War die US-Regierung vor dem 11. September vorgewarnt?

Teil 2: Die Attentäter im Visier

Von Patrick Martin
24. Januar 2002

Die Vereinigten Staaten unterhalten den größten Geheimdienstapparat der Welt, um Informationen zu sammeln und die Telekommunikation zu überwachen - die CIA, das FBI, die National Security Agency (nationaler Sicherheitsdienst), die Defense Intelligence Agency (militärischer Geheimdienst), die Defense Signals Intercept Organization, etc. Finanziert wird dieser Apparat aus einem Geheimfonds, dessen Umfang man auf die enorme Summe von 30 Mrd. Dollar jährlich schätzt.

Und dennoch behauptet die Bush-Regierung - und von den amerikanischen Medien vernimmt man keinen Widerspruch - dass dieser ganze riesige Sicherheitsapparat nicht die leiseste Ahnung gehabt habe, dass sich fast zwei Dutzend Männer auf den Weg machten, um Passagierflugzeuge zu kapern und sie in das World Trade Center und das Pentagon stürzen zu lassen. Niemand fordert die Absetzung derjenigen, deren offenkundige Inkompetenz - immer vorausgesetzt, man glaubt der offiziellen Darstellung - fast 3.000 amerikanische Bürger das Leben gekostet hat.

Doch im Verlauf der letzten vier Monate zeigte sich immer deutlicher ein erheblich differenzierteres Bild der Ereignisse vom 11. September und der Art und Weise, wie der amerikanische militärisch-geheimdienstliche Apparat darin verwickelt war. Es hatte nicht nur zahlreiche Vorwarnungen gegeben, die sowohl von ausländischen Regierungen als auch aus US-Untersuchungen über frühere Terroranschläge stammten, sondern die US-Regierung selbst verfügte über eine Menge Informationen, weil sie Osama bin Laden und seine Verbündeten in der al-Quaida-Organisation systematisch elektronisch und auch ganz direkt überwachen ließ.

Die elektronische Überwachung von bin Laden

Es ist bekannt, dass der nationale Sicherheitsdienst (NSA) eine Zeit lang buchstäblich die gesamte elektronische Kommunikation bin Ladens und seiner Verbündeten überwachte. In der Zeit vor den Bombenangriffen auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 war die Überwachung so lückenlos, dass der NSA Telefongespräche zwischen bin Laden und seiner Mutter abzuspielen pflegte, wenn er Prominente auf Besuch beeindrucken - und der Bewilligung seiner Haushaltsmittel im Kongress nachhelfen wollte.

Laut einem Rechenschaftsbericht hat die NSA buchstäblich sämtliche Gespräche aufgenommen, die bin Laden über ein Satellitentelefon in Afghanistan führte. Der Laptopanschluss für den al-Quaida-Führer war in New York City gekauft worden, und er verbrauchte sämtliche - über 2.000 - vorausbezahlte Minuten für Telefongespräche mit seinen Unterstützern in Dutzenden von Ländern - was vermuten lässt, dass er wohl doch nicht der raffinierteste Verschwörer der Welt war. (Quelle: Los Angeles Times,21. September 2001, "Hate Unites an Enemy Without an Army", von Bob Drogin; Chicago Tribune, 16. September 2001, "Bin Laden, associates elude spy agency‘s eavesdropping", von Scott Shane)

Amerikanische Politiker erklärten, diese Quelle sei abrupt unterbrochen worden, nachdem bin Laden erfahren habe, dass die überwachten Gespräche es dem Pentagon erleichtert hätten, ein Trainingslager in Ostafghanistan ins Visier zu nehmen und auf Befehl Präsident Clintons mit Raketen anzugreifen. Sie behaupten, der al-Quaida-Führer habe fortan überhaupt keine Telefone oder anderen elektronischen Geräte mehr benutzt, sondern sich auf Kuriere und andere Formen direkter Kommunikation verlegt, die nicht so leicht überwacht werden konnten.

