Perspektive

Geleakte Pentagon-Dokumente enthüllen US-Kriegspropaganda

Seit Februar 2022 ist die amerikanische Bevölkerung einer unaufhörlichen Propaganda ausgesetzt, die darauf abzielt, Unterstützung für die US-Beteiligung an dem brutalen Krieg gegen Russland in der Ukraine zu mobilisieren.

Auf allen Kanälen wird einem weisgemacht, dass es sich bei dem Konflikt um einen „unprovozierten Krieg“ handelt, an dem „die Nato nicht beteiligt ist“. Die Ziele der Ukraine seien „defensiv“. Es gebe keine „amerikanischen Soldaten“ in der Ukraine und der Sieg sei zum Greifen nahe, wenn die Vereinigten Staaten nur mehr Geld und moderne Waffen schicken würden.

US-Generalstabschef Mark Milley (links) mit Präsident Joe Biden [AP Photo/Steve Ruark]

Alle diese Lügen sind durch die Realität des Kriegs entlarvt worden. Die jetzt durchgesickerten Dokumente aus dem Pentagon zeigen das Ausmaß der direkten Beteiligung der Nato an dem Krieg und die katastrophale militärische Lage der ukrainischen Regierung.

Entgegen Bidens Behauptung, er werde „keine amerikanischen Soldaten in die Ukraine schicken“, beweisen die Dokumente, dass tatsächlich mehr als 150 US- und Nato-Soldaten in dem Land stationiert sind.

Und im Gegensetz zu der Litanei, der Krieg sei „unprovoziert“ und „die Nato nicht involviert“, enthüllen die Dokumente, dass die US-Kriegsplaner die Nato-Einkreisung Russlands und die Operationen der ukrainischen Armee als Bestandteile ein und derselben Kampagne betrachten.

Eine der dreistesten Lügen ist die Verzerrung der militärischen Lage in der Ukraine, die so dargestellt wird, als stehe das ukrainische Militär kurz vor einem großen strategischen Durchbruch.

Mit dieser Kampagne sollen die ukrainischen Verluste minimiert und die der russischen Seite übertrieben werden, um den Einsatz weiterer junger ukrainischer Männer als Kanonenfutter zu rechtfertigen.

Vor zwei Wochen schrieb die Washington Post in einem Leitartikel, dass die Ukraine „den russischen Angreifern einen schrecklichen Tribut abverlangt – ein ‚Schlachtfest‘ nach Einschätzung von General Mark A. Milley, dem Vorsitzenden des Vereinigten Generalstabs“.

Weiter heißt es: „Die meisten westlichen Analysten sind nach wie vor zuversichtlich, dass die Ukraine, die von den Vereinigten Staaten und ihren Nato-Verbündeten ein beträchtliches Waffenarsenal erhält, über bedeutende Kapazitäten für eine Offensive verfügt und diese ausbaut.“

Anfang Februar behauptete die New York Times, die russischen Streitkräfte hätten 200.000 Opfer zu beklagen. „Die Zahl der getöteten und verwundeten russischen Soldaten in der Ukraine nähert sich der Marke von 200.000 – ein deutliches Zeichen dafür, wie schlecht die Invasion von Präsident Wladimir W. Putin gelaufen ist, so amerikanische und andere westliche Vertreter.“

 Die Times berichtete:

Dem russischen Militär gehen wichtige Vorräte und Nachschubmittel aus, sagte Colin H. Kahl, der Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik. „Sie haben nur noch wenig Artillerie. Ihnen geht die Munition auf weite Distanzen aus, was sie durch Sträflinge ersetzen, die als Infanteriewellen in Orte wie Bachmut und Soledar geschickt werden.“

Erst vor einer Woche am 3. April schrieb die Times:

Die Ukraine ist in der Lage, der russischen Armee Verluste zuzufügen, die weitreichende geopolitische Folgen haben könnten, so Evelyn Farkas, Expertin am McCain-Institut. Sie nannte ein einst undenkbares Szenario: Die Ukraine könnte Russland zu einer geschwächten Militärmacht machen, die bei Verhandlungen zur Beendigung des Kriegs nur wenig Druckmittel hat.

Diese siegessicheren Erklärungen wurden durch die Veröffentlichung der geheimen Pentagon-Dokumente erschüttert.

Aus den Papieren geht hervor, dass die russische Seite nach Schätzungen des US-Militärs 35.000 bis 45.000 Gefallene zu beklagen hat. Entgegen den Behauptungen der USA, die Munition Russlands sei fast erschöpft, zeigt sich in Wirklichkeit, dass die Ukraine einen kritischen Munitionsmangel hat, während Russland kurz davor steht, die Lufthoheit zu erlangen.

