75. Jahrestag des D-Day: Kriegstreiber versammeln sich zum Gedenken im englischen Portsmouth

Von Robert Stevens
7. Juni 2019

Am Mittwoch versammelten sich politische bankrotte Regierungsvertreter und Kriegstreiber im englischen Portsmouth, um dem 75. Jahrestag des D-Day zu gedenken. In dieser größten gemeinsamen Land-, Luft- und Seeoperation der Geschichte kündigte sich die endgültige Niederlage von Hitlers faschistischen Armeen im Zweiten Weltkrieg an.

Die Landung der alliierten Truppen unter der Führung von Großbritannien und den USA an mehreren Punkten der französischen Normandie am 6. Juni bildete den Auftakt zur erfolgreichen Invasion der von den Nazis besetzten Teile Westeuropas. An der Operation waren 160.000 Soldaten, fast 5.000 Angriffs- und Landungsschiffe, 277 Minenräumer und 289 Geleitschiffe beteiligt. Im Verlauf des Massenblutbads am D-Day und den darauffolgenden Tagen starben fast 20.000 alliierte und deutsche Soldaten.

Unter den Teilnehmern der Veranstaltung am Mittwoch waren US-Präsident Trump, der an diesem Tag seinen Staatsbesuch in Großbritannien beendete, Theresa May, die heute als Tory-Parteichefin und im Juli als Premierministerin zurücktreten wird, der französische Präsident Emmanuel Macron sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel. Dazu kamen Regierungschefs und -vertreter aus Kanada, Australien, Belgien, Tschechien, Dänemark, Griechenland, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Neuseeland, Polen und der Slowakei.

Macron und Trump in der Normandie [Quelle: C-Span]

Die Veranstaltung wurde als Zusammenkunft der wichtigsten Weltmächte dargestellt. In einer gemeinsamen Erklärung versprachen die Teilnehmer, dafür zu sorgen, dass sich der „unvorstellbare Schrecken“ des Krieges nicht wiederhole. Doch nichts konnte die Tatsache verschleiern, dass diese Gedenkveranstaltung vor dem Hintergrund eines historischen Zusammenbruchs der Beziehungen zwischen den Großmächten stattfand und dass die wachsende Kriegsgefahr die weltweite Politik dominiert.

In der „D-Day Proclamation“, die am Sitz des britischen Premierministers in der Downing Street verfasst wurde, heißt es: „In den letzten 75 Jahren standen unsere Nationen für Frieden in Europa und für Demokratie, Toleranz und Rechtsstaatlichkeit auf der Welt.“

Trump hingegen hat seinen Besuch in Großbritannien benutzt, um die Europäische Union zu attackieren. Er brachte bei jeder Gelegenheit seine Unterstützung für den Brexit als Teil des strategischen Ziels seiner Regierung, das Ende der EU herbeizuführen, zum Ausdruck.

Bei der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag des D-Day folgte eine Ironie der Geschichte auf die nächste.

In ihrer ersten Parlamentsrede als Premierministerin wurde May im Juni 2016 gefragt, ob sie „persönlich dazu bereit“ sei „einen Atomschlag anzuordnen, der hunderttausende unschuldige Männer, Frauen und Kinder töten könnte?“ Statt vor den Schrecken des Krieges zurückzuschrecken, der diesmal mit Atomwaffen geführt würde, antwortete sie mit „Ja“.

Seither verfolgte May als Staatsoberhaupt einer Nato-Macht, die jeden Krieg des US-Imperialismus, einschließlich Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien, unterstützt hat, einen militaristisches Programm, in dessen Mittelpunkt Forderungen nach einer aggressiveren Haltung gegenüber Russland stand.

Emmanuel Macron erdreistete sich, in Portsmouth einen Brief vorzulesen, den der junge Résistance-Kämpfer Henri Fertet geschrieben hatte, bevor er im Alter von 16 Jahren von Nazi-Soldaten hingerichtet wurde. In dem Brief schrieb Fertet: „Ich werde für mein Land sterben. Ich will, dass Frankreich frei und die Franzosen glücklich sind.“

Indessen hatte Macron erst im vergangenen Jahr bei einer Reise zu den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs dem faschistischen Diktator Marschall Philippe Pétain gehuldigt. Pétain war Führer des Vichy-Regimes, die mit den Nazis kollaborierte und die blutigste und reaktionärste Regierung war, die Frankreich je hatte. Die gleichen Nazis, die Fertet hinrichteten, wurden von Pétain ohne jede Einschränkung unterstützt. Es sei „legitim“, so Macron, diesen Mann als „großen Soldaten“ zu beschreiben.

Wie ausgeprägt die Rivalitäten zwischen den imperialistischen Mächten mittlerweile geworden sind, wurde von der Tatsache unterstrichen, dass Macron ursprünglich der Gedenkveranstaltung in Courseulles-sur-Mer – im Herzen des während der Landung als Juno Beach bezeichneten Gebiets – fernbleiben wollte. Ein Sprecher des Élysée-Palasts erklärte, Premierminister Edouard Philippe würde stattdessen teilnehmen.

