VW: Die Belegschaft blutet, der Vorstand sahnt ab – mithilfe von Betriebsrat und IG Metall

Im Dezember 2024 verkündeten Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger bei Volkswagen ein „Weihnachtswunder“. Das Wunder bestand darin, dass 35.000 Arbeitsplätze abgebaut und die Entgelte um bis zu 20 Prozent gesenkt wurden. Damit, so Cavallo und Gröger, seien betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen abgewendet und „Sicherheit für Existenzen, Familien und kommende Generationen“ geschaffen.

VW-Werk Kassel [Photo: BiCYCLE / CC-BY-SA 3.0]

Nun hat sich bei Volkswagen zwischen Weihnachten und Ostern ein weiteres „Wunder“ ereignet. In den angeblich klammen Kassen fanden sich plötzlich Barbestände von 6 Milliarden Euro – etwas mehr als nötig sind, damit die Vorstandsmitglieder Boni von bis zu 1,75 Millionen pro Person kassieren können!

Laut VW-Finanzvorstand Arno Antlitz ist der Geldregen das Resultat gestrichener Investitionen. Das bedeutet, dass er direkt von der Belegschaft geklaut wurde. IG Metall und Betriebsrat hatten nämlich den größten Kahlschlag der Unternehmensgeschichte, der dem Konzern jährlich 15 Milliarden Euro einspart, mit der Notwendigkeit riesiger Investitionen im Zuge der Umstellung auf Elektromobilität begründet.

Nun ist klar: Was den Beschäftigten genommen wurde, landet als Bonus auf den Konten des Vorstands; statt Beschäftigungssicherheit für die Belegschaft gibt es Selbstbedienung an der Konzernspitze.

Von den „riesigen Investitionen“ hat sich Volkswagen inzwischen verabschiedet. Die Investitionsquote sank laut Konzernangaben von 14,3 Prozent der Erlöse im Autogeschäft im Jahr 2024 auf 12 Prozent im vergangenen Jahr. Finanzchef Antlitz hat angekündigt, die Investitionen in den kommenden Jahren weiter zu drosseln. Sie sollen nicht mehr bei den vor eineinhalb Jahren angekündigten 180 Milliarden Euro, sondern nur noch bei 160 Milliarden Euro bis 2028 liegen. Das ist noch weniger als in früheren Investitionszyklen.

Die Wut über die Selbstbereicherung des Vorstands ist riesig. Einen Monat vor der Betriebsratswahl brodelt es in der Belegschaft. Im Wolfsburger VW-Intranet wird über die „Verarschung“ durch Betriebsrat und IG Metall debattiert.

Diese versuchen, die Wut durch die Forderung nach einer Sonderzahlung einzufangen. Die Rede ist von 5.000 Euro. Das wären bei 120.000 Beschäftigten 600 Millionen Euro oder ein Zehntel des Barmittelzuflusses. Die Sonderzahlung soll im Mai ausgezahlt werden, also in dem Monat, in dem der zweite Teil der bisherigen Tarifboni für die Belegschaften den Kürzungen zum Opfer fallen.

Cavallo und Gröger bilden sich offenbar ein, die Belegschaft sei genauso käuflich und bestechlich wie sie selbst und lasse sich durch ein einmaliges, nicht tabellenwirksames Almosen abspeisen. An den Millionen-Boni für die Vorstandsmitglieder haben sie nichts auszusetzen, schließlich wurden sie vom Präsidium, in dem neben Cavallo auch die 1. IGM-Vorsitzende Christiane Benner sitzt, vorgeschlagen und vom Aufsichtsrat mit den Stimmen der „Arbeitnehmervertreter“ abgesegnet.

Auch Dirk Kaiser, Vorsitzender der Gewerkschaft für Transformation (GFT), fordert, „dass die Belegschaft vor den Aktionären an diesem unverhofften Geldsegen beteiligt wird“, wie er im VW-Intranet schreibt. Die GFT hatte angekündigt, sich mit der „Anderen Liste“ von Frank Patta und der „Alternative“ von Dirk Böse nach der Betriebsratswahl im Wolfsburger Stammwerk zu verbünden.

Die Christliche Gewerkschaft Metall (CGM), die ebenfalls an den Betriebsratswahlen teilnimmt, fordert „mindestens acht bis zehn Prozent für alle Mitarbeiter“. Wenn (!) Umsatz und Gewinn des Unternehmens stimmen, sollte nicht nur für den Vorstand, sondern auch „für jeden Mitarbeiter etwas drin sein“.

