Corona-Pandemie hat laut WHO weltweit fast 15 Millionen Todesopfer gefordert

Am Donnerstag veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren lange erwarteten Bericht über die globale Übersterblichkeit im Zusammenhang mit Covid-19 für die Zeit von Januar 2020 bis Dezember 2021.

Aufgebahrte Leichen von Corona-Opfern in einem Krankenhaus in Sri Lanka (Facebook)

Bis Ende Dezember 2021 hatte die offiziell gemeldete Zahl der Todesfälle weltweit 5,42 Millionen erreicht. Doch laut der Studie der WHO sind im gleichen Zeitraum fast 15 Millionen mehr Menschen als üblich gestorben, d.h. 2,75-mal mehr als die offizielle Gesamtzahl an Corona-Toten. Die Schätzungen der Übersterblichkeit liegen zwischen 13,3 Millionen und 16,6 Millionen.

Laut der Definition der WHO ist Übersterblichkeit die „Differenz zwischen der Gesamtzahl der Toten und der Zahl an Toten, die ohne die [Corona-]Pandemie erwartet worden wäre.“

WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte: „Diese ernüchternden Zahlen zeigen nicht nur das Ausmaß der Pandemie, sondern auch die Notwendigkeit für alle Länder, in belastbarere Gesundheitssysteme zu investieren, die grundlegende Gesundheitsleistungen, darunter auch robustere Gesundheits-Informationssysteme, im Verlauf von Krisen aufrechterhalten können.“

Ein Vergleich der Übersterblichkeit in den einzelnen Regionen verdeutlicht den Ernst dieser Warnungen. Außer einer Anerkennung der Ungleichheiten – ohne ein Verständnis, warum sie existieren – kann man kaum etwas erwarten, damit die von der WHO geforderten Änderungen vorgenommen werden. Die Ungleichheiten sind letztlich ein Nebenprodukt des Weltkapitalismus und seiner verbrecherischen Politik, durch die sich das Virus ungehindert unter den schwächsten und entrechteten Teilen der Weltbevölkerung ausbreiten konnte.

In diesem Sinne versucht die New York Times, die verbrecherischen Maßnahmen zu vertuschen, die im Jahr 2021 perfektioniert wurden, besonders die Strategie, nur auf Impfen zu setzen und damit eine stückweise und systematische Rückkehr zur Normalität zu erzwingen. So schrieb sie am Donnerstag: „Ein Großteil der Todesfälle durch die Pandemie konzentrierte sich im Jahr 2021, als neue und ansteckendere Varianten sogar in Ländern zu Wellen führten, die frühere Ausbrüche eingedämmt hatten.“

Statt die Jahre in einem direkten Vergleich gegenüberzustellen, weist die Times nur darauf hin, dass es durch die Pandemie im Jahr 2021 etwa 18 Prozent oder zehn Millionen mehr Tote gegeben hat „als es ohne Pandemie der Fall gewesen wäre.“ Dazu sollte erwähnt werden, dass es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts zur Übersterblichkeit im Jahr 2020 eine Übersterblichkeit von drei Millionen und 1,8 Millionen offizielle Todesfälle durch Covid-19 gab. Die Schätzung des Economist ging von einer Übersterblichkeit von 5,6 Millionen und 1,8 Millionen offiziellen Corona-Toten aus.

Mit anderen Worten, die Übersterblichkeit im Jahr 2021 ist doppelt so hoch wie diejenige im Jahr 2020, obwohl mehrere nachgewiesen wirksame Impfstoffe gegen Covid-19 verfügbar waren und allgemein anerkannt war, dass sich das Virus über die Luft ausbreitet, und obwohl die Bedeutung von Atemgeräten und hocheffizienten Lüftungssystemen zur Eindämmung der Infektionen bekannt war. Es war auch klar geworden, dass das Virus in virulentere und ansteckendere Varianten mutieren kann.

Stattdessen vertraten die kapitalistischen Mächte de facto eine Politik des Impfstoff-Nationalismus und setzten ausschließlich auf Impfungen, um die Maskenpflicht und die sozialen Einschränkungen aufzuheben und zur „wirtschaftlichen“ Normalität zurückzukehren, die weitere Millionen das Leben gekostet hat, obwohl alle Maßnahmen zur Eliminierung von Covid-19 zur Verfügung standen. Dass sich die Todesfälle im Jahr 2021 verdoppelt oder verdreifacht haben, bestätigt nur, dass alle noch verbliebenen Hemmschwellen für den sozialen Mord an der Bevölkerung verschwunden sind.

Auf 20 Länder, in denen zusammen die Hälfte der Weltbevölkerung lebt – Brasilien, Kolumbien, Ägypten, Deutschland, Indien, Indonesien, Iran, Italien, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Peru, die Philippinen, Polen, Russland, Südafrika, Großbritannien und Nordirland, Türkei, Ukraine und die USA –, entfielen 80 Prozent bzw. 11,9 Millionen der geschätzten weltweiten Übersterblichkeit.

Ganze 68 Prozent (10,1 Millionen) der Übersterblichkeit entfielen auf zehn Länder – Brasilien, Ägypten, Indien, Indonesien, Mexiko, Russland, Südafrika, die Türkei und die USA.

Wenn man diese Länder nach den Einkommensgruppen der Weltbank sortiert, verzeichneten die Regionen mit mittlerem bis niedrigem Einkommen mit 7,87 Millionen (52 Prozent) und 236 pro 100.000 Menschen die höchste Übersterblichkeit. In diesen Regionen leben etwa 3,3 Milliarden Menschen, und ihr Bruttoinlandsprodukt liegt bei nur 2.217 Dollar pro Kopf.

