Die World Socialist Web Site, die Socialist Equality Party in den USA und das Internationale Komitee der Vierten Internationale verurteilen ohne jeden Vorbehalt den Einmarsch der USA in Venezuela und die Entführung von Präsident Nicolás Maduro in den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026. Wir fordern die sofortige Freilassung von Maduro und seiner Frau Cilia Flores sowie den vollständigen Abzug aller US-Soldaten und -Militärkräfte aus der Region.
Mit der Invasion, bei der mindestens 40 Menschen getötet wurden, hat das Trump-Regime jeden Anschein von Legalität fallen gelassen. Es handelt sich um einen unprovozierten Angriffskrieg unter eklatanter Verletzung des Völkerrechts, um Venezuela und ganz Lateinamerika wieder einer Kolonialherrschaft zu unterwerfen. Die Arbeiterklasse in den USA und auf der ganzen Welt muss sich diesem imperialistischen Überfall widersetzen.
Auf der gestrigen Pressekonferenz erklärte Trumps „Kriegsminister“ Pete Hegseth ausdrücklich: „Willkommen im Jahr 2026!“ Der Angriff auf Venezuela am dritten Tag des neuen Jahres ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die imperialistische Gewalt von 2025 – der Völkermord in Gaza und die Bombardierung des Libanon, Syriens und des Iran – im Jahr 2026 eskalieren wird.
Dabei sind Außen- und Innenpolitik nicht durch eine Mauer getrennt. Parallel zum imperialistischen Gangstertum außerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten wird die Verschwörung zur Errichtung einer faschistischen Präsidialdiktatur innerhalb der Vereinigten Staaten intensiviert.
Auf seiner Pressekonferenz erklärte Trump, die Vereinigten Staaten würden das Land „so lange regieren, bis wir einen sicheren, geordneten und vernünftigen Übergang bewerkstelligen können“. Hatte der amerikanische Imperialismus früher noch versucht, seine Kriege unter scheinheiliger Berufung auf Demokratie und Menschenrechte zu legitimieren, so verzichtet Trump auf solche Vorwände. Ziel des Angriffs auf Venezuela, erklärte er unverblümt, sei die Kontrolle über das Land und seine Ölvorkommen.
„Unsere sehr großen US-amerikanischen Ölgesellschaften, die größten der Welt, werden dort hineingehen und Milliarden von Dollar ausgeben“, kündigte er an. Für den Fall von Widerstand drohte er mit einem noch brutaleren militärischen Angriff: „Wir sind bereit, bei Bedarf einen zweiten und viel größeren Angriff durchzuführen.“
Wie das Wall Street Journal am Samstag meldete, wollen führende Hedgefonds und Vermögensverwaltungsgesellschaften im März eine Delegation in die venezolanische Hauptstadt Caracas entsenden, um – wie ein Investor sich ausdrückte – „Investitionsmöglichkeiten“ im Umfang von 500 bis 750 Milliarden Dollar in den nächsten fünf Jahren zu prüfen.
Neben seinen riesigen Ölreserven ist Venezuela auch außerordentlich reich an anderen wichtigen Rohstoffen.
Es gibt bedeutende Goldvorkommen, vor allem im Südosten (Guayana-Hochland), und Gold hat sich zu einer Exportware von zunehmender Bedeutung entwickelt.
Auch Diamantenvorkommen gibt es in der Region Guayana, wenn auch in geringerem Umfang als Gold und Bauxit.
Venezuela verfügt über nachgewiesene Vorkommen an Kupfer, Nickel, Mangan und, in geringeren Mengen, Coltan und Kassiterit, die in neuen Bergbaugebieten abgebaut werden sollen.
Erkundungen deuten auf potenziell erhebliche Uran- und Thoriumvorkommen hin.
Und vor allem dient der Krieg einem entscheidenden geopolitischen Zweck. Der Einmarsch in Venezuela und die Entführung seines Präsidenten sind, wie Trump es auf seiner Pressekonferenz formulierte, eine „Warnung“ an „jeden, der die amerikanische Souveränität bedrohen will“. Unter Verweis auf seine neue Nationale Sicherheitsstrategie erklärte er, dass „die amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre nie wieder in Frage gestellt werden wird“, und bezeichnete den Angriff als erneute Bekräftigung der „ehernen Gesetze, die schon immer für globale Macht gelten“.