Diese Darstellung wird von vielen erfahrenen Beobachter als amerikanische Desinformation zurückgewiesen. Der langjährige ägyptische Journalist und ehemalige Regierungssprecher Mohammed Heikal äußerte in einem Interview mit einer britischen Zeitung starke Zweifel daran, dass bin Laden und seine al-Quaida-Gruppe den Angriff vom 11. September überhaupt ohne Kenntnis der Vereinigten Staaten hätten ausführen können: "Bin Laden stand seit Jahren unter Überwachung: jedes Telefongespräch wurde aufgezeichnet, und al-Quaida war nicht nur vom amerikanischen Geheimdienst infiltriert, sondern auch vom pakistanischen Geheimdienst, dem saudischen Geheimdienst und dem ägyptischen Geheimdienst. Sie hätten eine Operation, die ein solches Maß an Organisation und Komplexität erforderte, nicht geheim halten können." (Quelle: Heikal-Interview mit dem Guardian, 10. Oktober 2001)

Je höher die US-Regierung den globalen Umfang und die hochgradige Koordination von bin Ladens Aktivitäten ansetzt, desto unglaubwürdiger ist die Behauptung, die elektronische Überwachung habe keinerlei Resultate gebracht. Ohne jeden elektronischen Informationsaustausch ist der Aufbau eines weltweiten Netzes, das in der Lage ist, Angriffe im Nahen Osten, in Afrika, Asien, Europa und den Vereinigten Staaten zu führen, praktisch unmöglich.

Immer wieder berichtete die Presse, dass Bin Ladens Verbündete oder sogar der islamisch fundamentalistische Führer selbst, sich elektronischer Kommunikationsgeräte bedient haben und dass diese von US-Agenturen abgehört wurden.

So erklärte der UPI-Korrespondent Richard Scale, der letztes Jahr über den Prozess der bin-Laden-Sympathisanten in New York City berichtete, der nationale Sicherheitsdienst habe bin Ladens chiffrierte Nachrichten entschlüsselt. Da die amerikanischen Politiker "annehmen, dass die Planung der Angriffe vom 11. September wahrscheinlich vor zwei Jahren begonnen hat" ( New York Times, 14. Oktober 2001), muss man davon ausgehen, dass es durchaus möglich war, Informationen über die Vorbereitungen auf den 11. September auf elektronischem Wege abzufangen. (Quelle: United Press International, 13. Februar 2001)

Der eindeutigste Hinweis auf die erfolgreiche US-Überwachung der al-Quaida-Kommunikation - der auch zeitlich am dichtesten beim Anschlag vom 11. September lag - war die Erklärung des Senators Orrin Hatch aus Utah, einem konservativen Republikaner mit weitreichenden Kontakten zum nationalen Geheimdienstmilieu. Er erklärte am 11. September gegenüber Associated Press, die US-Regierung überwache die Kommunikation bin Ladens elektronisch und habe mitgehört, wie zwei von bin Ladens Leuten in Jubel über den erfolgreichen terroristischen Anschlag ausgebrochen seien. "Sie haben gewisse Informationen von Leuten aus bin Ladens Umfeld abgefangen, die bestätigten, dass eine Reihe von Zielen getroffen wurden", sagte er gegenüber AP. (Quelle: Associated Press, 11. September 2001, "World Trade Center collapses in terrorist attack", von David Crary und Jerry Schwartz)

Hatch wiederholte seine Bestätigung am gleichen Tag in einem Interview mit ABC News und sagte, dass Beamte sowohl der CIA als auch des FBI ihm das Gleiche erzählt hätten. Dass diese Erklärung der Wahrheit entspricht, zeigte die Reaktion der Bush-Regierung. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verurteilte den Bericht öffentlich als eine unautorisierte Preisgabe vertraulicher Informationen. Das Weiße Haus nahm diese Indiskretion später zum Vorwand, dem Kongress detaillierte Informationen über die Maßnahmen der USA zur Terrorabwehr vorzuenthalten. Später sah sich Bush allerdings gezwungen, eine Gruppe ausgesuchter Kongresspolitiker doch wieder zu informieren.

