Perspektive

Epstein-Akten enthüllen die Kriminalität der amerikanischen Oligarchie

Donald Trump (links) mit Jeffrey Epstein und dem belgischen Model Ingrid Seynhaeve auf der Victoria's Secret „Angels“-Party in New York City, April 1997 [Photo: House Oversight]

Am 30. Januar veröffentlichte das US-Justizministerium mehr als drei Millionen Dokumente, darunter mehr als 2.000 Videos und 180.000 Bilder, die im Zusammenhang mit dem Finanzier und Sexstraftäter Jeffrey Epstein stehen.

Die Dokumente belegen die Verbindungen Epsteins, der einen Prostitutionsring betrieb und Kinder sexuellem Missbrauch zuführte, mit Trump, mit dem jüngeren Bruder des britischen Königs und mit den reichsten Menschen der Welt, sowohl dem jetzigen (Elon Musk) als auch dem ehemaligen (Bill Gates) weltreichsten Mann.

Zu den in den Dokumenten genannten Personen gehören: Der ehemalige Prinz Andrew (genannt „The Duke“), der auf Fotos mit Epstein zu sehen ist und in E-Mails erwähnt wird, die neues Licht auf ihre Kontakte werfen; der britische Milliardär Richard Branson, der auf Bildern und in Kontaktmaterialien erscheint; der ehemalige Finanzminister und Präsident der Harvard University, Lawrence Summers, der in Terminkalendern und Korrespondenz über Treffen und Abendessen aufgeführt ist; der ehemalige israelische Premierminister Ehud Barak, der Berichten zufolge auch nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 in dessen New Yorker Villa wohnte; sowie der Milliardär Steve Tisch, Miteigentümer der New York Giants, der in E-Mails erwähnt wird, in denen Epstein beschreibt, wie er ihm Frauen zur Verfügung stellte.

Weitere Namen sind der ehemalige Präsident Bill Clinton, Donald Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon und eine ganze Reihe weiterer Milliardäre, Finanziers, Prominente und Politiker. Ihre Namen tauchen in Epsteins Adressbüchern, Flugprotokollen und internen Mitteilungen auf. Auch wenn mehrere Genannte jegliches Fehlverhalten bestreiten und von lediglich zufälligem Kontakt sprechen, zeichnen die Akten ein erschreckendes Bild einer eng vernetzten globalen Elite, die sich um Epsteins kriminelles Unternehmen scharte.

Epstein war ein milliardenschwerer Finanzier, der jahrzehntelang einen internationalen Sexhandel betrieb und für sich selbst und seine reichen und mächtigen Geschäftspartner minderjährige Mädchen organisierte. Nach einer Verurteilung im Jahr 2008 in Florida wegen Zuhälterei mit Minderjährigen erhielt Epstein nur eine äußerst milde Strafe, da Alex Acosta, der spätere Arbeitsminister unter Trump, ihm einen vorteilhaften Deal aushandelte.

Obwohl die Staatsanwaltschaft 30 Opfer identifiziert hatte, musste Epstein nur 15 Monate in einem Bezirksgefängnis verbüßen, indem er Freigang hatte. Laut einem Bericht des Daily Beast aus dem Jahr 2019 sagte Acosta gegenüber Trumps Übergangsteam aus, er habe den Deal geschlossen, weil man ihm geraten habe, sich zurückzuhalten, da Epstein über seiner Gehaltsklasse liege. Acosta soll gesagt haben: „Mir wurde gesagt, dass Epstein ‚zum Geheimdienst gehört‘, und ich solle die Sache auf sich beruhen lassen.“

Epstein wurde im Juli 2019 erneut wegen sexuellen Menschenhandels auf Bundesebene verhaftet. Am 10. August 2019 fand man ihn tot in seiner Zelle im Metropolitan Correctional Center in Manhattan, was die Regierung absurderweise als Selbstmord einstufte.

Trotz zahlreicher Beweise wurde keiner von Epsteins Kunden aus der Reihe der führenden Politiker und Wirtschaftsgrößen angeklagt, geschweige denn verurteilt.

Musk, der größte Einzelspender für Trumps Wahlkampf 2024, taucht in den Veröffentlichungen immer wieder auf, und sein Name wird mehr als 1.000 Mal erwähnt. Im November 2012, vier Jahre nachdem Epstein sich des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig bekannt hatte, schickte Musk ihm eine E-Mail mit der Frage: „An welchem Tag/in welcher Nacht findet die wildeste Party auf deiner Insel statt?“

Im Dezember 2013 kündigte Musk erneut einen Besuch auf Epsteins Privatinsel an und schrieb ihm: „Bin über die Feiertage in der Gegend der Jungferninseln/St. Bart's. Gibt es einen guten Zeitpunkt für einen Besuch?“ Epstein antwortete: „Ich schicke Ihnen einen Hubschrauber.“ Nachfolgende E-Mails zwischen Epstein, Musk und Epsteins Assistentin Lesley Groff belegen die fortgesetzte Koordination der Reise auf die Insel Anfang Januar 2014.

Diese E-Mails widersprechen Musks Behauptung gegenüber Vanity Fair aus dem Jahr 2019, er habe wiederholte Einladungen auf Epsteins Insel „abgelehnt“ und sei nie dort gewesen. Am Wochenende bezeichnete Musk die Berichterstattung über die E-Mails als „Fälschung“ und die Dateien selbst als „Ablenkungsmanöver“.