Unmittelbar war dies gegen Regierungen in Lateinamerika gerichtet, die auf die Idee kommen könnten, entgegen den imperialistischen Interessen der USA zu handeln. In Bezug auf den kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro warnte Trump in der Sprache eines Straßenschlägers: „Er sollte seinen Arsch hüten.“ Der faschistische Kriegsminister Pete Hegseth ergänzte: „Amerika kann seinen Willen überall und jederzeit durchsetzen.“ Er zog eine direkte Parallele zwischen dem Angriff auf Venezuela und der Bombardierung iranischer Atomanlagen im vergangenen Jahr. „Maduro hatte seine Chance“, höhnte er, „genauso wie der Iran seine Chance hatte – bis es damit vorbei war.“
Außenminister Marco Rubio – der für Trump das ist, was Ribbentrop einst für Hitler war – drohte der Regierung Kubas, ebenfalls im Gangsterjargon. Als Regierungschef des Inselstaates, erklärte er, würde er sich „Sorgen machen“.
Allerdings beschränken sich die Drohungen nicht auf Lateinamerika. Neben Venezuela und dem Iran haben die Vereinigten Staaten im Jahr 2025 fünf weitere Länder bombardiert: Syrien, Irak, Jemen, Somalia und zuletzt, im Dezember, Nigeria. Trump hat Mexiko mit Krieg gedroht, von der Annexion Grönlands und Kanadas gesprochen und die Kontrolle der USA über den Panamakanal für „nicht verhandelbar“ erklärt.
Die aggressive Botschaft an China ist unverkennbar. Nur wenige Stunden vor dem Angriff war der venezolanische Präsident Maduro mit einer hochrangigen chinesischen Delegation zusammengetroffen, die von Pekings Sonderbeauftragtem für lateinamerikanische und karibische Angelegenheiten, Qiu Xiaoqi, geleitet wurde. Es ging um die Zusammenarbeit beider Länder im Energiebereich. Der Überfall der USA, der zeitlich mit diesem Treffen zusammenfiel, sollte die Herausbildung engerer Beziehungen zwischen China und Lateinamerika torpedieren.
Die Maßnahmen der Trump-Administration sind nicht nur kriminell, sondern auch von schierem Wahnsinn geprägt. Im Jahr 2003, als die Vereinigten Staaten in den Irak einmarschierten, warnte die World Socialist Web Site, dass der amerikanische Imperialismus auf eine Katastrophe zusteuert: „Er kann die Welt nicht erobern. Er kann den Massen des Nahen Ostens keine neuen kolonialen Fesseln anlegen. Er kann seine inneren Krankheiten nicht mit dem Mittel des Kriegs heilen.“[1]
Diese Warnung hat sich bestätigt. Was jetzt in Gang gesetzt wird, läuft auf eine noch schlimmere Katastrophe hinaus.
Trump hat die Absicht erklärt, eine Diktatur über Venezuela zu errichten. Das Land solle von Rubio, Hegseth und anderen Vertretern seiner Regierung geführt werden, gab er am Samstag bekannt. Als ob ein Land mit 30 Millionen Enwohnern und einer Fläche von weit über 900.000 Quadratkilometern per Diktat von einer Handvoll Bürokraten aus Washington regiert werden könnte! In der Realität wird eine solche Besetzung die Entsendung von Hunderttausenden Soldaten und einen brutalen Häuserkampf gegen Massenwiderstand in den Städten erfordern. Indirekt gab Trump dies zu, indem er sagte, er habe keine Angst vor dem Einsatz von Bodentruppen.
Es sei daran erinnert, dass beim Einmarsch in den Irak 2003 etwa 180.000 Soldaten im Einsatz waren, darunter 130.000 aus den Vereinigten Staaten. Insgesamt waren damals fast eine halbe Million US-Soldaten beteiligt. Und der Irak, dessen Bevölkerung kleiner ist als die Venezuelas, war bereits zehn Jahre lang durch Sanktionen geschwächt worden. Die umfangreiche militärische Besetzung, die zur Unterwerfung Venezuelas erforderlich wäre, wird sich schnell zu einem blutigen, langwierigen Konflikt in ganz Lateinamerika und sogar weltweit ausweiten.
Die Skrupellosigkeit der Trump-Regierung kann nur im Zusammenhang mit der Krise des amerikanischen Imperialismus verstanden werden. Politisch ist Trumps Handeln zweifellos durch viele nicht ausgesprochene Überlegungen motiviert, unter anderem durch das Bestreben, von den brisanten Enthüllungen über das Epstein-Netzwerk abzulenken, in dessen Mädchenhandel führende Persönlichkeiten der Finanzaristokratie und des Staatsapparats verwickelt sind.
