Von den Nazis zur AfD: Die Kontinuität der Geldgeber

Von Peter Schwarz
27. November 2018

Laut Recherchen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel wurde der Aufstieg der AfD durch hohe Geldzuwendungen des 88-jährigen Milliardärs August von Finck befördert. Fincks gleichnamiger Vater hatte einst Hitler finanziert und sein Vermögen durch die Arisierung jüdischen Besitzes vermehrt.

Der Spiegel kommt zum Ergebnis, dass mehrere Millionen Euro, die in die Gründung und den Aufbau der rechtsextremen AfD flossen, aus dem Firmenimperium Fincks stammen, der 2013 auf der Forbes-Liste der reichsten Deutschen mit einem Vermögen von 8,2 Milliarden Dollar Platz 10 belegte. Finck lebt aus Steuergründen seit 1999 im schweizerischen Weinfelden in einem alten Schloss.

Die Unterstützung erfolgte nicht über offene Spenden, sondern über Mittelsmänner und Vereine, die die tatsächliche Herkunft des Geldes verschleiern. So hat ein „Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten“ Plakataktionen und Gratiszeitungen mit Wahlempfehlungen für die AfD im Wert von mindestens 10 Millionen Euro finanziert. Der Spiegel, der bei seinen Recherchen mit der Schweizer Wochenzeitung WOZ zusammenarbeitete, weist enge Verbindungen zwischen diesem Verein und dem Geschäftsführer der finckschen Vermögensverwaltung, dem 74-jährigen Ernst Knut Stahl nach.

Finck hat seit den 90er Jahren rechte Parteien gefördert, die für eine ultraliberale Wirtschaftspolitik und gegen den Euro auftraten. So hatte er in den 1990er Jahren 4,3 Millionen Euro an den Bund freier Bürger des ehemaligen FDP-Politikers Manfred Brunner überwiesen, einen Vorläufer der AfD. 2003/04 spendete eine Gruppe anonymer Unternehmer 6,0 Millionen Euro an die Vereinigung Bürgerkonvent, in deren Vorstand u.a. die heutige AfD-Abgeordnete Beatrix von Storch saß. Der größte Teil dieser Summe stammte von Finck.

2009 spendete der Hotel- und Gastronomiekonzern Mövenpick, der sich damals im Besitz Fincks befand, 1,1 Millionen Euro an die FDP. Weil diese kurz danach in der Bundesregierung eine Senkung der Mehrwertsteuer im Hotelgewerbe durchsetzte, von der Mövenpick direkt profitierte, entwickelte sich die „Mövenpick-Spende“ zu einem öffentlichen Skandal.

Die AfD hat Finck offenbar von Anfang an gezielt gefördert. So haben die AfD-Gründer Bernd Lucke und Olaf Henkel gegenüber dem Spiegel zugegeben, dass sie sich mit Stahl, bzw. mit Finck persönlich trafen. Auch Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler und inzwischen stellvertretender bayrischer Ministerpräsident, der 2013 für kurze Zeit mit Lucke verbündet war, hat dem Spiegel solche Treffen bestätigt. Eine Schlüsselrolle spielte dabei Dagmar Metzger, die in der Gründungsphase Pressesprecherin und Vorstandssprecherin der AfD war, diese über ihre Agentur Wordstatt mit Geld versorgte und Kontakte zu Finck und Stahl unterhielt.

Später deckte die AfD einen Großteil ihrer Ausgaben durch den Handel mit Goldmünzen. Unterstützt wurde sie dabei von Fincks Edelmetallfirma Degussa, für deren PR-Arbeit wiederum Dagmar Metzger zuständig war. Nachdem der Bundestag diesem Handel Ende 2015 durch eine Änderung des Parteiengesetzes einen Riegel vorgeschoben hatte, begannen die millionenschweren Kampagnen des „Vereins zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten“ zugunsten der AfD.

