Geopolitische Spannungen überschatten Olympische Spiele in Peking

Am Freitag beginnen in Peking die Olympischen Winterspiele 2022 vor dem Hintergrund akuter geopolitischer Spannungen, die am deutlichsten in Washingtons aggressiven Drohungen gegen Moskau im Zuge der Ukraine-Krise zum Ausdruck kommen. Zudem steigt die Zahl der Infektionen und Todesfälle durch Covid-19 weltweit an.

Die Biden-Regierung hat versucht, die Olympischen Spiele als Werkzeug für ihre zynische „Menschenrechtskampagne“ gegen China zu nutzen. Am 6. Dezember erklärte sie einen diplomatischen Boykott der Spiele, durch hohe Vertreter und Repräsentanten der US-Regierung, nicht aber durch die amerikanischen Sportler. Sie rief ihre Verbündeten auf, es ihr gleichzutun.

Als Grund für den Boykott nannte die Pressesprecherin des Weißen Hauses Jen Psaki den „anhaltenden Völkermord und die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Xinjiang“. Der Vorwurf, die chinesische Regierung würde in Xinjiang einen „Völkermord“ betreiben, ist eine schamlose Lüge und verdeutlicht den heuchlerischen Charakter von Washingtons selektivem Einsatz von „Menschenrechten“ im Umgang mit China und anderen Ländern, die ins Fadenkreuz der USA geraten.

Die Kampagne um „Menschenrechte“ gegen China und Russland ist zudem Teil der US-Propagandaoffensive, mit der sich die USA aggressiv auf einen Krieg gegen die ihrer Meinung nach größten Bedrohungen für ihre wirtschaftlichen und strategischen Interessen vorbereitet. Der Biden-Regierung sind die demokratischen Rechte chinesischer und russischer Arbeiter so egal wie die der Arbeiterklasse im Rest der Welt, einschließlich in den USA, wo Polizeigewalt und offen faschistische Tendenzen im Aufsteigen begriffen sind.

Durch Washingtons nackte Aggression sind Russland und China trotz früherer Differenzen und Streitigkeiten nur noch enger zusammengerückt. Peking hat öffentlich seine Unterstützung für Moskau in der Konfrontation mit den USA signalisiert und erklärt, Russland habe legitime sicherheitspolitische Bedenken wegen der Osterweiterung der Nato.

Der russische Präsident Wladimir Putin demonstriert Moskaus Unterstützung für die Olympischen Spiele in Peking, indem er der Veranstaltung beiwohnt und sich am Freitag zu persönlichen Gesprächen mit Chinas Präsident Xi Jinping trifft. Letzten Monat erklärte Putin im Gespräch mit russischen Olympiasportlern, Russland und seine „chinesischen Freunde“ hätten eine gemeinsame Herangehensweise an den internationalen Sport: „Gemeinsam lehnen wir die Politisierung des Sportes und demonstrative Boykotte ab.“

Washingtons diplomatischer Boykott scheint weitgehend gescheitert zu sein. Einige wenige Verbündete der USA teilen ihre Haltung, darunter Australien, Kanada, Dänemark, Japan, Litauen und Großbritannien. Andere haben versucht, sich vor dem Thema zu drücken, indem sie die Ankündigung eines Boykotts vermieden, aber nur niederrangige Abgesandte schickten oder – wie Neuseeland, die Niederlande und Schweden – unter Verweis auf die Covid-19-Pandemie erklärten, dass keine offizielle Delegation teilnehmen wird.

Die Pandemie selbst wurde ebenfalls gründlich politisiert. So fordert besonders Washington von China immer wieder, seine Zero Covid-Politik aufzugeben, eine Kombination aus Pandemiemaßnahmen, durch die Ausbrüche des Virus erfolgreich unterdrückt und die Zahl der Toten auf ein Minimum beschränkt wurde. Damit entlarvt China nicht nur die mörderische Politik der Herdenimmunität, die die meisten Regierungen der Welt, einschließlich der USA, übernommen haben, sondern es weckt auch die Furcht in Wirtschaftskreisen, dass Chinas gesundheitspolitische Einschränkungen die Zusammenbrüche der globalen Lieferketten verstärken werden.

Die westlichen Medien berichten voller Ablehnung darüber, mit welchem Aufwand die chinesische Regierung die Olympia-Mannschaften und die chinesische Bevölkerung vor Infektionen schützt. Ein Artikel nach dem anderen verteufelt das Testregime und die Isolationsvorgaben im Zusammenhang mit der „Olympia-Blase“ offen oder durch Andeutungen als bürokratisch und übertrieben und deutet an, sie seien unnötig.

In der japanischen Zeitung Nikkei Asia erschien am Mittwoch ein Artikel mit dem Titel: „Auf dünnem Eis: Winterspiele zeigen Risse in Chinas Zero Covid-Politik – durch die Ankunft von Omikron könnten die Kosten für Nulltoleranz-Maßnahmen den Nutzen übersteigen.“ Im größten Teil des Artikels geht es nicht um die Spiele und was darüber enthüllt wird. Vielmehr spricht er erneut über die Auswirkungen der Zero-Covid-Politik auf die chinesische Bevölkerung angesichts der beiden letzten Ausbrüche in Städten wie Xi'an und Tianjin.

