Abschied von Herma Huber, Kämpferin für den Trotzkismus

Am Donnerstagmittag, dem 23. Juli, nahmen SGP-Mitglieder, Angehörige und Freunde Abschied von Herma Huber. Sie war am 25. Juni, schon schwer krank, inmitten der extremen Hitzewelle in ihrer Frankfurter Wohnung verstorben. Im Jahr 1971 war sie ein Gründungsmitglied des Bunds Sozialistischer Arbeiter gewesen, des Vorläufers der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP), der sie bis zum Ende ihres Lebens angehörte, und hatte damit zum Wiederaufbau einer Sektion der Vierten Internationale in Deutschland beigetragen.

Ulrich Rippert, SGP-Ehrenvorsitzender, hält die Rede für Herma Huber, Trauerhalle des Friedhofs Frankfurt-Höchst, 23. Juli 2026

Die Zeremonie auf dem Höchster Hauptfriedhof begann mit einer Feier in der Trauerhalle. Als erstes erklang die Klavier-Ballade „Pour Adeline“ von Richard Clayderman – ein Stück, das Herma nicht nur gern mochte, sondern auch selbst spielen konnte. „Sie hatte das musikalische Talent ihres Vaters geerbt“, erklärte Ulrich Rippert, der SGP-Ehrenvorsitzende, der die Trauerrede hielt. Er erklärte: „Ihr Vater spielte vier Instrumente und war als Unterhaltungsmusiker hier in Frankfurt tätig. Herma erzählte, dass ihr Klavierlehrer sie kostenlos weiter unterrichtet hat, als die Familie kein Geld mehr hatte, um den Unterricht zu bezahlen.“

Rippert betonte: „Herma war in vieler Hinsicht außergewöhnlich. Ihre Bereitschaft anderen zu helfen war beinahe grenzenlos. (…) Aber sie war auch eine Kämpferin für Gerechtigkeit und Gleichheit und vor allem gegen Krieg und Faschismus.“ Er erklärte:

Herma war ein Kind der Nachkriegszeit. Als sie 1949 geboren wurde, waren der Krieg und die Nazi-Verbrechen noch keine vier Jahre vorbei. Frankfurt glich einer Trümmerlandschaft. Herma wuchs in einer Arbeiterfamilie auf, deren Verhältnisse durch die Brutalität von Krieg und Faschismus geprägt und sehr schwierig waren.

Sie war 14 Jahre alt, als hier in Frankfurt der Auschwitzprozess begann und die ungeheuerlichen Verbrechen des Nazi-Faschismus die Schlagzeilen beherrschten. Herma war Teil einer Generation, die die Frage umtrieb: Wie war ein derartiger Rückfall in die Barbarei in einem entwickelten und kulturellen Land möglich? Viele erklärten damals die Ursache des Faschismus mit der Psychologie der Massen und der Verführbarkeit der Deutschen. Doch Herma gab sich mit einfachen und oberflächlichen Antworten nicht zufrieden. Sie wollte den Dingen auf den Grund gehen.

Herma Huber als 19-Jährige, 1968

Rippert berichtete über gemeinsame Studienfahrten zur KZ-Gedenkstätte Dachau und über die anschließenden Diskussionen, die den Zusammenhang von Faschismus und Kapitalismus zum Thema hatten. „Wir wussten sehr schnell, dass Hitler von der Großindustrie finanziert und an die Macht gebracht worden war, um die Arbeiterklasse zu zerschlagen. Aber dann stellte sich eine weitere Frage: Warum hatte die Arbeiterklasse diese Katastrophe nicht verhindert?“

Um das zu beantworten, studierten Rippert, Herma Huber und andere junge Arbeiter damals intensiv die Schriften Leo Trotzkis, der die Perspektive des Sozialismus gegen den Stalinismus verteidigt hatte:

Trotzki hatte aufgezeigt, dass Hitler nur an die Macht kommen konnte, weil Stalin mit seiner Politik des Sozialfaschismus die Arbeiterklasse gespalten und unterdrückt hatte. (...)

Gestützt auf dieses Verständnis wurde Herma überzeugte Trotzkistin und sah ihre Hauptaufgabe darin, eine neue marxistische Führung in der Arbeiterklasse aufzubauen. Sie nahm an der Gründungskonferenz des BSA als deutscher Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale teil und konzentrierte ihre ganze Arbeit auf den Aufbau dieser Partei und der mit ihr verbundenen Internationalen.

Rippert ging dann auf das Aufkommen der Grünen Anfang der 1980er Jahre ein, die in Hessen und besonders in Frankfurt eine große Rolle spielten, wo Joschka Fischer sich vom Straßenkämpfer zum ersten grünen Minister entwickelte:

Herma warnte vor Illusionen in die Grünen und trat ihnen entschlossen entgegen. Sie betonte, dass es nur eine gesellschaftliche Kraft gibt, die in der Lage ist, die gesellschaftlichen Probleme zu lösen, und das ist die Arbeiterklasse. Aber dazu braucht sie eine revolutionäre, sozialistische Partei. Herma verabscheute die grünen Wendehälse.

