eine beträchtliche Anzahl von Fehlzeiten: im Durchschnitt 30 Tage im Schuljahr 2017-2018. Aufgrund der Entfernung zwischen Unterkünften und Schulen haben einige Schüler lange Pendelwege, was zu Stress und Zeitverlust führt. Die Lösung der städtischen Akutversorger besteht darin, einige Familien in Unterkünfte zu bringen, die näher an den Schulen ihrer Kinder liegen. Bisher wurden allerdings nur 200 Personen umgesiedelt.

Statistiken zeigen, dass Obdachlosigkeit schwerwiegende Auswirkungen auf die schulische Leistung hat. Nur 12 Prozent der Schüler, die in Notunterkünften leben, haben die staatliche Mathematikprüfung bestanden, und nur 15 Prozent haben im Schuljahr 2015-2016 die Englischprüfung bestanden. Es ist auch weniger wahrscheinlich, dass sie die High School wie vorgesehen abschließen.

Die Unterstützungsdienste für obdachlose Schüler sind dürftig. Auf 1.660 Schüler kommt ein Sozialarbeiter. Mehr als 100 Schulen mit mindestens 50 obdachlosen Schülern wurde kein Sozialarbeiter zugewiesen, der sich auf ihre Bedürfnisse konzentriert. Außerdem ist die Finanzierung solcher Dienstleistungen nicht gesichert, sondern unterliegt den Unwägbarkeiten des jährlichen Haushaltsverfahrens der Stadt.

Die Auswirkungen der Obdachlosigkeit werden diese junge Menschen ihr ganzes Leben verfolgen.

Die Tatsache, dass 150.000 Kinder in einer der reichsten Städte der Welt kein festes Zuhause haben, ist eine himmelschreiende Anklage gegen das kapitalistische System. Die symbolischen und wirkungslosen Bemühungen der Regierung de Blasio, das Problem anzugehen, verdeutlichen nur das immense und wachsende Ausmaß an wirtschaftlicher Ungleichheit in New York und die Tatsache, dass der äußerst wohlhabenden Finanz- und Unternehmenselite der Stadt die arbeitende Bevölkerung völlig gleichgültig ist. Nur eine Arbeiterregierung, die ein sozialistisches Programm umsetzt, wird in der Lage sein, Armut und Obdachlosigkeit anzugehen.

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