Faschistischer Überfall auf linken Buchladen in London

Von Robert Stevens
7. August 2018

Die Socialist Equality Party verurteilt den Angriff von etwa einem Dutzend rechtsextremer Schlägertypen auf den Bücherladen von „Bookmarks“ im Zentrum von London.

„Bookmarks“ wird von der Socialist Workers Party (SWP) geführt und ist der offizielle Buchvertrieb des Gewerkschaftsbunds Trades Union Congress (TUC).

In einem Tweet von „Bookmarks“ heißt es: „Ungefähr um 18.45 Uhr am Samstagabend wurde der Bookmarks-Buchladen von ungefähr zwölf maskierten Faschisten angegriffen. Sie bedrohten Angestellte und zerstörten Bücher und Einrichtungsgegenstände.“

Die SWP und das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“, das vom TUC unterstützt wird, gaben eine Presseverlautbarung heraus. Darin heißt es: „Die Faschisten trugen Plakate mit der Aufschrift ‚British Bolshevik Cult’, [was sich auf den britischen Radio und Fernsehsender BBC bezog]. Einer von ihnen trug eine Trump-Maske. Die Angreifer zerrissen Bücher und Magazine und warfen Regale um.“

In der Erklärung werden Beschäftigte des Buchladens mit den Worten zitiert: „Sie mokierten sich über Bücher zu Islamophobie und warfen sie herum. Sie riefen Parolen gegen Muslime und über Pädophilie und bezeichneten uns als Verräter. Der Name [des rechtsradikalen Führers] Tommy Robinsons wurde zwar nicht genannt, aber die Verbindung war offensichtlich.“

Weiter heißt es dort: „Die rechtsextremen Aktivisten skandierten auch Parolen gegen [Labour-Führer Jeremy] Corbyn und gegen Antisemitismus. Dann nahmen sie Abraham Leons Buch „Die Jüdische Frage“ aus dem Regal und hielten es zum Beweis für den Antisemitismus der Linken hoch. Die Angreifer drohten, zurückzukehren und ‚zu zeigen, wozu wir in der Lage sind’.“

Der Angriff fand statt, als der Laden gerade schließen wollte. Ein Sprecher der Metropolitan Police erklärte: „Die Polizei wurde etwa um 18.35 Uhr am Samstag gerufen. Es hieß, es gebe eine Protestaktion in einem Laden an der Bloomsbury Street, WS1.

Weitere Verstöße wurden zu der Zeit nicht gemeldet. Kurze Zeit später erreichte die Polizei ein weiterer Anruf, dem zu entnehmen war, dass die Gruppe das Gebäude verlassen und im Laden einigen Schaden hinterlassen hatte. Es gab keine Verletzten. Mit den Beschwerdeführern wurde ein Termin für eine Aussage vereinbart. Niemand wurde festgenommen.“

Der Angriff ist Bestandteil von vorsätzlich organisierten und wohlfinanzierten rechtsradikalen Aktivitäten in Großbritannien und weltweit.

In einem Artikel auf der Webseite der SWP wurde ein Angestellter des Buchladens mit Namen Noel mit den Worten zitiert: „Ich habe einen der Angreifer erkannt. Er war vor einer Woche schon einmal im Buchladen und legte sich mit anderen Kunden an. Er verbreitete Parolen der Alt-Right-Bewegung und ließ sich über Fake News und ähnlichen Unsinn aus. Wir mussten ihn rauswerfen.“

Zumindest einige der Angreifer hatten am Samstag an einer Alt-Right-Kundgebung im Londoner Zentrum teilgenommen. Den Plakaten und einem Transparent mit der Aufschrift „Make Britain Great Again“ war zu entnehmen, dass die Kundgebung von der Peoples Charter Foundation organisiert worden war. Die gleichen Plakate, die auf der Kundgebung hochgehalten wurden, führten nach Angaben der Angestellten auch die Angreifer auf den Buchladen mit sich. Ein Plakat trug die Aufschrift: „Bolshevik Brainwashing Cult [Bolschewistischer Gehirnwäsche-Kult]“

Einem Twitter-Eintrag von Jo Phillips zufolge, einem Mitglied der Pro-Corbyn-Gruppe „Momentum“, „sollte das ein Protest gegen die BBC usw. sein. Sharon Klaff hielt eine schreckliche Rede über Labour und Israel. Dann gingen alle in den Pub. Einige beschlossen offenbar, den Leuten in Bookmarks einen auf die Mütze zu geben.“

Klaff ist eine Zionistin, die in London lebt und als Kolumnistin für die israelische online-Publikation Times of Israel arbeitet.

Später postete Phillips ein Standfoto aus einem Video, das den Führer von „Make Britain Great Again“, Luke Nash-Jones zeigte, wie er sich im Bücherladen mit einem Vertreter von Bookmarks anlegte. Nash-Jones ist Mitglied der UK Independence Party (UKIP). Phillips schrieb: „Das Video wurde inzwischen gelöscht, aber die Bildunterschrift lautete: ‚Make Britain Great Again überfällt kommunistischen Buchladen – Die Bücher in diesem Laden sind Hate Speech [Hasstiraden]‘.“

Wie man auf einem Video der Veranstaltung „Make Britain Great Again“ in Zentral-London sehen kann, tragen mehrere Teilnehmer, darunter auch Nash-Jones, rote Donald Trump-Mützen mit der Aufschrift „Make Britain Great Again“.