Der Spiegel-Bericht gelangt zum Schluss, dass diese geheime und teilweise illegale Finanzierung maßgeblich zum Aufstieg der AfD beigetragen hat. „Graues oder schwarzes Geld steht am Anfang der meisten politischen Skandale in der Bundesrepublik“, lautet sein Fazit. „Dass aber eine Partei wie die AfD mithilfe von dubiosen Finanzierungen überhaupt erst durchstarten und in die deutschen Parlamente einziehen konnte, ist ein Novum.“

Ein Novum vielleicht für die Bundesrepublik, nicht in der deutschen Geschichte. Fincks Vater August von Finck Senior hatte die Nazis bereits unterstützt, als diese noch weit von der Machtübernahme entfernt waren. Er und weitere Industrielle trafen sich Mitte 1931 im Berliner Hotel Kaiserhof mit Hitler und versprachen, ihm im Falle eines linken Aufstands 25 Millionen Reichsmark zur Verfügung zu stellen. Das entspricht nach heutiger Kaufkraft etwa 100 Millionen Euro. Bei einem weiteren Geheimtreffen mit Hitler am 20. Februar 1933 stellten ihm Finck und andere Wirtschaftsführer drei Millionen Euro für den Wahlkampf zur Verfügung.

August von Finck gehörte zu den einflussreichsten Wirtschaftsmagnaten der Weimarer Republik. Sein Vater Wilhelm Finck hatte die Bank Merck Finck & Co. und zahlreiche Unternehmen mitbegründet, darunter die Allianz Versicherungsgesellschaft und die Münchener Rückversicherungsgesellschaft. Er war 1911 in den bayrischen Adelsstand erhoben worden.

Für August von Finck zahlte sich die Unterstützung Hitlers aus. Er trat noch 1933 der NSDAP bei und übte zahlreiche führende Ämter in Wirtschaft und Politik aus. Er profitierte von der Arisierung jüdischen Vermögens und übernahm nach dem Anschluss Österreichs das jüdische Bankhaus S. M. v. Rothschild in Wien.

Nach dem Untergang des Naziregimes musste Finck einige seiner Aufsichtsratsmandate vorübergehend abtreten und die Leitung der familieneigenen Bank an einen Treuhänder übergeben. Sein Vermögen, das er durch die Verbrechen der Nazis vermehrt hatte, durfte er aber behalten. 1948 wurde er als „Mitläufer“ eingestuft. Bald darauf kehrte er in seine führenden Positionen zurück. Nun konzentrierte er sich darauf, eine geplante Bodenreform abzuwehren und seinen Grundbesitz zu mehren.

Heute beruht das Fincksche Vermögen vor allem auf einem riesigen Immobilienbesitz in München, der teuersten Stadt Deutschlands. Die Bank Merck Finck & Co wurde 1990 verkauft. August Junior hält aber auch zahlreiche Beteiligungen an großen Unternehmen, die er in kurzen Intervallen kauft und wieder abstößt. Zu den Unternehmen, an denen er beteiligt war oder noch ist, gehören die Münchner Löwenbräu-Brauerei, die Restaurantkette Mövenpick, der Maschinenbauer Von Roll, der Rüstungshersteller Oerlikon-Bührle, der Baukonzern Hochtief sowie zahlreiche andere.

2010 kaufte Finck für zwei Millionen Euro den Markennamen „Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt“ (Degussa) und stieg in den Goldhandel ein, auch um die AfD zu unterstützen. Der Name Degussa ist auf das engste mit den schlimmsten Verbrechen des Nazi-Regimes verknüpft. Eine Tochter des Unternehmens hatte das Gas Zyklon B für die Vernichtungslager geliefert, Degussa selbst hatte das Zahngold eingeschmolzen, das den ermordeten Juden herausgebrochen wurde.

Nun wird das fincksche Vermögen, die Frucht der größten Menschheitsverbrechen, wieder eingesetzt, um eine Partei zu fördern, die sich immer offener an der Politik der Nazis orientiert. Das unterstreicht, wovor die WSWs seit langem gewarnt hat: Angesichts wachsender sozialer Spannungen und Konflikten zwischen den Großmächten kehrt die herrschende Klasse Deutschlands zu den faschistischen und militaristischen Traditionen der Vergangenheit zurück.

Die Enthüllungen über die Finanzquellen der AfD bestätigen auch, dass diese ultrarechte Partei nicht das Ergebnis einer Bewegung von unten ist. Ihre Stärke ergibt sich, wie es im Vorwort zu dem Buch „Warum sind sie wieder da?“ heißt, „ausschließlich aus der Unterstützung, die sie von Parteien, Medien, der Regierung und dem Staatsapparat erhält“ – sowie, muss man hinzufügen, von Vertretern der Finanzaristokratie.

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