Aber es geht um grundlegendere Interessen. Die Vereinigten Staaten versuchen, den langfristigen Niedergang des amerikanischen Kapitalismus durch Militarismus und Krieg umzukehren. Die wirtschaftlichen Grundlagen der weltweiten Vormachtstellung der USA sind völlig erodiert. Der Goldpreis hat mittlerweile die Marke von 4.300 US-Dollar je Unze überschritten, was zeigt, wie stark das Vertrauen in den Dollar als globale Reservewährung geschwunden ist. Die Staatsverschuldung der USA ist auf über 38 Billionen Dollar angestiegen. Der Raub des venezolanischen Öls und die Wiederherstellung der US-amerikanischen Kontrolle über die westliche Hemisphäre werden von der herrschenden Klasse als wesentlich für die Verteidigung ihrer wirtschaftlichen und geopolitischen Stellung angesehen.
Die herrschende Klasse kann diese Politik nur umsetzen, wenn sie die Angriffe auf die Arbeiterklasse massiv verstärkt. Die astronomischen Kosten von Militarismus und globalen Eroberungen müssen durch extreme Haushaltskürzungen und die Zerschlagung der letzten Reste lebenswichtiger Sozialprogramme hereingeholt werden. Um ihre neokoloniale Herrschaft im Ausland durchzusetzen, muss die Regierung auch den Massenwiderstand im Inland überwinden. Die unvermeidlichen Katastrophen, die sich aus dieser Strategie ergeben, werden sowohl international als auch innerhalb der Vereinigten Staaten mit immer härterer Gewalt beantwortet werden.
Auf der gestrigen Pressekonferenz ging Trump in seinen sprunghaften Äußerungen nahtlos von der Prahlerei über die Entführung Maduros zu Drohungen gegen amerikanische Großstädte über. Er lobte die Einsätze der Nationalgarde in Washington D.C., Los Angeles, Memphis und New Orleans: „Sie sollten das mit mehr Städten machen.“ Die gleichen „ehernen Gesetze“ der Gewalt, die das Verhalten der USA im Ausland bestimmen, richten sich auch gegen die eigene Bevölkerung im Inland.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Trump nicht als Individuum handelt. Er ist das auserwählte Instrument der amerikanischen herrschenden Klasse, ein Gangster, der aus dem Schlund der Oligarchie gekrochen ist, um eine Politik durchzusetzen, für die demokratische oder legale Mittel nicht ausreichen.
Im Jahr 2025 stieg das Nettovermögen der US-Milliardäre – etwa 900 Einzelpersonen – um 18 Prozent auf insgesamt fast 7 Billionen Dollar. Allein auf zehn Personen entfielen 750 Milliarden Dollar. Die herrschende Klasse in Deutschland brachte 1933 Hitler an die Macht, weil ihre Politik nur mit einer Diktatur durchgesetzt werden konnte. Trump erfüllt heute dieselbe Funktion.
Die Washington Post, die sich im Besitz des Amazon-Milliardärs Jeff Bezos befindet, pries die Entführung Maduros als „einen der kühnsten Schachzüge, die ein Präsident seit Jahren unternommen hat“. Die Zeitung lobte den „unbestreitbaren taktischen Erfolg“ der Militäroperation, bezeichnete den Sturz Maduros als „gute Nachricht“ und lobte Trumps Bereitschaft, „die Sache durchzuziehen“, während frühere Regierungen gezögert hätten.
Die Demokratische Partei vertritt die gleiche Klasse und verteidigt das gleiche System wie Trump. Aus ihren Reihen wird es keine ernsthafte Opposition geben. Ihre Differenzen mit Trump sind rein taktischer, nicht strategischer Natur. Ihre gedämpfte Reaktion auf den Angriff auf Venezuela hat dies erneut verdeutlicht. Der Führer der Minderheitsfraktion im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, beschwerte sich zwar, dass der Kongress nicht informiert wurde, bekräftigte jedoch, dass Maduro „nicht der rechtmäßige Regierungschef“ sei.
Erst vor wenigen Wochen haben Demokraten und Republikaner gemeinsam ein Gesetz verabschiedet, das Militärausgaben von 900 Milliarden Dollar vorsieht, und damit die imperialistische Agenda, die jetzt mit aller Gewalt durchgesetzt wird, klar gebilligt.
In Erwartung eines breiten Widerstands in der Bevölkerung gab Senator Bernie Sanders eine Erklärung ab, in der er das Vorgehen gegen Venezuela als „illegal und verfassungswidrig“ bezeichnete, ohne jedoch eine Strategie zur Beendigung des Krieges vorzuschlagen oder zu einer Mobilisierung der Bevölkerung aufzurufen.