Als Helmut Arens, der viele Jahre im Vorstand unserer Partei war, bei Landtagswahlen kandidierte, war Herma eine unermüdliche Wahlkämpferin. An unzähligen Info-Ständen argumentierte sie auch gegen die Linkspartei, die linke Phrasen drischt und rechte Politik macht.

Schließlich würdigte Rippert Herma Hubers Kampf, den sie auch dann noch fortsetzte, als sie schon schwer an Krebs erkrankt war:

Sie nutzte jede Gelegenheit zur Diskussion und erklärte immer wieder: Der Kampf gegen Krieg und Faschismus erfordert die Mobilisierung der Arbeiterklasse und den Aufbau der Sozialistischen Gleichheitspartei. Sie war überzeugt davon, dass die politischen Ideen und Prinzipien, denen sie sich in ihrer Jugend angeschlossen hatte, in der gegenwärtigen Situation große Bedeutung gewinnen, und dass die Partei, an deren Gründung sie 1971 teilgenommen hatte, in den kommenden Kämpfen der Arbeiterklasse eine führende Rolle spielen wird.

Rippert betonte, an Herma gewandt: „Wir danken dir für die vielen Jahre unermüdlichen, politischen Kampfes. Wir sind traurig und vermissen dich.
Aber als Gründungsmitglied unserer Partei hast du einen festen Platz in unserer Geschichte und wir werden dich als Kämpferin für den Trotzkismus immer in Erinnerung behalten.“

Am Urnengrab im Friedhof Frankfurt-Höchst, Beerdigung Herma Hubers, 23. Juli 2026

Dann zogen die Teilnehmer durch den Friedhof und versammelten sich erneut am Urnengrab, wo Marianne Arens vom SGP-Vorstand mehrere Kondolenzschreiben vorlas. Hier im Folgenden zwei Schreiben, die von zwei langjährigen trotzkistischen Veteranen des Internationalen Komitees der Vierten Internationale stammen.

Genossin Barbara Slaughter von der Socialist Equality Party in Großbritannien schrieb:

Sie war eine der wenigen Genossinnen und Genossen, die – seit sie vor langer Zeit Gründungsmitglieder des BSA waren – immer ihrem Engagement für den revolutionären Internationalismus treu blieben. Sie hat ihr ganzes Leben dem Aufbau einer Sektion der Vierten Internationale in Deutschland gewidmet: So ist ihr Leben Bestandteil jener Kontinuität, die bis in die Anfänge der sozialistischen Bewegung in Deutschland zurückreicht.

(…) Ich kannte Herma als eine integre und gütige Person. Am meisten ist mir jedoch ihr ironischer Sinn für Humor in Erinnerung geblieben, der trotz der Sprachbarrieren deutlich wurde. Aus dem Nachruf habe ich entnommen, dass Herma ein großes musikalisches Talent hatte, insbesondere beim Klavierspielen. Da ich selbst Musikliebhaberin bin, bedaure ich sehr, dass ich Herma nie habe spielen hören. Ich halte es für wichtig, dass wir uns gegenseitig in all unseren Facetten wertschätzen, und diese Seite hätte ich an ihr sehr gerne kennengelernt. Aber Herma war ein so bescheidener Mensch, dass sie sich niemals in den Vordergrund gedrängt hätte.

Ich halte es für wichtig zu verstehen, warum und wie junge Menschen beschließen, ihr Leben und ihre Talente dem Aufbau der revolutionären Bewegung zu widmen.

Ulis Beschreibung von Herma als Teil jener Generation, die nach Antworten auf die Fragen suchte, warum und wie der Nationalsozialismus in Deutschland triumphieren konnte, war äußerst eindringlich. Und Herma erkannte schließlich, warum die Arbeiterklasse die Katastrophe nicht verhindern konnte – vor allem wegen der Verbrechen des Stalinismus. Herma kam mit einer kleinen Gruppe von Genossinnen und Genossen zum Schluss, dass nur die Vierte Internationale die notwendige Führung auf der Grundlage des revolutionären Internationalismus bieten könne.

Es ist offensichtlich, dass sie nie ihren Glauben an die revolutionäre Rolle der internationalen Arbeiterklasse verloren hat. Und diesem Kampf ist sie bis zum Ende ihres Lebens treu geblieben. Mit den herzlichsten Grüßen, Barbara Slaughter

Und Genosse Fred Mazelis von der Socialist Equality Party (USA), ebenfalls langjähriger Veteran des Trotzkismus, schrieb aus New York:

In dieser schweren Zeit möchte ich persönlich mein tiefes Mitgefühl und vor allem meine Solidarität mit der gesamten deutschen Sektion zum Ausdruck bringen. Ulis Artikel hat eindrucksvoll zusammengefasst, was unsere historische Kontinuität bedeutet, und dass das Internationale Komitee, das die trotzkistische Bewegung anführt, den Marxismus von heute verkörpert, die Stimme der Arbeiterklasse und der sozialistischen Zukunft.

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