Streik bei Mack Trucks weist Autoarbeitern den Weg vorwärts gegen UAW und Unifor

Ein Autofahrer winkt streikenden Mitgliedern des UAW-Ortsverbandes 171 vor einem Mack-Trucks-Werk in Hagerstown (Maryland) zu. Die Arbeiter streiken seit dem 9. Oktober 2023, nachdem sie ein vorläufiges Tarifabkommen mit fünfjähriger Laufzeit abgelehnt hatten, das UAW-Unterhändler mit dem Unternehmen ausgehandelt hatten [AP Photo/Steve Ruark]

Der Streik von 3.900 Mack-Trucks-Arbeitern in Pennsylvania, Maryland und Florida war ein schwerer Schlag gegen die Versuche der Bürokratie der United Auto Workers (UAW), den wachsenden Widerstand der Arbeiter gegen die konzernfreundlichen Tarifverträge einzudämmen, welche die UAW in den Auto- und Lastwagenwerken durchsetzen will.

Der Streik begann am Montagmorgen, nachdem drei Viertel der Mack-Arbeiter eine von der UAW ausgehandelte vorläufige Vereinbarung abgelehnt hatten. UAW-Präsident Shawn Fain behauptete vor der Abstimmung in einem Brief, es handele sich dabei um einen „Rekordvertrag für die Schwerlastwagen-Industrie“. Die Vereinbarung sah eine Laufzeit von fünf Jahren mit Lohnerhöhungen unter der Inflationsgrenze, ohne Inflationsausgleichszahlungen (COLA), die Fortsetzung des Zwei-Stufen-Systems bei Löhnen und Zusatzleistungen, Angriffe auf ältere Arbeiter und Arbeitsplatzsicherheit sowie eine Verlängerung der täglichen Arbeitszeit vor.

Ein streikender Arbeiter erklärte gegenüber der WSWS: „Es macht absolut keinen Sinn, einen Bonus von 3.500 Dollar als ,historisch‘ zu bezeichnen, wenn die Leute bei den steigenden Lebenshaltungskosten solche Probleme haben... Die Benzinpreise sind hoch, die Leute haben kaum noch Ersparnisse. Ich höre, dass sich die Leute Sorgen machen, weil sie kaum genug zu essen haben für ihre Familie oder ihre Rechnungen nicht rechtzeitig zahlen können. Die Einstiegslöhne sind schrecklich. Einige haben zwei Jobs oder gehen von Mack aus gleich zu ihrem Zweitjob.

Die UAW hat sich mit einer schlechten Vereinbarung zufrieden gegeben. Viele ältere Arbeiter mit mehr Erfahrung waren sehr besorgt wegen der neuen Generation von Arbeitern, auch wenn der Tarifvertrag für diejenigen, die bald in Rente gehen, günstig gewesen sein könnte. Trotz der ganzen Tricksereien, mit denen die UAW die Arbeiter von dem Vertrag überzeugen wollte, haben wir sie durchschaut und erkannt, dass sie die Leute, für die sie angeblich eintreten, ausverkaufen.

Fain hat versucht, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, aber wir haben es nicht mitgemacht.“

Offener Brief der Mack-Arbeiter: „Die Arbeiter in der Werkshalle müssen wieder die Macht bekommen“

Am Dienstag veröffentlichte das Mack Workers Rank-and-File Committee, das eine führende Rolle bei der Mobilisierung des Widerstands gegen den Ausverkauf gespielt hat, einen offenen Brief an den UAW-Präsidenten, in dem es hieß: „Unser eindeutiges Nein sollte deutlich machen, dass Ihr konzernfreundlicher Deal mit Mack das genaue Gegenteil davon war, was die Mitglieder brauchen, und dass die Zeit vorbei ist, in der uns Zugeständnisse aufgezwungen werden.“

Das Komitee verurteilte Fains heuchlerische Kehrtwende nach der Ablehnung seines Tarifvertrags – er behauptete er sei „begeistert“, dass die Arbeiter „auf einem besseren Vertrag bestehen und bereit sind, aufzustehen und die Arbeit niederzulegen, um das zu erreichen... Die Mitglieder haben das letzte Wort... und es ist ihre Solidarität und Organisation, mit der bei Mack Trucks ein fairer Tarifvertrag durchgesetzt werden wird.“

Das Komitee antwortete darauf: „Sie behaupten, dass durch unsere ,Solidarität und Organisation bei Mack ein fairer Vertrag durchgesetzt werden wird‘. Das wirft die Frage auf: Warum tun Sie alles in Ihrer Macht Stehende, um die Solidarität aller Autoarbeiter in unserem Kampf gegen die Unternehmen durch ihren ,Stand-Up‘-Streik zu blockieren?

