USA bereiten 24-Stunden-Bereitschaft von Nuklearbombern vor

Von Andre Damon
25. Oktober 2017

Vor dem Hintergrund der Konfrontation mit Nordkorea und zunehmender Spannungen mit Russland und China bereiten sich die Vereinigten Staaten zum ersten Mal seit 1991 wieder darauf vor, ihre Flotte von atomwaffenfähigen B-52 Bombern in 24-Stunden-Bereitschaft zu versetzen.

„Dies ist ein weiterer Schritt um sicherzustellen, dass wir vorbereitet sind“, erklärte der Generalstabschef der Luftwaffe, General David Goldfein, in einem Exklusiv-Interview mit Defense One.

Während des Kalten Kriegs hatte das Strategische Luftkommando der Air Force auf Stützpunkten im ganzen Land Alarmbereiche unterhalten, die wegen ihrer äußeren Erscheinung als „Weihnachtsbäume“ bezeichnet und auf denen atomwaffenfähige schwere B-52 Bomber in ständiger Bereitschaft gehalten wurden. Die Crews waren in unmittelbarer Nähe der Flugzeuge untergebracht.

Bei einem Truppenbesuch auf dem Air-Force-Stützpunkt Barksdale in Louisiana machte Goldfein klar, dass diese Einrichtungen, die nach dem Ende des Kalten Kriegs eingemottet worden waren, derzeit wieder instand gesetzt würden.

„Verschiedene Verbesserungen wurden bereits vorgenommen, um Barksdale vorzubereiten und die B-52 Bomber in ständiger Alarmbereitschaft zu halten“, berichtet Defense One. Dort heißt es weiter: „Ein altes Betongebäude nahe der Bereitschaftszonen wird aktuell wieder instand gesetzt. Während des Kalten Kriegs hatten die B-52-Besatzung hier geschlafen – bereit, innerhalb eines Augenblicks zu ihren Maschinen zu sprinten und abzuheben. Im Inneren des Gebäudes werden nun mehr als 100 Schlafgelegenheiten geschaffen, mehr als genug für die Crews der Bomber, die sich auf insgesamt neun Parkpositionen unmittelbar außerhalb des Gebäudes befinden.“

Defense One merkte an, dass „Goldfein und andere hochrangige Vertreter der Streitkräfte betonten, dass der Bereitschaftsbefehl noch nicht erfolgt sei. Es würden jedoch Vorbereitungen in der Erwartung getroffen, dass er kommen könnte.“ Als Reaktion auf den Bericht in Defense One gab die Air Force ein „Dementi“ heraus, in dem lediglich wiederholt wurde, dass ein solcher Befehl nicht herausgegeben worden sei. Die Air Force stritt indessen nicht ausdrücklich ab, dass Anlagen instand gesetzt würden, die ausschließlich im Zusammenhang mit einer 24-Stunden-Bereitschaft von Nutzen sind.

In vielerlei Hinsicht wirft Goldfeins Erklärung mehr Fragen auf, als sie beantwortet. B-52 Bomber sind riesig, langsam und ein leichtes Ziel für die modernen Luftabwehrraketen Russlands, Chinas und ihrer Verbündeten. Im Kalten Krieg wurden diese Bomber in permanenter Bereitschaft gehalten, um auf plötzliche Angriffe mit Atomwaffen mit massiven Gegenmaßnahmen zu antworten. Die „Weihnachtsbäume“ waren darauf ausgelegt, die Bomber so schnell wie möglich in die Luft zu bekommen, wenn sich bereits Atomraketen im Anflug befanden. Bis sich die Bomber ihren Zielen auch nur einen Bruchteil der Entfernung angenähert hätten, hätten eine oder mehrere Salven Interkontinentalraketen, die den Weg zu ihren Zielen in unter einer Stunde zurücklegen können, bereits dutzende Großstädte in Schutt und Asche gelegt.

Die naheliegendste Erklärung für Goldfeins Bemerkungen ist, dass die Vereinigten Staaten sich auf eine Welt vorbereiten, in der ein umfassender thermonuklearer Schlagabtausch mit entweder Russland oder China jederzeit ausbrechen kann – als Antwort auf einen militärischen Zwischenfall in einem Grenzkonflikt oder durch eine Laune des notorisch impulsiven Präsidenten Donald Trump zu später Stunde. In jedem Fall sind Russland und China die einzigen beiden Länder, die über Atomarsenale von solcher Größe verfügen, dass sie als Begründung für die Maßnahmen der USA herhalten könnten.

