Massiver Stellenabbau bei Deutscher Bank und Commerzbank

Von Gustav Kemper
10. Oktober 2019

Im September kündigte Vorstandschef Martin Zielke den Abbau von 4300 Stellen bei der Commerzbank an. Nun hat auch die Deutsche Bank durchsickern lassen, dass sie allein in Deutschland 9000 Stellen streichen will. Das ist die Hälfte der weltweit 18.000 Arbeitsplätze, deren Abbau die Bank im Juli angekündigt hatte, und damit weit mehr als erwartet.

Seit die Fusionsverhandlungen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank im April 2019 gescheitert sind, verfolgen beide Bankhäuser drastische Restrukturierungsprogramme zu Lasten der Beschäftigten, um den Renditeansprüchen der Aktionäre zu genügen und sich auf künftige Übernahmeschlachten vorzubereiten. Die Commerzbank wolle „im Fusionspoker ein ‚aktiver Spieler‘ sein“, begründete Vorstandschef Zielke seine neue Strategie.

Wie in anderen Branchen findet auch im Bankgeschäft ein weltweites „Endspiel für die globale Marktführerschaft“ statt, wie das Handelsblatt den Umbau des Siemenskonzerns bezeichnete. Dessen Chef Joe Kaeser hatte von einem „Merger-Endgame“ gesprochen. Ähnliche Pläne verfolgt ThyssenKrupp. Auch in der Chemie- und Pharmabranche nimmt die Monopolbildung zu, man denke nur an die Übernahme des US-amerikanischen Pflanzenschutzherstellers Monsanto durch die Bayer AG.

Zum Umbauprogramm der Commerzbank gehört die Schließung von 200 ihrer 1000 Filialen. In anderen Bereichen, wie Vertrieb, IT und Regulatorik, sollen zwar 2000 neue Stellen geschaffen werden, doch sind die Anforderungen an diese Arbeitsplätze nicht mit denen in den Filialen deckungsgleich.

Die Kosten des Stellenabbaus und der Filialschliessungen werden auf 850 Millionen Euro beziffert. Dazu kommen noch 650 Millionen Euro, die in den Ausbau der Digitalisierung des Bankgeschäfts fließen sollen. Diese Kosten will die Bank durch den Verkauf ihres 70-Prozent-Anteils an der polnischen mBank hereinholen.

Außerdem soll die Tochtergesellschaft Comdirect, an der die Commerzbank 82 Prozent der Anteile besitzt, vollständig übernommen werden, um das dort starke Digitalgeschäft zu integrieren.

Seit dem Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 sank der Wert der Commerzbankaktie von über 200 Euro auf derzeit 4,82 Euro, ein Verlust von etwa 97 Prozent. Die Bundesregierung rettete die Bank damals durch eine Finanzspritze von 15 Mrd. Euro. Nach Rückzahlung der Stillen Einlagen durch die Commerzbank in den Jahren 2011 und 2013 hält der Bund noch ein Aktienpaket von 15 Prozent. Der damalige Wert betrug 5,1 Mrd. Euro, stellt aber mit dem heutigen Kurs nur noch einen Wert von etwa 1 Mrd. Euro dar. Die Rettung der Bank wurde also durch Steuergelder in Milliardenhöhe und den Abbau Tausender Arbeitsplätze bezahlt.

Die sinkende Zahl aller Bankfilialen in Deutschland demonstriert diesen Trend. Nach Mitteilung der Bundesbank sank die Zahl der Geschäftsstellen aller Banken in Deutschland von rund 40.000 im Jahr 2007 auf knapp 28.000 im Jahr 2018.

Durch die Sparmaßnahmen will die Commerzbank die Kosten bis zum Jahr 2023 um 600 Millionen Euro senken und eine Rendite von mindestens 4 Prozent erzielen.

Die Commerzbank zeichnet für etwa 30 Prozent des deutschen Außenhandels und ist Marktführer im deutschen Firmenkundengeschäft, in Konkurrenz zur Deutschen Bank, den Sparkassen und Volksbanken. Zielke will Sparkassen übernehmen.

Die Negativzinsen, die die Banken für Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen müssen, sollen durch Gebührenerhöhungen auf die Kunden abgewälzt werden.

Stefan Wittmann, Verdi-Gewerkschaftssekretär und Mitglied im Aufsichtsrat der Commerzbank, sprach sich zwar „entschieden gegen einen Personalabbau im Filialbereich aus“, signalisierte aber bereits, dass Verdi einen weiteren Personalabbau in anderen Bereichen „kritisch begleiten“ werde.

„Wir verstehen, dass durch die Zusammenlegung von Comdirect mit der Commerzbank auch Stellen in den Zentralen wegfallen“, erklärte er dem Handelsblatt. Die Frage sei nicht das „Ob“, sondern das „Wie“. Die Gewerkschaft unterstütze auch den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der polnischen mBank, der ja dazu dienen soll, den Stellenabbau zu finanzieren.

Auch bei der Deutschen Bank organisiert die Gewerkschaft Verdi den Stellenabbau. Dort sollen von den derzeitigen 41.700 Arbeitsstellen innerhalb Deutschlands 9000 abgebaut werden. Diese Zahl beinhaltet nach Unternehmensangaben 2000 Stellen bei der Postbank, deren Abbau Verdi schon zugestimmt hat. Es ist bereits abzusehen, dass die Gewerkschaft die Angst vor dem angedrohten Jobabbau nutzen wird, um in den derzeitigen Tarifverhandlungen bei der Postbank einen niedrigen Abschluss durchzusetzen. Am 1. Oktober hatte die Verhandlungskommission der Postbank eine Lohnerhöhung von 1,7 Prozent angeboten.

Bereits im Juli hatte der damalige Verdi-Chef Frank Bsirske die Neuausrichtung der Deutschen Bank begrüßt, nachdem der Aufsichtsrat die Umbaustrategie von Vorstandschef Christian Sewing gebilligt hatte. Der geplante Personalabbau werde vor allem im Investmentbanking im Ausland stattfinden. „Welche Auswirkungen das auch auf die Infrastrukturbereiche in Deutschland hat, können wir im Moment nicht beziffern“, hatte Bsirske erklärt. „Wir werden den Prozess in jedem Fall im Sinne der Beschäftigten begleiten und haben die klare Erwartung, dass die Deutsche Bank bei ihrer Neuaufstellung wie bisher auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet und der Personalabbau der Beschäftigten sozialverträglich erfolgt.“

Wie die Gewerkschaften in anderen Branchen steht Verdi im internationalen „Fusionspoker“ im Bankengewerbe voll hinter den „eigenen“ Konzernen und ist zu jedem Zugeständnis bereit, um deren Profite zu steigern. Die Beschäftigten können ihre Löhne, Arbeitsplätze und Rechte nur verteidigen, wenn sie mit diesen korrupten Organisationen brechen, unabhängige Aktionskomitees aufbauen und sich mit ihren Kolleginnen und Kollegen in anderen Ländern zusammenschließen. Die Verteidigung der Löhne und Arbeitsplätze erfordert eine internationale Strategie und ein sozialistisches Programm, das den Konzernen und Banken die Macht über die Wirtschaft nimmt und sie unter demokratische Kontrolle stellt.