Es wird eine Reaktion in der Arbeiterklasse geben, und zwar nicht nur in Venezuela und Lateinamerika. Die Wiedereinführung kolonialer Herrschaft wird überall auf der Welt auf enormen Widerstand stoßen. Umfragen in den Vereinigten Staaten haben ergeben, dass ein Krieg gegen Venezuela mit überwältigender Mehrheit abgelehnt wird. Trumps Zustimmungsrate beträgt zum Ende seines ersten Amtsjahres nur noch 36 Prozent und ist damit die niedrigste aller Präsidenten zu diesem Zeitpunkt seit mehr als einem halben Jahrhundert.
Innerhalb weniger Stunden nach dem Angriff auf Venezuela kam es zu Demonstrationen, ein erstes Anzeichen für den Widerstand in der Bevölkerung, der sich ausweiten und wachsen wird. Allerdings haben die Erfahrungen mit den Massenprotesten gegen den Völkermord in Gaza gezeigt, dass Appelle an die Regierung in Washington keinerlei Auswirkungen auf deren Politik haben werden. Ohne ein Programm und eine politische Führung wird diese Empörung in die politischen Strukturen des kapitalistischen Staates zurückgeschleust werden.
Notwendig ist, dass die Arbeiterklasse auf der Grundlage eines sozialistischen Programms bewusst in den politischen Kampf eingreift. Ein Anprangern des Krieges, das dessen Wurzeln im kapitalistischen Systems und den Interessen der Oligarchie ausklammert, kann nur in Niederlagen und Demoralisierung enden.
Die Voraussetzungen für einen solchen Kampf sind bereits weit fortgeschritten. Der Krieg nach außen ist untrennbar mit einer sozialen Konterrevolution im Inneren verbunden – steigende Inflation, Vernichtung von Arbeitsplätzen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz, zunehmende Armut und systematischer Abbau aller demokratischen und sozialen Rechte.
Die Finanzoligarchie sitzt auf einem sozialen Pulverfass. Der Vulkanausbruch des amerikanischen Imperialismus löst einen Tsunami des weltweiten Klassenkampfs aus. Beides geht aus denselben Widersprüchen des kapitalistischen Systems hervor.
Und obwohl diese Grundtendenzen in den USA am stärksten zum Ausdruck kommen, sind es überall auf der Welt die gleichen. Alle imperialistischen Mächte beteiligen sich an der Neuaufteilung der Welt.
In Europa führen die großen kapitalistischen Staaten unter Rufen nach Krieg gegen Russland die massivsten Aufrüstungskampagnen seit dem Zweiten Weltkrieg durch und zerschlagen zugleich Sozialprogramme. Großbritannien, Frankreich und ihre imperialistischen Partner in der Nato betrachten Trumps Angriff auf Venezuela als Signal, ihre alten Kolonialreiche zurückzuerobern. Die deutsche herrschende Klasse, die in großem Stil aufrüstet, träumt von einem Vierten Reich und macht ihre militärische Macht auf dem gesamten Kontinent und darüber hinaus geltend.
Die herrschende Klasse hat deutlich gemacht, wie sie sich 2026 vorstellt: als Jahr der ungezügelten militärischen Gewalt. Die Antwort muss sein, 2026 zu einem Jahr des Klassenkampfs und des Aufbaus einer Massenbewegung für den Sozialismus zu machen.
Der Kampf gegen Krieg ist ein Kampf gegen seine Ursache, das kapitalistische System. Er muss von der Arbeiterklasse geführt werden, die alle fortschrittlichen Teile der Gesellschaft hinter sich vereint, um echte Demokratie und Gleichheit zu schaffen.
Die Alternative zur Diktatur der Oligarchen ist der Sozialismus: der Aufbau einer unabhängigen politischen Bewegung, um den Kapitalismus abzuschaffen und die Gesellschaft auf der Grundlage der sozialen Bedürfnisse und nicht des privaten Profits neu zu organisieren.
Die Socialist Equality Party und das Internationale Komitee der Vierten Internationale rufen Arbeiter, Studierende und junge Menschen in den Vereinigten Staaten, in ganz Lateinamerika und international auf: Schließt euch uns an! Werdet Mitglied der Socialist Equality Party in den USA, der Sozialistischen Gleichheitspartei in Deutschland und der Sektionen des IKVI in der ganzen Welt. Nehmt den Kampf auf, die Arbeiterklasse über alle Grenzen hinweg zu vereinen, den Kapitalismus abzuschaffen und eine neue Gesellschaft auf der Grundlage des Sozialismus aufzubauen.
David North, 30 Jahre Krieg, Mehring Verlag, Essen 2020, S. 355.
