Zahl der Corona-Fälle steigt weltweit auf 6 Millionen

Von Bryan Dyne
1. Juni 2020

Weltweit haben sich mittlerweile mehr als sechs Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, alle zehn Tage schwillt die Zahl um eine weitere Million an. Über 365.000 bzw. 6,1 Prozent der Infizierten sind bereits an Covid-19 gestorben, wobei ebenfalls ein tagtäglicher Anstieg zu verzeichnen ist.

Die Zahlen umfassen die 2,6 Millionen Genesenen, die teils wochen- oder monatelang gegen Covid-19 gekämpft haben, sowie 2,9 Millionen leicht Erkrankte, sowie fast 54.000 Fälle, die aufgrund des Virus in ernsthafter Lebensgefahr schweben. Mehrere Artikel der World Socialist Website verdeutlichten bereits, dass diese Zahlen das tatsächliche Ausmaß der Pandemie vollkommen unterschätzen.

Am Freitag verkündete US-Präsident Donald Trump – inmitten des gravierendsten globalen Notstands der öffentlichen Gesundheit seit der Spanischen Grippe 1918 – den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Beiträge der USA machen etwa 15 Prozent des Etats der internationalen Behörde für das öffentliche Gesundheitswesen aus und sollen vollständig eingestellt werden. Trump bezeichnete die WHO in seiner Rede erneut als ein Werkzeug Chinas, das mit dem Pekinger Regime zusammengearbeitet habe, um die Gefahr des „Wuhan-Virus“ wochenlang zu verheimlichen und dessen weltweite Ausbreitung zu begünstigen.

Trump ließ dabei unerwähnt, dass China und die WHO bereits früh vor den Gefahren des Virus gewarnt hatten. Ebenso wenig erwähnte er, dass die amerikanische Regierung viel zu spät auf das Coronavirus reagierte und damit eine landesweite Ausbreitung, ausgehend von New York City, erst ermöglichte. Stattdessen forderte er: „China muss der Welt Antworten liefern.“

Tatsächlich können zahlreiche Erregerstämme des Virus, das die Krankheit Sars-CoV-2 auslöst, in die USA zurückverfolgt werden. Eine in verschiedenen Teilen der Welt durchgeführte Analyse der Genstruktur des Virus auf der Datengrundlage von Nextstrain und GISAID zeigt, dass es im Februar und März über die USA auf den indischen Subkontinent, in den Nahen Osten und nach Osteuropa gelangt ist. Und obwohl die USA mit 1,8 Millionen Infizierten sowie rund 104.000 Toten weiterhin am stärksten von der Pandemie betroffen sind, haben sich viele Länder in diesen Teilen der Welt zu regionalen oder sogar zu globalen Epizentren entwickelt.

Einer dieser Hotspots ist Indien mit 173.000 Fällen. Es handelt sich nicht nur um die höchste Zahl in Asien, sondern auch um mehr als doppelt so viele Infizierte wie in China. Indien hat außerdem eine der höchsten Neuinfektionsraten weltweit. Offiziell liegt die Zahl der Todesopfer zwar noch unter 5.000, doch es ist offensichtlich, dass das tatsächliche Ausmaß der Pandemie weit umfassender ist.

Gleichzeitig steigt die Zahl der Infizierten infolge der erzwungenen Öffnung des Landes durch Premierminister Narendra Modi exponentiell an. Epidemiologen schätzen, dass sich innerhalb weniger Wochen mehr als eine Million Menschen mit dem Virus infizieren werden und die Todesrate kurze Zeit später massiv ansteigen wird.

In den Nachbarstaaten Pakistan und Bangladesch, deren Regierungen eine ähnliche Politik wie Indien verfolgen, sind die Infektionen und Todesfälle in den letzten Wochen ebenfalls auf 64.000 bzw. 43.000 gestiegen. Beide Länder haben zwar im Vergleich zu Indien eine niedrigere Neuinfektionsrate, allerdings herrschen in den Großstädten dieselben beengten Verhältnisse, wodurch das Gesundheitswesen gleichermaßen stark belastet wird.

Auch Südkorea verzeichnet einen deutlichen Anstieg der Coronavirus-Infektionen. Nachdem die Pandemie durch großflächige Tests und Kontaktverfolgungen zunächst deutlich eingedämmt werden konnte, wurde die Wirtschaft wieder hochgefahren. Daraufhin kam es in den letzten Wochen vermehrt zu großflächigen Neuansteckungen. Erst kürzlich wurden 96 neue Fälle in einem Logistikzentrum bekannt.

Am Freitag mussten 500 der erst kürzlich wiedereröffneten Schulen des Landes wieder schließen. Die Regierung in Seoul hat zudem öffentliche Parks sowie staatliche Kunstgalerien, Theater und Museen erneut geschlossen. Ähnliche, privat geführte Einrichtungen wurden dazu gedrängt, ebenfalls für vierzehn Tage zu schließen, um den derzeitigen Ausbruch einzudämmen.

