Perspektive

Drei Tote bei Explosion in Biokraftstoffanlage in Nebraska: Amerikas Industrie fordert weitere Menschenleben

Das zerstörte Betonsilo nach der Explosion bei Horizon Biofuels in Fremont (Nebraska) [Photo: Nebraska State Police]

Am letzten Sonntag veranstaltete die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) eine öffentliche Anhörung über den Tod von Ronald Adams Sr. im Motorenwerk von Stellantis in der Stadt Dundee (Michigan). Ein weiteres Thema war die nicht abreißende Serie von Todesfällen in den Fabriken Amerikas.

Drei Tage später wurde die Bedeutung dieser Veranstaltung durch eine Reihe von Arbeitsunfällen unterstrichen, die weitere Menschenleben gefordert haben.

Am Mittwoch bestätigten die Behörden, dass ein Arbeiter, Dylan D. Danielson, und seine beiden Kinder bei der gewaltigen Explosion ums Leben gekommen sind, zu der es am Vortag bei Horizon Biofuels gekommen war. Die Anlage des Biokraftstoffherstellers befindet sich in Fremont, einer Kleinstadt ungefähr 50 Kilometer nordwestlich von Omaha, der größten Stadt des Bundesstaats Nebraska. Die beiden Mädchen im Alter von 8 und 12 Jahren hatten offenbar auf ihren Vater gewartet, der sie nach Feierabend zu einem Arzttermin bringen wollte. Etwa um 11:45 Uhr kam es zu einer Explosion in dem mit einer Förderanlage ausgestatteten Betonspeicher. Sie zerstörte das Gebäude und verursachte einen riesigen Feuerball.

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Robby Baker, der Stiefvater eines der Mädchen, sagte gegenüber Reportern des Lokalsenders, dass Danielson durch einen verzweifelten Anruf versucht hatte, die Kinder zu retten. „Gleich nach Einsturz war er im Inneren des Gebäudes eingeklemmt. Er rief seine Frau an und sagte ihr, wo die Mädchen waren. Jemand müsse kommen, um sie herauszuholen. Er sei eingeklemmt, und um ihn herum stehe alles in Flammen.“

Wegen des starken Feuers, der Rauchentwicklung und der Einsturzgefahr konnten die Rettungskräfte nicht ins Innere vordringen. Der Bürgermeister von Fremont, Joey Spellerberg, bestätigte die Todesfälle auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Die Bergung der Leichen könne noch Tage dauern, hieß es von offizieller Seite.

Die Anlage verarbeitet Paletten und Holzabfälle zu Tierstreu und Holzpellets für Heizungen, Industrieanlagen und Lebensmittelräuchereien. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte sich Staub im Betonsilo entzündet haben. Auch große Mengen gelagerter Holzabfälle und alkoholhaltiger Substanzen könnten eine Rolle gespielt haben. Eine Stellungnahme des Unternehmens liegt bislang nicht vor.

Das Ausmaß der Katastrophe hätte noch weit größer sein können. Bei Horizon Biofuels sind nur zehn Personen beschäftigt. Doch das Werk liegt in einem Industriegebiet mit großen Betrieben wie Cargill, Fremont Beef und Lincoln Premium Poultry, die Hunderte Menschen beschäftigen. Bei der Explosion wurden Fenster des benachbarten Verpackungsherstellers Jayhawk Boxes zerstört, und in einem Umkreis von fast einem Kilometer wackelten die Wände der Häuser.

Bereits 2014 hatte es in der Horizon-Anlage einen Brand gegeben, der erst nach über acht Stunden gelöscht werden konnte. Die mit der industriellen Herstellung von Holzpellets verbundenen Gefahren sind seit Langem bekannt. Holzstaub und Gase wie Methan und Kohlenmonoxid sind hochentzündlich, zudem können große Mengen gelagerter Pellets sich selbst entzünden.

Ein Bericht der Umweltorganisation Environmental Integrity Project aus dem Jahr 2018 zeigte: In acht der fünfzehn größten Holzpelletwerke in den USA hatte es seit 2014 Brände oder Explosionen gegeben. 2017 brannte die Anlage des Unternehmens German Pellets in Texas zwei Monate lang. Ein Arbeiter kam ums Leben, Anwohner mussten wegen Rauch und giftiger Dämpfe medizinisch behandelt werden. Ähnliche Katastrophen gab es auch in Europa – etwa 2010 in Deutschland, wo drei Personen ums Leben kamen.

