Ford Saarlouis: IG Metall und Betriebsrat wollen endgültiges Aus besiegeln

Am Mittwoch gaben IG Metall und Betriebsrat im Fordwerk Saarlouis auf einer Betriebsversammlung den Abschluss eines Eckpunktepapiers für einen Sozialtarifvertrag bekannt. Von einst fast 7000 Arbeitsplätzen sollen Ende nächsten Jahres nur noch 1000 übrigbleiben. Von den aktuell rund 3800 Kolleginnen und Kollegen verlieren bis dahin also 2800 ihren Arbeitsplatz, hinzu kommen die rund 1500 Jobs im angrenzenden Zulieferpark.

Demonstration der Ford-Arbeiter nach Verkündung der Schließung des Werks in Saarlouis, 22. Juni 2022

Damit bestätigt sich, was das Ford-Aktionskomitee immer gesagt hat. Die Arbeitsplätze können nicht mit dem Betriebsrat und der IG Metall verteidigt werden, sondern nur gegen sie. Von Anfang an haben BR und IGM aufs engste mit dem Vorstand zusammengearbeitet und eine regelrechte Verschwörung gegen die Beschäftigten gebildet. Ihr Hauptziel bestand die ganze Zeit und auch jetzt noch darin, die Produktion möglichst reibungslos aufrechtzuerhalten, während sie in Geheimverhandlungen die Werkschließung und Arbeitsplatzvernichtung organisierten.

BR-Chef Markus Thal hat behauptet, durch freiwillige und weitgehende Zugeständnisse bei Löhnen und Arbeitsbedingungen würden das Werk und die Arbeitsplätze verteidigt, Verhandlungen müssten geheim geführt werden, um erfolgreich zu sein, ein Investor sei gefunden, aber sein Name dürfe nicht bekannt gemacht werden, um die Übernahme nicht zu gefährden usw.. Alles Lug und Trug.

Jetzt versuchen Thal & Co die Abfindungen anzupreisen und geben hohe Summen an, die bei genauer Berechnung und nach Abzug der Steuern schrumpfen wie Schnee in der Sonne. Die Behauptung, eine Abfindung sei ein Ersatz für den Arbeitsplatz, ist die nächste Lüge der Betriebsräte-Mafia. Niemals und nirgendwo hat eine Abfindung das Arbeitsplatzmassaker verhindert. Immer war sie der Weg in die soziale Verwüstung und die Zerstörung der Zukunft der kommenden Generation.

Es gibt keinen individuellen Ausweg aus der Krise. Ein gemeinsamer Kampf zur Verteidigung aller Arbeitsplätze ist notwendig und darf nicht länger aufgeschoben werden. Deshalb ist der Aufbau des unabhängigen Aktionskomitees so wichtig.

Die Entlassungen und Werksschließungs-Pläne bei Ford sind erst der Anfang. In der Autoindustrie entwickelt sich ein Arbeitsplatzmassaker, wie es die Branche seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt hat. Seit längerem nutzen die Hersteller und Zulieferer die Umstellung auf Elektromobilität, um Arbeitsplätze abzubauen und die Ausbeutung zu verschärfen.

Ende Dezember meldete das Münchener Ifo-Institut gestützt auf eine Unternehmensumfrage erneut sinkende Geschäftserwartungen in der Autoindustrie. Die Aktionäre fordern nun unmissverständlich: Damit ihre Renditen weiter steigen, müssen die rund 800.000 bei den Herstellern und Zulieferern Beschäftigten noch stärker zur Ader gelassen werden.

Kein Arbeitsplatz, keine soziale Absicherung, keine Arbeitsbedingung, kein Lohn ist sicher. Studien rechnen damit, dass im Zuge der Umstellung auf Elektromobilität bis zu 40 Prozent der Arbeitsplätze entfallen, das wären über 300.000. Die Situation in anderen Ländern ist sehr ähnlich.

Damit sind große Klassenkämpfe vorprogrammiert, die weit über die gegenwärtigen Warnstreiks hinausgehen und die Kontrolle der Gewerkschaftsapparate durchbrechen. Es wird spontane Streiks, Werksbesetzungen und Massenproteste jeder Art geben. Das ist der Grund, warum die IG Metall und ihre Betriebsräte alles tun, um jede Initiative zur Verteidigung des Ford-Werks in Saarlouis zu unterdrücken. Sie haben Angst, dass von Ford-Saarlouis ein Funke ausgeht und einen Flächenbrand auslöst und dass die aufgeheizte Stimmung und Wut über Massenentlassungen und Sozialabbau in aktiven Widerstand umschlägt.

Die Schlussfolgerung daraus ist klar: Es ist notwendig, der Verschwörung von Vorstand, Betriebsrat und IG Metall zur Stilllegung des Werks mutig entgegenzutreten. Viele Arbeiter in vielen Betrieben warten darauf, dass jemand den Anfang macht.

