Die Debatte über die Verbrechen der Wehrmacht

Teil 1: Das Schicksal der Wanderausstellung "Verbrechen der Wehrmacht"

Von Wolfgang Weber
26. Juli 2001

Teil 1 | Teil 2

Seit geraumer Zeit wird in der deutschen Öffentlichkeit eine heftige Debatte über die Rolle der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg geführt, mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem "Unternehmen Barbarossa", dem Feldzug der Nazis gegen die Sowjetunion.

Sie hatte sich 1995 an der Wanderausstellung "Die Verbrechen der Wehrmacht - Vernichtungskrieg 1941-44" entzündet, die von dem Historiker und Publizisten Hannes Heer, einem Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung, initiiert und geleitet worden war. In zahlreichen Städten zog sie innerhalb von vier Jahren Hunderttausende Besucher an und wurde von einem Trommelfeuer scharfer Angriffe von Rechts begleitet, bis der Finanzier und Leiter des Instituts, Jan Philipp Reemtsma, sie schloss, Hannes Heer den Stuhl vor die Tür setzte und für den Herbst dieses Jahres die Eröffnung einer Ausstellung zum selben Thema, aber mit einem völlig neuen Konzept ankündigte.

Worum geht es bei dieser Kontroverse?

Die bisherige Ausstellung war aus einem Forschungsprojekt hervorgegangen, das die Rolle der Wehrmacht im Vernichtungsfeldzug gegen die Juden und gegen die gesamte Bevölkerung der Sowjetunion, des Balkans und Osteuropas während des Zweiten Weltkrieges untersuchte. Die beteiligten Historiker arbeiteten zum Teil am Hamburger Institut für Sozialforschung, zum Teil am Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg/Breisgau und Potsdam, zum Teil auch an britischen, amerikanischen und anderen ausländischen Universitäten.

Der Mythos von der "sauberen Wehrmacht"

Die Ergebnisse ihrer umfangreichen und akribischen Recherchen in zahlreichen staatlichen und privaten Archiven Deutschlands, Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion und ihrer Auswertung unzähliger Briefe und Fotoalben ehemaliger Wehrmachtsangehöriger sind 1995 in dem Buch "Vernichtungskrieg. Die Verbrechen der Wehrmacht 1941-44" veröffentlicht worden. [1] Zusammengefasst bedeuteten sie:

1. In Polen, auf dem Balkan und in der Sowjetunion führte die Wehrmacht einen Vernichtungskrieg, der die Schaffung von "Lebensraum im Osten" durch die "Liquidierung der jüdisch-bolschewistischen Intelligenz" und die Ermordung der slawischen Bevölkerung, aller Juden und anderer "minderwertigen Rassen" bezweckte.

2. Die Wehrmacht war nicht ein "missbrauchtes Werkzeug", sondern ein fester Bestandteil des faschistischen NS-Regimes. Nicht nur SS und Gestapo, sondern auch die Wehrmacht, ihre Generäle und Zigtausende von Offizieren und Soldaten waren aktive Helfer im Holocaust.

3. Alles in allem sind etwa zehn Millionen Menschen von der Wehrmacht nicht in Kriegshandlungen an der Front, sondern durch Massenerschießungen, Hinrichtungen oder das Niederbrennen von Dörfern, Städten und ganzen Regionen umgebracht worden.

4. Der Mythos vom "Widerstand der Männer vom 20. Juli" beruht auf Lügen. Die Opposition der Offiziere, die am 20. Juli 1944 ein halbherziges und erfolgloses Attentat auf Adolf Hitler durchgeführt hatten und anschließend hingerichtet worden waren, erschöpfte sich in Differenzen mit Hitler darüber, wie der Krieg doch noch zu gewinnen oder mit möglichst wenig Verlusten und gesellschaftlichen Erschütterungen zu beenden sei. "Widerständler" wie Arthur Nebe oder General von Tresckow waren selbst notorische Massenmörder und Organisatoren des Holocausts, oder sie fabrizierten wie General Graf von der Schulenburg selbst die Rechtfertigungen und Befehle für die Massenexekutionen von Zivilisten durch die Wehrmacht.

