Professor Coles Antwort an die WSWS zum Thema Libyen:

Eingeständnis eines intellektuellen und politischen Bankrotts

Von Bill Van Auken
17. August 2011

Die World Socialist Web Site ermutigt ihre Leser, unter folgender Adresse direkt an Juan Cole zu schreiben. http://www.juancole.com/contact

Am 5. August veröffentlichte Juan Cole, Professor der University of Michigan für Geschichte des Nahen Ostens, auf seinem Blog Informed Comment einen Eintrag, in dem er unterstellte, die World Socialist Web Site unterstütze die Bestrebungen des Gaddafi-Regimes, den Osten Libyens zurückzuerobern, und befürworte den Massenmord an libyschen Zivilisten.

Am 10. August antwortete die World Socialist Web Site in einem offenen Brief an Professor Cole, in dem sie zu seinen Lügen Stellung nahm und ihn aufforderte, er solle auf Informed Comment seine Behauptungen vollständig zurücknehmen.

Am 11. August erhielten wir folgende Antwort-Email von Cole:

„Hallo. Ich hoffe, ihr hört damit auf, das mörderische Regime von Gaddafi zu verteidigen und Leute anzugreifen, die wollen, dass die Bevölkerung von Bengasi vor ihm in Sicherheit sei.

Cheers,

Juan“

Eine solche Antwort würde man von einem Betrunkenen erwarten. In Coles Fall wäre dies aber eine zu gnädige Auslegung.

Er ist einfach unfähig, seinen Standpunkt schlüssig zu verteidigen. In seiner kurzen Antwort wiederholt Cole nur seine Verleumdungen, ohne sie mit einem Wort zu begründen.

Der Grund für seine feindliche Haltung gegen die WSWS ist, dass wir uns weigern, den schmutzigen imperialistischen Krieg gegen Libyen zu unterstützen, den er befürwortet. Unsere Grundlage ist das sozialistische und marxistische Prinzip der Ablehnung von imperialistischen Kriegen gegen historisch unterdrückte Länder. Wir lehnen Gaddafi aus einem sozialistischen Standpunkt heraus ab. Die Grundlage dieses Standpunktes ist der Kampf für eine unabhängige Mobilisierung der Arbeiterklasse gegen sein bürgerliches Regime und den Imperialismus.

Fünf Monate nach Beginn des Krieges gegen Libyen, den Cole kritiklos unterstützt, hat sich die Intervention zu einem Debakel entwickelt, und Coles Position ist kompromittiert und bloßgestellt. In einer derartigen Lage neigen Menschen dazu, auf jede Herausforderung zynisch und unehrlich zu reagieren.

Er schreibt so, als sei nichts passiert, seit er im März seinen „Offenen Brief an die Linken“ veröffentlichte, in dem er zur Unterstützung des Libyenkrieges aufrief.

Cole verwendet sein Blog Informed Comment auch jetzt noch, um Stimmung für die sogenannten „Libyschen Freiheitskämpfer“ zu machen. Allerdings haben die bisherige Kriegsführung und die Entwicklung dieser „Freiheitskämpfer“ gezeigt, dass sie keinen „Befreiungskampf“ führen, und auch keinen Feldzug für „Menschenrechte“, sondern einen Krieg der imperialistischen Mächte zur Eroberung Libyens und zur Einsetzung eines folgsameren Regimes.

Wie Cole selbst im Juni in einer Kolumne mit dem Titel „Die zehn größten Fehler im Libyenkrieg“ zugab, verfolgten die USA und die Nato mit ihrer Kriegsführung kaum einen besseren Schutz der Zivilbevölkerung.

Cole schrieb: „Dass die Intervention in Libyen rechtmäßig ist, heißt nicht, dass der Krieg bisher umsichtig geführt wurde […] Nach der UN-Resolution habe ich mich für eine begrenzte Intervention stark gemacht, deren Ziel es sein sollte, die Zivilbevölkerung vor Muammar Gaddafis Angriffen zu schützen (…)“

Stattdessen, so räumt er ein, habe sich die Nato für „die ‚Shock and awe‘-Strategie entschieden und die Hauptstadt Tripolis unter Beschuss genommen, wobei besonders das Anwesen von Diktator Muammar Gaddafi Angriffsziel war (…). Und da es so nach einer gezielten Ermordung aussieht, kommen dem Kritiker Fragen, was wohl der eigentliche Zweck der Intervention war.“

Cole hat sich „dafür stark gemacht“, dass die imperialistischen Mächte sich an die Vorgaben der UN-Resolution halten. Aber sie haben nicht auf den Professor gehört, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, einen Aggressionskrieg zu führen, um ungehinderte Kontrolle über das ölreiche Land in Nordafrika zu erlangen. Die Resolution dient nur als Deckmantel für dieses neokoloniale Unternehmen, das hat sie mit Professor Coles Kritik gemeinsam.

Kommen wir nun zu den „libyschen Freiheitskämpfern“. Nur ein paar Tage vor Professor Coles Antwort an die WSWS entließ der Präsident des Nationalen Übergangsrates (TNC) in Bengasi, Abdul Mustafa Dschalil, sein gesamtes Kabinett. Sie standen im Verdacht, an der Ermordung von General Abdel Fatah Junis beteiligt gewesen zu sein. Junis war Gaddafis Innenminister gewesen und wurde nach seinem Seitenwechsel zum TNC zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt.

Die Entlassung der Regierung soll offenbar den Ausbruch eines Bürgerkriegs innerhalb der „Rebellen“ verhindern. In einem solchen Fall würde der mächtige Stamm der Obeidat, zu dem Junis gehört hatte, gegen den von den USA unterstützten TNC kämpfen.

Gleichzeitig mehren sich Berichte über standrechtliche Hinrichtungen, Folter und ethnische Säuberungen durch die „Rebellen“. Angesichts solcher Taten und der Zusammensetzung der Führungsschicht des TNC – unter ihnen sind ehemalige Minister, langjährige CIA-Mitarbeiter und Islamisten – gibt es keinen Grund, anzunehmen, dass deren Sieg ein weniger korruptes oder repressives Regime hervorbringen würde, als es das von Gaddafi darstellt.

Selbst die New York Times, die den Krieg befürwortet, sah sich gezwungen, zuzugeben, dass der angebliche „Befreiungskampf“ in Libyen sich als „düsterer Kampf zwischen Fraktionen und Stämmen“ herausstellt, der sich „zu der Art von Stammeskonflikt entwickeln könnte, unter denen Libyen seit Jahrhunderten leidet“, was nichts anderes als ein Blutbad meinen kann.

Die Kriegshandlungen der USA und der Nato haben bereits mehr Tote gefordert als Gaddafis Regime während seines bisherigen Bestehens, und es droht ein noch weitaus größeres Massaker.

Egal was Cole jetzt sagt, er hat Blut an den Händen. Er hat seine Reputation als bekannter Intellektueller und Irakkriegsgegner benutzt, um eine offen imperialistische Intervention in Libyen zu unterstützen.

Jetzt ist er weder gewillt noch fähig, sich der Kritik an seiner Position durch die World Socialist Web Site zu stellen. (Sie wurde erstmals im letzten April im Artikel „Libyen, Imperialismus und die Kapitulation der „linken“ Intellektuellen: Der Fall des Professors Juan Cole“ geäußert). Stattdessen verteidigt er sich mit Lügen und Verleumdungen.

Wir lehnen Coles törichte Reaktion auf unseren offenen Brief ab und fordern weiterhin, dass er seine reaktionären Verleumdungen gegen die World Socialist Web Site öffentlich zurücknimmt.

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