Die Hinrichtung von James Coddington in Oklahoma: der erste von 25 staatlichen Morden bis 2024

Am Donnerstagmorgen wurde James Coddington (50) im Staatsgefängnis von Oklahoma hingerichtet. Er ist einer von 25 Gefangenen in Oklahoma, deren Hinrichtung bis 2024 geplant ist – eine Praxis, die man nur als Hinrichtungen am Fließband beschreiben kann. Coddington wurde hingerichtet, obwohl der Begnadigungs- und Bewährungsausschuss von Oklahoma empfohlen hatte, davon abzusehen.

James Coddington bei der Anhörung zu seinem Gnadengesuch (Foto)

Coddington war wegen Mordes an seinem Freund und Kollegen Albert Hale (73) schuldig gesprochen und zum Tod verurteilt worden. Zum Zeitpunkt des Mordes war er 24 Jahre alt und kokainsüchtig. Weil sich Hale geweigert hatte, ihm Geld für Drogen zu geben, hatte er ihn zu Tode geprügelt. Danach verübte er noch mindestens sechs bewaffnete Überfälle auf Tankstellen und Lebensmittelgeschäfte in Oklahoma City.

Der republikanische Gouverneur Kevin Stitt lehnte es ab, Coddingtons Strafe in lebenslange Haft umzuwandeln, obwohl eine Zwei-Drittel-Mehrheit des Begnadigungs- und Bewährungsausschusses dies empfohlen hatte. Auch das Gnadengesuch des Verurteilten lehnte er ab.

Laut anwesenden Medienvertretern bedankte sich Coddington in seinen letzten Worten bei seiner Familie, seinen Freunden und Anwälten; an Stitts Adresse erklärte er: „Ich gebe Ihnen keine Schuld, und ich vergebe Ihnen.“

Nach der ersten Injektion mit dem Betäubungsmittel Midazolam wurde Coddingtons Atem schwer, seine Brust hob sich laut dem Journalisten Sean Murphy von Associated Press mehrfach. Um 10:08 Uhr erklärte ein Arzt ihn für bewusstlos, man konnte ihn schnarchen hören. Um 10:16 Uhr wurde er vom Direktor des Department of Corrections, Scott Crow, für tot erklärt.

Wie viele Menschen, die in den USA hingerichtet wurden, hatte Coddington eine Kindheit, die von Missbrauch geprägt war. Während seiner Anhörung vor dem Begnadigungs- und Bewährungsausschuss wies seine Anwältin Emma Rolls darauf hin, dass er durch jahrelangen Alkohol- und Drogenmissbrauch beeinträchtigt war. Dieser begann schon in seiner frühesten Kindheit, als sein Vater Bier und Whiskey in seine Trinkfläschchen füllte.

Coddington war der fünfte Häftling, der in Oklahoma hingerichtet wurde, seit der Bundesstaat letztes Jahr die Hinrichtungen wieder aufgenommen hat. Die grauenvolle Hinrichtung von Charles Warner am 15. Januar 2015 hatte zu einem vorläufigen Moratorium des Bundesstaats geführt, um seine Hinrichtungsmaschinerie zu verbessern.

Laut einem Zeugen von Associated Press schrie Warner während der letalen Injektion: „Mein Körper brennt. Niemand sollte das durchmachen.“ Seine letzten Worte waren: „Sie haben mich fünfmal gestochen. Es fühlt sich an wie Säure.“

Nach Warner wurden weitere Hinrichtungen in Oklahoma ausgesetzt. Ende Januar 2015 kündigte der Oberste Gerichtshof an, dass eine Gruppe von Insassen des Todestrakts von Oklahoma das Verfahren durch eine tödliche Injektion mit drei Medikamenten anfechten würde. Sie erklärten, das Verfahren stelle eine „grausame und ungewöhnliche Bestrafung“ dar, die laut dem 8. Zusatzartikel der US-Verfassung verboten ist.

Der Fall der Insassen hieß ursprünglich Warner vs. Gross, wurde aber nach Warners Hinrichtung in Glossip vs. Gross umbenannt. Im Juni 2015 entschied der Oberste Gerichtshof mit einer Mehrheit von 5 zu 4, dass die Hinrichtungen mit Midazolam fortgesetzt werden dürfen, obwohl es zahlreiche Beweise gibt, dass das Betäubungsmittel unerträgliche und lang anhaltende Schmerzen verursachen kann.

Richter Samuel Alito erklärte als Angehöriger der Richtermehrheit, die Gefangenen hätten nicht bewiesen, dass der Einsatz des Medikaments ein erhebliches Risiko schwerer Schmerzen birgt. Perverserweise erklärte er außerdem, die Gefangenen hätten keinen Anspruch, da sie keine praktikable Alternative zu ihrer eigenen Hinrichtung vorgelegt hätten.

Oklahoma nahm die Hinrichtungen mit der letalen Injektion wieder auf, und am 28. Oktober 2021 wurde John Grant auf diese Weise hingerichtet. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof mit einer Mehrheit von 5 zu 3 die Aussetzung von Hinrichtungen aufgehoben, die das 10. US-Berufungsgericht für Grant und weitere Todestrakt-Insassen verhängt hatte.