Schon vor der aktuellen Explosion war Horizon Biofuels wegen Sicherheitsmängeln aufgefallen. Im Jahr 2012 stellte die US-Arbeitsschutzbehörde OSHA fünf schwerwiegende Verstöße fest – unter anderem fehlende Mechanismen zur Unterbrechung der Stromversorgung (Lockout/Tagout), unzureichende Schulungen für Gabelstaplerfahrer, mangelhafter Schutz vor Chemikalien und Brandgefahr durch Holzstaub. Die Geldstrafe wurde nach einem Einspruch des Unternehmens von ursprünglich 12.000 auf 6.000 US-Dollar halbiert – eine Summe, die für das Unternehmen kaum ins Gewicht fiel.

Die Todesfälle in Nebraska sind nur die jüngsten in einer langen Serie tödlicher Arbeitsunfälle in den USA.

Am Montag, dem 28. Juli, starb ein 30-jähriger Arbeiter in Willoughby (Ohio), als ein Lieferwagen mit der Hebebühne kollidierte, an der er arbeitete. Die Firma, für die er arbeitete, ist ein Franchiseunternehmen von YESCO, einem Hersteller elektronischer Anzeigetafeln. Gegen YESCO hat die OSHA seit 2015 in mindestens 15 getrennten Fällen ermittelt, unter anderem wegen eines Todesfalls in Michigan 2020 und wegen der Nichtbereitstellung von Gurten und anderen Absturzsicherungen.

Am Sonntag, den 27. Juli, starb Kim Jung Won, ein 34-jähriger südkoreanischer Mitarbeiter einer Fremdfirma, im Lithiumbatteriewerk von LG Energy Solutions in Holland (Michigan). Nach Angaben der Arbeitsschutzbehörde von Michigan „installierte der 34-jährige erfahrene Techniker an einem Kundenstandort eine Maschine, die plötzlich ansprang. Kim Jung Won wurde zwischen dem Rahmen und dem Hebemechanismus eingeklemmt.“

Die Polizei erklärte zu dem furchtbaren Vorfall lapidar: „Aufgrund der Verletzungen ist das Opfer offensichtlich verstorben.“

Sowohl von den Umständen als auch vom Ausmaß der Verletzungen her erinnert der Tod von Kim Jung Won in der Anlage von LG Energy – einem Unternehmen, das in den USA mehrere Joint Ventures mit Stellantis betreibt – auffallend an den Tod von Ronald Adams am 7. April 2025. Der 63-jährige Facharbeiter wurde im Motorenwerk in Dundee erdrückt, als sich plötzlich ein Deckenkran in Bewegung setzte und ihn gegen ein Förderband presste.

Dies sind nur die bekannt gewordenen Fälle. Die US-Regierung veröffentlicht keine aktuellen Daten zu Todesfällen am Arbeitsplatz. Der letzte veröffentlichte Inspektionsbericht der OSHA stammt vom Februar 2025, und das Amt für Arbeitsstatistiken wird die Daten für 2024 erst im Dezember 2025 veröffentlichen. Jahr für Jahr sterben in den USA mehr als 5.200 Beschäftigte an Arbeitsunfällen, weitere 135.000 an berufsbedingten Krankheiten. 3,2 Millionen erleiden nicht-tödliche Verletzungen. Diese Zahl dürfte allerdings stark untertrieben sein, da die Meldung freiwillig ist und die Arbeiter Vergeltungsmaßnahmen fürchten.

Trumps Kürzungen bei der OSHA werden die Opferzahlen weiter nach oben treiben. Im nächsten Haushaltsjahr wird die OSHA fast 10.000 Inspektionen weniger durchführen. Ihre Gelder wurden um 8 % gekürzt, und sie wird mehr als 12 % ihres Personals abbauen. An die Spitze der Behörde wurde ein ehemaliger UPS- und Amazon-Manager gesetzt, der sie demontieren soll.

Am 16. Juli sagte die Gewerkschafterin Rebecca Reindel vor dem Kongress aus, dass die OSHA im Jahr 2024 34.682 Inspektionen durchgeführt hat. Das heißt, dass ein Arbeitsplatz alle 185 Jahre geprüft wird. Bei einer Verringerung auf 25.000 Inspektionen im Jahr 2026 wären es 266 Jahre – die niedrigste Rate aller Zeiten, schlechter als während der Coronapandemie.