Es gab eine ganze Reihe Medienberichte über ähnlich erfolgreiche Überwachungen von al-Quaida- Verbindungen. Der Spiegel schrieb, dass BND-Offiziere Telefongespräche zwischen zwei bin-Laden-Sympathisanten abgefangen hätten. NBC News berichtete am 4. Oktober, dass bin Laden zwei Tage vor dem Attentat auf das World Trade Center seine Mutter angerufen und zu ihr gesagt habe: "In zwei Tagen wirst du große Neuigkeiten vernehmen, und von mir wirst du eine Weile nichts mehr hören." NBC sagte, ein ausländischer Geheimdienst habe diesen Anruf aufgenommen und die Information an die USA übermittelt. Solche Berichte müssen sorgfältig ausgewertet werden, besonders, wenn sie wie dieser am Vorabend des US-Luftkriegs gegen Afghanistan herauskamen. Folgender Schluss ist dabei unausweichlich: Wenn die US-Geheimdienste nach dem 11. September an solche Informationen herankommen konnten, dann konnten sie es auch vor jenem Tag. (Quelle: Toronto Globe & Mail, 5. Oktober 2001)

Neben den Gesprächen zwischen den Attentätern und ihren Mitverschwörern gab es noch einen weiteren elektronischen Hinweis auf den 11. September. Es wurde schon öfter berichtet, dass es in der Woche vor den Selbstmordanschlägen unerwartete und unerklärliche Spekulationen mit Aktien von American Airlines und United Airlines gab. Es wurden hohe Beträge darauf gesetzt, dass der Börsenwert dieser zwei Fluggesellschaften sinken würde, was auch geschah, nachdem zwei Maschinen der American und zwei der United Airlines entführt worden und abgestürzt waren. Mit keiner anderen Fluggesellschaft wurde so hoch spekuliert, und bis heute ist nicht bekannt, wer die Personen sind, die sich mit Tausenden von Verkaufsoptionen eindeckten - d.h. hohe Wetten auf Kursverluste abschlossen.

Weniger bekannt ist, dass die CIA ein ausgeklügeltes Software-System namens Promis betreibt, das solche plötzlichen Preisschwankungen gezielt überwacht, um im Voraus davor warnen zu können, dass ein bestimmter Industriezweig oder ein Konzern Zielobjekt eines Terroranschlags werden könnte. Diese Software liefert rund um die Uhr Echtzeit-Informationen. Demnach hätten CIA-Beamte schon am 7. September darauf aufmerksam werden müssen, dass American und United Airlines mögliche Anschlagsziele werden könnten. Laut der rechten, strikt Bush-loyalen Agentur Fox News haben sowohl das FBI als auch das Justizministerium bestätigt, dass Promis im vergangenen Sommer in Gebrauch war, um dem amerikanischen Geheimdienst Erkenntnisse zu verschaffen. Dennoch gibt es keine Hinweise auf Warnungen der CIA, weder an die Adresse der Fluggesellschaften noch an die US-Behörden, die für die innere Sicherheit verantwortlich sind.

Wie viele Attentäter waren bekannt?

Laut offiziellem Bericht der Bush-Regierung über die Terroranschläge waren nur zwei der 19 mutmaßlichen Selbstmordattentäter den US-Behörden vor dem 11. September bekannt. Diese zwei, Kahlil Almihdhar und Nawaf Alhamzi, waren auf Ersuchen der CIA auf eine "Fahndungsliste" des FBI gesetzt worden, nachdem man einen Zusammenhang zwischen Almihdhar und einem bin-Laden-Aktivisten in Malaysia festgestellt hatte.

