Millionen in Südasien entsetzt über Unfähigkeit der Herrschenden im Umgang mit der Pandemie

Wir veröffentlichen hier die Rede, diWije Dias auf der Online-Maikundgebung 202gehalten hat. Zu deKundgebung hatten die World Socialist Web Site und das Internationale Komitee der Vierten Internationale am 2. Mai eingeladen. Wije Dias ist Vorsitzender der Socialist Equality Party in Sri Lanka.

Liebe Genossen, liebe Freunde,

Die Covid-19-Pandemie hat das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Herrschaft der kapitalistischen Elite von Sri Lanka unwiederbringlich unterhöhlt. Der weltweite Vertrauensverlust der unterdrückten Massen in die kapitalistische Herrschaft kündigte sich bereits vor Beginn der Pandemie an – in der immer tieferen Krise der Weltwirtschaft und den zunehmenden Kämpfen der Arbeiter. Dieses Vertrauen wird nicht wiederhergestellt werden können, wenn die Covid-19-Katastrophe hinter uns liegt.

Selbstgefälligkeit unter Arbeitern, Jugendlichen und den ländlichen Massen wäre jedoch fehl am Platze. Die Socialist Equality Party warnt Arbeiter und Jugendliche in Sri Lanka und international davor, dass die Kapitalistenklasse mit allen Mitteln – einschließlich eines Militärputsches – versuchen wird, die politische Macht zu behalten, die ihr zu entgleiten droht.

Um solch repressiven Maßnahmen entgegenzutreten, muss die Arbeiterklasse mit einer alternativen sozialistischen Strategie bewaffnet werden.

Kapitalismus entlarvt: Die Corona-Pandemie und der globale Kampf für Sozialismus

Ungeachtet der außerordentlichen Fortschritte in der Medizin scheiterte das kapitalistische System kläglich daran, infizierte Arbeiter rechtzeitig zu identifizieren und zu behandeln. Hunderttausende kostbare Leben hätten gerettet werden können.

Als Reaktion auf den Schock und das Entsetzen von Millionen von Menschen über die völlige Inkompetenz der herrschenden Eliten waren Regierungen weltweit gezwungen, Betriebe zu schließen und Stadtviertel abzuriegeln.

Doch im April, während sich das Virus weiter ausbreitete, initiierte die Bourgeoisie eilig eine bösartige Kampagne zur Wiedereröffnung der Wirtschaft und erklärte: „Die Behandlung darf nicht schlimmer sein als die Krankheit.“ Um jede Schmälerung ihrer Gewinne zu verhindern, arbeiteten die großen Unternehmen fieberhaft daran, die Fließbänder wieder anzuwerfen – ungeachtet der Lebensgefahr für die Arbeiter, die zurück an die Arbeit gezwungen wurden.

In Südasien gibt es gegenwärtig über 50.000 Coronavirus-Opfer – vor allem in Indien, Pakistan, Bangladesch und Sri Lanka. Die offizielle Zahl der Todesopfer liegt bei fast Zweitausend. Die offiziellen Zahlen sind jedoch viel zu niedrig, weil die notwendigen Massentests unterlassen werden.

Inmitten dieses Albtraums marschieren die bürgerlichen Regierungen im Gleichschritt mit dem faschistischen US-Präsidenten Donald Trump. Sie befehlen den Arbeitern, ohne die notwendige persönliche Schutzausrüstung zurück an die Arbeit zu gehen. Die indische Barathiya-Janatha-Regierung unter Premierminister Narendra Modi bildet in der Region die Vorhut und bewirbt das indische Militär als patriotischen Retter Indiens im Kampf gegen seine Feinde – Pakistan im Nordwesten und China im Osten.

Bereits vor dem aktuellen Gesundheitsnotstand wurde Modi von Sri Lankas Präsident Gotabhaya Rajapakse sogar noch übertroffen. Die Rajapakse-Regierung hat das Militär an die Spitze der zivilen Verwaltung gestellt und Militärs mit ausstehenden Strafverfahren zu Kriegshelden erhoben. Diese Militärs hatten während des dreißigjährigen Kriegs gegen die Tamilen Tausende von Zivilisten abgeschlachtet. Der Präsident bewirbt das Militär als das effizienteste Instrument, um das Virus niederzuschlagen – ganz so, wie er auch mit den Liberation Tigers von Tamil Eelam verfahren war.

