Ein Nachtrag zur Trotzki-Konferenz in Kuba

Von Bill Van Auken
13. Juli 2019

Vor Kurzem veröffentlichte die World Socialist Web Site eine Analyse der Konferenz, die im Mai unter dem Titel „International Academic Event Leon Trotsky“ in Havanna einberufen wurde. Darin betonten wir, dass die kubanischen Arbeitern und Jugendlichen ein klares Verständnis darüber brauchen, wie Trotzki und der Trotzkismus die historische Kontinuität des sozialistischen Internationalismus bewahrt haben, und dass diese Kontinuität im Programm und in der Praxis der Vierten Internationale verkörpert ist.

Wir haben kategorisch erklärt, dass dies nicht der Zweck der Konferenz in Havanna war, deren Charakter sich daran ablesen ließ, „wer eingeladen war und wem die Teilnahme verwehrt wurde“.

In die erste Kategorie fiel ein Sammelsurium pablistischer Revisionisten, die sich als Akademiker oder „unabhängige Forscher“ ausgaben. Ihre Vorträge waren darauf ausgerichtet, die revolutionäre Rolle von Trotzki und dem Trotzkismus zu verschweigen und der herrschenden Elite Kubas nicht auf die Füße zu treten.

Von der Konferenz ausgeschlossen war das Internationale Komitee der Vierten Internationale, das den Kampf gegen den pablistischen Revisionismus geführt hat.

Frank García Hernández, der Organisator der Konferenz, log über die Gründe, aus denen das IKVI von der Teilnahme ausgeschlossen wurde. In einem E-Mail-Austausch mit der WSWS behauptete er, die Anmeldung des IKVI sei ausschließlich aus Platzgründen nicht bewilligt worden. Die Anwesenheit von Vertretern des IKVI würde „die Teilnahmekapazitäten für die kubanische Öffentlichkeit" verringern.

Abgesehen davon, dass die „kubanische Öffentlichkeit“ auf der Konferenz praktisch nicht vertreten war, lag auf der Hand, dass der Ausschluss des IKVI politisch motiviert war. Die kubanische Regierung wusste genau, dass Vertreter des IKVI die Lehren aus dem langwierigen Kampf gegen den Revisionismus innerhalb der Vierten Internationale erklärt und insbesondere die scharfen Differenzen über den Charakter der kubanischen Revolution dargelegt hätten.

Diese Einschätzung wurde durch ein Interview mit García Hernández bestätigt, das vergangenen Monat von Socialist Action veröffentlicht wurde. Diese Publikation wird von einer US-amerikanischen Pablistengruppe herausgegeben, die einen Vertreter nach Havanna entsandt hatte.

Auf die Frage, welche „Hindernisse“ es für die Durchführung der Konferenz gegeben habe, erklärte García Hernández, eines der Hauptprobleme sei die „Voreingenommenheit bestimmter [kubanischer] Beamter gegenüber Trotzki“ gewesen.

Diese seiner Meinung nach „normale“ Haltung führte er darauf zurück, dass „einige trotzkistische Gruppen die Revolution extrem kritisiert haben“, und fügte hinzu: „Von einigen wird befürchtet, dass manche dieser Gruppen, die ich erwähnte, kamen, um zu versuchen, trotzkistische politische Organisationen in Kuba zu schaffen. So etwas ist aussichtslos, weil sich niemand in Kuba dafür interessiert.“

Aber wenn sich „niemand“ in Kuba für den Trotzkismus interessiert, warum hat García Hernández dann die Konferenz organisiert?

Bezeichnenderweise äußerte der Interviewer von Socialist Action, Rob Lyon, der als „internationaler Solidaritätskoordinator“ der Organisation firmierte, keine Einwände gegen diese Einschätzung.

García Hernández betonte, dass besagte „Hindernisse“ aufgrund des „rein akademischen Charakters“ der Konferenz überwunden worden seien, und auch deshalb, weil „die Teilnehmer großen Respekt vor dem Land zeigten, in dem sie sich aufhielten“.

Im Klartext: Die eingeladenen Personen wurden von der kubanischen Regierung überprüft. Sie kamen auf der Grundlage der ausdrücklichen Übereinkunft, dass sie nichts über die Beziehung von Trotzki oder dem Trotzkismus zur Geschichte der kubanischen Revolution sagen würden, geschweige denn zur gegenwärtigen Krise und Vertiefung der sozialen Ungleichheit in Kuba.

García Hernández Aussage, dass „sich niemand in Kuba dafür interessiert“, die trotzkistische Bewegung in diesem Land aufzubauen, ist ein plumper Ausdruck des Wunschdenkens der kubanischen Regierung, die die unabhängige politische Mobilisierung der Arbeiterklasse auf der Grundlage eines sozialistischen und internationalistischen Programms fürchtet.

Bei denjenigen, die auf der Konferenz Vorträge gehalten haben – größtenteils demoralisierte Antitrotzkisten (Ernie Tate, Suzie Weissman, Alex Steiner, u.a.) – konnte man sich darauf verlassen, dass sie nicht den Unmut des kubanischen Staates auf sich ziehen würden.

Die objektive Entwicklung hat den Kampf des IKVI gegen den pablistischen Revisionismus bestätigt. Sie hat die Vorstellung der Pablisten widerlegt, die kubanische Revolution und die kleinbürgerlich geführten Guerilla-Bewegungen seien ein neuer Weg zum Sozialismus und Fidel Castro stehe an der Spitze eines Arbeiterstaats.

Es wird dem kubanischen Staat und seinen pablistischen Komplizen nicht gelingen, die kubanischen Arbeiter vor der Entwicklung des Klassenkampfs auf internationaler Ebene abzuschirmen. Trotz der Zensur der Regierung wird die WSWS von immer mehr Kubanern gelesen, die eine sozialistische Alternative zu dem gescheiterten kleinbürgerlich-nationalistischen Programm des Castroismus suchen. Die Perspektive des Trotzkismus, die im Kampf des IKVI für die politische Unabhängigkeit und die internationale Vereinigung der Arbeiterklasse im Kampf gegen Kapitalismus und Imperialismus zum Ausdruck kommt, wird auch in Kuba Gehör finden.