Unzählige Berichte in den amerikanischen Zeitungen versuchen die Frage zu beantworten, die sich bei dieser Version der Ereignisse aufdrängt. Wie war es möglich, dass zwei Männer, die vom FBI und der CIA gesucht wurden, weil sie verdächtigt wurden, Verbindungen zu dem Mann zu unterhalten, den die US-Regierung als den gefährlichsten Terroristen der ganzen Welt brandmarkte, - wie war es möglich, dass diese beiden sich teure Erste-Klasse-Tickets, noch dazu ohne Rückflugbuchung, kaufen konnten, um dann am 11. September ungehindert ein Verkehrsflugzeug zu besteigen und zu entführen?

Almihdhar und Alhamzi lebten offenbar fast zwei Jahre lang in Südkalifornien, in der Gegend von San Diego, und reisten mindestens einmal ins Ausland, um wieder in die Vereinigten Staaten zurückzukehren - nur wenige Wochen, bevor die "Fahndungsliste" herausgegeben wurde. Laut einem Pressebericht war Alhamzi sogar im Telefonbuch von San Diego eingetragen - was sicherlich die Darstellung der Medien in Frage stellt, wonach die Entführer als meisterhafte Verschwörer ihre Spuren so gut verwischten, dass sie praktisch unentdeckbar waren. (Quelle: Washington Post, 29. Dezember 2001)

Aus welchen Gründen die beiden angehenden Entführer der Entdeckung auch immer entgangen sein mögen, Eines ist jedenfalls falsch: die Grundprämisse der offiziellen Darstellung, wonach diese zwei die einzigen Attentäter gewesen seien, die schon vor dem 11. September als Terroristen verdächtigt wurden. Mehrere andere Entführer oder Männer, die man heute als ihre Komplizen verdächtigt, waren der amerikanischen Polizei und den Geheimdiensten schon aufgefallen, ehe das World Trade Center zerstört wurde, aber man ließ sie ihrer Wege gehen.

Ein Beispiel ist der seltsame Fall von Ziad Samir Jarrah, einer der verdächtigten Entführer an Bord der United Airlines Maschine, die in Pennsylvania abstürzte. In den Vereinigten Arabischen Emiraten haben Politiker zugegeben, dass Jarrah am 30. Januar 2001 dort eintraf, nachdem er sich zwei Monate lang in Afghanistan und Pakistan aufgehalten hatte, und dass er auf Bitten der US-Regierung mehrere Stunden lang auf dem Internationalen Flughafen von Dubai verhört wurde. Er erhielt dann die Erlaubnis weiterzureisen, worauf er via Amsterdam nach Hamburg reiste. Später flog er in die Vereinigten Staaten.

Obwohl das offizielle amerikanische Interesse ausgereicht hätte, um ihn in den Vereinigten Arabischen Emiraten festzuhalten, wurde ihm gestattet, in die USA einzureisen und dort eine Flugschule zu besuchen. Jarrah wurde am 9. September, zwei Tage vor der Entführung, auf der Autobahn Interstate 95 in Maryland wegen zu hoher Geschwindigkeit angehalten und erhielt einen Strafzettel. Die Staatspolizei von Maryland überprüfte offenbar seinen Namen in ihrem Computer, fand nichts und ließ ihn weiterfahren. Als Reaktion auf die Untersuchungen nach dem 11. September behaupteten FBI- und CIA-Beamte, dass keine Behörde von Jarrah gewusst habe oder ihn auf einer Fahndungsliste geführt habe, obwohl ihn eine US-Regierungsbehörde acht Monate zuvor in Dubai hatte festnehmen lassen. (Quelle: Chicago Tribune, 14. Dezember 2001; Baltimore Sun, 14. Dezember 2001)