In diesem Sinne erklärte Goldfein gegenüber Defense One: „Ich sehe die Maßnahmen weniger als Vorkehrung für ein bestimmtes Ereignis, sondern vielmehr für die globale Situation, in der wir uns befinden.“

Es sind indessen noch weitere Fragen offen. Angesichts des raschen „Dementis“ der Air Force stellt sich zunächst diese: Erhielt Goldfein vom Generalstab überhaupt die Autorisierung, um mit diesen Plänen an die Öffentlichkeit zu gehen? Und weiter: Wenn die Air Force die 24-Stunden-Dauerbereitschaft nicht wieder einzuführen beabsichtigt - wer hat dann die Genehmigung für die Instandsetzung der dafür notwendigen Anlagen erteilt? Die Maßnahmen als solche hat die Air Force nicht abgestritten.

Vor diesem Hintergrund sollte daran erinnert werden, dass der Luftwaffenstützpunkt Barksdale im August 2007 in einen Zwischenfall verwickelt war, für den es nach wie vor keine Erklärung gibt. Damals flog eine B-52, wie es hieß „versehentlich“, vom Luftwaffenstützpunkt Minot in North Dakota nach Barksdale. Der Bomber war mit sechs Cruise Missiles vom Typ AGM-86 bewaffnet, von denen jede mit einem nuklearen W-80-Gefechtskopf bestückt war. Der Zwischenfall führte zu Rücktritten von mehreren hohen Offizieren der Air Force, darunter der Staatssekretär für die Luftwaffe, Michael Wynne, und der Generalstabschef der Air Force, Michael Moseley.

In diesem Zusammenhang sind Goldfein weitere Bemerkungen gruselig. Defense One berichtet, dass „er seine Truppe auffordert, über neue Wege nachzudenken, wie Atomwaffen als Abschreckung oder gar im Kampf eingesetzt werden könnten“. Mit anderen Worten: Der Chef der Air Force ergreift von sich aus die Initiative, den Einsatz von Atomwaffen zum ersten Mal seit der Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki zu forcieren. Goldfein trifft eigenmächtig Vorbereitungen für den Einsatz neuer Waffensysteme, noch bevor überhaupt eine Entscheidung darüber getroffen wurde.

In dieser Hinsicht fügt sich die aggressive Entwicklung amerikanischer Nuklearstreitkräfte, die von Goldfein vorangetrieben wird, nahtlos in die Positionen von Präsident Trump ein. Trump trieb diese in einer angespannten Debatte über die Zukunft des amerikanischen Atomarsenals mit Mitgliedern seines Kabinetts und mit Militärs voran. In dem mittlerweile berüchtigten Meeting des Pentagon am 20. Juli, an dessen Ende Außenminister Rex Tillerson den Präsidenten einen „Idioten“ nannte, hatte der Präsident dafür plädiert, die Zahl amerikanischer Atomwaffen zu verzehnfachen. Mit einer derartigen Maßnahme würden die USA in eklatanter Weise gegen eine ganze Reihe internationaler Verträge verstoßen.

Trumps Gepolter über den Ausbau des amerikanischen Atomwaffenarsenals setzt einen Kurs fort, der bereits unter dem ehemaligen Präsidenten Barack Obama begonnen wurde, wenn auch auf Trumps ganz eigene, primitive Art und Weise. Obama hatte ein gewaltiges Modernisierungsprogramm des Atomarsenals angestoßen. Er gab die Entwicklung einer neuen Klasse von U-Booten in Auftrag, die mit ballistischen Atomraketen bestückt werden können, sowie einen neuen Typ von Interkontinentalraketen und die Entwicklung neuer, atomwaffenfähiger Cruise Missiles. Der Wert des gesamten Plans beläuft sich auf eine Billion Dollar.

Die Enthüllung darüber, dass die Air Force strategische Bomber in ständiger Einsatzbereitschaft halten will, fällt mit der Fortsetzung der amerikanischen Provokationen gegen Nordkorea, Russland und China zusammen.

Unmittelbar nach den gewaltigen Manövern der amerikanischen und südkoreanischen Marine von letzter Woche haben die USA bekanntgegeben, dass sie in nächster Zeit die Evakuierung amerikanischen Personals aus Südkorea als Vorbereitung auf einen möglichen Krieg erproben würden.

Martha Raddatz von ABC, die von einem an den Übungen beteiligten Flugzeugträger aus berichtete, erklärte in der Sendung „This Week“: „Das japanische Meer wimmelt nur so von Kriegsschiffen“. Sie schloss ihren Beitrag mit der Erklärung, dass die Matrosen „nötigenfalls noch heute Abend kampfbereit sein“ müssten.

Zur gleichen Zeit stockt die Nato ihre Präsenz in Osteuropa auf und bereitet sich so auf einen Konflikt mit Russland vor. Der Spiegel schrieb unter Berufung auf ein internes Nato-Papier, in dem die weitere Verstärkung der Nato-Truppen gefordert wird: „Die Zeit der Friedensdividende ist vorbei, die Kommandostrukturen des Kalten Kriegs kehren zurück. Die Nato soll wieder für eine große militärische Auseinandersetzung gerüstet sein“.

In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass sich die US Air Force darauf vorbereitet, eine solche „militärische Auseinandersetzung“ mit Atomwaffen zu führen.

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