Die historischen Daten zu diesen Vorgängen, die Befehlsmechanismen dieser ungeheuerlichen Schlächterei, ihre verschiedenen Tätergruppen und Operationsgebiete wie Serbien, Weißrussland, Lettland, Griechenland - alles ist in dem Buch durch eine Fülle von Material detailliert dokumentiert.

Im Kern wurde damit ein ideologischer Grundpfeiler der westdeutschen Nachkriegspolitik zerstört, nämlich die Legende von der "sauberen Wehrmacht". Die Wehrmacht, so lautet diese von Historikern ebenso wie von Generälen, Politikern und Publizisten verbreitete Geschichtsthese, habe nichts mit dem Völkermord an den Juden und anderen Nazi-Verbrechen zu tun gehabt. Sie sei lediglich von rein soldatischem Pflichtbewusstsein erfüllt gewesen und in dieser "an sich ehrenhaften Haltung" von den Nazis missbraucht worden. Mehr, noch: wenn es überhaupt einen tragfähigen Widerstand gegen Hitler gegeben habe, dann sei er von den höchsten Kreisen der Wehrmacht wie den Männern des 20. Juli ausgegangen. Diese Legende half in den fünfziger Jahren Protest und Widerstand der Bevölkerung gegen die Wiederaufrüstung überwinden. Und sie erleichterte es der Bundeswehr, nicht nur personell (durch die Reaktivierung des alten Offizierskorps) nahtlos an die alten Traditionen der Wehrmacht anzuknüpfen.

Während die Ergebnisse des Forschungsprojekts nach der Veröffentlichung in Buchform in der Fachwelt nur Zustimmung fanden, in den Medien aber kaum beachtet wurden, erregten sie bald Aufsehen und Empörung, als sie mit der Wanderausstellung, eindrucksvoll illustriert durch 1.400 Fotos, einem größeren Publikum zugänglich gemacht wurden. Das war nicht verwunderlich, enthüllten und thematisierten sie doch auf diese Wiese in der Öffentlichkeit die wahre Rolle der Wehrmacht gerade zu einer Zeit, als Bundesregierung und Bundeswehr sich zum ersten Mal seit dem Ende des Zeiten Weltkriegs wieder zu kriegerischen Taten auf der Weltbühne anschickten und daher großen Wert auf den Fortbestand der Wehrmachts-Legende legen mussten. Der Übergang von der Landesverteidigung gegen äußere Feinde zur Verteidigung geostrategischer Interessen in fernen Ländern, der Umbau der Bundeswehr von einer "Armee für Friedenszeiten" in eine hochgerüstete Truppe für internationale Kampfeinsätze - all dies war Mitte der 90er Jahre bereits in Diskussion und zum Teil schon in vollem Gange.

Regierung, alte Kameraden und rechter Pöbel im Gleichschritt

Die Reaktion der höchsten politischen und militärischen Kreise war dementsprechend unmissverständlich, wenn auch zunächst versteckt hinter den Kulissen. Eine Einladung des Historischen Instituts in Warschau, die Ausstellung dort zu zeigen, wurde auf Betreiben der Kohl-Regierung zurückgezogen; im selben Sinne, wenn auch erfolglos, wurde auf das Goethe-Institut in New York Druck ausgeübt.

Der damalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) verhängte für Angehörige der Streitkräfte ein Verbot, "bei Veranstaltungen im Rahmenprogramm der Ausstellung", wie zum Beispiel Podiumsdiskussionen, aufzutreten, und verfügte darüber hinaus: "Mitglieder des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes dürfen sich an Diskussionen um die Ausstellung nicht beteiligen." Damit waren Historiker wie Manfred Messerschmidt und Wolfram Wette gemeint, die selbst an dem Forschungsprojekt und der Ausstellung mitgearbeitet hatten.

