Corona-Pandemie: Todesfalle Pflegeheim

Von Elisabeth Zimmermann
2. Mai 2020

Pflegeheime sind in der Corona-Pandemie zu richtiggehenden Todesfallen geworden. Das gilt nicht nur für Länder wie Italien und Spanien, in denen Covid-19 zeitweise völlig außer Kontrolle geriet, sondern auch für Deutschland.

Laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts vom 23. April waren bis dahin etwa 1500 Bewohner von Alten- und Pflegeheimen mit einer Corona-Infektion gestorben. Das war zu diesem Zeitpunkt annähernd ein Drittel aller Corona-Toten in Deutschland. Die Dunkelziffer liegt noch viel höher. Eine offizielle Statistik über bestätigte Corona-Fälle in Heimen gibt es nicht, und Zahlen aus der ambulanten Pflege sind kaum erhältlich. Bundesweit leben rund 800.000 Menschen in Alten- und Pflegeheimen.

Die Zustände in einigen Heimen gleichen einem Alptraum. So sind im Maternus-Seniorenheim in Köln-Rodenkirchen 23 Menschen an Covid-19 gestorben, wie der Westdeutsche Rundfunk am 29. April meldete. Der WDR hatte die Information von Mitarbeitern des Heims erhalten. In dem Kölner Seniorenheim leben 140 Menschen im betreuten Wohnen und 75 sind im Pflegebereich in stationärer Behandlung. Das Heim wird von der Berliner Firma Cura GmbH betrieben.

Schon vor ein paar Wochen hatten sich mehr als 50 Bewohner des Heims und etwa zwei Dutzend Mitarbeiter infiziert, darunter der Leiter der Einrichtung. Mitarbeiter haben anonym über ihre schockierenden Erfahrungen zu Beginn der Corona-Krise berichtet. So hätten sie Bewohner mit eindeutigen Symptomen in umliegende Kliniken gebracht, von wo sie ungetestet direkt wieder ins Pflegeheim zurückgeschickt worden seien.

Wie in fast allen Pflegeheimen, in denen es zu massenhaften Corona-Infektionen kam, ist der Mangel an ausreichendem Personal und Schutzausrüstung ein Hauptgrund für die rasante Ausbreitung der Virusinfektion und den tödlichen Verlauf bei oft bereits gesundheitlich geschwächten Menschen. Mitarbeiter und Bewohner des Heims sagten dem WDR, es herrsche pure Angst wegen dem, was passiert sei, und über die künftige Entwicklung.

Auch in dem nur wenige Kilometer entfernten Pflegeheim Sankt Monika spielten sich in der Woche vor Ostern dramatische Szenen ab. Das von der Caritas geführte Heim liegt in St. Augustin bei Bonn. Hier wurden 37 der 70 Bewohner und 38 Pflegekräfte positiv auf das Corona-Virus getestet. Die infizierten Bewohner wurden in Krankenhäuser gebracht.

Für die nicht infizierten Heimbewohner musste der Katastrophenschutz vorübergehend die Betreuung übernehmen, weil sich die meisten Pflegekräfte des Heims angesteckt hatten. Anschließend wurden einige infizierte Pflegekräfte bereits nach einer, statt der vorgeschriebenen zwei Wochen wieder aus der häuslichen Quarantäne an die Arbeit zurück gezwungen, um den Betrieb des Pflegeheims aufrechtzuerhalten. Dies sei seit einigen Tagen offiziell erlaubt.

Dieses Verhalten der Heimleitung und der zuständigen Behörde ist kein Einzelfall. Auch anderswo nehmen Betreiber und Behörden keine Rücksicht auf die gesundheitlichen Risiken für Beschäftigte und Heimbewohner.

In einem Seniorenwohnheim der Arbeiterwohlfahrt in Duisburg wurde Mitte April festgestellt, dass 21 von 104 Bewohnern und 15 Mitarbeiter mit dem Coronavirus Covid-19 infiziert sind. Vier Bewohner mussten ins Krankenhaus. Drei Bewohner sind in den letzten Wochen aufgrund der Corona-Infektion verstorben. Nach weiteren Tests hat sich die Anzahl der infizierten Bewohner und Mitarbeiter auf 46 erhöht.

In Würzburg sind im Seniorenheim St. Nikolaus inzwischen 25 und in einem weiteren Seniorenheim 19 Bewohner an Covid-19 gestorben. Im Kreis Fürth, der wie Würzburg in Bayern liegt, starben in einem Heim 23 und in einem weiteren in Fürth-Stadt 18 Bewohner an einer Corona-Infektion.

Ähnliche Fälle gibt es in anderen Städten und Bundesländern. Auch Krankenhäuser und andere klinikähnliche Einrichtungen sind immer wieder von starken Ausbrüchen der Pandemie betroffen.

So berichtete Radio Westfalia von acht infizierten Patienten und Mitarbeitern der Gollwitzer-Meier-Klinik in Bad Oeynhausen. Es handelt sich um eine Reha-Klinik für Herz- und Gefäßkrankheiten. Alle 170 stationären Patienten und 170 Mitarbeiter sollen jetzt auf das Virus getestet werden.

Radio Berlin Brandenburg berichtete am 30. April, dass in der Brandenburg-Klinik in Bernau inzwischen 81 Patienten und 70 Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet worden sind. 15 sind an der Infektion gestorben.

Laut Kreisverwaltung Barnim haben alle verstorbenen Patienten an schweren, teilweise unheilbaren Vorerkrankungen gelitten. Das ist eine Standardbehauptung, mit der die politisch Verantwortlichen die Gefahren des Corona-Virus herunterspielen und von eigenen Versäumnissen ablenken. Fakt ist, dass die betroffenen Opfer ohne Corona-Infektion wahrscheinlich noch am Leben wären.

Siehe auch:

Zahlreiche Covid-19-Todesfälle in Pflegeheimen, 6. April 2020