Lateinamerikas bürgerliche Regierungen beugen sich dem US-Angriff auf Venezuela

Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro und der brasilianische Präsident Lula da Silva in Brasilia im Mai 2023 [Photo: Ricardo Stuckert/PR]

Die militärische Invasion Venezuelas durch die USA am 3. Januar und die Entführung von Präsident Nicolás Maduro stellt einen Wendepunkt in der Krise des Weltimperialismus dar.

Wie die World Socialist Web Site erklärte: „Mit der Invasion (...) hat das Trump-Regime jeden Anschein von Legalität fallen gelassen. Es handelt sich um einen unprovozierten Angriffskrieg unter eklatanter Verletzung des Völkerrechts, um Venezuela und ganz Lateinamerika wieder einer Kolonialherrschaft zu unterwerfen.“

Die Gangster im Weißen Haus verkündeten offen den neokolonialen Charakter des Angriffs. So erklärte Trump am Samstag: „Unsere sehr großen US-amerikanischen Ölgesellschaften, die größten der Welt, werden dort hineingehen und Milliarden von Dollar ausgeben.“

Die Operation in Venezuela ist eine Warnung an die gesamte Region: Jeder Regierung, die sich den Diktaten der USA widersetzt, droht das gleiche Schicksal. Trumps Drohungen gegen den kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro – dem er drohte: „Petro ist der Nächste“, und ihm auf vulgärste Weise riet, sich in Acht zu nehmen – unterstreichen, dass der Angriff in Caracas am 3. Januar einen Präzedenzfall für den Ausbruch imperialistischer Gewalt in der gesamten Hemisphäre schaffen sollte.

Bei seiner Pressekonferenz am Samstag bekräftigte Trump die erklärten Ziele seiner Regierung, die uneingeschränkte Herrschaft über Lateinamerika und weitere Teile der Welt zu erlangen: „Die Monroe-Doktrin ist eine große Sache, aber wir haben sie um ein Vielfaches, um wirklich viel übertroffen. Jetzt nennt man sie die Donroe-Doktrin.“

Die „Trump-Zusatzmaßnahme“ zur Monroe-Doktrin ist bei all ihrem Wahnsinn, ihrer Rücksichtslosigkeit und ihrer Kriminalität Ausdruck der objektiv verzweifelten Lage des US-Kapitalismus. In Südamerika wurden die USA von China als wichtigster Handelspartner und führender Investor in den Ländern der gesamten Region abgelöst. Daher versucht Washington, seine verlorene Hegemonie mit militärischen Mitteln wieder geltend zu machen.

Washingtons Krieg und seine offen koloniale Intervention stürzen die ohnehin marode politische Ordnung in Lateinamerika ins Chaos. In ihren Reaktionen auf die vom Imperialismus ausgelöste Krise erweisen sich alle Fraktionen der nationalen Bourgeoisie als zutiefst verkommen.

Einerseits zeigen die angeblich „linken“ nationalistischen Regierungen der „Rosa Flut“ ihre völlige Unfähigkeit, Trumps Aggression zu begegnen, und letzten Endes kapitulieren sie vor dem Diktat des Imperialismus. Die faschistischen Regierungen andererseits und die politischen Kräfte, die auf dem ganzen Kontinent auf dem Vormarsch sind, machen deutlich, dass ihre rücksichtslosen diktatorischen Ziele in die neokoloniale Offensive der USA integriert sind.

Aus ersterer Gruppe stammt die symbolträchtigste Erklärung des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, einem engen Partner von Hugo Chávez während der „ersten Welle“ der „Rosa Flut“ zu Beginn des Jahrhunderts.

Am Samstagmorgen erklärte Lula auf X: „Die Bombenangriffe auf venezolanisches Staatsgebiet und die Gefangennahme des Präsidenten überschreiten eine inakzeptable Grenze.“ Wie üblich vermied Lula es auffällig, die USA oder Donald Trump als Urheber dieser Angriffe und von Maduros Entführung zu nennen. Stattdessen und schloss er mit den Worten: „Die internationale Gemeinschaft muss durch die Vereinten Nationen energisch auf diesen Vorfall reagieren. Brasilien verurteilt dieses Vorgehen und steht weiterhin bereit, den Weg des Dialogs und der Zusammenarbeit zu fördern.“

Diese feige Erklärung stellt eine Fortsetzung von Lulas in den letzten Monaten intensivierten Zusammenarbeit mit Trump dar. Wie die WSWS dokumentierte, hat Lula eine Reihe von Gesprächen mit dem faschistischen US-Präsidenten geführt und angeboten, bei Washingtons Plünderungsbestrebungen in Venezuela zu vermitteln und Trumps Agenda zu unterstützen.