Die Zeitschrift Newsweek stellte in ihrer Sonderausgabe unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September die schockierende Behauptung auf, es hätten Verbindungen zwischen den Entführern und dem nationalen amerikanischen Sicherheitsapparat bestanden. Newsweek zitierte US-Armeequellen und berichtete: "Fünf der mutmaßlichen Entführer der Flugzeuge, die am Dienstag für die Terroranschläge benutzt wurden, wurden in den neunziger Jahren in überwachten US-Militäreinrichtungen ausgebildet." Drei hatten Adressen, die auf einer Liste der Naval Air Station in Pensacola, Florida, standen, als sie sich um Führerscheine oder Auto-Zulassungen bewarben. Ein weiterer wurde am Air War College in Montgomery, Alabama, ausgebildet, während der fünfte Sprachunterricht auf der Lackland Air Force Base in San Antonio, Texas, erhielt. Die drei Männer, die sich in Pensacola ausbilden ließen, hießen Saeed Alghamdi und Ahmad Alnami, beide an Bord der Maschine des United-Flugs 93, die in Pennsylvania abstürzte, sowie Ahmed Alghamdi, an Bord des United-Flugs 75, der den Südturm des World Trade Center rammte.

FBI-Beamte erklärten gegenüber dem Büro des Senators Bill Nelson (ein Demokrat aus Florida), die Beamten, die mit dem Fall World Trade Center/Pentagon betraut seien, würden "jede mögliche Verbindung zu militärischen Einrichtungen" untersuchen, doch es gebe noch keine sicheren Erkenntnisse, weil Ungewissheit darüber bestehe, ob die Entführer ihre Identitätskarten vielleicht anderen US-Besuchern aus Nahost, besonders aus Saudi Arabien, gestohlen hätten. Auf Pensacola erhielten viele saudische und andere Kunden der USA aus dem Nahen Osten eine militärische Flugausbildung.

Saudische Politiker versuchten auch die Berichte in Frage zu stellen, dass 15 der 19 Entführer saudische Staatsbürger seien, doch hat sich dieses als wahr herausgestellt. Über die Pensacola-Story hat es seither keine weiteren Presseberichte mehr gegeben, weder in Newsweek selbst, wo keine Fortsetzung erschien, noch in irgendeinem anderen größeren Presseerzeugnis.

Der Fall Mohammed Atta

Noch viel außergewöhnlicher ist die Behandlung von Mohammed Atta, dem mutmaßlichen Kopf der Entführungen. Atta stand Berichten zufolge unter Beobachtung der ägyptischen, deutschen und der amerikanischen Polizei und reiste trotzdem in den Jahren 2000 und 2001 ohne jedes Hindernis zwischen Europa und Amerika hin und her.

Laut einem Bericht in der deutschen ARD wurde Attas Telefon vom ägyptischen Geheimdienst überwacht, der erfahren hatte, dass er kurz zuvor von seiner Wohnung in Hamburg aus mindestens einmal Afghanistan besucht hatte. In der Fernsehsendung, die am 23. November ausgestrahlt wurde, hieß es, dass das amerikanische FBI im Jahr 2000 Attas Bewegungen mehrere Monate lang überwachte, als er mehrmals von Hamburg nach Frankfurt reiste und größere Mengen Chemikalien einkaufte, die potentiell zur Herstellung von Sprengstoff dienen. Attas Name fiel 1999 in einer Telefonunterredung islamischer Fundamentalisten, die von der deutschen Polizei aufgezeichnet wurde. Die BBC sagte in einem Kommentar zu dem deutschen Bericht: "Der Beweis... unterstreicht die Besorgnis, dass die internationalen Geheimdienste schon vor dem 11. September mehr über Atta gewusst haben könnten, als bisher angenommen, aber dass sie es versäumt haben, zu handeln." (Quelle: Bericht der British Broadcasting Corporation vom 26. November 2001)

