Die Arbeiterklasse und das Detroit Institute of Arts

Von Joseph Kishore
2. Oktober 2013

Der Kampf gegen den Verkauf der Kunstwerke des Detroit Institute of Arts (DIA) ist von höchster Bedeutung für Arbeiter und Jugendliche im Raum Detroit, im ganzen Land und der Welt.

Die Banken und Konzerne sowie ihre politischen Vertreter zeigen bei dem Angriff auf Kunst und den Zugang der Arbeiterklasse zu Kultur in besonders widerlicher Form ihre Feindschaft gegenüber allem, was bei der Entwicklung menschlichen Denkens und menschlicher Kultur von Wert ist. Die großen historischen Aufgaben der Arbeiterklasse zeigen sich am schärfsten in ihrem Kampf zur Verteidigung von Kunst und Kultur

Die Zukunft einer der wichtigsten kulturellen Institutionen der Welt steht auf dem Spiel. Der nicht gewählte „Notfallmanager“ Kevyn Orr, wurde in Detroit eingesetzt, um alles aus der Stadt zu pressen, womit die Banken und Anteilseigner zu bezahlen. Orr hat mit Unterstützung des politischen Establishments, inklusive der Obama-Regierung, die Stadt in die Insolvenz getrieben, um mithilfe der Gerichte Renten- und Krankenversicherungen zu zerschlagen und das Eigentum der Stadt zu verkaufen. Ein kleiner Teil der Innenstadt soll auf Grundlage eines Planes der Multimilliardäre der Region „revitalisiert“ werden.

Im Rahmen dieses Prozesses hat Orr das Auktionshaus Christie’s angeworben, um die Kunstwerke des DIA schätzen zu lassen. Er betonte, sobald die Berechnungen über den Geldwert afrikanischer Skulpturen, Gemälde von europäischen Impressionisten und alten Meistern, Diego Riveras berühmten Wandbildern und amerikanischen Landschaften angestellt seien, sind „alle Optionen offen.“ Der Direktor des DIA hatte erklärt, der Verkauf von Kunstwerken würde die Finanzierung des Museums bedrohen und es zur Schließung zwingen.

Die Möglichkeit, dass das DIA geschlossen oder grundlegend umgestaltet werden und der Zugang für breite Massen wegfallen könnte, ist offensichtlich eine reale Gefahr. Die Wirtschafts- und Finanzelite, die die Politik in Detroit diktiert, steht dem demokratischen Grundsatz, dass Kunst der Bevölkerung zugänglich sein sollte, völlig feindselig gegenüber. Die gleiche herrschende Elite hat im Irak Museen und archäologische Fundorte von einer der ältesten Zivilisationen der Welt im Rahmen eines Krieges zerstört, der über eine Million Todesopfer gefordert hat. Die gleiche herrschende Klasse behauptet auch, Arbeiter müssten sich von ihren Renten, ihrer Gesundheitsversorgung und ihren Löhnen verabschieden, um den immer weiter ansteigenden Reichtum eines winzigen Teils der amerikanischen Gesellschaft zu finanzieren.

Was jetzt in Detroit geschieht, kann nur in seinem historischen Kontext richtig verstanden werden. Die „Autostadt“ war früher das Zentrum der amerikanischen Industrie. In den 1930er Jahren war sie das Zentrum von enormen Klassenkämpfen, die von sozialistisch gesinnten Arbeitern angeführt wurden. Da die herrschenden Mächte die Gefahr von sozialen Unruhen und sogar einer Revolution fürchteten, konnten die Arbeiter bedeutende Zugeständnisse erzielen. Detroit hatte in der Nachkriegszeit das höchste Pro-Kopf-Einkommen aller amerikanischen Städte.

Die Vergrößerung des Detroit Institute of Arts fand im Rahmen dieses Prozesses statt. William Valentiner, ein früher Direktor des DIA und Auswanderer aus Deutschland, der von sozialistischen Ideen beeinflusst war, vertrat stark die Meinung, die ganze Bevölkerung sollte Zugang zu dem Museum haben. Valentiner gab die großen Industrie-Wandmalereien des mexikanischen Sozialisten Diego Rivera in Auftrag, die das Zentrum des DIA bilden und die die Arbeiterklasse ins Zentrum der modernen Gesellschaft stellen.

In den letzten 40 Jahren hatte Detroit unter unerbittlichen Angriffen der Finanzaristokratie zu leiden. Sie wurde zur ärmsten Großstadt Amerikas, übersät mit verfallenen Fabriken. Das Bildungswesen wird zerstört, Bibliotheken geschlossen und kulturellen Institutionen werden die Gelder gestrichen.