Die Arbeiter bei GM, Ford und Stellantis haben, genau wie wir, mit überwältigender Mehrheit für Streik gestimmt. Doch mehr als drei Wochen nach dem Auslaufen der Tarifverträge für diese 146.000 Mitglieder arbeiten mehr als 83 Prozent von ihnen immer noch. Wir hören beunruhigende Berichte darüber, dass UAW-Arbeiter entlassen werden, keine Unterstützung von der UAW bekommen und keine Arbeitslosenhilfe erhalten. Andere wurden vom Management schikaniert, das mit dem Auslaufen der Tarifverträge freie Hand hat.“

Das Komitee stellt fest, dass der Streik der Arbeiter bei Mack Trucks „durch einen gemeinsamen Kampf mit all unseren Kollegen und Kolleginnen bei den Big Three enorm gestärkt würde“ und umgekehrt und stellte eine Reihe von Forderungen auf.

  • Alle Arbeiter der Big Three sollten sofort zum Streik aufgerufen werden.
  • Alle Verhandlungen müssen auf der Grundlage von Forderungen erfolgen, die den Bedürfnissen der Arbeiter entsprechen.
  • 750 Dollar Streikgeld pro Woche für alle Arbeiter
  • Kontrolle der Belegschaft über die Verhandlungen, darunter tägliche Berichte über alle Verhandlungen und ein Ende der Tarifverhandlungen hinter verschlossenen Türen.

Weiter erklärte das Komitee, wenn Fain nicht bereit sei, diese Forderungen zu erfüllen, „sollten Sie beiseitetreten und den Arbeitern die Kontrolle über die Gewerkschaft überlassen. Schließlich haben wir ,das letzte Wort‘.“

Der offene Brief schloss mit einem Aufruf an die Arbeiter bei GM, Ford und Stellantis, „diesen Kampf selbst aufzunehmen. Lasst nicht zu, dass euer Streik von der UAW-Führung sabotiert wird. Wir haben unseren Streik gegen den Apparat begonnen, und wir fordern euch auf, das Gleiche zu tun.

Baut Aktionskomitees in allen Fabriken und Betrieben auf. Fordert Abstimmungen über einen uneingeschränkten Streik. Formuliert eigene Forderungen für euren Kampf. Die Arbeiter in der Werkshalle müssen die Macht zurückbekommen.“

Die führende Rolle des Aktionskomitees und des Mack-Trucks-Arbeiters Will Lehman, der letztes Jahr als sozialistischer Kandidat für das Amt des UAW-Präsidenten kandidierte, um die Macht vom UAW-Apparat an die Arbeiter in der Werkshalle zu übertragen, wurde allgemein anerkannt, auch von Unternehmenssprechern.

Die Website der Lastwagenindustrie FreightWaves veröffentlichte am Montag einen Artikel mit dem Titel „Wie sozialistische Agitation zum Scheitern des Deals zwischen Mack und der UAW geführt hat“. Der Autor Alan Adler, der zuvor als Reporter für Associated Press und die Detroit Free Press tätig war und 20 Jahre in der Kommunikationsabteilung von GM gearbeitet hat, schrieb: Gewerkschaftsvertreter, „die auf die Zustimmung zu vorläufigen Vereinbarungen drängen, haben heute unter den Arbeitern weniger Einfluss als früher“. Adler wies auf den „Lehman-Faktor“ im derzeitigen Kampf hin, d.h. auf ein Programm zur bewussten Organisation einer Rebellion der Belegschaft. Alder wies auf den Rückhalt hin, den Lehmans Verurteilung von Fains Vertrag bei der Informationsveranstaltung am letzten Sonntag unter Arbeitern genoss und warnte: „Scheinbar herrscht bei den Verhandlungen mittlerweile ein ziemlich großer sozialistischer Eifer.“

„Wir brauchen keine netten Sprüche von Fain. Worte sind nur Schall und Rauch.“

Die Arbeiter bei Mack Trucks demonstrieren den Autoarbeitern, wie man Widerstand gegen den Verrat der UAW-Bürokratie und der Autogewerkschaft Unifor in Kanada leistet. Unifor hatte am Dienstag einen Streik von 4.500 kanadischen GM-Arbeitern nach weniger als 14 Stunden abgewürgt.

