Handelskonflikt zwischen USA und China eskaliert zu Währungskrieg

Am Montag löste die Angst vor einem Währungskrieg weltweit starke Kursverluste an den Aktienmärkten aus. Zuvor hatte China zugelassen, dass seine Währung, der Renminbi, unter die Marke von sieben zu einem US-Dollar fällt. Die Entscheidung war eine Reaktion auf die Eskalation des Handelskriegs durch US-Präsident Trump, der mit einem zehnprozentigen Zoll auf weitere chinesische Güter im Wert von 300 Milliarden Dollar ab dem 1. September gedroht hatte.

Am Montagabend bezeichnete das US-Finanzministerium China als „Währungs-Manipulator“ und signalisierte damit, dass der Handelskrieg zum Währungskrieg eskaliert. Es hieß, China habe „seit Langem im großen Stil Interventionen auf dem Devisenmarkt begünstigt. In den letzten Tagen hat China konkrete Schritte unternommen, um seine Währung zu entwerten. Gleichzeitig hat es beträchtliche Devisenreserven gehalten, obwohl es dieses Werkzeug in der Vergangenheit aktiv eingesetzt hat.“

Der Vorwurf der USA, China würde seine Währung manipulieren, stellt die Realität auf den Kopf. Tatsächlich haben die chinesischen Behörden aktiv in den Devisenmärkten interveniert, allerdings nicht um den Wert des Renminbi nach unten zu treiben, sondern um den Verfall der Währung zu verhindern, damit er nicht zu Kapitalabfluss führt. Die Entscheidung von Montag, die auf die Drohung der USA mit neuen Zöllen folgt, deutet auf eine Umorientierung hin.

Vermutlich fanden vor der Entscheidung zur Abwertung des Renminbi Diskussionen auf höchster Regierungsebene statt. Die chinesische Nationalbank erklärte bei der Verkündung des Schritts, der Währungsverfall sei eine Folge „der Auswirkungen unilateraler und handelsprotektionistischer Maßnahmen und drohender Zölle gegen China“.

Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua erklärte, als weitere Folge hätten chinesische Unternehmen bereits den Kauf von US-Agrarprodukten ausgesetzt. Die Regierung habe erklärt, sie schließe die Einführung von Zöllen auf Agrarprodukte, die nach dem 3. August gekauft wurden, nicht aus.

Die Entscheidung der USA, die Zölle weiter zu erhöhen, stieß laut dem Wall Street Journal anfangs auf den Widerstand des US-Handelsbeauftragten Robert Lightizer und des Finanzministers Steven Mnuchin. Unterstützt wurde sie jedoch von dem führenden anti-chinesischen Falken Peter Navarro.

Offensichtlich sind die herrschenden Kreise in Peking deshalb zu dem Schluss gekommen, dass es absolut keine Aussicht mehr auf eine Einigung mit Washington gibt, nachdem die USA ihre Handelskriegsmaßnahmen seit mehr als einem Jahr ständig verschärft haben. Deshalb sei es notwendig, sich auf einen „langen Marsch“ vorzubereiten, wie es Präsident Xi Jinping formulierte.

In dieser Einschätzung wurden sie vermutlich von weiteren Ereignissen der letzten Tage bestärkt. Nur wenige Stunden nach dem formellen Austritt der USA aus dem INF-Vertrag erklärte US-Verteidigungsminister Mark Esper, die USA wollten im Pazifik auf China gerichtete Mittelstreckenraketen stationieren. Außenminister Mike Pompeo stellte später eine direkte Verbindung zwischen Chinas Wirtschaftswachstum und den chinesischen Militärkapazitäten her.

US-Präsident Trump meldete sich nach Chinas währungspolitischer Entscheidung mit einem Tweet zu Wort, in dem er die amerikanische Zentralbank Federal Reserve zu weiteren deutlichen Zinssenkungen drängte. Zuvor hatte Trump die Fed bereits aufgefordert, ihre Zinsen zu senken, um die Wall Street anzukurbeln. Doch jetzt verlegt er den Schwerpunkt auf die Forderung, die Fed solle die Zinsen senken, um den Dollar abzuwerten. Der Handelskrieg würde sich damit zu einem Währungskrieg ausweiten.

