Das Detroit Institute of Arts und die Verteidigung von Kultur in den USA

Von Joseph Kishore
4. Oktober 2013

Die Socialist Equality Party veranstaltet am Freitag eine Demonstration vor dem Detroit Institute of Arts als Auftakt ihrer Kampagne gegen den drohenden Verkauf der Schätze des Museums.

In den Tagen vor der Kundgebung am Freitag ist deutlicher ans Licht gekommen, welche Gefahr dem DIA durch die Wirtschaftselite und den nicht gewählten Notfallmanager Kevyn Orr droht. Nolan Finley von der Detroit News, eine wichtige Figur in den etablierten Medien und der Politik Detroits, berichtete, dass Vertreter der Regierung, darunter Orr selbst, entschlossen sind, mindestens einen Teil der Sammlung zu Geld zu machen. Der Direktor des Museums Graham Beal hatte gewarnt, dass ein solches Vorgehen das DIA zur Schließung zwingen würde.

Was in Detroit geschieht, ist Teil eines nationalen und internationalen Prozesses. Kulturelle Institutionen und das Recht der Arbeiterklasse auf den Zugang zu Bildung und Kultur werden überall Opfer von Angriffen. Erst diese Woche bewegten sich zwei andere wichtige kulturelle Wahrzeichen der USA auf den Bankrott zu.

Die New York City Opera bestätigte am Dienstag, dass sie Insolvenzschutz beantragt habe, ihre bevorstehende Saison abgesagt hat und die Einstellung ihres gesamten Betriebes erwägt. Die 70 Jahre alte „Volksoper“ war für ihre Versuche bekannt, ihre Darbietungen dem größtmöglichen Publikum zugänglich zu machen. Sie befand sich in den letzten zehn Jahren ständig in Geldnöten und musste schließen, nachdem sie letzten Monat sieben Millionen Dollar nicht aufbringen konnte.

Am Dienstag kündigte außerdem der berühmte Musikdirektor des Minnesota-Orchester, Osma Vänskä, seinen Rücktritt an, nachdem das Management des Orchesters die aktuell angebotenen Zugeständnisse der Musiker abgelehnt hatte, und sagte eine Reihe von geplanten Auftritten in der Carnegie Hall in New York City ab. Die Musiker des Minnesota Orchestra sind seit einem Jahr ausgesperrt, das Management fordert eine Lohnsenkung von mindestens 25 Prozent.

Wenn das Minnesota-Orchester nach Vänskäs Fortgang weiterbestehen wird, dann nur in viel kleinerer Form. Dutzende von Musikern mussten sich bereits andere Stellen suchen. Sein Schicksal wird das gleiche sein wie das des Detroiter Symphonieorchesters, dessen Status als Weltklasse-Orchester während eines sechsmonatigen Streiks von 2010 bis 2011 durch das Management einen schweren Schlag erhielt.

In allen diesen Fällen und in zahllosen anderen wird stets behauptet, die drastischen Kürzungen der Mittel für Kultur und Kunst seien notwendig, weil einfach kein Geld da sei. Diese Behauptungen sind ganz einfach absurd.

Die 70 Milliardäre, die in New York leben, darunter Bürgermeister Michael Bloomberg, verfügen zusammen über 244 Milliarden Dollar, d.h. 34.857-mal soviel wie die Oper benötigt. Der Vorstand des Minnesota-Orchesters, der von den Musikern drastische Lohnkürzungen fordert, besteht aus Konzernvorständen und Besitzern, darunter Marilyn Carlson Nelson. Nelson, die auf der Forbes-Liste der 400 reichsten Amerikaner Platz 118 belegt, verfügt über ein Vermögen von 3,9 Milliarden Dollar– damit könnte das Orchester 130 Jahre lang finanziert werden.

In früheren Perioden, bis zurück zur amerikanischen Revolution, war das Wachstum des amerikanischen Kapitalismus mit der Ausweitung von Kultur und Bildung verbunden. Die Finanzierung von Museen, Bibliotheken und öffentlicher Bildung stieg nach dem Bürgerkrieg und bis Anfang des 20. Jahrhunderts stark an.

