Der Widerstand der Arbeiter wächst, da das Coronavirus außer Kontrolle gerät

Vor sechs Monaten haben die globalen Gesundheitsbehörden erstmals erfahren, dass im chinesischen Wuhan eine neuartige Krankheit ausgebrochen war. Wenig später erhielt sie den Namen: „Covid-19“.

In dieser kurzen Zeit ist die Zahl der bestätigten Infektionen auf 10 Millionen angestiegen, und eine halbe Million Menschen sind an der Krankheit gestorben. Dabei „steht das Schlimmste noch bevor“, wie der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Montag warnte. „Global gesehen, beschleunigt sich die Pandemie sogar noch.“

In dieser Zeit mussten staatliche Gesundheitsexperten verzweifelt mitansehen, wie Regierungen auf der ganzen Welt die Ausbreitung des Virus zuließen: elementare Maßnahmen des Gesundheitsschutzes wurden außer Acht gelassen, und das Leben älterer und kranker Menschen wurde auf dem Altar expandierender Unternehmensgewinne geopfert.

Den Tenor gaben die Vereinigten Staaten vor, wo die Trump-Regierung den Versuch, die Pandemie einzudämmen, aufgegeben und sich effektiv der Politik der „Herdenimmunität“ verschrieben hat.

Dies hat zu einem katastrophalen Wiederaufflammen der Pandemie im ganzen Land geführt. Am Montag stellten die Vereinigten Staaten mit über 47.000 Neuinfizierten einen neuen Rekord auf. Im Wochendurchschnitt sind die täglichen neuen Fälle von 21.000 auf über 39.000 angestiegen. In 32 Bundesstaaten nehmen die Infektionszahlen derzeit zu, und in Arizona, Florida und Texas kommen die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen.

Der globale Aufschwung der Pandemie ist das vorhersehbare und zwangsläufige Ergebnis der erzwungenen Rückkehr an den Arbeitsplatz. Die herrschende Klasse besteht darauf, dass der Schutz der Profite Vorrang vor dem Leben der Arbeiter haben müsse, und verkündet: „Das Heilmittel darf nicht schlimmer als die Krankheit sein.“

Eine solche Politik stößt jedoch auf den wachsenden Widerstand von Arbeitern auf der ganzen Welt.

Am Montag traten rund 2.000 Beschäftigte von Amazon an sechs deutschen Standorten in einen Warnstreik, nachdem in Bad Hersfeld mindestens 36 Beschäftigte am Coronavirus erkrankt waren.

Amazon gehört zu zahlreichen Großunternehmen auf der ganzen Welt, die ihre Beschäftigten nicht informieren, wenn Arbeiter erkranken, und so eine vernünftige Kontaktverfolgung verunmöglichen. Sehr oft erhalten Arbeiter und Gesundheitsbehörden Details über die Ausbreitung der Pandemie nur gegen den entschiedenen Widerstand der Konzerne. In Minnesota haben Vertreter des Gesundheitsamts in zwei Betrieben mindestens 187 Fälle festgestellt.

In Michigan haben Beschäftigte zweier Autofabriken von Fiat Chrysler (FCA) die Produktion stillgelegt. Vergangene Woche und am Wochenende weigerten sich Beschäftigte der Montagewerke FCA Jefferson North und FCA Sterling Heights in der Großregion Detroit, ihre Arbeit fortzusetzen, als sie erfuhren, dass Kollegen erkrankt waren.

Sie haben die Arbeit unabhängig von den Gewerkschaften niedergelegt, und Beschäftigte beider Werke haben Aktionskomitees gegründet. Diese fordern, dass die Arbeiter über alle Krankheitsfälle benachrichtigt werden, und dass die Anlage jedes Mal, wenn ein Fall auftritt, stillgelegt und tiefengereinigt werden muss.

In der vergangenen Woche gab es weltweit zahlreiche weitere Aktionen als Antwort auf die Pandemie und ihre wirtschaftlichen Auswirkungen:

  • In Kalifornien traten am Freitag rund 500 Krankenschwestern und Pfleger des Klinikverbands HCA Healthcare in Riverside in den Streik, um vernünftige Schutzkleidung, sichere Arbeitsbedingungen und mehr Reinigungspersonal zur Bekämpfung der Pandemie zu fordern.
  • In Illinois wollen am 4. Juli in Joliet mehr als 700 Krankenhaus-Pflegekräfte streiken, um sich dem geplanten Personalabbau und dem hohen Arbeitsdruck zu widersetzen, da sie sich sonst unmöglich schützen können.
  • Im afrikanischen Simbabwe hat am Montag ein Streik von mehreren tausend Krankenschwestern und Pfleger für bessere Löhne begonnen.
  • In Virginia streiken 4.000 Werftarbeiter seit vergangener Woche auf der Werft von Bath Iron Works gegen die Auslagerung von Teilen des Schiffbaus an Subunternehmer.
  • In der Türkei haben sich am Montag Arbeiter im ganzen Land an Demonstrationen gegen geplante Kürzungen ihrer Abfindungen beteiligt.