Auch Gates spielt eine wichtige Rolle. In einer E-Mail aus dem Jahr 2013 erpresste Epstein offenbar Gates. Er bezog sich darin auf die Forderung, E-Mails über Gates' sexuell übertragbare Krankheit zu löschen, erwähnte Antibiotika, die heimlich an Melinda Gates übergeben wurden, und äußerte explizite sexuelle Details. Epstein schlug Gates vor, ihm Millionen von Dollar zu bezahlen und ein Haus zu kaufen. Melinda Gates erklärte später öffentlich, dass die Beziehung ihres Mannes zu Epstein, den sie als „böse“ bezeichnete, Grund für ihre Scheidung von ihm sei.

Unter den Dokumenten befinden sich E-Mails des Milliardärs Steve Tisch, Miteigentümer der New York Giants, der Epstein um Hilfe bei der Beschaffung von Frauen für sexuelle Zwecke bat – und zwar noch Jahre nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008. Der E-Mail-Austausch zeigt, dass Epstein weiterhin aktiv im Menschenhandel tätig war, und dass seine elitären Kunden davon wussten. Tisch ist der Cousin der New Yorker Polizeikommissarin Jessica Tisch, die der Bürgermeister von New York City, Zohran Mamdani, vor kurzem im Amt bestätigt hat.

Die Akten unterstreichen die internationale Reichweite von Epsteins Netzwerk. Neu veröffentlichte Fotos zeigen Andrew Mountbatten-Windsor, ehemals Prinz Andrew, wie er über einer jungen Frau kniet, deren Gesicht verdeckt ist. In Großbritannien trat Peter Mandelson, ein zentraler Architekt von New Labour, von seinem Parteiamt zurück, nachdem bekannt wurde, dass er drei Zahlungen in Höhe von je 25.000 Dollar von Epstein erhalten hatte.

Andrew Mountbatten-Windsor, ehemals Prinz Andrew, über einer unbekannten Frau; Foto der neuesten, vom Justizministerium veröffentlichten Serie der Epstein-Akten [Photo: House Oversight Committee]

Auch Handelsminister Howard Lutnick versuchte, sich von Epstein zu distanzieren, und behauptete, er habe 2005 die Verbindung zu ihm abgebrochen, nachdem er in Epsteins Wohnung eine „Massageliege“ entdeckt habe. E-Mails zeigen jedoch, dass Lutnick noch bis 2012, also lange nach Epsteins Verurteilung, mit diesem korrespondierte. In einer E-Mail vom Dezember 2012 koordinierte Lutnick während einer Reise, die er mit seiner Familie und seinen Kindern im Alter von sieben bis 16 Jahren unternahm, mit Epstein die Planung eines Abendessens in der Karibik.

Diese mächtigen Personen – die ganze Regierungen, Banken und Konzerne leiten – behaupten, sie hätten nicht gewusst, wer Epstein war. Was für ein Unsinn, jeder wusste Bescheid! Allein schon das schiere Ausmaß seiner Kontakte und die außergewöhnliche Reichweite seines Netzwerks sprechen Bände über den Charakter der herrschenden Klasse.

Obwohl diese Dokumente veröffentlicht werden, ist jedoch alles von Täuschung geprägt, einschließlich der Frage, was veröffentlicht wird und was nicht, und welche Informationen geschwärzt werden. In einer am Freitagabend veröffentlichten Erklärung, die 20 Opfer Epsteins unterzeichnet hatten, heißt es: „Diese jüngste Veröffentlichung von Jeffrey Epsteins Akten wird als Transparenz verkauft, aber tatsächlich werden die Überlebenden bloßgestellt. Wieder einmal werden die Namen und persönlichen Daten der Überlebenden preisgegeben, während die Männer, die uns missbraucht haben, im Verborgenen bleiben und geschützt werden.“

Die grundlegenden politischen Fragen bleiben unbeantwortet. Und solange sie in Händen der herrschenden Klasse sind, werden sie auch unbeantwortet bleiben. Epstein war kein unabhängiger Einzeltäter. Wessen Interessen diente er? Arbeitete er für die CIA, den Mossad oder einen anderen Geheimdienst? Acostas Behauptung, dass Epstein „zum Geheimdienst gehört“, wurde nie nachgegangen.

Über die konkret beteiligten Personen hinaus offenbart der Epstein-Skandal das Wesen einer ganzen Gesellschaftsklasse. Die amerikanische Oligarchie verdankt ihren Reichtum Parasitentum, Spekulation und Betrug. Sie ist, ihrem sozialen Charakter und ihrer Art der Bereicherung nach, eine kriminelle Klasse an der Spitze der amerikanischen Politik. Ihr Reichtum ist das Produkt von Finanzmanipulation, Wirtschaftskriminalität, Kriegsgewinnlertum und der Ausbeutung von Milliarden von Menschen.

Die Oligarchie wähnt sich über dem Gesetz. Und Trump verkörpert diese Klasse: Er ist dreist, kriminell und voller Verachtung für demokratische Normen. Er provoziert offen faschistische Gewalt und zettelt Kriege an. Seine Regierung betrachtet die Verfassung als wertloses Stück Papier und das Völkerrecht als irrelevant. Sie maßt sich das Recht an, Menschen zu ermorden, ob Staatsbürger oder nicht, und behauptet für sich, wie Vizepräsident JD Vance es formulierte, die „absolute Immunität“.

Die herrschende Klasse Amerikas versinkt in politischer, sozialer, rechtlicher und moralischer Verkommenheit. Der Epstein-Skandal hält ihr einen Spiegel vor.

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