Rühes Nachfolger Rudolf Scharping (SPD) hat beide Verfügungen ausdrücklich bestätigt. Darüber hinaus bekräftigte er, dass ungeachtet der in der Ausstellung gezeigten Forschungsergebnisse und Dokumente "die Männer im Umkreis des Widerstands vom 20. Juli" den "Traditionsstrang der Bundeswehr" bildeten.

Bald wurden die Angriffe auf die Ausstellung aber auch in aller Öffentlichkeit, in zahllosen Fernsehsendungen und Zeitungskommentaren geführt. Alte Kriegsveteranen wie der rechte CDU-Politiker Alfred Dregger oder der frühere FDP-Vorsitzende und Wehrmachtsoffizier Erich Mende tauchten plötzlich wieder aus der Versenkung in Fernseh-Talkshows auf, um in einer gemeinsamen Front mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) die "besudelte Ehre der Wehrmacht" zu verteidigen. Unisono erklärten sie, die Ausstellung sei "unseriös", diffamiere mit "pauschalen Urteilen" die Wehrmacht und damit auch die Traditionen der Bundeswehr. Sie zeige "nur die halbe Wahrheit", sie selbst, die einstigen Offiziere und ihre Einheiten, hätten mit den Verbrechen der Nazis nichts zu tun gehabt. Hannes Heer und seine Mitarbeiter konnten ihnen zwar im Detail die Beteiligung ihrer jeweiligen Einheiten an den Verbrechen des Vernichtungskrieges nachweisen, doch dies hinderte die Medien nicht daran, den Legendenstrickern immer wieder eine Plattform zu bieten.

Mit ihrer Propaganda und ihrem Vorwurf, die Ausstellung spreche ein pauschales Verdammungsurteil über alle Wehrmachtssoldaten aus, wollten diese ehemaligen Offiziere Hitlers auch nicht jene einfachen Soldaten verteidigen, die tatsächlich unfreiwillig und widerwillig in den Krieg gezogen sind; die sich, wenn nicht durch äußeren Widerstand, der fast unmöglich war, so doch innerlich moralisch schon damals von den Verbrechen ihrer Offiziere und Mitsoldaten distanziert haben. Dies wird durch ihre eigene Politik nach 1945 hinreichend bewiesen. Solange sie mit ihren Parteien, sei es der CDU, FDP oder SPD, an den Schalthebeln der Macht saßen, verhinderten sie erfolgreich, dass die zahllosen Kriegsgerichtsurteile der Wehrmacht gegen Widerstandskämpfer, Befehlsverweigerer und Deserteure als unrechtmäßig bzw. kriminell eingestuft und aufgehoben wurden. Nein, sie mobilisierten mit ihrem Auftreten all jene gesellschaftlichen Kräfte, die den Krieg gegen die Sowjetunion auch heute noch für richtig halten und als Großtat soldatischer Pflichterfüllung betrachten.

Dies wurde besonders deutlich, seit ihnen ab Anfang 1997 der CSU-Politiker Peter Gauweiler Schützenhilfe leistete und mit den für ihn typischen unflätigen Attacken über Hannes Heer und Jan Philipp Reemtsma herfiel. Ebenso wie Kommentatoren in den Tageszeitungen Die Welt und Frankfurter Allgemeine Zeitung machte Gauweiler mit der Ausstellung und ihren Verteidigern eine linksextremistische Verschwörung von "Roten Zellen" im Hamburger Institut für Sozialforschung, im Militärgeschichtlichen Forschungsamt und zahlreichen Zeitungsredaktionen aus und veranstaltete zur "Ehrenrettung für die Wehrmacht" unweit der Ausstellungseröffnung in München eine Kranzniederlegung am "Grabmal des Unbekannten Soldaten". Gauweiler gab damit den Startschuss für zahlreiche Propagandaaktionen und Provokationen der NPD und anderen rechtsradikalen Organisationen, die Anfang 1999 in einem Bombenanschlag auf die Ausstellung in Saarbrücken gipfelten.