Unterdessen ist Pakistans Premierminister Imran Khan, der mit dem Versprechen an die Macht kam, das Land von der Militärregierung zu säubern, diesem Beispiel gefolgt. Er forderte das Militär am 24. April auf, im Zusammenhang mit der Pandemie besondere Aufgaben zu übernehmen.

In Bangladesch nutzt Premierministerin Sheik Hassina, die stark von den Streitkräften abhängig ist, die von Covid-19 geschaffene Situation, um der wachsenden Opposition gegen ihre Herrschaft entgegenzutreten. Sie nutzt den Zustrom von Rohingya-Flüchtlingen aus Burma als Vorwand, um die Rolle des Militärs in ihrer Regierung weiter zu stärken.

Gleichzeitig peitschen all diese Regierungen kommunale Spannungen auf, um die arbeitenden Massen zu desorientieren und sie vom Versagen der herrschenden Eliten bei der Bewältigung der Pandemie abzulenken.

Sowohl in Indien als auch in Sri Lanka fördern die herrschenden Eliten antimuslimische Fremdenfeindlichkeit, indem sie muslimische Familien für die Entstehung sogenannter „Virus-Cluster“ verantwortlich machen.

Die kapitalistischen Medien werden unaufhörlich eingesetzt, um die Bevölkerung mit Chauvinismus und Unterwürfigkeit zu überschwemmen. Sie können sich dabei auf die bereitwillige Unterstützung der Reformisten, Gewerkschaftsbürokraten und Pseudolinken verlassen.

Nur die Sozialistische Gleichheitspartei von Sri Lanka ist zusammen mit ihren Schwesterparteien im Internationalen Komitee der Vierten Internationale auf der ganzen Welt bereit, die historische Aufgabe zu übernehmen, den arbeitenden Menschen aller Ethnien in der südasiatischen Region eine sozialistische revolutionäre Perspektive und Führung zu bieten. Unsere theoretische und politische Vorbereitung gründet sich fest auf die historischen Lehren aus den Kämpfen der trotzkistischen Weltbewegung während des vergangenen Jahrhunderts.

Vor 72 Jahren, als den britischen Kolonien der Region eine scheinbare Unabhängigkeit gewährt wurde, entlarvten die Trotzkisten der Bolschewistisch-Leninistischen Partei Indiens dies zu Recht als ein betrügerisches Abkommen zwischen den britischen Imperialisten und der lokalen Bourgeoisie. Sie forderten den Sturz der kapitalistischen Herrschaft, die zur indirekten Herrschaft des globalen Finanzkapitals geworden war.

Die Analysen des IKVI und seiner Sektionen, die auf Leo Trotzkis Theorie der permanenten Revolution basieren, haben sich bestätigt. Weder die Unabhängigkeit vom Imperialismus noch die freiwillige und demokratische Vereinigung der Arbeiter gegen den Kommunalismus ist unter der Herrschaft der Bourgeoisie möglich – weder in Sri Lanka noch anderswo. Denn die nationale Bourgeoisie ist nichts weiter als eine verrottete Agentur des Finanzkapitals.

Im Verlauf der letzten Jahrzehnte ließ die Bourgeoisie unter dem Diktat von IWF und Weltbank die ehemals kostenfreien Gesundheitsdienste ausweiden. Dies hatte, insbesondere unter den Bedingungen der aktuellen katastrophalen Pandemie, verheerende Auswirkungen auf Milliarden Menschen.

Die globale Covid-19-Pandemie hat die Voraussetzungen geschaffen, um den Bankrott und die reaktionäre Rolle des Weltkapitalismus aufzudecken. Es ist eine historische Notwendigkeit, die Ressourcen, das Wissen und die Anstrengungen der arbeitenden Menschen global zu vereinen, um nicht nur Viren, sondern jedes verheerende Übel des Profitsystems zu besiegen. Dies kann nur unter der Perspektive des Weltsozialismus erreicht werden.

Die Arbeiterklasse tritt weltweit in revolutionäre Auseinandersetzungen ein. Unter diesen Bedingungen hängt der Kampf für die Errichtung einer internationalen Föderation sozialistischer Staaten und einer sozialistischen Föderation Südasiens als deren integraler Bestandteil entscheidend vom Aufbau von Sektionen des IKVI als Führung der Arbeiterklasse in jedem Land ab. Wir rufen alle unsere Zuhörer dazu auf, sich diesem Kampf anzuschließen.

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