2001 geriet Atta bei mehreren Gelegenheiten ins Blickfeld der US-Behörden. Im Januar wurde ihm gestattet, nach einer Reise nach Deutschland ohne zureichendes Visum wieder in die USA einzureisen. Er landete an Bord eines Flugzeugs aus Madrid am 10. Januar mit einem Touristenvisum in Miami, obwohl er den Einreisebeamten erklärte, in den Vereinigten Staaten Flugunterricht nehmen zu wollen, wofür ein besonderes Visum (M 1 student visa) erforderlich gewesen wäre. Jeanne Butterfield, Leiterin der amerikanischer Vereinigung der Immigrationsanwälte, erklärte der Washington Post: "In neun von zehn Fällen hätte man ihm erklärt: "Kehr wieder um und beantrage dein Visum vom Ausland aus. Es ist nicht erlaubt, als Besucher zum Vergnügen einzureisen und dann zu arbeiten oder zu studieren." Und derjenige, dem diese milde Behandlung zuteil wurde, stand kurz zuvor - man muss es betonen - noch unter Überwachung des FBI, weil er Material hortete, aus dem man Bomben herstellen konnte! (Quelle: Washington Post, 28. Oktober 2001)

Laut einem Bericht im kanadischen Fernsehen wurde Atta mit einem Bombenanschlag in Israel in Verbindung gebracht, und die Information gelangte in die Vereinigten Staaten, noch ehe er sein erstes Touristenvisum erhielt. (Quelle: Canadian Broadcasting Corporation, 14. September 2001, Bericht von Diana Swain auf Vero Beach, Florida)

Atta machte eine weitere Reise nach Europa, er kehrte im Mai nach Deutschland zurück und reiste im Juli nach Spanien. Jedes Mal kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück, und jedes Mal passierte er problemlos die US-Zoll- und Einreisekontrollen. Ein weiterer britischer Pressebericht bemerkt, dass Atta "von Januar bis Mai letzten Jahres unter Überwachung stand, nachdem er wiederholt beobachtet worden war, wie er große Mengen von Chemikalien in Frankfurt kaufte, offensichtlich zur Herstellung von Explosivstoffen und von Biowaffen. Die US-Agenten, die Atta observierten, sollen es versäumt haben, die deutschen Behörden über ihre Untersuchung zu informieren. Die Enthüllung, dass Atta lange vor dem 11. September von der Polizei überwacht wurde, wirft die Frage auf, warum die Angriffe nicht durch die Verhaftung dieses Mannes verhindert werden konnten." (Quelle: The Observer, 30. September 2001)

Im Sommer 2001 erhielt Atta eine telegraphische Anweisung über 100.000 Dollar von einem Konto in Pakistan, das angeblich einem Repräsentanten Osama bin Ladens gehörte. Diese Überweisung ist wiederholt von US-Politikern als Beweis angeführt worden, dass bin Laden hinter den Anschlägen vom 11. September gestanden habe. Aber es wurde nicht erklärt, wie eine so große Geldsumme folgenlos an jemanden überwiesen werden konnte, der unter FBI-Überwachung stand. Ein weiterer bemerkenswerter Umstand: Laut einer indischen Zeitung war der Mann, der die telegraphische Überweisung anordnete, General Mahmud Ahmed, Kopf des pakistanischen Geheimdienstes ISI, der wichtigste Sponsor des Taliban-Regimes in Afghanistan. Ahmed wurde zum Rücktritt gezwungen, nachdem Indien veröffentlicht hatte, welche Rolle er spielte, und dies vom FBI bestätigt worden war. Ob Zufall oder nicht: Ahmed befand sich am 11. September zu Unterredungen mit amerikanischen Geheimdienstmitarbeitern in Washington. (Quelle: CNN-Bericht, 1. Oktober 2001; The Times of India, 11. Oktober 2001).

Siehe auch:

Teil 1: Vorwarnungen
(23. Januar 2002)

Teil 3: Die Vereinigten Staaten und der Terrorismus in Nahost
(26. Januar 2002)

Teil 4: Die Verweigerung einer Untersuchung
(29. Januar 2002)

Terrorangriff auf New York und Washington

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