Auf dem Standbild sind drei Gesichter unmaskiert zu sehen, und eins davon kann man als dasjenige von Nash-Jones erkennen, wie er gerade einen „Bookmarks“-Verkäufer bedroht. Nash-Jones und ein weiterer Angreifer tragen die gleiche „Make Britain Great Again“-Schirmmütze, die sie schon vorher anhatten. Trotz alledem, und obwohl die Stadtmitte von London mit Videokameras übersät ist, hat die Metropolitan Police bisher niemanden festgenommen, geschweige denn angeklagt.

In Großbuchstaben fordern die Webseiten von Peoples Charter dazu auf: „Leistet Widerstand gegen den Marxismus“. Und weiter: „Wir protestieren nicht nur!“ Auf der Kundgebung am Samstag hetzte Nash-Jones gegen Friederich Engels, den engsten Mitarbeiter von Karl Marx, „denn er wollte unsere Nation, unsere Flagge abschaffen …“

Die Gruppe hat nicht nur Verbindungen zur UKIP, sondern auch zu der rechten Anti-EU Bruges Group. Zu den Führern der Peoples Charter Foundation gehören auch Robert Oulds, der Vorsitzende der Bruges Group, und Elizabeth Jones, ein Mitglied der Nationalen UKIP-Führung.

Jones sprach auf der Kundgebung am Samstag und lobte den „tapferen Kampf“ des Führers der Rechtsextremen, Tommy Robinson.

Oulds war von 2002 bis 2018 Ratsherr im Londoner Bezirk Hounslow. Von 2006 bis 2009 war er Vorsitzender des Planungsausschusses und von 2009 bis 2010 Kabinettsmitglied der Ratsversammlung. Von 2006 bis 2008 leitete er die Konservative Vereinigung von Slough und von 2013 bis 2016 diejenige von Brentford und Isleworth.

Genau drei Wochen vor dem Angriff auf Bookmarks hatten faschistische Schläger den stellvertretenden Generalsekretär der Gewerkschaft RMT, Steve Hedley, und dessen Partner und mehrere weitere Mitglieder der RMT im Stadtzentrum von London überfallen. Hedley war zuvor auf einer Gegenkundgebung („Stand Up to Racism“) gegen eine rechtsradikale Demonstration von etwa 15.000 Faschisten aufgetreten.

An der rechtsradikalen Kundgebung nahmen auch Mitglieder der Peoples Charter Foundation teil, und ein Transparent „Make Britain Great Again“ wurde dort ebenfalls gezeigt. Die Faschisten forderten die Entlassung von Robinson aus dem Gefängnis, wo er wegen Missachtung des Gerichts saß.

Nur drei Tage vor dem Angriff auf „Bookmarks“ wurde Robinson auf Kaution aus dem Gefängnis entlassen. Dies feierte die extreme Rechte als großen Sieg.

Die Bruges Group ist ein weiterer Beleg für die enge personelle Verflechtung der rechtsextremen Gruppen. Am Tag vor dem Angriff auf Hedley sprach der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Steve Bannon auf einer Versammlung im Fünf-Sterne-Hotel „Mayfair“. Anwesend waren unter anderem Ex-UKIP-Führer Nigel Farage und Ben Harris-Quinney, Vorsitzender der Denkfabrik „The Bow Group“, die der Konservativen Partei nahe steht. Die Mitgliedsliste dieser Einrichtung liest sich wie ein Who is Who der rechten Thatcher-Anhänger.

Es sind aber nicht nur die Tories und die Massenmedien, die das ideologische Klima für solche Angriffe schaffen, sondern genauso auch die Blair-Anhänger in der Labour Party und diverse zionistischen Gruppen. Der Angriff auf Corbyn wegen völlig unsinniger Vorwürfe, er sei Antisemit, wird vom rechten Flügel der Labour Party vorgetragen. Mit dem jüngsten Angriff auf „Bookmarks“ hat er enorme Ausmaße angenommen.

Klaff behauptete auf der Kundgebung: „Heute ist die Linke die Partei des Antisemitismus. Wie sehr Jeremy Corbin auch versucht, sich aus dieser Falle zu befreien – er hat mehr als vierzig Jahre lang dazu beigetragen, sie zu schaffen. Dabei hat die BBC noch kaum etwas über seine Rolle gesagt.“ Klaff erwähnte ein Treffen, das ihre Organisation Campaign4Truth im November 2015 im Parlament abhielt, und zu dem der Tory-Abgeordnete Mike Freer eingeladen hatte.

Die groteske Verleumdung von angeblich „linkem“ Antisemitismus wurde in den Parolen derjenigen wieder aufgegriffen, die den Buchladen „Bookmarks“ überfielen. Wie so viele andere rechtsradikale Personen, war auch Robinson früher bei der Publikation Rebel Media beschäftigt gewesen, die der glühende Zionist Ezra Levant gegründet hatte.

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