Die anderen Anführer der „Rosa Flut“ – Claudia Sheinbaum aus Mexiko, Gabriel Boric aus Chile und Gustavo Petro aus Kolumbien – veröffentlichten Variationen von Lulas bankrottem Appell an die rechtsstaatliche internationale Ordnung, die derselbe Imperialismus, der sie hervorgebracht hatte, schon wieder zerstört hat.

Der chilenische Präsident Gabriel Boric äußerte seine „Besorgnis und Verurteilung der US-Militäraktion in Venezuela“ und forderte eine „friedliche Lösung der schwerwiegenden Krise, die das Land erfasst hat“. Dieser „Protest“ ist pure Heuchelei. Boric hat sich während seiner gesamten Amtszeit, die jetzt zu Ende geht, unter den Anführern der „Rosa Flut“ als der direkteste Kollaborateur des US-Nato-Imperialismus hervorgetan.

Boric, ein bekannter Vertreter der pseudolinken Protestpolitik in Chile, hat Washingtons Angriffe auf Venezuela und Länder wie Kuba und Nicaragua systematisch unterstützt und die imperialistische Eskalation unter dem fadenscheinigen Vorwand des Kampfs gegen „Autoritarismus“ in der Region gerechtfertigt. Inzwischen hat der chilenische Präsident diese moralisierenden Behauptungen völlig aufgegeben und seinem gewählten Nachfolger José Antonio Knast, einem offenen Bewunderer der mörderischen Pinochet-Diktatur, seine Zusammenarbeit und Unterstützung angeboten.

Der kolumbianische Präsident Petro, der zunehmend ins Visier von Trumps Offensive geraten ist – ohne dass seine feigen nationalistischen Amtskollegen deshalb in irgendeiner Form protestiert hätten – hat sich zu dem jüngsten Angriff der USA bemerkenswert zurückhaltend geäußert.

Petro, der bei der letzten UN-Vollversammlung im September Parallelen zwischen Trump und Hitler gezogen hatte, erklärte nun lediglich: „Die Regierung Kolumbiens weist die Aggression gegen die Souveränität Venezuelas zurück.“ Genau wie Lula nannte auch Petro die USA und Trump nicht beim Namen, sondern erklärte zum Schluss seiner Rede, Kolumbien müsse „die diplomatischen Kanäle zu den beteiligten Regierungen offenhalten und wird in den relevanten multilateralen und regionalen Foren Initiativen fördern, die auf die objektive Überprüfung der Fakten und die Wahrung des Friedens und der regionalen Sicherheit ausgerichtet sind“.

Die selbstgefällige Reaktion der „Rosa Flut“ auf die beispiellose Aggression des US-Imperialismus gipfelte in einer gemeinsamen Erklärung von Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko, Uruguay und Spanien. Darin wiederholten sie die heuchlerischen „Bedenken“ und zynischen Appelle für „friedliche Wege“, „Dialog“ und „Verhandlungen“.

Diese Erklärungen entlarven den vollständigen Bankrott der nationalistischen Perspektive der „Rosa Flut“. Ihre Unterzeichner sind nicht über die Aggression des US-Imperialismus selbst empört, sondern vielmehr über das offene Aussprechen der wahren Bedingungen der imperialistisch-kapitalistischen Ordnung, der sie selbst verpflichtet sind.

Im Gegensatz zu den kläglichen Appellen der „Rosa Flut“ an die Vernunft der Imperialisten, begrüßten die rechtsextremen Regierungen und faschistischen Kräfte der Region lautstark Washingtons kriminellen Angriff auf Venezuela. Diese Elemente haben ihn begierig aufgegriffen, um ihre eigenen diktatorischen Pläne aggressiv zu forcieren.