Die IGM hat allerdings bereits klargemacht, dass die Kürzungsorgie bei VW weitergeht. „Der zuletzt in der Momentaufnahme Ende 2025 punktuell hohe NCF [Netto-Cashflow, auf Deutsch: Barmittelzufluss] ändert nichts an der angespannten Lage des Konzerns,“ heißt es in einer Extra-Ausgabe der Betriebsratszeitung Mitbestimmen. Diese sei „weiterhin geprägt von hart umkämpften Märkten und riesigem Investitionsbedarf für Antriebswende und Digitalisierung“.

Die Entgeltkürzungen und der Arbeitsplatzabbau sollen unbeirrt weitergehen und verschärft werden. So arbeiten aktuell – wie Ende 2024 im „Zukunftsvertrag“ vereinbart – Betriebsrat und Konzernspitze daran, das Entgeltsystem grundlegend zu ändern, um langfristig Lohn- und Gehaltskürzungen von weiteren 6 Prozent zu erreichen. Der „Zukunftsvertrag“ enthält außerdem eine Revisionsklausel, mit der der Konzern alle Zusicherungen wieder einkassieren kann, wenn er dies für wirtschaftlich notwendig erachtet.

Die nicht endenden Angriffe auf Löhne, Arbeitsplätze und -bedingungen treffen nicht nur die VW-Beschäftigten. Im globalen Wettbewerb um Marktanteile streiten die Autokonzerne längst nicht mehr darum, wer die besten Fahrzeuge baut, sondern wer seine Belegschaft am effizientesten auspresst. Es ist ein Konkurrenzkampf auf dem Rücken der Belegschaften um niedrigere Löhne, mehr Druck und größere Ausbeutung – im Interesse der Aktionäre.

Bei dem 2024 vereinbarten Kahlschlag, der offiziell mit „Wettbewerbsfähigkeit“ und der „Transformation zur E-Mobilität“ begründet wurde, ging es in Wahrheit um höhere Renditen für die Aktionäre und Millionenzahlungen an das Management. Die Profitrate der Kernmarke sollte verdoppelt und verdreifacht werden: auf 6,5 Prozent. Allen voran den Eigentümerfamilien Porsche-Piëch (geschätztes Vermögen rund 40 Milliarden Euro), denen über 53 Prozent der VW-Aktien gehören, winken damit zusätzliche Milliardengewinne.

Die Entwicklung bei VW zeigt, dass die gesamte Politik der Sozialpartnerschaft bankrott ist. Die IGM und ihr Betriebsrat vertreten nicht die Interessen der Belegschaft, sondern sorgen als Co-Manager dafür, dass diese effektiver ausgepresst wird. Deshalb muss sich die Belegschaft dringend neu organisieren und neu orientieren. Sie muss unabhängige Aktionskomitees aufbauen.

Konkret sollten die VW-Aktionskomitees an jedem Standort folgende Forderungen und deren Umsetzung diskutieren:

  • Sprecht Betriebsrat und IGM-Apparat das Mandat ab! Keine Verhandlungen hinter verschlossenen Türen mit dem Konzern in unserem Namen!
  • Zurückweisung des Zukunftsvertrags von Weihnachten 2024! Rücknahme aller Kürzungen und Wiedergutmachung für die bisherigen Einkommensverluste.
  • Keine Legitimierung der Kürzungen durch eine Sonderzahlung! Die Belegschaften erwirtschaften die Milliarden mit der Produktion der Fahrzeuge. Ihnen gehören auch die Früchte dieser Arbeit.
  • Kein Cent für Dividenden und Boni! Statt Ausschüttungen an Manager und Aktionäre sofortige Verwendung der Mittel zur Sicherung von Arbeitsplätzen, Kaufkraft und sinnvoller Investitionen in demokratisch kontrollierte Produktion.
  • Für die internationale Zusammenarbeit und Einheit der Belegschaften! Die Vorgänge in Deutschland sind Teil eines internationalen Phänomens. Weltweit agieren die Gewerkschaftsapparate als verlängerter Arm der Konzerne gegen die Beschäftigten. Auf Betriebsversammlungen gewählte Delegationen kampfbereiter Kolleginnen und Kollegen der Aktionskomitees müssen weltweit Kontakt zu den Beschäftigten des VW-Konzerns aufnehmen, in Europa, den USA, in Südamerika, Asien und Afrika.

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