Derartige Artikel zeigen die erschütternde Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben und der Gesundheit der Weltbevölkerung, von der sich hunderte Millionen infiziert haben und Millionen gestorben sind. In Japan gab es beispielsweise mehr als 2,8 Millionen Infektionen und fast 19.000 Tote. In China liegt die Zahl der Infizierten und Toten nur bei einem Bruchteil der Zahlen anderer Länder. Die meisten davon fielen in die ersten Monate des Ausbruchs, und die Beschränkungen und Lockdowns genießen überwältigenden Rückhalt in der Bevölkerung. Alle weiteren Ausbrüche gingen auf ausländische Ursprünge zurück – d.h. auf die Unfähigkeit der restlichen Regierungen der Welt, eine koordinierte Eliminierungsstrategie einzuführen.

Nikkei Asia muss in dem Artikel zugeben: „Anders als bei den Sommerspielen in Tokio, die im März 2020 vier Monate vor der geplanten Eröffnungszeremonie für ein Jahr verschoben wurden, gibt es kaum Zweifel daran, dass Peking 2022 wie geplant stattfinden wird.“

Die Zeitung erklärte nicht, dass die unzureichenden Maßnahmen der japanischen Regierung zur Unterdrückung des Virus und die Krise im Gesundheitssystem des Landes in der Bevölkerung zu weit verbreitetem Widerstand gegen die Spiele geführt hatten.

Die angeblichen „Risse“ im System sind das Auftauchen von Omikron-Fällen in Peking. Der Artikel schildert die umfassenden Tests und andere öffentliche Gesundheitsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten und erwähnt einen chinesischen Finanzexperten, der erklärt: „Omikron wird keine Herausforderung für die Zentralregierung sein“. Es deutet an, dass die Regierung in Peking mitten in den Spielen keinen Lockdown einführen werde. Der Autor lässt durchblicken, dass er darauf hofft, dass Omikron in Peking und China außer Kontrolle geraten wird.

Der milliardenschwere Unternehmer George Soros ging am 31. Januar in einer besonders üblen Rede vor der rechten US-Denkfabrik Hoover Institute noch weiter. In einer üblen reaktionären Hetzrede äußerte er die Hoffnung, dass die hochgradig infektiöse Omikron-Variante die Zero-Covid-Politik überwältigen und „Xi Jinpings Untergang“ sein werde.

Soros behauptet – ohne die Spur eines Beweises – dass sich Omikron bereits „auf immer mehr Städte ausgebreitet hat“ und „außer Kontrolle ist“. Als Grund dafür nennt er „Xi Jinpings dunkles Geheimnis“, d.h. die Tatsache, dass die chinesischen Impfstoffe wahrscheinlich wenig effektiv gegen Omikron sind. China entwickelt seinen eigenen mRNA-Impfstoff, der mit denen von Pfizer und Moderna vergleichbar ist.

Das wirkliche „dunkle Geheimnis“ der Regierungen auf der ganzen Welt ist, dass Impfungen allein die Ausbreitung von Covid-19 nicht aufhalten werden. Das würde vielmehr die weltweite Ausweitung von Eliminierungsmaßnahmen erfordern, wie sie von China angewandt werden. Zudem erwähnt Soros mit keinem Wort die tödlichen Folgen, die die Ausbreitung von Covid-19 unter den 1,4 Milliarden Einwohnern Chinas hätte.

Bezeichnenderweise steht die Haltung der Olympia-Athleten und Sportfunktionäre zu Chinas Zero-Covid-Politik im krassen Gegensatz zu der von Soros und Konsorten. Obwohl alle Athleten und Funktionäre rigorose Tests über sich ergehen lassen müssen, durch die bereits mehr als 200 positive Fälle entdeckt wurden, unterstützt die Mehrheit von ihnen die Maßnahmen zum Schutz ihrer Gesundheit.

Der Artikel von Nikkei Asia enthält Kommentare von Kenichi Sugio, dem Cheftrainer der japanischen Eisschnellläuferin Shogo Miyata, der die „Olympia-Blase“ für eine gute Idee hält. Er erklärte: „Die Einschränkungen sind unvermeidlich. Wenn sie es möglich machen, dass die Spiele stattfinden, macht uns das nicht so viel aus... Es geht um den Selbstschutz.“

Die Australian Broadcasting Corporation zitierte in einem Artikel mit dem Titel „Leben in der Pekinger Winterspiel-Blase“ ähnliche Äußerungen. Die Olympiasportlerin Brit Cox erklärte beispielsweise: „Eigentlich halte ich die Blase für wirklich exzellent. Ich fühle mich wirklich sicher... Die Tatsache, dass alle in der Blase täglich einen PCR-Test machen, gibt mir viel Seelenfrieden...

Ich glaube, die Chinesen und das Olympische Komitee haben großartige Arbeit geleistet und sichergestellt, dass wir alle sicher und gesund sind, sowohl die Menschen vor Ort und China, und die Athleten und alle, die wegen der Spiele hier sind.“

Die Olympischen Spiele sind schon seit Jahrzehnten ein Anlass für die Verbreitung von Nationalismus und zu einer wirtschaftlichen Profitquelle geworden. Unter den derzeitigen Umständen, einschließlich der gesteigerten Kriegsgefahr, werden sie zu einer noch reaktionäreren Veranstaltung.

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