Kämpfe von Lehrern in den USA

Aus dem „Teachers‘ Newsletter“ der amerikanischen WSWS-Redaktion

Von unserem Korrespondenten
12. Juli 2019

In West Virginia stößt ein neues Bildungsgesetz auf die scharfe Ablehnung der Lehrer, mit dem seit Ende Juni privat betriebene „Charter Schools” legalisiert werden. Die kämpferischen Lehrer West Virginias bilden seit 2018 die Speerspitze im Kampf ihrer Kollegen aus weiteren Bundesstaaten gegen die Einführung solcher Privatschulen und die staatlichen Gutscheine zu deren Finanzierung.

Ein Lehrer erklärte öffentlich, seine Kollegen und er würden den Raubzug der privaten Aktiengesellschaften zur angeblichen Verbesserung der Bildungslandschaft ablehnen. Von den beabsichtigten Zeremonien zur Einführung des Gesetzes – in Zusammenarbeit mit den verhassten Gewerkschaften – musste der Gouverneur deshalb absehen, der Widerstand von der Basis war zu groß.

Lehrerstreik 2018 in West Virginia

Das neue Gesetz soll dem Vernehmen nach die gut bezahlte Privatisierungslobby des „American Legislative Exchange Council“ für die US-Bildungsministerin geschrieben haben. Danach können in West Virginia ab 2020 jährlich drei neue „Charter Schools“ eingerichtet werden. 90 Prozent des Pro-Kopf-Etats für jeden neuen Schüler werden diesen Privatschulen gesetzlich garantiert, ebenso wie die damit zusammenhängenden Bundeszuschüsse. Die Auswirkungen sind bekannt: Wie andernorts auch wird das geplante Absaugen von Profiten aus dem Staatshaushalt viele bereits verfallende Schulen noch stärker belasten.

In Michigan regt sich massiver Widerstand gegen die Schließung der Benton Harbor High School. Governeurin Whitmer hatte mit der dort regierenden Demokratischen Partei vereinbart, die Zukunft der Schule und eventuell sogar des Schulbezirks an Leistungsziele für Lehrer und an Ergebnisse standardisierter Tests sowie an Sparzwänge zu knüpfen. Der Bürgermeister von Benton Harbor bezeichnet diese Leistungsziele als unrealistisch und warnt vor einer „Falle“.

In Chicago laufen zum 30. Juni 2019 die Arbeitsverträge für mehr als 20.000 Lehrer und Schulangestellte aus. Traditionell ist Chicago ein Schlachtfeld für jede Form der Geschäftemacherei bei den „Bildungsreformen“ der Demokraten, bei Einsparungen, Angriffen auf Lehrer, Aushebeln von Kündigungsschutz und Schulprivatisierungen. Diese „Reformen“ sollen nun noch beschleunigt werden, forderte am 1. Juli der Präsident der Lehrergewerkschaft CTU in Chicago auf einer Pressekonferenz.

Jetzt, wo die Verträge ausgelaufen sind, gibt die Gewerkschaft keine Auskunft über den Stand der Verhandlungen mit den Arbeitgebern, sondern sie fordert Lehrer auf, für Streiks „Geld zurückzulegen“. Das muss als Drohung verstanden werden, dass die Gewerkschaft im Fall eines Streiks nicht auf die von ihren Mitgliedern eingezahlten 15,5 Millionen US Dollar zurückgreifen will.

Die Schulverwaltung in San Francisco hat beschlossen, bestimmte linke Wandbemalungen als „rassistisch, weiß und herrenmenschlich“ zerstören zu lassen.

Diese Kunstwerke auf den Mauern einer örtlichen weiterführenden Schule gehören zum historischen Erbe aus dem Schaffen des linken Künstlers Victor Arnautoff, der sie während der Sozialreformen der dreißiger Jahre als Auftragsarbeiten angefertigt hatte. Der Beschluss der Schulverwaltung gegen die Wandmalereien über die Zeit „George Washingtons“ stellt eine scharfe Zensurmaßnahme dar. Dargestellt sind die Widersprüche der frühen US-amerikanischen Revolution, einerseits Szenen des gesellschaftlichen Fortschritts, andererseits die Sklaverei und der Genozid an den Ureinwohnern.