Ein ähnlicher Prozess findet im ganzen Land und weltweit statt. Es gibt konzentrierte und bewusste Versuche, bei den Löhnen und Zusatzleistungen der Arbeiter die Zeit zurückzudrehen, allerdings auch was ihren Zugang zu Kultur und Wissen angeht, da dies immer eine Gefahr für die herrschende Elite darstellt. Das Ziel ist es, alles zu zerstören, was nicht direkt zum Profit beiträgt, und die Arbeiterklasse zu reinem Rohmaterial für die Ausbeutung zu degradieren.

Es überrascht nicht, dass die Gewerkschaften, die seit Jahrzehnten die wichtigste Rolle bei der Unterdrückung des Klassenkampfes gespielt haben, den Angriff auf das DIA unterstützen. Ein führender Gewerkschaftsbürokrat in Detroit fasste die Verachtung für die arbeitende Bevölkerung in der sozialen Schicht zusammen, die die Gewerkschaften kontrolliert. Die Feindschaft gegenüber dem Museum und seinen Werken drückte er mit dem Satz aus: „Kunst kann man nicht essen.“

Die Gewerkschaften unterstützen die Versteigerung dieser unbezahlbaren Kunstwerke nicht, weil die Gewinne daraus Renten und Krankenversicherungen retten würden. In Wirklichkeit haben die Gewerkschaften seit Jahrzehnten bei den Angriffen auf Renten und Krankenversicherung geholfen. Die Gewerkschaftsfunktionäre hoffen, dass zumindest ein kleiner Teil der Einkünfte in ihre Taschen fließen wird.

Kunst kann sich nicht selbst retten. Die Arbeiterklasse muss Kunst und Künstler schützen, zur Verteidigerin von allem Fortschrittlichen in der Geschichte der Menschheit werden und für eine sozialistische Perspektive kämpfen. Die Pläne der herrschenden Klasse können nur durch Massenkämpfe gegen die politischen Prostituierten der Banken und ihr ganzes Gesellschaftssystem verhindert werden.

Auf dieser Grundlage organisiert die SEP eine Kampagne zur Verteidigung des Detroit Institute of Arts, und ruft zu einer Demonstration am 4. Oktober auf.

Es gibt breite Unterstützung für diesen Kampf. Laut Umfragen sind 78 Prozent der Bevölkerung gegen den Verkauf der Kunstwerke. Die SEP traf unter Arbeitern und Jugendlichen auf große Unterstützung für das DIA und auf große Wut über die Gefahr, dass es geschlossen werden könnte. Ein Student sagte, das DIA sei „die Seele von Detroit.“ Ein junger Autoarbeiter sagte: „Das ist unsere Kultur.“ In der Bevölkerung herrscht das Gefühl, dass Kunst und Kultur genauso soziale Rechte sind wie Arbeitsplätze und Wohnraum, und dass eine Begegnung mit Kunst ein Leben verändern kann.

Mit der Kampagne zur Verteidigung des DIA gibt die SEP diesen Gefühlen eine Stimme und liefert ihnen eine politische Perspektive. Die SEP hat diese Kampagne mit dem Standpunkt aufgenommen, dass die Radikalisierung der Arbeiterklasse sich nicht nur auf Wirtschaftsfragen beschränken wird, sondern auch auf die großen Fragen, vor denen die menschliche Gesellschaft in allen ihren Aspekten steht. Rosa Luxemburg schrieb dazu: „Der Sozialismus ist keine Brot-und-Butter-Frage, sondern eine kulturelle Bewegung, eine große und stolze Weltideologie.“

Da die herrschende Klasse die Gesellschaft rücksichtslos zurückwirft, ist es die Aufgabe der Arbeiterklasse, einen Weg vorwärts zu finden. Aber dazu müssen die Arbeiter politisch organisiert und mit einem bewussten Verständnis der Tatsache ausgerüstet werden, dass ihre Rechte und Interessen unvereinbar sind mit dem kapitalistischen System und der Unterordnung der Gesellschaft unter die Interessen einer winzigen Wirtschafts- und Finanzelite.

Die Verteidigung des DIA geht die ganze Weltbevölkerung etwas an. Nicht nur die Zukunft des DIA und von Detroit steht auf dem Spiel, sondern alle Rechte der Arbeiterklasse. Wir rufen Arbeiter und Jugendliche im ganzen Land und der Welt auf, diesen Kampf zu unterstützen.