Bisher haben immer die sozialen Interessen der Kapitalistenklasse die globale Antwort auf die Pandemie diktiert. Die Regierungen der Vereinigten Staaten und Europas nutzten die durch die Pandemie ausgelöste Krise, um Billionen von Dollar an die Finanzoligarchie zu verschieben. Mitten in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 100 Jahren kletterten infolge dieser Konzern-Rettungsaktionen der Zentralbanken die Aktienmärkte auf Rekordniveau.

Sobald diese Rettungsaktionen in trockenen Tüchern waren, konzentrierten sich die herrschenden Eliten auf die zielstrebige Umsetzung einer Politik, welche die Arbeiter zurück in die Fabriken, Lagerhallen und Betriebe zwang, um ungeachtet der gesundheitlichen Folgen für die Gesamtgesellschaft neue Gewinne für die Unternehmer zu erwirtschaften.

Durchgesetzt wurde dies durch wirtschaftliche Erpressung. Die Trump-Regierung forderte das Ende der besonderen Arbeitslosenhilfe für Arbeiter, die ihre Arbeit in der Pandemie verloren hatten. Sie begründete dies damit, dass solche Hilfen „abschreckend“ wären und die Menschen davon abhalten würden, zurück an die Arbeit zu gehen.

Aber jetzt beginnt die Arbeiterklasse, auf die Krise zu reagieren. Die Forderung der Arbeiter nach sicheren Arbeitsplätzen und einer vollständigen Information über Personen, die positiv getestet worden sind, entspricht den Vorgaben von Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten für eine energische Pandemiebekämpfung.

Es ist möglich, die Ausbreitung des Virus durch geeignete Maßnahmen zu stoppen. Am Montag bekräftigte die WHO erneut: „Es ist möglich, das Virus mit Mitteln zu unterdrücken, die uns heute zur Verfügung stehen.“ Es gibt jahrhundertealte wissenschaftliche Erkenntnisse über den Umgang mit Infektionskrankheiten. Wenn Covid-19 dennoch nicht eingedämmt wird, dann deshalb, weil es gesellschaftliche Interessen gibt, die einer Unterdrückung des Virus entgegenstehen.

Dies ist das schmutzige Geheimnis der kapitalistischen Gesellschaft: Wenn der Tod von Millionen zu größeren Unternehmerprofiten und für die Kapitalistenklasse insgesamt zu größerem Reichtum führt, dann werden Millionen sterben. Ohne das Eingreifen der Arbeiterklasse wird die Covid-19-Pandemie nicht eingedämmt werden.

Arbeiter auf der ganzen Welt müssen dem Beispiel der Autoarbeiter in Detroit folgen und Aktionskomitees für den Arbeitsschutz gründen. Die wirtschafts- und staatstreuen Gewerkschaften werden nichts unternehmen. Deshalb müssen Arbeiter ihre eigenen Organisationen aufbauen. Nur so können sie branchenübergreifend und international Kampfmaßnahmen für sichere Arbeitsplätze koordinieren. Wenn die Produktion nicht sicher ist, muss sie stillgelegt werden.

Die Entwicklung eines Netzwerks von Arbeiterorganisationen muss mit dem Aufbau einer politischen Führung in der Arbeiterklasse einhergehen, um die explosiven sozialen Kämpfe gegen das Profitsystem zu lenken, die sich bereits abzeichnen.

Das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) schrieb in einer Erklärung, die am 24. Juni auf der WSWS erschien:

Wenn die Verteidiger der herrschenden Klasse verkünden, das Heilmittel dürfe nicht schlimmer sein als die Krankheit, müssen Arbeiterinnen und Arbeiter ihnen antworten, dass der Kapitalismus die gesellschaftliche Krankheit ist, die Pandemie ein Symptom dieser Krankheit und der Sozialismus das Heilmittel.

Covid-19 muss an zwei Fronten bekämpft werden: An der medizinischen Front durch energische Anstrengungen, um die Pandemie zu unterdrücken und einzudämmen. Und an der politischen Front, durch den Kampf gegen das kapitalistische System und gegen die Regierungen, die nach seiner Pfeife tanzen. Dies ist nicht zu trennen vom Aufbau des IKVI und seiner Sektionen auf der ganzen Welt, der Sozialistischen Gleichheitsparteien.

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