Regionen mit mittlerem bis hohem Einkommen verzeichneten hingegen nur eine Übersterblichkeit von 4,24 Millionen, Regionen mit hohem Einkommen nur von 2,16 Millionen. Doch bei einem Vergleich auf Pro-Kopf-Basis hatten sie vergleichbare Übersterblichkeitsraten von 168 bzw. 177 pro 100.000. In Regionen mit niedrigem Einkommen lag die Übersterblichkeit bei nur 0,64 Millionen, doch die Unsicherheitsmargen der Schätzungen sind dort wegen der schlechten statistischen Registrierungssysteme am größten.

Dr. Samira Asma, stellvertretende Generaldirektorin der WHO für Daten, Analyse und Übermittlung, schrieb: „Die Bestimmung der Übersterblichkeit ist ein wesentlicher Bestandteil, wenn man die Auswirkungen der Pandemie verstehen will. Wechsel der Sterblichkeitstrends liefern den Entscheidungsträgern die nötigen Informationen, um als Richtschnur für Maßnahmen zur Senkung der Sterblichkeit und zur wirkungsvollen Prävention künftiger Krisen zu dienen. Wegen der begrenzten Investitionen in Datensysteme in vielen Ländern bleibt das wahre Ausmaß der Übersterblichkeit oft verborgen.“

Experten der WHO erklärten gegenüber der New York Times: „Etwa die Hälfte der Länder melden nicht regelmäßig die Gesamtzahl der Toten jeglicher Ursache. Andere übermitteln nur unvollständige Daten. In der WHO-Region Afrika zum Beispiel liegen laut den Experten nur Daten von sechs der 47 Staaten vor.“

Von den WHO-Regionen hat die Bevölkerung von Südostasien, zu der auch diejenige des indischen Subkontinents gehört, mit fast sechs Millionen die größte Übersterblichkeit zu verzeichnen. Auf Indien entfällt mit 4,7 Millionen Toten fast ein Drittel der weltweiten Übersterblichkeit, und diese Zahl ist fast zehnmal höher als die offiziell von den indischen Gesundheitsbehörden gemeldete Zahl der Todesfälle durch Covid-19. Ein Großteil davon ereignete sich während der hochinfektiösen Delta-Welle, während der es im ganzen Land zu schrecklichen Bildern von brennenden Leichenbergen kam.

Der Bericht wurde bereits im Januar abgeschlossen, jedoch erst mit mehreren Monaten Verzögerung veröffentlicht. Das ist größtenteils darauf zurückzuführen, dass Indien gegen die Methodologie zur Ermittlung der Übersterblichkeit protestiert hatte. Laut mehreren Medienberichten waren die Beschwerden politisch motiviert und sollten die Veröffentlichung der vernichtenden Ergebnisse bis nach den Wahlen in mehreren wichtigen indischen Bundesstaaten Anfang März verzögern.

Die verspätete Herausgabe brachte auch die Führung der WHO in eine prekäre Lage. Viele der unabhängigen Wissenschaftler, die als technische Berater für die WHO arbeiten und umfassend zu ihren Ergebnissen beitragen, kritisierten die internationale Behörde dafür, dass sie Indiens Verzögerungstaktik unterstützte. Obwohl die Ergebnisse des Berichts von Bedeutung sind und jetzt endlich veröffentlicht wurden, zeigt die Verzögerung den politisch brisanten Charakter der unangenehmen Wahrheit.

Das zweite Land Südostasiens mit einer deutlich zu niedrig angesetzten Zahl an Corona-Toten war Indonesien. Dort sind während der Pandemie mehr als eine Million Menschen gestorben, laut offiziellen Zahlen jedoch nur 156.000, d.h. sechsmal weniger.

Der Fall von Peru verdeutlicht, dass ein robustes Registrierungssystem für Sterbefälle kein Ersatz für Investitionen in Gesundheitssysteme und öffentliche Gesundheitsinfrastruktur ist. Bei einer Bevölkerung von fast 33 Millionen liegt die Übersterblichkeit mit 290.000 nur 1,4-mal höher als die gemeldeten Todesfälle durch Covid-19. Doch auf einer Pro-Kopf-Basis von 437 pro 100.000 gehört die Sterblichkeitsrate in Peru zu den weltweit höchsten.

Dr. Elmer Huerta, Onkologe und Experte für öffentliche Gesundheit in Peru, erklärte: „Wenn ein Gesundheitssystem nicht auf die Aufnahme von Patienten vorbereitet ist, die an ernsthaften Lungenentzündungen leiden, wenn es keinen lebenswichtigen Sauerstoff liefern oder auch nur Betten bereitstellen kann, damit sie etwas Ruhe und Frieden haben, dann bekommt man das, was dann passiert ist.“

Zeitgleich mit der Veröffentlichung des WHO-Berichts zur Übersterblichkeit geben die Mainstream-Medien zu, dass die USA die erschütternde Marke von einer Million Corona-Toten überschritten hat. Obwohl die USA bei der Übersterblichkeit auf Pro-Kopf-Basis mit 140 pro 100.000 nur an 40. Stelle weltweit liegen, ist dieser düstere Meilenstein ein substantielles und symbolisches Schandmal für den verbrecherischen Kurs, den Trump eingeschlagen und den Biden in kriminellster Form weitergeführt hat.

Am Donnerstag überstieg die Zahl der Neuinfektionen mit Covid-19 wieder die Marke von 100.000. Die Zahl der Toten stieg ebenfalls stark an, am 4. Mai wurden 1.929 Todesfälle gemeldet. Auch die Krankenhauseinweisungen haben stark zugenommen. Und es wurden keine Vorbereitungen auf die siebte Infektionswelle getroffen.

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