Hannah, eine Zeitarbeiterin und Mitglied des Warren-Truck-Aktionskomitees in Detroit, erklärte: „Ich stimme der Erklärung der Mack-Arbeiter uneingeschränkt zu. Ich bin wirklich stolz auf die Haltung von Will und dem Komitee. Ich habe nachgeschaut, für wie viel die Lastwagen, die sie bauen, verkauft werden – sie kosten so viel wie ein Haus. Eine Lohnerhöhung von 19 Prozent über fünf Jahre ist so respektlos. Fain muss verrückt sein, wenn er glaubt, die Arbeiter lassen sich darauf ein.

Wir sollten tun, was die Arbeiter bei Mack getan haben, und alle in den Streik treten. Die Konzerne verdienen Milliarden an uns. Die Arbeiter in unserem Werk waren erschüttert, als Fain uns nicht zum Streik aufgerufen hat. Warum arbeiten wir, wenn andere auf Streikposten stehen? Wir brauchen keine netten Sprüche von Fain. Worte sind Schall und Rauch. Wir wollen streiken, wie unsere Kollegen und Kolleginnen bei Mack.“

Zur Lage der Zeitarbeiter fügte Hannah hinzu: „Viele von uns haben seit zwei Wochen nicht gearbeitet. Mein letzter Lohnscheck belief sich auf 198 Dollar. Die Leute werden zwangsgeräumt und bekommen Strom und Wasser abgestellt. Die UAW hat hunderte Millionen in der Streikkasse, und sie wird nicht leer. Wir müssen unsere Gewerkschaftsbeiträge zahlen, und wir müssen geschützt werden.“

Michelle, ebenfalls Mitglied des Aktionskomitees bei Warren Truck, erklärte: „Gut, dass sie sich wehren. Wills Führungsrolle ermutigt uns alle. Dieser Streik ist eine klare Botschaft an das Unternehmen und die UAW. Er lässt sie wissen, dass wir ihren Stuss leid sind, dass wir bereit sind, uns zu wehren und alles zu tun, was getan werden muss, um unsere Forderungen durchzusetzen.

In unserem Werk haben die Arbeiter Fains Gerede satt. Er muss uns für blöd halten. Zuerst sagt er, der Deal bei Mack sei ein ,Rekordvertrag‘, dann sagt er, er sei ,begeistert‘, dass die Arbeiter ihn ablehnen und für einen besseren kämpfen. Wen will er für dumm verkaufen? Arbeiter durchschauen das.

Die Leute haben es satt. Die Arbeiterklasse will zurück, was ihr zusteht, was uns die Autokonzerne und die UAW genommen haben. Sie machen Milliarden und Abermilliarden auf unserem Rücken, und das ist nicht in Ordnung.“

Über die Lage der Zeitarbeiter erklärte sie weiter: „Wie kann man überleben, wenn man nur für ein oder zwei Tage pro Woche bezahlt wird? Dem Unternehmen und der UAW sind unser Lebensunterhalt und unsere Familien egal. Zeitarbeiter und Vollzeitkräfte kämpfen täglich darum, über die Runden zu kommen.

Die UAW sollte die Zeitarbeiter bezahlen, die wegen Fains Streikpolitik nicht auf genug Arbeitszeit kommen. Das schadet den Arbeitern, nicht den Unternehmen. Sie sollten aus der Streikkasse bezahlt werden.

Wir sollten alle zusammen streiken. Unsere Stärke liegt in der großen Zahl. Uns steht ein schwerer Kampf bevor, aber wenn wir standhaft bleiben, werden unsere Forderungen erfüllt werden. Was wir brauchen, steht nicht zur Verhandlung: Inflationsausgleichszahlungen, Abschaffung der Lohnstufen, bessere Löhne und Arbeitsbedingungen, Wiedereinführung der Renten, die Einstellung der Zeitarbeiter nach 90 Tagen.“

Beteiligt euch an der nächsten Onlineveranstaltung des Autoworkers Rank-and-File Committee Network, um über die Vereinigung der Arbeiter zu einem Streik in der gesamten Autoindustrie zu diskutieren. Registriert euch hier als Teilnehmer.

Schickt eine SMS mit AUTO an (866) 847-1086 für Updates über den Tarifkampf bei den Big Three. Füllt das untere Formular aus, um über die Beteiligung an einem Aktionskomitee zu diskutieren oder eure Gedanken auszutauschen.

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