In einem Artikel unter der Überschrift „USA bezweifeln, dass die Gegenoffensive der Ukraine große Gewinne bringt“ verweist die Washington Post auf interne Einschätzungen des US-Militärs, die ein weitaus düstereres Bild der Situation zeichnen.

Die Post schreibt:

Die Schwierigkeiten der Ukraine bei der Zusammenstellung von Truppen, Munition und Ausrüstung könnten dazu führen, dass das ukrainische Militär die ursprünglichen Ziele Kiews für eine erwartete Gegenoffensive zur Rückeroberung der von Russland besetzten Gebiete in diesem Frühjahr „weit verfehlt“, so die Einschätzungen des US-Geheimdienstes, die in den geleakten Geheimdokumenten enthalten sind, die die Bedenken Washingtons über den Stand des Kriegs offenbaren.

Die Post berichtet über die Existenz eines geheimen US-Geheimdienstdokuments, in dem vor „erheblichen Defiziten beim Aufbau und der Aufrechterhaltung von Streitkräften“ und der Wahrscheinlichkeit gewarnt wird, dass eine solche Operation nur zu „bescheidenen Gebietsgewinnen“ führen würde.

In dem Artikel heißt es: „Das ist eine deutliche Abweichung von den öffentlichen Erklärungen der Regierung Biden über die Stärke des ukrainischen Militärs.“

Die Post zieht daraus aber nicht den Schluss, dass die Regierung nicht hätte lügen dürfen, sondern dass die Dokumente niemals hätten veröffentlicht werden dürfen. In einem Leitartikel heißt es: „Das Schädlichste an den durchgesickerten Ukraine-Dokumente ist der Leak selbst.“

1971 veröffentlichte die New York Times die Pentagon Papers, in denen eine systematische Kampagne der US-Regierung zur Täuschung der amerikanischen Öffentlichkeit über den Vietnamkrieg aufgedeckt wurde. Die USA hatten sich an militärischen Operationen in Vietnam beteiligt, über die die Bevölkerung nicht informiert wurde. Die genannten Kriegsgründe waren bewusste Lügen.

Heute sieht die Times, wie die meisten US-Medien, ihre Aufgabe nicht darin, die Öffentlichkeit zu informieren, sondern die militärischen Ziele der US-Regierung zu unterstützen. Das verstehen sie unter „Journalismus“.

Die New York Times, die Washington Post und das Wall Street Journal waren sich bewusst, welchem Desaster das ukrainische Militär gegenüberstand. Trotzdem marschierten sie weiterhin im Gleichschritt mit der US-Regierung, um die Bevölkerung systematisch zu täuschen.

Damit folgen die Medien dem Motto des ehemaligen Chefredakteurs der New York Times Bill Keller von 2010: „Pressefreiheit schließt auch die Freiheit ein, etwas nicht zu veröffentlichen. Das ist die Art von Freiheit, die wir regelmäßig praktizieren.“

Im Gegensatz zu den Mainstreammedien der USA mit ihren großen Ressourcen und Dutzenden von eingebetteten Reportern in der Ukraine kamen die jüngsten Enthüllungen für die World Socialist Web Site nicht überraschend.

Vor dem Ausbruch des Kriegs hatte die WSWS vor der enormen Aufrüstung des US-Militärs in Osteuropa gewarnt und erklärt, dass die Vereinigten Staaten den Konflikt mit Russland eskalieren wollen. Seit dem Beginn des Stellvertreterkriegs in der Ukraine haben wir das massive Ausmaß der US-Beteiligung dokumentiert.

Deshalb findet auch eine Zensur des Internets statt, um Informationen, die der offiziellen Propaganda widersprechen, zu unterdrücken. Google zensiert systematisch linke Webseiten. Twitter- und Facebook-Konten, die mit der WSWS in Verbindung stehen, und WSWS-Artikel bei Facebook werden blockiert.

Der Ukrainekrieg, der bereits Zehntausende Menschenleben gefordert und Millionen in die Flucht getrieben hat, muss beendet werden.

Am Sonntag, den 30. April, werden das Internationale Komitee der Vierten Internationale, die Internationale Arbeiterallianz der Aktionskomitees, die International Youth and Students for Social Equality und die World Socialist Web Site eine Online-Kundgebung zum 1. Mai abhalten, um Arbeiter und junge Menschen in aller Welt gegen den Krieg in der Ukraine zu mobilisieren. Wir rufen alle auf, die das Kriegstreiben stoppen wollen, sich noch heute zu registrieren.

Loading