Aber das ficht den Gewerkschaftsverband AFL-CIO und die Demokratische Partei nicht an. Seit Jahrzehnten verrät und unterdrückt die Gewerkschaftsbürokratie den Klassenkampf. Ein Beispiel sind die erbitterten Streiks bei dem Fleischverarbeiter Iowa Beef Processors in Nebraska in den 1980er Jahren. Damals wurde die Nationalgarde eingesetzt.

Die Gewerkschaftsbürokratie ist gemeinsam mit Trump dabei, die Uhr im Arbeitsschutz um hundert Jahre zurückzudrehen und wieder Bedingungen zu schaffen, wie sie Upton Sinclair in seinem Roman Der Dschungel beschrieben hat.

Die Gewerkschaft United Food and Commercial Workers hat keinen Finger gerührt, als Trump mit Massenverhaftungen von Einwanderern begann. Betroffen waren unter anderem Arbeiter bei den Fleischverarbeitern Glenn Valley Foods in Nebraska und JBS in Iowa. Eingewanderte und einheimische Arbeiter sollten eingeschüchtert werden, damit sie sich nicht gegen die brutale Ausbeutung zur Wehr setzen. Eine Studie aus dem Jahr 2021 ergab, dass infolge der Razzien gegen Einwanderer in Betrieben mit einem hohen Anteil hispanischer Arbeiter die Beschwerden bei der OSHA von 2001 bis 2019 um 50 Prozent zurückgegangen sind. Im gleichen Zeitraum haben die Verletzungen um 30 Prozent zugenommen.

Die Gewerkschaftsbürokratie der United Auto Workers (UAW) reagierte auf den Tod von Ronald Adams, indem sie die Unternehmensleitung in Schutz nahm und ihr half, die wahren Todesumstände vor seiner Familie und seinen Kollegen zu vertuschen. Unisono mit der Unternehmensleitung drohte die UAW Arbeitern, die den Mund aufmachten, mit Vergeltungsmaßnahmen.

Nur ein unabhängiges Eingreifen der Arbeiterklasse kann weitere solche Tragödien verhindern. Dies war das Thema der Anhörung, die die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC) am 27. Juli zum Tod von Ronald Adams organisierte. Dort kamen Familienangehörige von Adams, Kollegen aus Dundee und Arbeiter aus anderen Branchen zusammen.

In einer einstimmig verabschiedeten Resolution forderten die Teilnehmer ein Ende der „Vertuschung des anhaltenden Gemetzels in Fabriken, Logistikzentren, Baustellen und Verarbeitungsbetrieben. Die Verantwortlichen – von der Unternehmensleitung bis hin zu Gewerkschaftsvertretern und staatlichen Aufsichtsbehörden – müssen für ihre Rolle bei diesen vermeidbaren Todesfällen zur Rechenschaft gezogen werden.'

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Die unabhängige Untersuchung des Todes von Adams durch die Belegschaft soll fortgesetzt und auf andere Todesfälle ausgeweitet werden. Die Resolution fordert ein Ende der Angriffe auf die Arbeitssicherheit, die von Demokraten und Republikaner gleichermaßen ausgehen. Sie ruft auf zur Gründung von Sicherheitskomitees, die von den Arbeitern selbst demokratisch geführt werden und unabhängig von den konzernfreundlichen Gewerkschaften sind. Nur so können sichere Arbeitsbedingungen geschaffen und gefährliche Praktiken aufgedeckt werden.

Die Resolution schließt mit den Worten:

Wir rufen daher alle Arbeiter in den Vereinigten Staaten und weltweit auf, der Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees beizutreten und den Kampf für eine nationale und internationale Bewegung aufzunehmen, die dem Opfern von Leib und Leben der Arbeiter auf dem Altar des Profits ein Ende setzt. Es ist Zeit, sich zu organisieren, Widerstand zu leisten und das Recht auf ein Leben und Arbeiten in Sicherheit und Würde zurückzufordern.

Die WSWS ruft alle Leser dazu auf, sich zu melden und an der Untersuchung des Todes von Ronald Adams und anderen Todesfällen am Arbeitsplatz teilzunehmen. Füllt das nachstehende Formular aus, wenn ihr euch beteiligen wollt.

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