Zunächst hatte diese ganze Auseinandersetzung aber nur zum Ergebnis, dass der Strom der Besucher anschwoll. Fast eine Million waren es bis zur Schließung der Ausstellung im Herbst 1999, die sich in zahlreichen Städten, auch im europäischen Ausland, für die Dokumente zu dem größten Vernichtungskrieg der Geschichte interessierten und zum größten Teil erschüttert und geschockt von dem Gesehenen waren.

Dabei hatte Jan Philipp Reemtsma anfangs in vielen Podiumsdiskussionen, Talkshows und Interviews die von ihm finanzierte Ausstellung, ihre Ziele und Kernaussagen gegen den rechten Pöbel und seine Gesinnungsgenossen in den etablierten Bundestagsparteien und Redaktionsstuben noch energisch in Schutz genommen. Auch als 1997 das Nachrichtenmagazin Focus in einem reißerischen Artikel den Vorwurf erhob, einige Fotos der Ausstellung seien gefälscht, trat er diesem Angriff auf gerichtlichem Weg erfolgreich entgegen.

"Historiker" greifen in das Gefecht ein

Das Blatt wendete sich jedoch 1999, als ähnliche Vorwürfe erhoben und vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel öffentlichkeitswirksam platziert wurden, diesmal aber versehen mit der Autorität von "Historikern", angesehenen Forschungsinstituten und Fachzeitschriften.

In der Oktoberausgabe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, die vom Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZG) herausgegeben werden, erklärte der polnische Historiker Bogdan Musial, neun Ausstellungsfotos seien falsch zugeordnet bzw. mit einer falschen Bildunterschrift versehen. Sie zeigten zwar Opfer von Massenexekutionen, doch sie seien zumindest im Falle dieser Aufnahmen nicht von der Wehrmacht, sondern von der sowjetischen Geheimpolizei NKWD vorgenommen worden.

Seit dem Pakt von Stalin mit Hitler im Herbst 1939 waren die östlichen Teile Polens von der sowjetischen Armee besetzt und vom NKWD (früher GPU genannt) nach den Wünschen der Kreml-Führung politisch "gesäubert" worden. Nach dem Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion hatte der NKWD dann keine Zeit mehr gehabt, seine Opfer alle weiter in Richtung Osten zu deportieren und sie daher kurz vor der Ankunft der rasch vorrückenden deutschen Armee zu Tausenden einfach umgebracht.

Musial konnte Belege dafür anführen, dass die besagten Aufnahmen solche Mordopfer des NKWD in den Gefängnishöfen von Zloczów, Tarnopol und Lemberg zeigten. Meist hatte man nach der Ankunft der Wehrmacht Juden gezwungen, die Leichen wieder auszugraben, bevor sie dann selbst in den Gräbern erschossen worden sind. Eines der Fotos zeigt ermordete Juden, die nach dem Einrücken der deutschen Armee einem Pogrom zum Opfer gefallen sind. Nicht deutsche Soldaten, sondern ukrainische Nationalisten seien jedoch die Täter gewesen, hob Musial hervor. Auch bei anderen Fotos unterstellte der Autor falsche, ja sogar manipulierte Zuordnungen, ohne jedoch mit stichhaltigen Argumenten oder Beweisen dafür aufwarten zu können.

Zeitgleich veröffentlichte in der Zeitschrift Geschichte in Wissenschaft und Unterricht Krisztián Ungváry aus Ungarn eine "quantitative und qualitative Analyse" des Fotomaterials der Ausstellung. Im Gegensatz zu Musial hielt sich dieser "Historiker" nicht lange mit der Prüfung der geschichtlichen Ereignisse oder der Vorlage auch nur eines Beleges auf, sondern behauptete rundweg, 90 Prozent der Fotos zeigten in Wirklichkeit keine Verbrechen der Wehrmacht.

