Massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit während der Corona-Pandemie

Am 5. Januar veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit die offiziellen Arbeitslosenzahlen für Dezember 2020. Sie vermeldete einen Anstieg auf 2,7 Millionen Arbeitslose, 480.000 mehr als im Vorjahresmonat. Dies entspricht einem Zuwachs von 21,6 Prozent. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich damit innerhalb eines Jahres von 4,9 auf 5,9 Prozent.

Diese offiziellen Zahlen spiegeln nur einen Teil der Realität wieder. So waren im Dezember 2020 3.543.000 Personen unterbeschäftigt, 363.000 mehr als im Dezember 2019. Als unterbeschäftigt gelten Arbeitslose und Arbeitssuchende, die vorübergehend an Maßnahmen des Arbeitsamts teilnehmen, krank oder über 58 Jahre alt sind oder als schwer vermittelbar gelten und deshalb von den Arbeitsämtern nicht in der offiziellen Statistik geführt werden, sowie Menschen, die nur einen Teilzeitjob haben, aber gerne mehr Stunden oder Vollzeit arbeiten würden.

Dazu kommt die hohe Zahl der Kurzarbeiter. Nach den jüngsten vorliegenden Daten befanden sich im Oktober 2020 fast 2 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Auf dem Höhepunkt des ersten Lockdowns im April hatten sich knapp 6 Millionen Menschen in Kurzarbeit befunden. Aktuellere Zahlen von November und Dezember liegen noch nicht vor.

Hunderttausende, die im Niedriglohnbereich, als Minijobber, Solo-Selbstständige und Leiharbeiter beschäftigt waren und durch die Folgen der Corona-Pandemie ihren Job verloren haben, sind in den offiziellen Zahlen nicht enthalten. In der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 hatten 850.000 Minijobber ihre Arbeit verloren, ohne Anspruch auf Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld.

Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen der Corona-Krise in Berlin. Ende 2019 lag die Arbeitslosenquote hier bei 7,7, im Dezember 2020 bei 10,1 Prozent. Die Anzahl der Arbeitslosen ist um 52.238 auf 202.388 gestiegen. Dies bedeutet einen Anstieg um 35 Prozent. Bei Jugendlichen und Menschen mit Migrationshintergrund stieg die Arbeitslosigkeit sogar um 40 Prozent, wie die Berliner Zeitung am 5. Januar berichtete.

Allein in der Gastronomie sind etwa 7000 Jobs weggefallen. Auch hier lässt sich nicht genau sagen, wie viele Arbeiter sich derzeit in Kurzarbeit befinden. Schätzungen von Arbeitsmarktforschern gehen davon aus, dass Berlin ohne die Kurzarbeiterregelung mindestens 100.000 Arbeitslose mehr hätte.

In der offiziellen Arbeitslosenstatistik, die bereits schlimm genug ist, werden Minijobber gar nicht erfasst. Auch die 11.000 Solo-Selbständigen, die in den vergangenen Monaten in Berlin ihre Arbeit verloren und Grundsicherung beantragen mussten, erscheinen nicht in der Statistik, genauso wie alle Unterbeschäftigten.

216.000 Menschen hatten 2019 in Berlin einen Minijob, die meisten im Handel, 34.000 in der Gastronomie und im Dienstleistungsbereich. Es gibt noch keine Zahlen darüber, wie viele ihre Stellen verloren haben. Für viele ist der Minijob kein Nebenjob, um etwas hinzuzuverdienen, sondern die Haupttätigkeit und Haupteinnahmequelle. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung waren 2019 bundesweit etwa fünf Millionen Menschen auf ihren Minijob als Haupttätigkeit angewiesen.

Wenn diese Menschen ihre Minijobs verlieren, bringt es sie sofort in große finanzielle Probleme und in Existenznot. Über 40 Prozent aller Beschäftigten mussten seit Beginn der Corona-Krise massive Einkommensverluste hinnehmen. Überdurchschnittlich waren Arbeiter betroffen, die auch vorher schon wenig verdient hatten.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform wies Anfang Dezember darauf hin, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zwar trotz der Corona-Krise um 13 Prozent auf 16.300 gesunken ist, die Pleiten großer Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz sich aber verdoppelt haben. Mit 332.000 waren deutlich mehr Arbeiter betroffen als im Vorjahr. Insgesamt hatten 2019 218.000 Menschen ihre Arbeitsplätze durch Pleiten verloren.

Im Herbst vergangenen Jahres wurde für Deutschlands größte Friseurkette Klier das Insolvenzverfahren eröffnet. Sie umfasste 1350 Friseursalons und 9200 Beschäftigte, von denen viele in Minijobs auf der Basis von 450 Euro im Monat arbeiteten. Das trifft auch auf viele Beschäftigte bei Modehändlern, in Gastronomiebetrieben und anderen Bereichen zu, die ihren Arbeitsplatz verloren haben.

Bisher hat eine Reihe von Regierungsmaßnahmen – die Verlängerung der Kurzarbeit auf bis zu zwei Jahre, das vorübergehende Aussetzen der Insolvenzpflicht bei Zahlungsproblemen und Zahlungsunfähigkeit von Betrieben – den Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zu anderen Ländern wie Großbritannien oder den USA noch gebremst.

Doch angesichts der Ankündigung von Massenentlassungen in der Auto- und Zulieferindustrie, bei der Lufthansa, im Handel und vielen anderen Bereichen wird sich dies in den nächsten Monaten schnell ändern. Die Gewerkschaften und die Konzernvorstände arbeiten Hand in Hand, um diese Angriffe durchzuführen, die teilweise lange vor Beginn der Corona-Krise geplant wurden.

Auch Bundeskanzlerin Merkel hat Mitte Dezember in ihrer Regierungserklärung zum Haushalt angekündigt, dass die Milliardengeschenke an die Konzerne und Banken durch Einsparumntgen auf Kosten der Arbeiterklasse wieder hereingeholt werden müssen. Die WSWS schrieb dazu am 16. Dezember 2020:

„Die im März verabschiedeten sogenannten Corona-Rettungspakete und der Nachtragshaushalt 2020 waren immer vor allem Milliardengeschenke für die Großunternehmen und Banken. Nun werden selbst die minimen Mehrausgaben wieder zurückgenommen, die für die Pandemiebekämpfung vorgesehen waren. Darüber hinaus werden mit dem neuen Haushalt noch umfassendere Sozialangriffe vorbereitet. ‚Wir müssen uns auch immer wieder vergegenwärtigen, was öffentliche Schulden bedeuten‘, mahnte Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Regierungserklärung zum Haushalt. ‚Es bedeutet natürlich die Belastung künftiger Haushalte, es bedeutet die Notwendigkeit, das zurückzuzahlen, und es bedeutet Einschränkungen für künftige Ausgaben und für künftige Generationen.‘“

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