Trump schrieb auf Twitter: „China hat seine Währung fast auf einen historischen Tiefstand abgewertet. Das nennt man ,Währungsmanipulation‘. Haben Sie gehört, Federal Reserve?“

Die internationalen Märkte reagierten auf Chinas währungspolitischen Schritt mit starken Kursverlusten, zuerst in Asien, dann in Europa und schließlich in den USA. An der Wall Street fanden in allen Bereichen Abverkäufe statt, wobei der breit angelegte Index S&P 500 um drei Prozent nachgab. Der Dow Jones ging um 760 Punkte bzw. 2,9 Prozent zurück. Insgesamt erlebten die Märkte den schlechtesten Tag des Jahres. Der S&P 500 befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit zwei Monaten, seit seinem Rekordhöchststand im letzten Monat hat er sechs Prozent verloren.

Eine andere wichtige Entwicklung war der Anstieg der Nachfrage nach Staatsanleihen, die in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit als sichere Anlagequellen gelten. Die Zinsen auf US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit gingen auf 1,735 Prozent zurück. Mit diesem Rückgang (der im umgekehrten Verhältnis zum Preis steht) setzte sich ein Trend fort, der sich seit drei Monaten abzeichnet. Letzte Woche kam es zum größten wöchentlichen Rückgang der Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen seit 2012. Seit Mai ist dieser Zinssatz angesichts der zunehmenden Handelsstreitigkeiten um 0,80 Prozentpunkte gesunken.

Bezeichnenderweise nahm die Zinskurve weiterhin einen inversen Verlauf. Das bedeutet, dass die Zinsen auf kurzfristige Anleihen höher sind als auf langfristige. Dies gilt als eins der sichersten Zeichen für eine Rezession. Die Financial Times schrieb dazu, der Indikator für Rezessionen auf dem Anleihenmarkt habe „das pessimistischste Alarmsignal seit 2007 aufleuchten lassen“, d.h. seit dem Beginn der globalen Finanzkrise.

Der Unterschied zwischen den Zinsen auf dreimonatige und zehnjährige US-Staatsanleihen drehte sich am Montag zeitweise um 32 Basispunkte ins Negative. Ein Prozess, der bei jeder Rezession in den USA in den letzten fünf Jahrzehnten zu beobachten war.

Ökonomen von Morgan Stanley veröffentlichten am Montag eine Studie, laut der die Weltwirtschaft in neun Monaten in eine Rezession stürzen wird, wenn der Konflikt zwischen den USA und China noch weitere vier bis sechs Monate andauert.

In Europa gibt es bereits deutliche Anzeichen für eine beginnende Rezession. Der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi erklärte letzten Monat, die Bedingungen in der Industrie würden „immer schlimmer“. Die EZB bereitet die Ankündigung weiterer geldpolitischer Unterstützungsmaßnahmen vor.

Auch in amerikanischen Wirtschafts- und Unternehmerkreisen wächst die Sorge wegen der fortgesetzten Eskalation von Trumps Angriffen. Darin äußert sich die Befürchtung, dass Taktiken, mit denen Trump in der zwielichtigen Welt des New Yorker Immobilienmarktes Geschäfte machen konnte, in der Weltwirtschaft nicht funktionieren.

Philip Levy, ein ehemaliges Mitglied von George W. Bushs Wirtschaftsrat, erklärte gegenüber Bloomberg: „Als wir diesen Handelskrieg mit China angefangen haben, hatten wir keinen klaren Plan, wie wir wieder herauskommen. Der Plan, um ihn zu beenden, war offenbar: Wir drohen ihnen, sie unterwerfen sich, und wir sind glücklich.‘ Bisher haben wir noch nicht darüber geredet, was passiert, wenn sie sich nicht unterwerfen.“

Die drohende Eskalation des Handelskriegs zu einem Währungskrieg hat schwerwiegende langfristige Folgen für das gesamte internationale Finanzsystem, da es auf dem von den Zentralbanken ausgegebenem Papiergeld basiert.

Da alle großen Volkswirtschaften dabei sind, ihre eigenen Währungen zu entwerten, während sich rezessive Trends und zunehmende wirtschaftliche Konflikte abzeichnen, entstehen die Bedingungen für eine schwere Krise des gesamten Währungssystems.

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