Er begründete dies damit, dass die Hinrichtungen oft von Polizisten, SS und SD, litauischen, ukrainischen oder lettischen "Hilfswilligen" und Paramilitärs begangen und daher der Wehrmacht nicht zuzurechnen seien - obwohl sie nur unter deren Schutz und Anwesenheit durchgeführt werden konnten und meist auch auf ihre direkte Anweisung hin verübt worden sind. Keine Verbrechen der Wehrmacht seien zudem "normale Kampfhandlungen" gegen Partisanen und andere Widerstandsgruppen in der Zivilbevölkerung. Diese Argumentation entspricht natürlich dem Originalton der Nazi- und Wehrmachtspropaganda. Dennoch wurde Ungváry in Medien und Fachzeitschriften als "Historiker", ja als besonders ernstzunehmender "Kronzeuge" gegen die Ausstellung zitiert, weil er ja auch aus Osteuropa, dem Ort des Geschehens stamme.

Aber auch die von Musial aufgeführten eindeutig falschen Bildunterschriften - ein halbes Dutzend Bilder oder etwas mehr - sind bei insgesamt 1.400 ausgestellten Fotos ihrer Anzahl nach im Grunde gering. Sie konnten am Gesamtbefund des Forschungsprojektes über den Vernichtungskrieg der Wehrmacht absolut nichts ändern, zumal sich dieser völlig unabhängig von den Fotos der Ausstellung auf die Auswertung unzähliger unstrittiger Dokumente stützt. Die Fotos waren auch von den Initiatoren der Ausstellung lediglich zur Illustration der historischen Fakten zusammengestellt worden.

Dennoch nutzten Musial selbst, insbesondere aber der Leiter des Instituts für Zeitgeschichte, Horst Möller, nach den Veröffentlichungen in den beiden Fachzeitschriften die Gelegenheit, um nicht nur eine Überprüfung und Korrektur einiger Bildunterschriften zu fordern, sondern in den Medien eine gewaltige Hetzkampagne gegen die Ausstellung und ihre Kernaussagen überhaupt in Gang zu setzen. Hannes Heer und das Hamburger Institut "instrumentalisierten" die Verbrechen der Wehrmacht, behauptete Musial und verkündete: "So wurden im kommunistischen Polen Ausstellungen gemacht." Möller warf den Ausstellungsmachern vor, zu "agitieren" und einen "Einhämmerungseffekt" beabsichtigt zu haben, den "auch Hitler gekannt" habe. "Verantwortungslos" sei es, die Ausstellung auch in den USA zeigen zu wollen.

Angesichts solcher und ähnlicher polemischer Attacken weigerten Heer und seine Mitarbeiter sich zunächst, den faktischen Hintergrund der Vorwürfe von Musial - die von der stalinistischen Geheimpolizei verübten Massaker - überhaupt anzuerkennen oder auch nur zu prüfen. So gelang es ihren Gegnern umso leichter, eine Meute von Journalisten und Kommentatoren aufzuhetzen, die von Pressekonferenz zu Pressekonferenz eilte und nur darauf wartete, bis die Ausstellung endlich geschlossen und Heer entlassen würde.

Obwohl Musial und Möller sich durch ihre eigenen Äußerungen als gewissenhafte Historiker inzwischen selbst einigermaßen disqualifiziert und in die politische Nähe rechter Apologeten des Faschismus gerückt hatten, gab Jan Philipp Reemtsma dem Druck dieser Kampagne schließlich nach. Er verkündete im November 1999 die vorübergehende Schließung der Ausstellung, bis eine Kommission von Historikern alle Bilder und Bildunterschriften geprüft und eine Empfehlung abgegeben habe, wie die Ausstellung weiterzuführen sei, und lud den polnischen Kritiker Musial ein, als "Berater" dieser Kommission zu wirken. Auch die bereits seit langem geplante Rundreise in den USA für die Ausstellung sagte er kurzfristig ab, eine Zensurmaßnahme, die dort auf den Protest zahlreicher renommierter Historiker wie Omer Bartov und Christopher Browning gestoßen ist.

Anmerkung

[1] Hannes Heer / Klaus Naumann (Hrsg.): "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1994", Verlag Hamburger Edition, Hamburg 1995.

 

Siehe auch:

Die Debatte über die Verbrechen der Wehrmacht
[27. Juli 2001]

Das heilsame Ende einer Legende
[14. April 1995]

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