Obama-Regierung hält Bericht über Finanzierung der Anschläge vom 11. September durch Saudi-Arabien weiter unter Verschluss

Von Tom Carter
20. Januar 2015

Auch mehr als dreizehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hängt ein Mantel des Schweigens über den Ereignissen.

Das politische Establishment Amerikas nutzt jede Gelegenheit, um die Terroranschläge als Rechtfertigung für militärische Aggression im Ausland und den Aufbau eines Polizeistaates im Inland auszunutzen. Unmittelbar nach den Anschlägen wurde der "Krieg gegen den Terror" ausgerufen, der bis heute andauert. Das offizielle Gedenken an die Anschläge ist zu einem staatlichen Ritual geworden. Allerdings behindert die US-Regierung weiterhin die Veröffentlichung von sachdienlichen Informationen über die Ereignisse des 11. September.

Am 7. Januar forderten heutige und ehemalige Kongressabgeordnete und Familien der Opfer auf einer gemeinsamen Pressekonferenz die Veröffentlichung von 28 noch als vertraulich eingestuften Seiten eines Berichtes des Kongresses vom Dezember 2002 mit dem Titel "Gemeinsame Untersuchung der Geheimdienstaktivitäten vor und nach den Terroranschlägen im September 2001."

Diese Seiten wurden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichtes von der Bush-Regierung als vertraulich eingestuft. Auf der Pressekonferenz am 7. Januar wurde auf die Tatsache hingewiesen, dass die Regierungen Bush und Obama seither die Veröffentlichung dieser redigierten Seiten verhindert haben.

"Auf den 28 Seiten geht es hauptsächlich darum, wer die Anschläge finanziert hat, und sie zeigen recht klar auf Saudi-Arabien als wichtigsten Geldgeber“, sagte der ehemalige Demokratische Senator Bob Graham auf der Pressekonferenz. Graham war Co-Vorsitzender des Ausschusses und Mitverfasser des besagten Berichtes, daher weiß er aus eigener Erfahrung um dessen Inhalt.

"Die 28 Seiten sind zwar das wichtigste und bekannteste, aber längst nicht das einzige Beispiel für Informationen, die wichtig zum Verständnis des Ausmaßes des 11. September sind, aber der amerikanischen Bevölkerung vorenthalten wurden“, fügte Graham hinzu. "Es geht nicht nur darum, dass einmal spezifische Informationen vorenthalten wurden“, sagte er weiter. "Es handelt sich um eine generelle Vertuschung der Rolle Saudi-Arabiens beim 11. September durch alle Behörden der Regierung,. Sie haben Informationen, die Saudi-Arabiens Rolle beim 11. September aufklären könnten."

Graham stellte den Sachverhalt so dar, als ginge es nur um "Inkompetenz" und das Verlangen der Obama-Regierung, die Enthüllung dieser Inkompetenz zu vermeiden.

Eine Organisation von Familienmitgliedern der Opfer der Anschläge auf das World Trade Center namens “9/11 Families United for Justice” setzt sich für die Freigabe der 28 Seiten ein. Terry Strada, deren Ehemann bei den Anschlägen auf das World Trade Center getötet wurde, ist Co-Vorsitzende der Organisation. "Als der ehemalige Präsident George W. Bush die 28 Seiten der gemeinsamen Untersuchung für vertraulich erklärte, hat er praktisch die Leute beschützt, die zumindest einige der Flugzeugentführer während ihres Aufenthaltes in diesem Land finanziell und logistisch unterstützt haben."

Auch ohne die vollständige Freigabe der 28 Seiten gibt es mehr als genug Beweise, dass Saudi-Arabien der wichtigste Geldgeber für die Anschläge am 11. September war, allerdings werden diese Beweise von den Medien und dem amerikanischen politischen Establishment vertuscht.

Frühere Berichte und Veröffentlichungen deuten darauf hin, dass die vertraulichen 28 Seiten den Fall der beiden Entführer des Flugzeugs beschreiben, das ins Pentagon gestürzt ist, Nawaf al-Hazami und Khalid al-Mihdhar. Die beiden waren unter ihren eigenen Namen in die USA eingereist, nachdem sie in Malaysia eine islamistische Ausbildung abgeschlossen hatten, die von der CIA überwacht wurde. Sie trafen sich in Los Angeles mit Omar al-Bayoumi, der Beziehungen zum saudischen Geheimdienst hatte und laut freigegebenen Teilen des Berichtes "scheinbar unbegrenzte Geldmittel von Saudi-Arabien erhielt.

Bayoumi hatte sich im saudischen Konsulat mit al-Hazami und al-Mihdhar getroffen und nahm sie mit nach San Diego, wo sie in den Monaten vor den Anschlägen am 11. September zusammen mit einem FBI-Informanten lebten. Asama Bassnan, ein Mitarbeiter von Bayoumi, erhielt Schecks vom damaligen saudischen Botschafter in den USA, Prinz Bandar, und seiner Frau - das Geld wurde zur Unterstützung der Entführer verwendet.