Grant war der erste Gefangene, der in der neuen „hochmodernen“ Hinrichtungskammer des Staatsgefängnisses von Oklahoma durch eine letale Injektion hingerichtet wurde. Die Kammer wurde eigens dafür gebaut, die Wiederaufnahme der Hinrichtungen zu ermöglichen, nachdem es von 2014 bis 2015 zu mehreren grausamen tödlichen Injektionen gekommen war. Doch obwohl die Hinrichtungskammer für mehr als 100.000 Dollar neu gestaltet wurde, verlief auch diese Hinrichtung grauenvoll.

Grant wurde der gleiche Giftcocktail injiziert: das Betäubungsmittel Midazolam, gefolgt von Vecuronium, einem Lähmungsmittel, und Kaliumchlorid, um einen Herzstillstand herbeizuführen. Der Zeuge Dan Snyder, ein lokaler Fox-News-Reporter, berichtete: „Fast unmittelbar nachdem ihm das Midazolam gespritzt wurde, brach Grant in so starke Krämpfe aus, dass sich sein ganzer oberer Rückenbereich mehrfach vom Tisch hob. Als die Krämpfe weitergingen, übergab Grant sich. Im Verlauf der nächsten paar Minuten kam mehrfach medizinisches Personal in die Todeskammer, um das Erbrochene des noch immer atmenden Grant zu entfernen.“

Medizinische Experten sagten Anfang des Jahres vor einem Bundesgericht aus, dass bei Autopsien der vier Gefangenen aus Oklahoma, die neben Coddington seit der Wiederaufnahme der Hinrichtungen 2021 getötet wurden – John Grant, Bigler Stouffer, Donald Grant (nicht verwandt mit John Grant) und Gilbert Postelle –, belegt hätten, dass alle vier abnormal viel Flüssigkeit in den Lungen, oder pulmonare Ödeme, hatten. Das bedeutet, sie sind faktisch durch Ertrinken getötet worden.

Die Experten erklärten, Schaumbildung sei nur möglich, „wenn der Gefangene“, zu dem Zeitpunkt, an dem die Ödeme entstehen, „am Leben ist und atmet“. Eine NPR-Analyse der Autopsien von mehr als 200 US-Häftlingen, die mit der Giftspritze hingerichtet wurden, kam zu dem Schluss, dass es bei 84 Prozent von ihnen Hinweise auf pulmonare Ödeme gab. Und bei letalen Injektionen mit Midazolam waren sie sogar noch häufiger.

Laut dem Death Penalty Information Center hat Dr. Gail Van Norman, Professorin für Anästhesiologie und Schmerzmedizin an der University of Washington Medical School, es als „medizinisch nahezu gesichert“ bezeichnet, dass die vier in Oklahoma nach dem aktuellen Verfahren Hingerichteten „extreme Schmerzen und Leiden durchgemacht haben“.

Der Bundesstaat Oklahoma will in den nächsten zwei Jahren mit diesem Prozedere fortfahren und zwei Dutzend Gefangene – durchschnittlich einen pro Monat – in den qualvollen Tod durch diese barbarische Hinrichtungsmethode schicken.

Aus dem Weißen Haus kam kein Protest gegen die geplante Hinrichtung dieser und der anderen Gefangenen, die in den kommenden Monaten und Jahren in den Hinrichtungskammern von US-Bundesstaaten sterben werden. Joe Biden, der im Wahlkampf Gesetze zur Abschaffung der Todesstrafe auf Bundesebene und Anreize für Bundesstaaten, diesem Beispiel zu folgen, versprochen hatte, gibt damit seine stillschweigende Zustimmung zu der Praxis.

Auch die brutale Hinrichtung von 81 Personen durch die saudische Monarchie und ihren mörderischen Kronprinzen Mohammed bin Salman am 13. März dieses Jahres hatte keinen Aufschrei der Biden-Regierung zur Folge. Die üblichen Hinrichtungsmethoden in Saudi-Arabien, einem Verbündeten des US-Imperialismus im Nahen Osten, sind Enthauptung durch das Schwert und öffentliches Erhängen.

Die Hinrichtungskandidaten in Saudi-Arabien wurden wegen Verbrechen in Zusammenhang mit „Terrorismus“ und „Störung des gesellschaftlichen Gefüges und des nationalen Zusammenhalts“ oder „Aufruf oder Teilnahme an Sitzblockaden und Protesten“ schuldig gesprochen. Damit sind Taten gemeint, die durch die Rechte auf freie Meinungsäußerung sowie friedliche Versammlung und Vereinigung geschützt sein sollten.

In den USA und im Rest der Welt werden die schwächsten Teile der Gesellschaft hingerichtet – Arme, Drogensüchtige, geistig Behinderte – aber auch politische Gegner von repressiven Regimes. Diese brutale Praxis richtet sich vor allem gegen die Arbeiterklasse und die Gefahr, die sie für die kapitalistische Herrschaft und die Unterdrückung durch die Polizei bedeutet. Die Socialist Equality Party verurteilt die Todesstrafe in all ihren Formen und Methoden.

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