Leipzig: Kriegsgegner gewinnt Arbeitsgerichtsprozess gegen DHL

Der DHL-Beschäftigte und Verdi-Vertrauensmann Christopher Tersch hat am 8. Juli den Prozess gegen die DHL am Arbeitsgericht Leipzig gewonnen und seine Kündigung abgewendet. Christopher war nach einer Rede auf einer Demonstration gegen Waffenlieferungen zunächst freigestellt und später fristlos gekündigt worden.

Christopher Tersch während seiner Rede am 23. August 2025 [Photo by labournet.tv]

Ausgangspunkt war eine Rede, die Christopher am 23. August 2025 auf einem „March to Airport“ des Palästina Aktionskomitees Leipzig hielt. Damals hatten sich 600 bis 700 Menschen an einem Protestmarsch zum Flughafen Leipzig/Halle beteiligt, wo das DHL-Logistikdrehkreuz seinen Sitz hat. Der Protest forderte das Ende aller Transporte von Rüstungsgütern insbesondere an den Staat Israel, der in Gaza einen völkermörderischen Krieg führt.

Christopher, der im Offload, also der Entladung, arbeitet, sprach sich gegen Waffentransporte und die Militarisierung des Standorts aus. Er schilderte, dass der militärische Charakter der Güter meist geheim gehalten werde und dass man nur zufällig an entsprechende Informationen komme. Er nannte einen Fall, in dem Fracht explizit deswegen priorisiert abgefertigt werden sollte, weil es sich um militärische Güter handelte. Es sei ihm zuwider, Lieferungen von Rheinmetall abzufertigen.

Er verwies auf die Streiks und Blockaden von Hafenarbeitern in Griechenland und Italien, die Waffenlieferungen an den Staat Israel verhinderten, und äußerte den Wunsch, „dass wir da auch hinkommen“. Er trat für weitere Protestaktionen ein und schloss mit den Parolen: „Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter“ und „Kein Transport für Völkermord“. Seine ganze Rede ist hier einsehbar.

Nach diesem Auftritt folgte eine Vorladung zum Personalgespräch. Christopher wurde freigestellt, knapp zwei Wochen später folgte die fristlose Kündigung. Begründet wurde sie mit einer Verletzung der Verschwiegenheitspflicht sowie Verstößen gegen Auflagen des Arbeitsvertrages. Der Konzern rechtfertigte dies unter anderem damit, dass er Betriebsgeheimnisse preisgegeben habe, konkret z.B. die Nennung von Rheinmetall als DHL-Kunde.

Vor Gericht wurde die Absurdität dieser Behauptung jedoch aufgedeckt. Es wurde nachgewiesen, dass DHL und Rheinmetall selber öffentlich über ihre Kooperation informieren. Dass der DHL-Hub in Leipzig ein „wichtiges Drehkreuz zur Verbringung von Militärgütern in die ganze Welt“ sei, war bereits ein Jahr zuvor durch einen Gerichtsprozess in Dresden öffentlich bekannt geworden. Damals ging es um Spionagevorwürfe gegen den AfD-Politiker Maximilian Krah.

Zu einem weiteren Eklat vor Gericht führte die Tatsache, dass DHL versuchte, Äußerungen von Christopher auf einer Betriebsversammlung gegen ihn zu verwenden. Was die Frage aufwarf, ob das Management illegale Aufzeichnungen davon angefertigt hatte.

Die politisch motivierte Kündigung von Christopher wurde zwar nun für ungültig erklärt. Sie steht jedoch nicht isoliert. So steht am 26. November das Revisionsverfahren gegen Adrian Manuel Mauson an, der im Juli 2025 gekündigt worden war und für die Wahlliste der MLPD zur Bundestagswahl kandidiert hatte. Auch bei Christopher könnte es noch zu einem Berufungsverfahren kommen.

Währenddessen hat DHL innerhalb von zwei Jahren rund 1000 Arbeitsplätze am Drehkreuz abgebaut. Arbeiteten dort Anfang 2024 noch etwas mehr als 7.000 Beschäftigte, sind es jetzt knapp über 6.000. Betriebsrat- und Gewerkschaftsvertreter erklärten dem MDR, dies geschehe vor allem durch die Hintertür, indem Arbeiter unter Druck gesetzt würden, Aufhebungsverträge zu unterzeichnen. Unzählige Arbeiter machen unter dem MDR-Beitrag auf Facebook ihrem Unmut Luft – auch über den dortigen Betriebsrat.

Über die Rolle von Verdi, deren Vertrauensmann er ist, äußerte sich Christopher laut der Zeitung Neues Deutschland „differenziert“. Von der Verdi-Verwaltung sei „noch niemand aktiv auf ihn zugegangen“.

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