Unterstützt den Historiker Joseph Scalice gegen die stalinistischen Verleumdungen von CPP-Gründer Jose Maria Sison!

25. August 2020

In einer bösartigen und bedrohlichen Verleumdung, die am 18. August auf Facebook gepostet wurde, hat Jose Maria Sison, der Gründer und ideologische Führer der maoistischen Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP), den Historiker Joseph Scalice attackiert. Sison bezeichnete dort einen der führenden Wissenschaftler der philippinischen Geschichte als „krankhaft tollwütigen antikommunistischen und CIA-Psywar-Agenten, der sich als akademischer Trotzkist ausgibt.“

Mit diesem ungewöhnlichen Wutausbruch reagierte Sison auf die Ankündigung, dass Scalice am 26. August eine Online-Vorlesung halten wird, die von der Nanyang Technological University in Singapur veranstaltet wird, wo er als Postdoktorand forscht. Die Vorlesung wird „die historischen Parallelen aufzeigen“ zwischen der Unterstützung der CPP für den faschistischen philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte im Jahr 2016 und der „Unterstützung der Marcos-Diktatur durch eine frühere Kommunistische Partei.“

Scalice, der fließend Tagalog spricht und an der University of California, Berkeley, in Südostasienwissenschaften promoviert hat, ist in den Vereinigten Staaten und in Südostasien als Wissenschaftler weithin bekannt und respektiert. Seine Doktorarbeit über die Geschichte der CPP ist auf den Philippinen auf großes Interesse gestoßen, wo Arbeiter und Jugendliche wie auch Akademiker versuchen, die tieferen Wurzeln des wiederholten Verrats der CPP zu verstehen. Scalice hat Essays über die philippinische Geschichte, Politik und soziale Bedingungen auf der World Socialist Web Site veröffentlicht.

Völlig unfähig, die politische Rolle der CPP zu verteidigen, knüpft Sison an seine lange persönliche Beteiligung an stalinistischen und maoistischen Denunziationen, Drohungen und Gewalt an, indem er Scalice als einen vermeintlichen Agenten des US-Imperialismus denunziert. Er prangert die „vergeblichen Versuche der Trotzkisten“ an, die CPP und ihre Frontorganisationen für „den Aufstieg zur Macht und die gegenwärtige kriminelle Herrschaft des verräterischen, tyrannischen, völkermörderischen, plündernden und betrügerischen Duterte-Regimes“ verantwortlich zu machen.

Es ist eine auf den Philippinen wohlbekannte Tatsache, dass die CPP und ihre Frontorganisationen das faschistische Duterte-Regime unterstützt haben, nachdem es 2016 die Regierung übernommen hatte, und zu seiner Unterstützung Kundgebungen veranstalteten. Anlässlich Dutertes erster Ansprache zur Lage der Nation veranstaltete BAYAN, die Dachorganisation der CPP, eine Kundgebung mit fast 40.000 Menschen und lud Dutertes neu ernannten Polizeichef Ronald de la Rosa zu einer Ansprache ein. Die Jugendorganisation der CPP, Anakbayan, begrüßte Dutertes Rede als „frischen Wind“.

Mehrere von der CPP für die Wahl aufgestellte prominente Persönlichkeiten haben Posten in Dutertes Regierung übernommen. Dazu gehören die Führer von zwei Organisationen, die mit der CPP politisch auf einer Linie stehen: Rafael Mariano, der langjährige Leiter der Bauernorganisation Kilusang Magbubukid sa Pilipinas (KMP), dem die Leitung des Ministeriums für Agrarreform (DAR) übertragen wurde; und Joel Maglungsod, Vizepräsident des Gewerkschaftsdachverbandes Kilusang Mayo Uno (KMU) für Mindanao, der zum Unterstaatssekretär des Ministeriums für Arbeit und Beschäftigung (DOLE) ernannt wurde.

Weit davon entfernt, sich von Duterte loszusagen, als dieser seinen „Krieg gegen die Drogen“ begann, begrüßte die CPP die Kampagne außergerichtlicher Tötungen, die sich gegen die am stärksten unterdrückten Schichten der Bevölkerung richtete, und forderte in ihrer offiziellen Zeitung Ang Bayan die „revolutionären Kräfte“ zur Zusammenarbeit auf. Der Krieg gegen die Drogen wurde zu einer Kampagne des Massenmords, bei der in den letzten vier Jahren über 30.000 Menschen von Polizei und paramilitärischen Kräften getötet wurden.

