Trump droht, den Iran „zu dezimieren und zu vernichten“, während die USA ihre Angriffe fortsetzen

Die USS Boxer (LHD 4) und die USS Portland (LPD 27) im Indischen Ozean, 30. Juni 2026. Die Amphibious Ready Group der Boxer und die 11th Marine Expeditionary Unit operieren derzeit im Nahen Osten [Photo: US Central Command]

Das US-Militär bombardierte den Iran das gesamte Wochenende über. In der Samstagnacht des 11. Juli erfolgte die größte Angriffswelle, die sich gegen etwa 140 Ziele richtete. Am Sonntag folgten mindestens zwei weitere Angriffswellen. Laut der New York Times haben US-Streitkräfte im Laufe der letzten Woche insgesamt etwa 310 Ziele im Iran angegriffen.

Am Freitagabend drohte US-Präsident Donald Trump auf Truth Social erneut mit der Zerstörung des gesamten Landes: „1000 Raketen sind scharfgemacht und auf die Islamische Republik Iran gerichtet.“ Er erklärte, das US-Militär stehe bereit, „für den Zeitraum eines Jahres, der verlängert werden kann, um den Iran vollständig zu dezimieren und alle Gebiete des Landes zu zerstören – GELOBT SEI ALLAH!“

Mit den Angriffen am Wochenende wurde der am 17. Juni von Washington und Teheran vereinbarte „Waffenstillstand“ endgültig hinfällig. Am 10. Juli schrieb Trump: „Die Vereinigten Staaten haben ihnen unmissverständlich klargemacht, dass der Waffenstillstand BEENDET ist!“

Der „Waffenstillstand“ selbst kam nur zustande, weil die USA es nicht geschafft hatten, die iranische Regierung zu stürzen und die Kontrolle über die Straße von Hormus zu erlangen. Die Redaktion der Washington Post schrieb am Mittwoch, keins der vier Ziele, die Trump im März genannt hatte – Zerstörung der iranischen Kapazitäten zum Raketenbau, Zerstörung der iranischen Marine, Verhinderung ihrer Atomwaffen, Ausschaltung ihrer Stellvertreter – sei vollständig erreicht worden.

Selbst als Trump eine vorläufige Verhandlungslösung anstrebte, verurteilten das beide Fraktionen des politischen Establishments der USA, weil sie zu viele Zugeständnisse an den Iran enthalte.

Der republikanische Senator Lindsey Graham (South Carolina), der am Samstag mit 71 Jahren verstarb, hatte noch am 21. Juni in der CBS-Sendung Face the Nation erklärt: „Wenn dieses Abkommen scheitert, wird Präsident Trump die Straße von Hormus mit Gewalt übernehmen. (...) Wenn der Iran die Kontrolle der USA über die Straße von Hormus in Frage stellt, werden wir ihn vernichten.“

Senatorin Jeanne Shaheen (New Hampshire), die ranghöchste Demokratin im Außenpolitikausschuss, erklärte am 17. Juni, Trump habe „dem iranischen Regime ein Zugeständnis nach dem anderen angeboten, ohne dafür eine nennenswerte Gegenleistung zu erhalten“.

Noch während der Angriffe vom Wochenende übten die Demokraten scharfe Kritik daran, dass Trump die Ziele des US-Imperialismus im Nahen Osten nicht erreicht habe.

Der Abgeordnete Jim Himes (Connecticut), der ranghöchste Demokrat im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, erklärte in der CNN-Sendung State of the Union  am Sonntag: „Das gesamte atomare Material ist noch vorhanden. Es liegt lediglich unter einem Haufen Schutt begraben.“

Himes erklärte gegenüber Moderator Jake Tapper: „Jake, das wichtigere Problem ist, dass das Regime einen Angriff überlebt hat, der laut den Versprechen des Präsidenten das Ende des Regimes bedeuten würde. Übrigens, es geht nicht um Staub. Der Präsident redet ständig von atomarem Staub. Es ist kein Staub. Dieses Zeug ist da unten und kann geborgen werden.