Der faschistische argentinische Präsident Javier Milei, der als Speerspitze des Imperialismus auf dem Kontinent agiert, zeigte sich sofort von dem Angriff begeistert. Er postete auf X: „Viva la libertad, carajo [Lang lebe die Freiheit, verdammt nochmal].“ Später erklärte er in einem Interview: „Volle Unterstützung für die Vereinigten Staaten, volle Unterstützung für das Vorgehen der USA.“

Noch krasser war die offizielle Erklärung der argentinischen Regierung am Tag des Angriffs. In einer Wiederholung der bösartigen Rhetorik der von den USA unterstützten Militärdiktatur, die zwischen 1976 und 1983 die argentinische Arbeiterklasse und Jugend terrorisiert hatte, hieß es in der „OFFIZIELLEN KOMMUNIKATION NR. 126“:

Das von Nicolás Maduro geführte sozialistische Regime ist derzeit der größte Feind der Freiheit auf dem Kontinent und spielt bis heute eine ähnliche Rolle wie Kuba in den 1970ern als Exporteur von Kommunismus und Terrorismus in die ganze Region. Zu seinen Operationen zählen Wahlbeeinflussung in Argentinien, Mexiko, Kolumbien und Bolivien, Infiltrationsstrategien in verschiedene Länder des Kontinents, Angriffe durch massenhafte Zuwanderung und Bündnisse mit verschiedenen progressiven NGOs, um weltweit die radikale Linke zu fördern. Es hat die Beziehungen zum Iran und der Hisbollah gestärkt und die Hamas und die Guerillas in Kolumbien logistisch unterstützt. All das wurde mit Einnahmen aus dem Drogenhandel des Sonnenkartells unterstützt, einer Organisation, die von dieser Regierung am 26. August als Terrororganisation eingestuft wurde.

Andere rechtsextreme regionale Führer wiederholten Varianten von Mileis unterwürfiger Unterstützung für den US-Imperialismus, gepaart mit faschistischen Angriffen auf den Kommunismus.

Paraguays Präsident Santiago Peña behauptete in einer offiziellen Erklärung wahrheitswidrig, Maduro sei der „Anführer einer kriminellen Organisation, die von den paraguayischen Behörden offiziell als terroristisch eingestuft wurde“, und sein „Verbleib an der Machtstellte eine Gefahr für die Stabilität der Region dar“.

Am 15. Dezember unterzeichnete Penãs Regierung ein Stationierungsabkommen für Streitkräfte mit Washington, das die rechtliche Grundlage für den Einsatz von „Bodentruppen“ der USA in Paraguay schafft.

Während Boric in Chile von einer „friedlichen Lösung“ in Venezuela schwadronierte, nahm sein faschistischer Nachfolger kein Blatt vor den Mund und unterstützte Washingtons Intervention offen.

Kast feierte Maduros kriminelle Entführung durch die USA in einem X-Post als „großartige Nachricht für die Region“. In Anlehnung an Trumps dreist falsche Vorwände für seinen neokolonialen Krieg bezeichnete der Pinochet-Bewunderer die venezolanische Regierung als „illegitimes Drogenregime“, von dem aus „kriminelle und terroristische Strukturen operieren, die den Frieden und die Sicherheit der Region ernsthaft bedrohen“. Er riet dann den „lateinamerikanischen Regierungen“ zu einem Kreuzzug gegen „Drogenschmuggel und organisiertes Verbrechen“ auf dem gesamten Kontinent.

In Brasilien nutzten die Verbündeten des ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, der momentan wegen seines Putschversuchs in 2022/23 im Gefängnis sitzt, den Angriff auf Venezuela, um ihre erneute faschistische Offensive zur Machtübernahme zu stärken.

Eduardo Bolsonaro, der Sohn des Ex-Präsidenten, feierte die US-Invasion und unterstrich deren direkte Auswirkungen auf die brasilianische Regierung selbst. Auf X schrieb er: „Das venezolanische Regime ist die finanzielle, logistische und symbolische Stütze des São-Paulo-Forums. Nach Maduros Festnahme werden Lula, Petro und die anderen Mitglieder des São-Paulo-Forums jetzt schreckliche Zeiten durchmachen. Merken Sie sich meine Worte.“

Der brasilianische Faschist spricht mit einer gewissen Autorität. Eduardo wurde am 18. Dezember sein Mandat als Abgeordneter entzogen, weil er seit seinem Umzug in die USA im Februar 2025 den Sitzungen des Kongresses anhaltend ferngeblieben war. Von den USA aus koordiniert er die Aktivitäten der brasilianischen extremen Rechten mit Vertretern der Trump-Regierung.