Während die „Robber Barons“ dieser Zeit dafür bekannt waren, dass sie die Produktion entwickelten und Kultur und Bildung als notwendiges Element dazu sahen, hat die heutige Finanzaristokratie ihren Reichtum durch Parasitismus, Betrug, Spekulation und Deindustrialisierung angehäuft. Sie hat auf den Aktienmärkten fantastische Summen an sich gerissen, die vor allem seit dem Zusammenbruch 2008 von der US-Regierung und der Federal Reserve stark subventioniert wurden.

In diesem Prozess wurde Detroit zerstört und stieg vom Zentrum der amerikanischen- und der Weltindustrie zur ärmsten Großstadt Amerikas ab. Heute sind alle politischen Vertreter der Bourgeoisie, Demokraten wie Republikaner, von der Obama-Regierung bis hin zu Kommunalverwaltungen und ihre Komplizen wie Orr entschlossen, die Arbeiterklasse für die Krise des kapitalistischen Systems zahlen zu lassen.

Die Arbeiterklasse, die große Masse der Bevölkerung, muss und wird Kultur und alles Fortschrittliche in der menschlichen Gesellschaft verteidigen. Die Kampagne der SEP für die Verteidigung des DIA ist einzigartig durch ihr Beharren auf diesem Prinzip, während pseudolinke Politiker die Arbeiterklasse mit Verachtung betrachten.

Die SEP weist die Position zurück, man müsse an Orr und die Insolvenzgerichte appellieren, um das DIA zu retten, wie es der Direktor des DIA, Graham Beal, und andere vertreten. Damit akzeptiert man aber nicht nur die von den Konzernen organisierte „Sanierung“ Detroits, es ist auch für das DIA selbst fatal. Selbst wenn das Museum auf dieser Grundlage offen bliebe, wären sein demokratischer Anspruch und seine Zugänglichkeit für die allgemeine Bevölkerung zerstört.

Wir lehnen auch die Position ab, die Gewerkschaften und Teile der Demokratischen Partei vertreten, dass der Verkauf der Kunstwerke notwendig sei, weil, wie es ein Gewerkschaftsbürokrat formulierte, man Kunstwerke nicht essen kann. Tatsächlich haben die Gewerkschaften die Konzerne und den Staat bei der Zerstörung der Rechte der Arbeiterklasse unterstützt. Wer dafür eintritt, Kunst für Renten und Krankenversicherung zu opfern, ist an dem übelsten politischen Betrug beteiligt. Der bereitet die Zerstörung von Renten und Krankenversicherungen vor, und von Kultur dazu.

Unter den Arbeitern herrscht starker Widerstand gegen den ganzen Rahmen der Insolvenz und die Angriffe auf soziale Rechte. Es besteht ein Verlangen danach, für die Verteidigung von Kultur und Bildung und Renten und Krankenversicherung und das Recht auf einen angemessen bezahlten Arbeitsplatz zu kämpfen. Umfragen zeigen, dass Orrs Pläne in allen diesen Bereichen abgelehnt werden.

Die Kampagne der SEP gibt dieser Entschlossenheit politischen Ausdruck und eine Führung. Wir betonen, dass das Recht auf Kultur und alle sozialen Rechte der Arbeiterklasse nur durch einen politischen Kampf gegen den Kapitalismus geschützt werden kann. Das bedeutet, den Kampf gegen beide Parteien des Großkapitals und die Verbündeten der Demokratischen Partei, darunter auch die Gewerkschaften, zu führen.

Die Mittel zur Durchsetzung dieser Rechte müssen aus der Enteignung der Wirtschafts- und Finanzelite, der Verstaatlichung der Banken und Großkonzerne und der sozialistischen Umgestaltung der Wirtschaft kommen. Statt privaten Profiten müssen soziale Bedürfnisse die Grundlage der Wirtschaft sein.

Die Kampagne stößt auf starke erste Reaktionen von Arbeitern, Studenten, Künstlern und großen Teilen der Bevölkerung. Die Demonstration am Freitag ist nur der Beginn einer Gegenoffensive. Wir rufen alle Leser der WSWS auf, an der Demonstration am 4. Oktober teilzunehmen oder Unterstützungsbotschaften zu schicken. Weitere Informationen unter defendthedia.org.