In San Diego trafen sich die beiden mit Anwar al-Awlaki, dem islamischen Geistlichen und amerikanischen Staatsbürger, der im September 2011 von der Obama-Regierung ermordet wurde. Al-Awlaki hatte selbst merkwürdige Verbindungen zum amerikanischen Staat: nur wenige Monate vor den Anschlägen vom 11. September nahm er an einem Treffen mit Militärs im Pentagon teil, angeblich im Rahmen einer versuchten "Annhäherung".

Im Oktober letzten Jahres veröffentlichte Zacarias Moussaoui - der "zwanzigste Entführer," der momentan lebenslänglich in einem Hochsicherheitsgefängnis sitzt - einen Brief an das westliche Bezirksgericht von Oklahoma, in dem er behauptete, er habe dem saudischen Prinzen Turki bin Faisal Al Saud persönlich geholfen. Moussaoui nahm in Norman, Oklahoma, Flugunterricht, zusammen mit Mohammed Atta und Marwan al-Shehhi, zwei der mutmaßlichen Entführer vom 11. September.

Laut Moussaoui hat der saudische Prinz seinen Flugunterricht finanziert, obwohl er wusste, dass er dies für Osama bin Laden tat.

Obama versucht seit seinem Amtsantritt eine vollständige öffentliche Aufarbeitung der Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den Entführern vom 11. September zu verhindern. Im Jahr 2009 war die Regierung im Auftrag der saudischen Monarchie aktiv geworden, um die Veröffentlichung von Dokumenten zu verhindern, die die Familien der Opfer des 11. September gesammelt hatten.

Die Pressekonferenz am 7. Januar wurde zwar von den Massenmedien nahezu völlig ignoriert, aber die Tatsache, dass die Obama-Regierung weiterhin einen Bericht unterdrückt, der beweist, dass die Anschläge vom 11. September von einem Verbündeten Washingtons begangen wurden, ist keine geringfügige Angelegenheit. Sie stellt die ganze offizielle Darstellung des "Kriegs gegen den Terror" infrage.

Die Beziehung zwischen Saudi-Arabien und den Anschlägen vom 11. September ist nur eine von vielen unbeantworteten Fragen hinsichtlich der Beteiligung von Teilen des amerikanischen Staates an den Terroranschlägen.

Die amerikanischen Geheimdienste hatten vor dem 11. September jahrzehntelang Beziehungen zu islamisch-fundamentalistischen Gruppen wie Al Qaida aufgebaut, unter anderem während des sowjetischen Krieges in Afghanistan (1979-1989). Während des Krieges bezeichnete Präsident Ronald Reagan die Dschihad-Milizen in einem berühmten Ausspruch als "Freiheitskämpfer".

Heute pflegen die amerikanischen Geheimdienste noch immer enge Beziehungen mit solchen Gruppen und setzen sie in ihren Feldzügen in Libyen, Syrien und anderen Ländern als Stoßtruppen ein. Saudi-Arabien ist noch immer eine bedeutende Geldquelle für diese Gruppierungen.

Die Mehrheit der Täter der Anschläge des 11. September kam aus Saudi-Arabien. Die saudische Monarchie, eine Bastion der Reaktion, ist seit den 1950ern Washingtons wichtigster Verbündeter in der Region.

Die World Socialist Web Site veröffentlichte im Januar 2002 eine vierteilige Analyse mit dem Titel "War die US-Regierung vor dem 11. September vorgewarnt?" Die Serie untersuchte unter Einsatz des Materials, das damals zur Verfügung stand, die Warnungen, die die amerikanischen Geheimdienste im Voraus erhalten hatten, die Informationen, die sie im Voraus über die Entführer hatten, die Geschichte der Aktivitäten dieser Dienste im Nahen Osten und das auffallende Unvermögen, nach den Anschlägen zu ermitteln.

Zum Schluss der Serie hieß es: "Die unwahrscheinlichste und am wenigsten glaubhafte Erklärung für die Ereignisse jenes Tages besteht jedenfalls darin, dass der gesamte amerikanische Sicherheitsapparat keine Ahnung von den Aktionen der Entführer gehabt hatte, bevor die Flugzeuge das World Trade Center und das Pentagon trafen."

Die Tatsache, dass die Gelder für die Anschläge aus Saudi-Arabien kamen, und die Tatsache, dass die US-Regierung noch immer versucht, das zu verbergen - wirft nochmals die Fragen auf, die in der Artikelserie gestellt wurden, und noch weitere Fragezeichen über die offizielle Version der Geschichte.

Wussten die amerikanischen Geheimdienste vor den Anschlägen, dass Saudi-Arabien Al Qaida finanzierte? Finanzierte Saudi-Arabien Al Qaida im Auftrag von Teilen des amerikanischen Staates und der amerikanischen Geheimdienste?

Senator Graham argumentiert, dass die 28 noch als vertraulich eingestuften Seiten die "Inkompetenz" der Geheimdienste belegen. Die begrenzten Informationen, die zur Verfügung stehen, weisen jedoch nicht auf Inkompetenz hin, sondern auf vorsätzliche Gleichgültigkeit oder Schlimmeres.