Scalice hat in seinen Schriften nicht nur den wiederholten Verrat der CPP und ihrer verschiedenen abtrünnigen Organisationen dokumentiert, sondern auch nachgewiesen, dass diese in der reaktionär-nationalistischen Ideologie des Stalinismus und ihrer maoistischen Variante verwurzelt sind. Ihre Perspektive der „Zwei-Stufen-Theorie“ besagt, dass in Ländern mit einer verspäteten kapitalistischen Entwicklung, wie den Philippinen, der Sozialismus von der Tagesordnung verschwunden sei, und dass die Arbeiterklasse und die Bauernmassen den „fortschrittlichen Flügel“ der Bourgeoisie unterstützen müssten.

Auf den Philippinen behauptete die stalinistische Partido Komunista ng Pilipinas (PKP), dass Ferdinand Marcos die fortschrittlichen Schichten der Bourgeoisie repräsentiere und unterstützte ihn, als er sich 1965 anschickte, die Präsidentschaft zu erlangen. Als Marcos sich darauf vorbereitete, durch die Verhängung des Kriegsrechts 1972 diktatorische Vollmachten zu übernehmen, trat sie dafür ein, ihm die Arbeiter und Bauern unterzuordnen.

Sison war Mitglied der Jugendorganisation der PKP, die 1967 aus der Partei ausgeschlossen wurde und 1968 die CPP gründete. Sison war zwar gegen die moskautreue PKP, aber weder er noch die CPP hinterfragten jemals die theoretischen Wurzeln des PKP-Verrats oder brachen mit dem Stalinismus. Er propagierte eine maoistische Version der Zwei-Stufen-Theorie, die dafür verantwortlich war, die eine oder andere Fraktion der Bourgeoisie als „fortschrittlich“ hinzustellen – bis zu dem Punkt, an dem sich die herrschende Klasse, nachdem sie ihre Herrschaft mit Hilfe der CPP stabilisiert hatte, gegen ihre Verbündeten und die Arbeiterklasse wandte.

Das „verräterische, tyrannische, völkermörderische, plündernde und betrügerische Duterte-Regime“ ist nur die jüngste in einer Reihe von philippinischen Regierungen, denen die CPP und/oder rivalisierende stalinistische Parteien an die Macht verhalfen.

Die unheimliche Drohung, die in Sisons verleumderischem Angriff auf Scalice steckt, muss ernst genommen werden. Sison und die CPP können auf eine lange Liste von physischer Gewalt und Mordne an ihren politischen Gegnern zurückblicken, einschließlich abtrünniger Mitglieder ihrer eigenen Partei. Seine Denunziationen der Trotzkisten erinnert an die Verleumdungen Stalins und seines Gangsterregimes, das eine ganze Generation von Revolutionären bei den Säuberungen der 1930er Jahre ermordet hat, die im August 1940 in der Ermordung Leo Trotzkis gipfelten.

Wir rufen unsere Leser auf, sich Sisons Verleumdungen gegen Joseph Scalice entgegenzustellen, Proteststatements zu veröffentlichen und sie über die sozialen Medien zu verbreiten. Die WSWS ruft auch zu einer möglichst großen Beteiligung an dem Vortrag auf, der am Mittwoch um 9:00 Uhr MESZ gehalten wird (hier klicken für die Anmeldung). Wie uns mitgeteilt wurde, haben sich bereits mehr als 1.000 Menschen auf den Philippinen und in ganz Asien angemeldet. Dr. Scalice hat auch prinzipielle Unterstützung von Wissenschaftlern erhalten.

Die CPP genießt nicht mehr den Respekt und die Unterstützung breiter Schichten von arbeitenden Menschen auf den Philippinen, wie dies noch in den 1970er und 1980er Jahren der Fall war. Sie hat sich in rivalisierende Parteien zersplittert, die miteinander konkurrieren, um sich mit der einen oder anderen Fraktion der philippinischen Bourgeoisie für ein Stückchen Macht und Privilegien zu verbünden. Doch das lähmende Erbe von Stalinismus und Maoismus ist nach wie vor vorhanden, nicht nur auf den Philippinen, sondern in der gesamten Region.

Scalices Vortrag wird eine Einführung für Arbeiter, Jugendliche und Intellektuelle bieten, die die Gründe für den Verrat der CPP verstehen wollen und nach einer politischen Perspektive suchen, auf die sich der Kampf gegen autoritäre Herrschaft auf den Philippinen stützen kann.

Peter Symonds