Auch der Nahe Osten ist von der Coronavirus-Pandemie schwer betroffen. Die Zahl der Erkrankten und Toten in der Türkei (162.000 bzw. 4.400) und dem Iran (146.000 bzw. 7.600) sind derzeit ähnlich hoch wie in Indien. Auch Saudi-Arabien zählt mit fast 82.000 Fällen und 450 Toten zu den am stärksten betroffenen Ländern weltweit. Die Zahl der Neuinfektionen nimmt zwar derzeit ab, doch die Todesfälle steigen seit April stetig an.

Innerhalb desselben Zeitraums hat auch das Emirat Katar zweifelhafte Bekanntheit erlangt, indem es regional und weltweit das Land mit den meisten Corona-Fällen pro Kopf wurde (mit Ausnahme der europäischen Kleinstaaten).An zweiter Stelle liegt mit Bahrain ebenfalls ein Golfstaat. Beide Länder verzeichnen nur wenige Todesopfer, doch wird die Pandemie auch hier weiter wüten und besonders für Immigranten zu einer großen Gefahr werden.

Auf dem südamerikanischen Kontinent gelten Brasilien, Peru, Chile und Ecuador als die Länder mit den meisten Infizierten. Derzeit gibt es zusammengenommen mehr als 700.000 Fälle sowie über 32.000 Tote – ein globales Epizentrum der Pandemie. Die meisten Infizierten gibt es in Brasilien (443.000 Fälle und fast 27.000 Tote) und die Zahlen steigen genauso schnell an wie in den USA. Nichtsdestotrotz hat der faschistische Präsident Jair Bolsonaro die Wiedereröffnung von Büros, Einzelhandelsgeschäften, Autohäusern, Immobilienbüros und Einkaufszentren angeordnet.

Innerhalb Brasiliens ist Sao Paulo, die bevölkerungsreichste Stadt der westlichen Hemisphäre und eine der größten Metropolregionen der Welt, am stärksten betroffen. Bisher gab es dort etwa 55.000 Infektionen, die das Gesundheitssystem bereits an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht hat.

Obwohl es unterdessen in Brasilien insgesamt mehr Fälle und tägliche Neuinfektionen gibt als in Russland, bleibt die Föderation weiterhin das europäische Land mit den meisten Infizierten (387.000). Die Gesundheitsbehörde in Moskau hat die Zahl der offiziellen Todesfälle in der Stadt vor kurzem um das Doppelte nach oben korrigiert und spricht nun von 1.561 Opfern.

Die Korrektur der Zahlen erfolgte, um auch die Menschen zu berücksichtigen, die laut Erhebungen aus anderen Gründen gestorben sind, aber mit dem Coronavirus infiziert waren. In einem Bericht des städtischen Gesundheitsamts heißt es, dass nun auch die „umstrittensten“ Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus herangezogen werden.

In anderen Teilen Russlands kommt es zu ähnlichen Entwicklungen. Würde die Zahl der Todesopfer im ganzen Land korrigiert werden, läge Russland direkt hinter den europäischen Ländern mit den meisten Toten – Großbritannien, Italien, Frankreich und Spanien, die noch immer weltweit zu den schlimmsten Epizentren der Pandemie zählen.

Das Zentrum der Pandemie bleiben jedoch weiterhin die USA, wo einige Gebiete einen dramatischen Anstieg der Fallzahlen verzeichnen. In Montgomery im Bundestaat Alabama sind die Fallzahlen nach der Wiedereröffnung der Wirtschaft um das Vierfache angestiegen; nur zwei Intensivpflegebetten sind derzeit unbelegt. Allgemein steigt die Anzahl der Infizierten in den Südstaaten weiter an. Texas und Florida – die einzigen Bundesstaaten, die einen Rückgang der Neuansteckungen gemeldet hatten – manipulieren mit großer Wahrscheinlichkeit bewusst ihre Zahlen, um eine Wiedereröffnung der Wirtschaft zu rechtfertigen. Am anderen Ende des Landes, in Kalifornien, steigt die Zahl der Infizierten täglich um über 2.000.

Obwohl die Zahl der Infizierten und Toten immer grausigere Höchststände erreicht, will die Trump-Regierung ihre Coronavirus-Taskforce auflösen. Vizepräsident Mike Pence, formeller Leiter des Arbeitsstabs, hatte diesen am Donnerstag erstmals seit einer Woche wieder zusammengerufen. Im März und April fanden noch tägliche Treffen statt, im Mai nur noch drei pro Woche. Trump konzentriert sich stattdessen darauf, sämtliche Arbeiter wieder in Fabriken, Büros und Betriebe zu zwingen, obwohl sich die tödliche Krankheit Covid-19 weiter in der Auto-, Fleischverarbeitungs- und Logistikindustrie ausbreitet.