Meine Sorge ist also, dass der Iran nach diesem Krieg noch stärker als vor einem Jahr dazu motiviert sein wird, die Waffe zu entwickeln, von der sie wissen, dass ihr Besitz einen Angriff auf ihr Land für immer ausschließen wird.“

Senator Adam Schiff (Kalifornien) erklärte am Sonntag in der NBC-Sendung Meet the Press: „Der Iran hat erkannt, dass er bereits über eine Art Atomwaffe verfügt, und zwar die Fähigkeit, mit minimaler Gewalt die Straße von Hormus zu schließen und einen Großteil der weltweiten Ölversorgung abzuwürgen.“ Er nannte den Krieg einen „riesigen strategischen Fehler“.

Der israelische Botschafter in den USA, Jechiel Leiter, erklärte am Sonntag in der CBS-Sendung Face the Nation, der Iran habe „die USA zur Rückkehr zum Reagieren gezwungen“ und kündigte an: „Wir sind Partner, wir sind Verbündete. Wenn die Vereinigten Staaten uns auffordern, uns an weiteren Reaktionen gegen den Iran zu beteiligen, werden wir für die Vereinigten Staaten da sein.“

Gemäß dem Memorandum vom 17. Juni hatte Washington die seit April bestehende Blockade der iranischen Häfen beendet und dem Iran den Verkauf von Öl erlaubt. Teheran sagte dafür sichere und zollfreie Durchfahrt für Handelsschiffe durch die Straße von Hormus für 60 Tage zu.

Am 7. Juli attackierten US-Kampfflugzeuge etwa 80 Ziele, am nächsten Tag etwa 90. Das US-Finanzministerium hob die Ausnahmeregelung auf, die es dem Iran gestattet hatte, sein Öl zu verkaufen. Am 9. Juli zerstörten US-Angriffe die Bahnverbindung nach Maschhad, noch während des Trauerzugs für den Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei, der beim ersten Angriff des Kriegs zusammen mit Mitgliedern seiner Familie von den USA und Israel ermordet worden war.

Am Sonntag durchquerten sechs Schiffe die Straße – am Tag vor Kriegsbeginn waren es über 130. CNN berichtete am Sonntag, die USA hätten die Hälfte ihrer THAAD-Abfangsysteme, fast die Hälfte ihrer Patriot-Abfangraketen und etwa 30 Prozent ihrer Tomahawk-Marschflugkörper verschossen – Bestände, die für einen künftigen Krieg gegen China vorgesehen waren. Benzin kostet mit 3,88 Dollar pro Gallone 30 Prozent mehr als vor dem Krieg, und das Weiße Haus hat vom Kongress weitere Notfallmittel in Höhe von 87,6 Milliarden Dollar für den Krieg beantragt.

Der Krieg, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen haben, dauert mittlerweile 135 Tage an. Laut den iranischen Behörden wurden bis Mitte Juni, noch vor den Bombenangriffen der vergangenen Wochen, mehr als 3.400 Menschen getötet. Laut Amnesty International kam es im Iran seit Beginn des Kriegs zu mindestens 39 politisch motivierten Hinrichtungen und mehr als 6.000 Verhaftungen. Die Weltbank bezeichnete die Sperrung der Straße von Hormus als „den größten Schock für die Ölversorgung, der je verzeichnet wurde“. Der Internationale Währungsfonds verwies in diesem Monat auf den durch den Krieg ausgelösten Energieschock, als er seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf drei Prozent senkte.

Der Angriff auf den Iran fällt mit Israels anhaltenden Angriffen auf Gaza und den Libanon zusammen. Laut dem Gesundheitsministerium von Gaza wurden bis zum 6. Juli mehr als 73.000 Menschen getötet. Im Libanon, wo am 21. Juni ein nomineller Waffenstillstand in Kraft trat, wurden am 6. Juli bei einem israelischen Drohnenangriff eine Schulleiterin, ihre Mutter und zwei weitere Personen getötet. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am 9. Juli, israelische Truppen würden in Gaza, im Libanon und in Syrien verbleiben.

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