Renault streicht 7500 Stellen in Frankreich

Von Antoine Lerougetel
26. Januar 2013

Der französische Autokonzern Renault kündigte am letzten Dienstag umfangreichen Arbeitsplatzabbau und Lohnsenkungen an, da die Autoindustrie wegen der Weltwirtschaftskrise ihre Produktion zurückfährt.

Das Unternehmen will bis 2016 7500 Stellen streichen. Das sind vierzehn Prozent seiner derzeitigen Belegschaft in Frankreich. Gleichzeitig verhandelt es mit den Gewerkschaften, um drakonische Maßnahmen durchzusetzen, die die Ausbeutung der Arbeiter verschärfen werden. Zuvor waren in den letzten beiden Jahren bereits 4000 Stellen durch den Abgang von Arbeitskräften verloren gegangen.

Letzten Monat sank die Zahl der Neuzulassungen von Renault-Autos in Frankreich um 27 Prozent und um zwanzig Prozent im Gesamtjahr, auf insgesamt 551.334. Die Lage ist von einem zusammenbrechenden Automarkt vor dem Hintergrund einer Rezession und Sparmaßnahmen in ganz Europa geprägt.

Das Unternehmen mit weltweit 120.000 Angestellten wird durch diese Kürzungen 396 Millionen Euro sparen. Die Renaults-Aktie lag am Ende des Tages um 1,76 Prozent höher. Der Durchschnitt der europäischen Autoaktien stieg am gleichen Tag nur um 0,12 Prozent.

Der Vorsitzende von Renault-Frankreich, Gerard Leclerq, sagte in der Presse: „Wenn wir uns mit den Gewerkschaften einigen können, wird diese Umschichtung weder Werksschließungen noch ein Abfindungsprogramm erfordern.“

Allerdings entspricht das Ausmaß des Stellenabbaus der Belegschaft von zwei mittelgroßen Fabriken. Ein Vertreter der Gewerkschaft CGT erklärte vor der Presse, die zwölf Renault-Werke in Frankreich arbeiteten momentan mit einer Kapazitätsauslastung von 50 Prozent.

Während Renault mit Massenentlassungen und Werksschließungen droht, sollen die Verhandlungen mit den Gewerkschaften am 29. Januar abgeschlossen werden. In einer Stellungnahme der CGT hieß es, Renault „will durch eine Erhöhung der Arbeitszeit in den Fabriken um 6,5 Prozent durch die Verlängerung des Arbeitstages 65 Millionen Euro im Jahr einsparen.“ Die jährliche Arbeitszeit würde sich damit auf 1603 Stunden erhöhen.

Renault schlägt außerdem vor, die Überstundenzulage von fünfundzwanzig Prozent auf zehn Prozent zu senken. Die Arbeiter sollen außerdem zwischen den Werken hin und her verlegt werden können, oder mit Entlassung rechnen müssen. Die Gewerkschaft hat lediglich Alibi-Proteste organisiert, um gegen diesen umfassenden Angriff auf die Lebensbedingungen der Arbeiter zu protestieren, richtete aber keinen Appell an andere Autoarbeiter für einen gemeinsamen Kampf.

Jeder Verrat der Gewerkschaften ermutigt die Arbeitgeber dazu, ihre Angriffe auf die Arbeiterklasse zu verschärfen. Renault benutzt die Abkommen, die es in Spanien mit den Gewerkschaften abgeschlossen hat, als Druckmittel gegen die französischen Arbeiter.

Renault orientiert sich an einem ähnlichen Abkommen zwischen den Gewerkschaften und Peugeot, in dem es um dessen Werk in Sevelnord in Nordfrankreich ging. Im Gegenzug versucht Peugeot jetzt, sich bei seinem nächsten Angriff auf die eigene Belegschaft an Renault zu orientieren.

Diese Maßnahmen sollen Renaults Profite und Wettbewerbsfähigkeit erhöhen. Sie werden mit aktiver Unterstützung der französischen Regierung umgesetzt, die einen Anteil von fünfzehn Prozent an dem Unternehmen besitzt.

Sie liegen auf einer Linie mit der Vereinbarung über Arbeitsplatzsicherheit, die der französische Arbeitgeberverband Medef am letzten Freitag mit den Gewerkschaften geschlossen hat. Diese Vereinbarung wurde von der Regierung der Sozialistischen Partei (PS) unterstützt. Sie erlaubt es Arbeitgebern auch, mehr „Flexibilität“ von Arbeitern zu fordern und den Arbeitsschutz auszuhöhlen, um die Wettbewerbsfähigkeit des französischen Kapitalismus zulasten der Arbeiter zu erhöhen.

Renault und die Regierung hetzen gnadenlos die Arbeiter der französischen Renault-Werke gegen die in anderen Ländern auf. Le Monde schrieb, der Vorstandsvorsitzende von Renault, Carlos Ghosn habe in Amerika erklärt, wenn er die Zustimmung der Gewerkschaften zu seinen Vorschlägen erhalten könne, „könnten Modelle von unseren Partnern Nissan oder Daimler in Frankreich gebaut werden.“ Le Monde fügte hinzu: „Laut unseren Informationen drängt das [französische] Finanzministerium den Nissan-Konzern, einen Teil seiner Produktion von Großbritannien nach Frankreich zu verlagern.“

Letztes Jahr hatte die spanische Regierung mit Renault ein Abkommen ausgehandelt, dem zufolge die Arbeitszeit um drei Tage im Jahr verlängert, die Löhne eingefroren und neu Angestellte für 72 Prozent der aktuellen Gehälter eingestellt werden sollten. Der konservative Premierminister Mariano Rajoy begrüßte dies als Sieg und erklärte, damit würden 1300 Arbeitsplätze geschaffen und die Produktion in Spanien um 30 Prozent erhöht werden.

Die Gewerkschaften haben keine Alternative zu diesem Unterbietungskampf bei Löhnen und Arbeitsbedingungen, da sie die gleiche nationale Perspektive vertreten wie die Bourgeoisie und versuchen, die französische Industrie auf Kosten der Arbeiter international wettbewerbsfähig zu machen. Sie haben bei den Plänen zur Schließung von PSA Aulnay und ArcelorMittal bei Florange mit der Regierung und den Arbeitgebern zusammengearbeitet. Laut Le Monde akzeptieren die Gewerkschaften Renaults Pläne uneingeschränkt: „Auch wenn diese Ankündigungen für die Öffentlichkeit schockierend wirken, so sind sie doch realistisch“, beklagte Fred Dijoux von der Gewerkschaft CFDT, die mit der PS verbündet ist. „Dass freie Stellen nicht mehr besetzt werden, ist das geringere Übel. Es bedeutet, dass Massenentlassungen vermieden werden können.“

Dominique Chauvin von der Gewerkschaft der höheren Angestellten CFE-CGC erklärte: „Wir müssen jetzt realistisch und opportunistisch verhandeln.“

Die Arbeiterklasse wird nur in der Lage sein, für ihre Klasseninteressen zu kämpfen, wenn sie mit diesen Organisationen bricht.