Sein Bruder Flávio Bolsonaro war begeistert von dem Angriff und erklärte: „Lula wird verpfiffen werden [von Maduro]. Das ist das Ende des São-Paulo-Forums: des internationalen Drogen- und Waffenschmuggels, der Geldwäsche, der Unterstützung von Terroristen und Diktaturen und Wahlbetrügereien.“

Dass Flávio, der sich als Kandidat bei der brasilianischen Präsidentschaftswahl im Oktober präsentiert, von „Wahlbetrug“ spricht, ist kein Zufall. Es deutet darauf hin, dass die Architekten des Putschversuchs in Brasilien vom 8. Januar 2023 ihre diktatorischen Ziele weiterhin verfolgen wollen – unter viel günstigeren internationalen Bedingungen.

Die Arbeiterklasse muss die verkommene und reaktionäre Reaktion aller Teile der lateinamerikanischen Bourgeoisie auf die US-Invasion in Venezuela als Beweis für die Unzulänglichkeit aller nationalistischen Perspektiven in der Epoche des Imperialismus sehen.

Die Rosa Flut stellt nur das jüngste Kapitel in der Geschichte des bürgerlichen Nationalismus in Lateinamerika dar. Die Sozialistische Gleichheitsgruppe in Brasilien schrieb im August 2025 ihre Erklärung:„Nein zur imperialistischen Aggression der USA gegen Venezuela! Für die Einheit der Arbeiterklasse in Nord- und Südamerika!“ Sie betonte wiederholt:

Die Geschichte Lateinamerika ist von immer neuen Experimenten mit bürgerlichem Nationalismus geprägt – von Perón in Argentinien bis Vargas in Brasilien, von der mexikanischen Revolution bis zur bolivarischen Bewegung in Venezuela. Sie alle endeten in Niederlagen, Verrat und oft der blutigen Unterdrückung der Arbeiterklasse. Die Rosa Flut ist nur das jüngste Kapitel in dieser gescheiterten Geschichte.

Der Zusammenbruch der bürgerlichen Ordnung in Lateinamerika unter dem Feuer von Imperialismus und Faschismus verschärft die explosiven sozialen Widersprüche, die direkte revolutionäre Implikationen bergen.

Wie die WSWS in ihrer Erklärung zu der Invasion betonte, steuert Trumps Regime in Venezuela auf eine Katastrophe zu. Es kann weder offenen Kolonialismus wieder einführen, noch können die diktatorischen Regime von Milei und Bolsonaro stabile Formen bürgerlicher Herrschaft bieten.

Seit der Zeit der von den USA unterstützten Militärdiktaturen hat Lateinamerika sich radikal verändert. Die Arbeiterklasse ist die größte gesellschaftliche Kraft geworden, konzentriert in Megastädten mit Dutzenden Millionen Einwohnern wie São Paulo, Mexiko City, Buenos Aires, Bogotá und Lima, und mit engen Verbindungen zur Weltwirtschaft und der internationalen Arbeiterklasse.

Wenn die Arbeitenden Lateinamerikas bisher der empörenden imperialistischen Intervention noch keine organisierte politische Antwort entgegengesetzt haben, liegt das daran, dass die alten Massenorganisationen - die Gewerkschaften und reformistischen Parteien - völlig demoralisiert sind und sich als Instrumente des Kapitalismus erweisen. Doch eine Reaktion der Massen ist unausweichlich. Aufgrund der jahrelangen Unterdrückung wird sie nur umso explosiver erfolgen. Sie wird schnell entstehen, zeitgleich mit dem Aufbau neuer Massenorganisationen, die wirklich die Arbeiterklasse vertreten.

Dieser bevorstehende revolutionäre Ausbruch erfordert ein korrektes Programm, das bürgerlichen und kleinbürgerlichen Nationalismus in allen seinen Formen ablehnt und sich zum internationalistischen Sozialismus bekennt.

Diese Perspektive macht es erforderlich, dass sich die lateinamerikanischen Arbeiter statt auf ihre „eigene“ nationale Bourgeoisie auf ihre Klassengenossen in den USA selbst orientieren und gemeinsam für den Sturz des Imperialismus kämpfen. Wie die WSWS betonte, ist der Kampf gegen Krieg ein Kampf gegen das kapitalistische System selbst, das ihn hervorbringt. Daher müssen die Arbeitenden den Kapitalismus abschaffen, um den Sozialismus als Grundlage einer neuen Gesellschaft zu errichten

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