In einem Interview mit AFP brachte der ehemalige französische Diplomat und Chef des International Institute for Strategic Studies, Francois Heisbourg, die zerrütteten Verhältnisse unter den imperialistischen Mächten auf den Punkt: „Es besteht ein großes Risiko, dass Trump die Zeremonien benutzen wird, um alle daran zu erinnern, dass Europa bezüglich seiner Sicherheit und Verteidigung von den USA abhängig ist.“

Dieser Plan wurde erst in letzter Minute mit der Ankündigung geändert, dass Trump, Macron und May gemeinsam an der Zeremonie in Courseulles-sur-Mer teilnehmen würden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach in Portsmouth. Es sei ein „Geschenk der Geschichte“, an dieser Veranstaltung teilzunehmen, so Merkel. Die militärische Operation habe „unglaubliche Opfer“ gefordert und „letztendlich uns in Deutschland die Befreiung vom Nationalsozialismus gebracht“. Zuvor hatte sie am Dienstag erklärt: „Wir können froh sein, dass wir nach dem Ende dieses schrecklichen Zweiten Weltkriegs, der von Deutschland begonnen wurde, eine Ordnung hatten, aus der die Europäische Union hervorgegangen ist, die unseren Frieden sichert, die unsere Stabilität sicher.“

Angesichts dieser Worte könnte kaum jemand ahnen, dass Merkels Regierung – vor dem Hintergrund eines eskalierenden Handelskriegs in einer Periode, die die Trump-Regierung als Ära der „Großmachtkonflikte“ bezeichnete – die deutsche Kriegsmaschinerie aufrüstet. Erst letzten Monat hatte Merkel in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärt: „Manche Gewissheiten, die in der Nachkriegsordnung gewachsen sind, gelten nicht mehr.“

Sie fügte hinzu, China, Russland und die USA „fordern uns immer wieder ab, gemeinsame Positionen zu suchen“. Hinsichtlich des erklärten Ziels Deutschlands und Frankreichs, eine gemeinsame europäische Verteidigungspolitik zu entwickeln, erklärte sie: „Da haben wir enorme Fortschritte erzielt. Wir haben beschlossen, zusammen ein Kampfflugzeug und einen Panzer zu entwickeln.“

Merkels Freude über die „Befreiung“ Europas von den Nazis roch nach Heuchelei. Die extreme Rechte, zu der auch ausgesprochene Verteidiger der Nazi-Verbrechen gehören, ist unter ihrer Regierung aufgeblüht. Die Alternative für Deutschland (AfD) ist heute die größte Oppositionspartei im Bundestag.

Der Guardian zitierte aus dem Text der D-Day-Erklärung und kommentierte, der Abschnitt „Wir verpflichten uns, konstruktiv als Freunde und Verbündete zusammenzuarbeiten, um dort eine gemeinsame Position zu finden, wo wir unterschiedliche Meinungen haben, und zusammenzuarbeiten, um internationale Spannungen friedlich beizulegen“ sei „ein Versuch, Präsident Trump vom Isolationismus zurück zur regelbasierten internationalen Ordnung (RBIO) zu locken.“

Dieser Teil ist nur ein Elemente der Proklamation, und noch dazu ein sekundäres. Der Guardian wies auch auf einen anderen Teil hin, in dem es hieß: „Wir werden robust, mutig und nachhaltig handeln, um unsere Bevölkerung vor Bedrohungen unserer Werte und Gefahren für Frieden und Stabilität zu schützen.“

Obwohl die imperialistischen Herrscher keine Namen nennen, wissen sie, dass die größte „Bedrohung“, deren Bekämpfung sie geschworen haben, Russland ist.

Ein Großteil der Medienkommentare zu den Gedenkveranstaltungen zum D-Day konzentrierte sich darauf, dass Trump in die europäische Politik geplatzt sei, um Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf die Linie der USA zu bringen. Allerdings wurde nicht kommentiert, dass Russland weder zu der Gedenkveranstaltung in Portsmouth, noch zu der in Courseulles-sur-Mer eingeladen wurde.

Es war die Sowjetunion (1917-1991), die von 1941-45 die zentrale Rolle beim Sieg über Hitlers faschistische Armeen gespielt hat. Sie erlitt dabei Verluste, deren Ausmaß noch heute kaum zu verstehen ist. Die Sowjetunion verlor 27 Millionen Menschen im Kampf gegen den Faschismus – vierzehn Prozent der Bevölkerung. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Sacharowa erklärte am Mittwoch in einer scharfen Rüge, die Landung der Alliierten am D-Day habe den Ausgang des Zweiten Weltkriegs nicht bestimmt. Vielmehr habe die Kriegsführung der Sowjetunion den Sieg garantiert.

Noch während der Gedenkveranstaltungen für die Schlachten, die zum Ende des blutigsten Kriegs der Weltgeschichte führten, bereiten die imperialistischen Mächte eine erneute Aufteilung der Welt vor, die einem weiteren und noch tödlicheren Konflikt den Weg ebnet.