Thal und seine Kumpane drohen, wer kämpfe, verliere den Anspruch auf Abfindung. So wie vor zwei Jahren, als er dem schändlichen Bieterwettbewerb zustimmte und die Beschäftigten in Saarlouis gegen ihre Kollegen im spanischen Almussafes ausspielte, versucht der BR jetzt wieder, die Arbeiter mit Hilfe des Sozialplans zu spalten.

Niemand sollte sich davon einschüchtern lassen. Der Sozialplan setzt nicht das Recht auf Streik und Arbeitskampf außer Kraft. Mit der Ankündigung der Werksschließung wurde auch der so genannte Betriebsfrieden beendet. Es gibt keinen Grund, unter diesen Bedingungen die Produktion fortzusetzen und sich wie Lämmer zur Schlachtbank führen lassen.

Notwendig ist es jetzt, das Aktionskomitee aufzubauen und gemeinsame Kampfmaßnahmen vorzubereiten. Dazu sind zwei Dinge wichtig: Der Aufbau von Verbindungen zu den Beschäftigten der anderen Ford-Werke und Zulieferbetriebe und eine Bilanz der reaktionären Spalter-Politik von Betriebsrat und IG Metall.

Die für Kolleginnen und Kollegen von Ford in Saarlouis bitteren letzten zwei Jahre beinhalten wichtige Lehren. Nach dem ersten Schock, der auf die Bekanntgabe der Schließung des Werks im Juni 2022 folgte, verbreitete der Betriebsrat unter Thal die Illusion, es werde auf jeden Fall irgendwie weitergehen.

Schon im Jahr davor hatte er im brutalen Bieterwettbewerb die Beschäftigten in Saarlouis und im spanischen Almussafes gegeneinander ausgespielt. Monatelang verhandelte Thal hinter verschlossenen Türen. Bis heute weigert er sich bekanntzugeben, welche Lohnzugeständnisse und umfassenden Verschlechterungen der Arbeitsbedingung er damals anbot.

Dann folgte die Hinhaltetaktik mit dem angeblichen Investor, der das Werk übernehmen werde. Im Oktober 2023 war dann klar, dass kein Investor existiert. Das Werk wird geschlossen. Dennoch wurden Gerüchte geschürt, ein Investor werde oder sei schon gefunden. Um die zu erwartende Wut und Enttäuschung aufzufangen, veranstalteten Betriebsrat und IG Metall zum Schluss, vom 17. bis 19. Januar, kurze Warnstreiks. Als Grund gab Thal an, das Ford-Management weigere sich, in den Sozialtarifvertragsverhandlungen die Abfindungen über die bestehenden Verträge hinaus zu erhöhen. Später teilte er mit, der nun vorliegende Sozialplan sei ein Ergebnis des Kampfs der Belegschaft.

In Wirklichkeit verfolgte auch das letzte Warnstreikspektakel von IGM und Betriebsrat einzig und allein das Ziel zu verheimlichen, dass der nun beschlossenen Sozialtarifvertrag ausschließlich dazu dient, die Werksschließung durchzusetzen und die Produktion bis zum letzten Tag aufrechtzuerhalten. Schon im letzten Monat zeichnete sich ab, was nun beschlossen ist, die Streckung der Produktion bis Ende November 2025.

IGM und Betriebsrat drängen jetzt die Belegschaft, das „Gesamtpaket“ in einer Urabstimmung am 22. Februar anzunehmen. Das wäre dann der letzte Sargnagel, den Thal ins Werk schlägt. Damit wäre die Autoproduktion in Saarlouis Ende 2025 Geschichte.

Die WSWS und das Ford-Aktionskomitee haben von Beginn an gegen diese bankrotte Politik der IG Metall und ihrer Betriebsräte gekämpft.

Wir rufen daher die Belegschaft auf, jetzt zu handeln:

  • Weist Thal und seinen Sozialtarifvertrag zurück!
  • Verweigert den scheibchenweisen Abbau der Arbeitsplätze mithilfe von Freiwilligenprogramm und Transfergesellschaft!
  • Stoppt die Produktion, solange es noch möglich ist!
  • Macht euren Kampf zum Ausgangspunkt gegen die Massenvernichtung von Arbeitsplätzen in der gesamten Autoindustrie!
  • Nehmt Kontakt mit den Kollegen bei ZF, Bosch, Mahle, Continental, aber auch bei VW, Opel, Mercedes und BMW auf, die alle vor ähnlichen Angriffen stehen!
  • Schließt euch mit den Ford-Kolleginnen und -Kollegen in Valencia, Köln, Craiova, Istanbul und den USA zusammen!
  • Stärkt das Aktionskomitee Ford Saarlouis! Meldet euch entweder per Whatsapp-Nachricht an folgende Nummer: +491633378340 oder über das folgende Formular!
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